Tagebuch Lisa Meffert. Singhalesisches Vesak. 18.05.2009



Am 8. Mai war das mit dem Singhalesischen Neujahr wohl am bedeutendste Fest hier - Vesak.

Vesak ist Sri Lankas größtes buddhistisches Fest und findet immer um den Vollmond Ende April/Anfang Mai statt. Dabei wird der Geburt, Erleuchtung und dem Tod Buddhas gedacht.

Schon Tage vorher waren unsere Buddhistischen Mädels, allem voran Nisansala, die ja auch mal in einem buddhistischen Tempel gelebt hat, dabei Vesak-Kudu zu basteln.

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Vesak-Kudu sind die Laternen, die zu Vesak überall gebastelt und aufgehängt werden. Sie sollen die Erleuchtung Buddhas symbolisieren. Auch die Christlichen Mädels wurden von Nisansalas unermüdlichem Fleiß angesteckt und bastelten später mit, sodass unser Hof im Heim bald voll war mit Laternen Girlanden und Lichtern. Auch in der Schule wurde religionsübergreifend gebastelt, was das Zeug hielt, so dass ich in der Woche vor Vesak mit Nisansala und Mali losfuhr um Materialien zu kaufen. Für die Vesak-Kudu wird meist aus Bambusstäben und Draht ein Gerüst gebaut, das dann mit durchscheinendem Papier beklebt wird. Rein kommt dann eine Kerze oder eine Glühbirne. Außerdem werden Tonschalen mit Palmöl und Docht versehen und angezündet. Der Bambus für das Gerüst stammt natürlich aus dem Garten, Papier und Palmöl konnten wir auch ohne Probleme bekommen, aber der Draht war überall ausverkauft. Wir fuhren zu mindestens vier verschiedenen Hardware stores, bis endlich einer noch Draht hatte. Es bastelte halt jeder gerade Vesak-Kudu.

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An Vesak gingen unsere Buddhistischen Mädels von morgens bis zum späten Nachmittag in den Tempel und auch einige christliche Mädels kamen als Besucher mit ihnen mit. Neben Tempel und Vesak-Kudu sind das Highlight an Vesak die Dansals. Hier stellen buddhistische Familien Essen, Trinken und Snacks bereit, die an Passanten und Freunde verteilt werden, die vorbei kommen. Meist gibt es ein Dansal dann für eine bestimmte Tageszeit, zum Beispiel am Abend oder zum Lunch. Wo und wann ein Dansal ist, wird vornehmlich durch Mundpropaganda weiter gegeben. Das wurde uns später zum Verhängnis. Irgendjemand im Heim hatte gehört, dass in der Nähe des Krankenhauses zum Lunch ein Dansal sein sollte, also machten die Mädchen und ich ins zu fuß auf den Weg. Als wir dort angekommen waren, war aber von Dansal nichts zu sehen und nach einiger Rumtelefoniererei mit dem Heim ergab sich auch kein neues Dansal, zu dem wir hätten gehen können. Also liefen wir dann relativ verschwitzt und vor allem hungrig zurück zum Heim, wo Deepani dann noch spontan den Herd anwerfen musste.

Am späten Nachmittag, als alle Mädels wieder da waren, gingen wir dann noch einmal zusammen zum Tempel. Die Buddhistischen Mädels, zeigten mir ganz stolz den ganzen Tempel und erklärten mir was wo gemacht wird. Surangika und Hasini gaben uns Tonschalen mit Palmöl und Docht den wir anzündeten und führten mich dann zu ihrem schönen bunten Buddhaschrein, wo wir Blüten nieder legten.

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Nisansala war derweil im Heim geblieben, um den Tempel sauber zu machen und zu schmücken und alle Vesak-Kudu anzuzünden. Als es dämmerte, leuchteten überall im Garten die Kudu, Kerzen und Tonlampen. Auch am Tempel hatte Nisansala eine Lichterkette aufgehängt und es wurden viele stark duftende Räucherstäbchen angezündet.

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Die Mädchen wurden alle ganz still und feierlich. Die Buddhistinnen versammelten sich um ihren Tempel und zündeten Räucherstäbchen und Kerzen an. Und auch die Christinnen gingen in ihre Kapelle um zu beten. Ich setzte mich zu den Buddhistinnen in den Sand und wir schauten auf die Kerzen und ließen uns vom Geruch der Räucherstäbchen einlullen. Da es schon dunkel war, fuhr mich Laxman dann später nach hause.

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Am Tag danach kam ein Päckchen für mich im Heim an. Meine Mutter hatte mir zum Geburtstag ein Überlebenspaket aus Deutschland geschickt. Es enthielt für den Hessen essentielle Grundnahrungsmittel. Also Leberwurst und Rinderrouladen in Dosen und eine Tube herrlichen scharfen Löwensenf. Es gibt hier zwar so eine Art Senfcreme, die schmeckt aber eher herb und nicht so aromatisch. Leberwurst und Rinderrouladen sucht man vergeblich. Ich freute mich also tierisch als ich diese Delikatessen im Heim aus meinem Päckchen zauberte und die Mädchen, die mich neugierig umringten schauten diese suspekten dosen misstrauisch an. Da ich nun schlecht eine Wurstdose im Heim aufmachen und dann heim transportieren konnte, öffnete ich den Löwensenf. Alle Mädels wollten natürlich probieren also gabs Senf auf den Finger. Ich dachte eigentlich, es müsste ihnen halbwegs schmecken, weil sie scharfe und starke Geschmäcker gewohnt sind, aber weit gefehlt. Alle verzogen das Gesicht und streckten die Zunge raus und fragten, ob sie das Zeug doch bitte vom Finger abwaschen dürften. WinkenSpäter wurden die Mädels, die noch dazu kamen von den anderen besenft und alle lachten bei deren Gesichtsausdruck beim probieren. Na bin ich froh, dass man die Mädels auch mal Kultur-schocken kann....

Bis auf weiteres liebe Grüße,

Lisa

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