Tagebuch Eun Hye Cho. Meine ersten Tage in Sri Lanka. 11.06.2009


Wie fängt man an über die ersten Tage in einem fremden Land mit einer doch fremden Kultur zu berichten, wenn die ersten Eindrücke einen überfluten und Alles einfach unsfassbar spannend ist - sogar die Taxifahrt im Dunkeln vom Flughafen nach Marawila:

Fangen wir vielleicht damit an, dass ich jeden Tag auf dem Weg zum Childrens Home gute Laune bekommen, da einen das dunkelblaue Meer direkt vor der Haustür mit seinen hohen Wellen und den Respekt einflössenden Geräuschen begrüßt. Die Geräuschkulisse ist sagenhaft; sofort überkommt es einen mit Ehrfurcht. Am Childrens Home angekommen, begrüßen einen die Mädels mit „Good Afternoon Enhe". Viele der Mädchen können mittlerweile meinen Namen recht gut aussprechen.

Zur Begrüßung am ersten Tag hatte ich einen ganz süßen Blumenstrauß bekommen. Die Mädels waren noch ganz schüchtern und trauten sich näher an mich heran. Mit Haribo konnte ich sie nach dem Mittagessen aber begeistern und die ersten Kurzgespräche gingen sogar leicht von der Hand. Heute habe ich mit den Mädels Talubatta gespielt; eine Arte Hinkelkästchen in singhalesischer Form. Zugegebenermaßen habe ich das ewig nicht mehr gespielt und Emesha, die bei mir im Team war musste meine Fehler leider immer gerade biegen. Emesha ist 9 Jahre Alt und bildhübsch. Wirklich, ich würde nicht lügen wenn ich sage, dass es eines der hübschesten Mädchen ist, das ich seit Jahren gesehen habe. Die kleineren Mädels können wenn überhaupt nur sehr gebrochen Englisch und daher basierte unsere Teambesprechung auf Zeichensprache und KopfschüttelnJ. Wir haben uns wacker geschlagen...und trotzdem verloren. Die Mädels waren alle begeistert und morgen haben wir uns verabredet, dann bekomme ich eine Revanche.

Heute habe ich auch zum ersten Mal einen Überblick über den Leistungsstand der Mädchen in Englisch und Mathe bekommen. Eines der Mädchen war wegen meiner Anwesenheit super nervös und konnte heute mit Sicherheit nicht zeigen, was sie eigentlich kann. Die Nachhilfestunden werden meine ganze Konzentration, Geduld und mein Verständnis in Anspruch nehmen, da das Niveau sehr unterschiedlich ist und viele enorme Lücken aufweisen. Aber wer vermag es diesen Kindern verübeln. Ich hatte mir auch vor Beginn dieses Abenteuers keine Illusionen gemacht, die Kinder nun so zu unterrichten, dass man am Ende einen bemerkenswerten Unterschied sieht. Dafür reichen 4 Wochen einfach nicht aus. Das ist ein langwieriger Prozess, der vor allem von Kontinuität geprägt ist. Ich werde mein Bestes geben und nach vier Wochen wissen wir mehr.

Nicht zu vergessen ist das Essen hier in Sri Lanka! Ich finde es absolut genial! Das Mittagessen im Childrens Home ist super und mit Händen schmeckt es einfach doppelt lecker. Mir persönlich macht es einen riesigen Spaß mit der Hand zu essen. Und da es zudem Teil der Kultur ist, bestand für mich nicht die Frage ob mit Hand oder Gabel. Fairerweise muss man dazu sagen, dass ich schon in Singapur ab und zu mit der Hand gegessen habe und es daher ganz und gar nicht befremdend war. Festzuhalten ist, dass das Essen eine absolute 1 bekommt und ich mich kaum satt essen kann.

Mit Frank und Julia verstehe ich mich absolut blendend. Mehr muss man dazu eigentlich auch nicht sagen. Die nächsten 4 Wochen werden die spannendsten in meinem bisherigen Leben. Natürlich ist es schwer die Armut und das Leid vieler Menschen hier zu sehen. Die sporadischen, fast auseinander fallenden Hütten, die manche Singhalesen ihr zu Hause nennen. Natürlich wird es nicht einfach sein, festzustellen, dass manche Mädels keine in unserem Sinne erfolgreiche Zukunft haben werden. Dass viele Eltern ihre Kinder abgeben scheint anfangs unvorstellbar, aber ich verbringe vier Wochen in einem Land, welches jahrzehntelang von Bürgerkrieg und Armut geprägt war und sowohl die Lebenssituationen als auch die Lebensumstände eines Jeden unvorstellbar für mich sind und es einfach ums nackte Überleben ging/geht. Wer könnte jetzt mit dem Finger auf einen Anderen zeigen?

Worauf ich mich hier einlasse war mir von vornherein klar. Ich wusste, dass es weder ein Kurzurlaub noch ein Zuckerschlecken wird und bin ganz gespannt auf die nächsten Wochen. Freitag fahren wir nach Colombo und ich freue mich wahnsinnig auf die Stadt. Der Bürgerkrieg ist offiziell zu Ende und ich darf quasi live miterleben, was passiert.

Genug fürs Erste...achso: und nach 3 Tagen kann ich jetzt schon, dass ich es immer wieder tun würde.