Tagebuch Eun-Hye Cho. Abendliche Rituale. 02.07.2009


Zugegebenermaßen ist der folgende Bericht keine Werbung in eigener Sache und außerdem zeigt er, dass ich vielleicht nicht ganz normal bin. Aber wer ist schon gerne normal. Normal bedeutet Durchschnitt und Durchschnitt bin ich mit Sicherheit nicht 😀

Ich habe tierische Panik vor Insekten, Schlangen und eigentlich vor fast allen kleineren Tierchen, die hier so rumschwirren. Hektisch zucke ich zusammen wenn irgendetwas im Anflug ist und sofort überfällt mich ein Anfall von Ekel, der geraume Zeit andauert. Ich gebe zu, dass es Orte mit weniger Insekten gibt und Sri Lanka vielleicht daher nicht das optimale Zielland ist, doch das Projekt hatte mich wirklich interessiert und ich wollte auch nicht, dass die Insektenpanik mich dieser einmaligen Erfahrung beraubt. Jetzt bin ich also hier und habe jeden Abend den gleichen Ablauf wenn ich ins Bett gehe.

Ich habe abends so gut wie nie Licht in meinem Zimmer an, sondern nur im Vorraum bzw. im Computerraum. Wenn es dann Zeit wird zu duschen, gehe ich mit einer riesigen „Mortein Cockroach Fast Kill" Sprühdose ins Bad und schaue ganz vorsichtig als erstes hinter die Tür. In drei Wochen war bislang nur einmal eine klitzekleine Spinne da, aber irgendwie ist noch diese Schreckensvorstellung verankert, dass man nicht schaut, die Tür zu macht und irgendeine riesige Berta einen anspringt. Dann schaue ich mich im Bad um und wenn Alles in Ordnung ist, dann dusche ich. Bei kleineren Ameisen bin ich z.B auch nicht so empfindlich...

Nach dem Duschen husche ich in mein Zimmer, ziehe nur mit dem Licht aus dem Vorzimmer meine Schlafsachen an und mache dann mein Licht an. Dann wird das Zimmer einmal begutachtet und nachgeschaut ob an den Wänden irgendwelche Anzeichen von Insekten herumirren. Als nächstes mache ich meine Mosquitonetz auf und schüttele meine zwei dünnen Bettdecken aus um sicher zu gehen, dass ich nicht gleich im Bett eine böse Überraschung erlebe. Nachdem ich das Licht ausgemacht habe, krabbel ich unter das Netz und beleuchte das ganze Bett noch mal mit dem Licht meines Handys. Unter den Kissen schaue ich als letztes. Wenn es keine Auffälligkeiten gibt, nehme ich eine der Bettdecken, falte sie längs und lege sie sorgfältig auf den Schlitz zwischen den beiden Matratzen. Das Kissen, welches ich nicht benutze kommt ans Kopfende, damit sie niemand in mein Bett verirren kann. Dann lege ich mich schräg ins Bettchen und schlafe ein.

Ich weiß, ich weiß...viele denken jetzt, dass ich total einen an der Waffel habe. Vielleicht ist dem auch so, aber sicher ist sicher und bei Insekten war ich schon immer ein totales Mäuschen, was Panik bei einer klitzekleinen Spinne bekommt. Achso, Julia würde sie „klitzeklein" nennen, ich tendiere zu „die war schon groß"! Man muss dazu sagen, dass es bei Frank und Julia wirklich wirklich sauber ist und die Action, die ich betreibe wahrscheinlich vollkommen übertrieben ist. Bislang hatte ich beispielsweise noch nichts Nennenswertes bei mir im Zimmer und kann keinerlei Horrorgeschichten erzählen. Ich glaube, dass man sich wirklich an solche Dinge gewöhnt. Ein großer toter Käfer lag mal im Heim und Vihanga fand es super witzig mit ihm Fußball zu spielen. Ich bin immer ein Meter um ihn herum gelaufen und dann kommt so ein kleines Mädchen an und schießt den Käfer erst mal 5m weit weg, läuft hinterher und findet es super lustig. Ich war anfangs vollkommen geschockt, habe dann aber gedacht, dass singhalesische Kinder einfach damit aufwachsen und damit auch dran gewöhnt sind. Mal schauen, was die nächsten Tage noch so passiert, aber bislang habe ich mir sehr viel mehr Stress gemacht als irgendwelche Insekten hier. Hoffentlich bleibt´s so 😀