Tagebuch Lisa Meffert. Feuer Wasser Blitz....10.04.2009


Feuer Wasser Blitz....

Nun bin ich zwei Wochen hier und es hat sich so etwas wie ein Rhythmus eingependelt. Das Leben hier in Sri Lanka ist viel mehr von den äußeren Einflüssen abhängig als in Deutschland. Feuer, Wasser und Blitz bestimmen den Tagesablauf.

Feuer

Wenn ich morgens aufstehe und auf den Balkon trete, liegt meist der Geruch eines Feuers, das irgendwo in der Nähe brennt, in der Luft. Das ist ganz normal, denn hier gibt es keine andere Möglichkeit seinen Müll! Los zu werden. Eine offizielle Müllabfuhr gibt es nicht, außer für die großen Hotels und die ist dann im Verhältnis unheimlich teuer. Das bedeutet der Hausmüll wird verbrannt, Pflanzenabfälle werden in den Wald oder den angrenzenden Sumpf geworfen und von den Tieren gefressen. Teilweise brennen die Feuer zumindest hier in der Gegend auch ganz unbeaufsichtigt. Einen Brand gibt es anscheinend trotzdem nie, dafür ist es einfach zu feucht.

mortin_spiraleAußerdem wird hier vor allem noch auf Feuer gekocht. Auch die Köchinnen im Heim kochen lieber auf Feuer als auf Gas. Erstens weil Gas sehr teuer ist und zweitens, weil sie es so gewohnt sind. Frank meint auch das Essen würde viel besser schmecken, wenn es von den Frauen auf Feuer gekocht wird. Also mir schmeckt es auf jeden Fall!

Abends ist mir Feuer dann noch mal hilfreich. Da ich als Sri Lanka-Neuling noch keinen natürlichen Schutzschild aus Knoblauch und Chili-Essenz habe, der sich angeblich nach einem Monat einstellt, fressen mich die Moskitos bei jeder Gelegenheit halb auf. Hilfreichstes Mittel die Viecher zumindest am Abend auf Abstand zu halten ist die „Mortein Power Green 10". Was sich futuristisch anhört ist eine ganz normale Räucherspirale, die noch nicht mal so schlimm riecht.

So beginnt und endet der Tag mit Feuer...

Wasser

An dem täglichen Monsunregen mit Gewitter kommt man meist nicht vorbei.regenguss

Das bedeutet dann auch, dass man planen muss, wann und wie man das Heim verlässt. Ist man länger als 5 da, wird das Personal unruhig, die möchten ja auch mal ihre Ruhe haben. Mit dem Fahrrad geht bei einem langen Regenguss dann auch nicht mehr, also muss Christi (Tuk Tuk Fahrer) kommen und uns holen. Die meisten Mädels sehen das bisschen Gewitter dann auch meist locker. Spiele werden, wenn möglich von außen nach innen verlegt, nur Elle oder Fireball geht dann halt nicht mehr. Manche halten sich aber auch die Ohren zu und verstecken sich wahlweise unter Tischen oder hinter Praktikanten, das hat dann aber auch eher Unterhaltungscharakter als einen ernsthaften Ursprung. Neulich haben uns die Mädels dann überredet Flaschendrehen zu spielen. Das läuft auch wie bei uns ab, auf wen die Flasche zeigt, der trägt etwas vor und sagt dann beim nächsten, was der machen muss. Dabei wird akribisch darauf geachtet, wen die Flasche nun wirklich getroffen hat, außer bei uns, weil das die Mädels ja viel lustiger finden, waren wir ständig dran. Meist muss man dann singen, tanzen oder ein Tier nachmachen. Ja nach Fähigkeit achten die Mädels dann darauf, dass das Mädchen das dran ist etwas machen muss, dass es ganz gut kann. Dinesha hat mit ihrer hellen stimme ein schönes Lied gesungen, die kleinen machen Tiere nach oder tanzen einfache Tänze und Surangika zeigte ein bisschen Kandy-Dance. Wir sollten deutsche Lieder und Tänze zeigen, ich entschied mich für Schuhplattler und Biene Maja singen.

Blitz

Für uns ist die Wetterabhängigkeit hier aber zum teil auch problematisch. Bei Gewitter muss die Internetverbindung aus sein, weil ein Blitz Frank schon mal den Router plus PC zerlegt hat. Dann fällt ja hier schon mal öfter der Strom aus, also sitzt man ohne Licht da und kann auch nichts am PC arbeiten. Wenn der Strom ausfällt, funktioniert die Wasserpumpe auch nicht, im Extremfall bedeutet das, dass wir uns am Brunnen Wasser holen und uns damit waschen müssen. Natürlich hat das Nichtstun bei Kerzenlicht, aber auch was Schönes. Der Regen trommelt aufs Dach, es wird kühler und man kann mal seine Gedanken nachhängen und den Tag Revuepassieren lassen. Im Heim ist der Stromausfall natürlich nichts Neues. Irene hatte die Idee eine Taschenlampe mitzunehmen und dann Schattenmalen auf großen Papierbögen zu machen. Seit wir die Taschenlampen mitnehmen gibt es aber weder ein Gewitter noch einen Stromausfall. 

Ärgerlich waren die Gewitter der letzten Tage trotzdem, denn Mali hatte mich gefragt, ob ich ihr etwas das Notebook, das im Angel's Home steht erkläre. Sie steht auch zur Library-Time Freitags immer neben mir und gibt die Signaturen der Bücher ein und löscht dann den Namen, wenn ein Buch zurückgegeben wird. Gestern war dann endlich mal nachmittags kein Gewitter und ich habe ihr einfach Sachen in Word gezeigt. Wie man Text formatiert, also Fett schreibt oder kursiv und die Bedeutung der einzelnen Tasten. Da im Moment Examen sind und danach Ferien, haben wir keine Nachhilfe gemacht, aber dafür versuchen wir die einzelnen Mädels je nach Lust und Möglichkeit zu fördern. Manche wollen aber nach den Examen auch einfach nur ausspannen und gar nichts tun, das ist dann natürlich auch okay, der Tagesablauf der Mädels ist ja ohnehin schon sehr verplant.

shakinaShakina interessiert sich auch sehr für den Computer und vor allem für meine Kamera. Sie hat auch schon ein paar Bilder gemacht und starrt immer wie hypnotisiert in die Linse. Nisansala schreibt im Moment viele Briefe, weil sie Englisch üben möchte, aber auch weil sie Julia sehr vermisst.

Heute ist der letzte Schultag und dann fangen die Ferien an. Wir hoffen alle sehr, dass der Bus, den das Amt zweimal im Jahr stellt bis dahin repariert ist, damit wir einen Ausflug machen können. Wenn nicht, haben Irene und ich uns aber auch schon eine Menge einfallen lassen!