Tagebuch Eun Hye Cho. Nachhilfe mit den Kids. 23.06.2009


Seit 2 Wochen arbeite ich nun nachmittags mit den Mädchen und unterrichte ihnen Mathe und Englisch. Natürlich ist es immer noch eine große Herausforderung sich auf die Kinder einzustellen, sie nicht zu überfordern und vor allem geduldig mit ihnen zu sein. Hinzu kommt, dass der Unterricht natürlich auch noch Spaß machen soll und die Kinder natürlich auch etwas lernen sollen. Die erste positive Überraschung war Vihanga. Da sie noch gar nicht lange im Angels Home war, wusste man noch nicht viel über ihren Leistungsstand und generell über ihre Motivation oder Lernbereitschaft. Sie ist mit den anderen Jüngeren in einer Gruppe und im Gegensatz zu denen, kann Vihanga noch nicht das englische Alphabet aufsagen. Das wollte sie jedoch nicht lange auf sich sitzen lassen, weshalb sie mir seit der ersten Stunde regelmäßig hinterherläuft und wissbegierig das ABC lernen möchte. Bis dahin konnte sie nämlich nur die ersten 4 Buchstaben. Mittlerweile kann sich das ABC bis Q sowohl aufsagen als auch schreiben und ich habe mir nun vorgenommen bis zu meiner Abreise ihr Wissen des ABC betreffend zu vervollständigen. Es ist wirklich süß, da sie vor dem Essen oder während des Spielens mit ihrem Heftchen angelaufen kommt und weiterlernen möchte. Ich muss auch zugestehen, dass es einen etwas Stolz macht, wenn man solche grundlegenden Fortschritte erkennt und ein so junges Mädchen die Lernmethoden annimmt und sie in Ergebnisse umsetzen kann.

Dies ist leider nicht immer der Fall. Manche Mädchen sind sehr motiviert und talentiert, jedoch gibt es auch viele, denen es noch an elementaren Wissen mangelt und deren Lernfähigkeit nicht so schnell ist wie sie eigentlich sein sollte. Aber da geht es schon wieder los. Welchen Maßstab soll man bei den Mädchen denn anlegen? Ohne Zweifel kann man nicht den Deutschen anlegen und da die Mädchen auch unterschiedlich lange die Schule besucht haben, ist ein Vergleich unter ihnen auch nicht ohne weiteres möglich. Langsam habe ich mich daher versucht an die Mädchen heranzutasten und ihnen grundlegende Dinge in Mathe und Englisch beizubringen. Ich muss eingestehen, dass das ganz und gar keine einfache Sache ist und dass dieser Unterricht auch für mich persönlich eine Herausforderung darstellt. Ich weiß nicht genau, wie lange es her ist, dass ich so viel Geduld aufbringen musste ohne dabei einen vorwurfsvollen Unterton verlauten zu lassen. Man muss die Kindern auch immer weiter motivieren und sie viel loben, wenn sie eine noch so selbstverständliche Aufgabe gelöst haben. Freude kommt jedoch auf, wenn einige Mädchen sogar bei komplizierten Aufgaben unfassbar schnell reagieren, die richtige Antwort wissen oder das neu gelernte gespeichert haben und in der nächsten Stunde wiedergeben können. Das ist ein wirklich gutes Gefühl. Wenn diese Mädchen weiter gefördert werden, haben einige absolut das Potential einen höheren Bildungsweg einzuschlagen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es braucht viel Geduld, Eigenmotivation und vor allem auch viel Zeit um den Kindern nachhaltig etwas beizubringen. Bei 20 Mädchen ist es einfach schwierig oder schier unmöglich jedem Leistungsstand der einzelnen Mädchen gerecht zu werden.

Persönlich genieße ich die Unterrichtsstunden mit den Mädchen; aber sie fordern mich unglaublich und nach 2 Unterrichtsstunden mit 2 Klassen am Tag muss ich eingestehen...bin ich fix und fertig!