Tagebuch Eun-Hye Cho. Vier Wochen das wahre Leben. 13.07.2009


 

Vier Wochen sind vorbei und es ist Zeit sich zu verabschieden. Gefuehlt bin ich gerade erst angekommen und habe mich so richtig eingelebt. Daher kann ich nur jedem raten, dass Praktikumim Angels Home laenger als ein Monat zu machen.

Mir sind einige der Maedchen in kuerzester Zeit sehr ans Herz gewachsen und es schwierig sich einzugestehen, dass man selbst eigentlich machtlos ist und das Leben der Maedchen nicht signifikant aendern wird. Dazu sind die Zeit und die gegebenen Moeglichkeiten einfach zu begrenzt. Es ist hart der Realitaet ins Auge zu schauen und zu akzeptieren, dass man das Leben mancher Maedchen nicht in eine komplett andere Richtung lenken kann. Gleichzeitig erfuellt es einen mit unglaublich viel Hoffnung, wenn man bedenkt, dass manche unter Umstaenden vielleicht sogar studieren koennen und deren Zukunft eine ganz andere sein wird. Selbst fuer die Maedchen, denen solchen Wege nicht offen stehen, bekommen mit dem Tag an dem sie im Angels Home ankommen, eine Kindheit, wie jedes Kind sie verdient hat. Das Angels Home versucht den Kindern wirklich Alles zu geben und vermittelt den Kindern gleichzeitig elementare Moralvorstellungen, die fuer jedes Kind von unschaetzbarem Wert sind. Wichtig ist hier jedoch, dass nicht versucht wird den Maedchen die westliche Mentalitaet nahe zu bringen, sondern die landestypischen und kulturellen Traditionen beibehalten werden. Jedes der Maedchen profitiert davon und kann davon vielleicht etwas mit in die Zukunft nehmen. Das Angels Home gibt allen Maedchen ein sicheres zu Hause und ist eine Art Familienersatz. Alle Maedchen wissen, dass Julia und Frank immer ein offense Ohr haben und bei Problemen die ersten sind, die helfen.

Die ersten Tage hatte mich die Angst ueberkommen, dass ich die Maedels zu sehr an mich ran lasse und emotional von einzelnen Schicksalen sehr beruehrt werde. Ich hatte gemerkt, dass ich abends nicht schlafen konnte, weil mir einzelne Schicksale der Maedchen nicht aus dem Kopf gingen und ich dummerweise versucht habe die Dinge zu verstehen. Um solche Dinge zu verstehen ist mein Horizont allerdings zu begrenzt. Unbewusst und vielleicht durch eine Art eigenen Schutzmechanismus habe ich von dort an versucht eine gewisse Distanz zu den Maedchen aufzubauen. Nicht dass ich es mit Absicht gemacht haette, jedoch habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich die Dinge rationaler betrachte. Ich glaube, dass man den Job auch nur so machen kann. Frank und Julia haben mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und mir viele Dinge beigebracht. Es ist schon komisch, dass man innerhalb von vier Wochen unter einem Dach einer Art Beziehung zu bisher Fremden aufbauen kann. Wir haben uns wirlich gut verstanden. Am ersten Abend hat Frank gesagt, dass er nach zehn Minuten sagen koennte, ob es eine Wellenlaenge ist oder nicht. Wir hatten diese Wellenlaenge. Die direkte Art von Frank wird mir fehlen. Eine ausgesprochen ungewohnte Seltenheit, dass Menschen gleich sagen, was Sache ist und nicht lange um den heissen Brei reden. Und unsere kleinen, aber dafuer sehr feinen Diskussionen werde ich vermissen. Ich glaube sagen zu koennen, dass sie oft auf einem sehr hohen Niveau stattfanden und es riesig viel Spass macht mit Frank zu diskustieren. Eigentlich macht es nur Spass, wenn man einen gutes Gegenargument gegen ihn hat und er es auf Teufel komm raus nicht einsehen will und es am Ende dann doch tut... Grinsen

Julia ist meine persoenliche Heldin. Sie is diejenige, die nicht im Vordergrund steht und Frank immer den Ruecken frei haelt. Fuer mich ist sie die Personifikation des "Gut-Menschen" (wenn es so etwas denn gibt...) Auf die Frage was Luxus fuer sie bedeutet, antwortet eine Julia, Dishna und ihren Progress seit sie im Angels Home ist mit anzusehen. Das sagt doch schon alles ueber diese Frau aus, die Marawila ihr zu Hause nennt und diese harte Arbeit - und es ist harte Arbeit - in Kauf nimmt und keinen einzigen materiellen Wert aus dieser Arbeit schoepft. Die Praktikanten sind fuer wenige Monate vor Ort und stecken selbst viel Arbeit in das Projekt. Jedoch ist der wichtigste Aspekt fuer alle, dass das Praktikum zeitlich begrenzt ist. In meiner jetzigen Lebenssituation muss ich ehrlicherweise sagen, dass mir im Traum nicht einafallen wuerde diese Arbeit unbefristet zu machen. Vielleicht bin ich auch eine Art Schlecht-Mensch und wollte mein schlechtes Gewissen durch einen Monat wohltaetiger Arbeit erleichtern. Umso hoeher ist Julias Arbeit und ihr Engagement zu bewerten. Dazu kommt, dass sie ein wirklich liebenswerter Mensch ist, den ich nach kurzen vier Wochen schon in mein Herz geschlossen habe.

In der kurzen Zeit habe ich wertvolle Erfahrungen machen duerfen und bin in manchen Dingen an meine persoenlichen Grenzen gestossen. Das Spielen und die Arbeit mit den Kindern geben viel Aufschluss ueber mich selbst. Natuerlich moechte ich Frank und Julia fuer die wirklich ereignisreichen 4 Wochen von Herzen danken. Es sind vier Wochen, in denen ich viel gelernt habe und die ich mit Sicherheit nicht vergessen werde. Irgendwann werde ich wiederkommen, dann vielleicht fuer laenger. Spaetestens wenn..... Grinsen hihi!!!

Auch wenn Frank Komplimente oder Aehnliches so ungern hoert, ist sein Lebenswerk, was es mittlerweile schon ist, wirklich sehr gelungen.