Tagebuch Daniela Anton. Von Elefanten, Feiertagen und Ruinen. Teil 2. 16.08.2009


Nach einer ziemlich kurzen Nacht brachen Manu und ich Donnerstags bereits vor 8 Uhr auf, um pünktlich zur Babyelefanten-Fütterung in Pinnawela im Elefantenwaisenhaus einzutreffen. Obwohl unser Tuktuk und auch der Fahrer wirklich alles gaben, sich um die Auto-, Lastwagen- und auch Elefantentransporterschlangen herumzuwinden, wurde die Zeit immer knapper, während wir mit tausenden anderer Menschen aus Kandy herausströmten. Der Verkehr riss jedoch schlagartig ab, als wir die Absperrungen für die an diesem Tag stattfindende „Day-Perahera", das Ende des gesamten buddhistischen Festes, passierten, wo die meisten Menschen um diese frühe Stunde hinpilgerten.

Pünktlich zur Fütterungszeit erreichten wir schließlich mit einem ziemlich gestressten Fahrer das Elefantenwaisenhaus, wo bereits zwei Babyelefanten ungeduldig auf ihre Milchrationen von sieben Flaschen à 750ml warteten. Schließlich erschienen zwei Wärter, die den Tieren ihre Milch gaben und diese schlürften ihre Flaschen in einer erstaunlichen Geschwindigkeit leer, eine Prozedur, die dreimal am Tag wiederholt wird. Diese Menge versetzte uns zunächst in Erstaunen, als wir jedoch lernten, dass ein ausgewachsener Elefant zwischen 250 und 300kg Futter am Tag verspeist, kamen uns die paar Liter gar nicht mehr so viel vor... Immerhin verstanden wir nun auch, warum einige der Elefanten in Pinnawela zu Arbeitselefanten ausgebildet werden, da die große Menge an Futter ja zunächst einmal geliefert werden muss und Pinnawela leider nicht genügend Platz und Grünflächen bietet, um die Elefanten dadurch zu ernähren.

beim_futternelefantenmama_mit_kind

Im Elefantenwaisenhaus leben momentan 68 Elefanten, von denen einige verletzt sind oder als Waisen gefunden und aufgenommen wurden und mittlerweile selbst Familien gegründet haben. Allerdings waren Manu und ich beide etwas traurig und verwundert darüber, dass die Dickhäuter, die in den Nationalparks des Landes eine wesentlich schönere und weitläufigere Umgebung vorfinden würden, nicht wieder ausgewildert werden, wenn sie erwachsen sind. Wir vermuten, dass es sich hier um eine Geldfrage handelt, da ein Elefantenwaisenhaus mit nur 20 Tieren natürlich ein schwächerer Publikumsmagnet wäre als eines, das eine große Herde von Tieren zu bieten hat; eine Tatsache, die den Tieren gegenüber unserer Meinung nach leider nicht gerechtfertigt scheint.

Was uns am Elefantenwaisenhaus jedoch faszinierte, war, als die Tiere durch die Straßen des Ortes zum Fluss getrieben wurden, wo sie täglich zweimal die Chance haben, für etwa zwei Stunden im feuchten Nass zu planschen und sich nach Lust und Laune im Dreck am Ufer zu wälzen. Die Geschwindigkeit, mit der die Tiere laut trompetend den Hang zum Wasser heruntertrabten, ließ erahnen, dass sie sich sehr auf diesen Tagesabschnitt freuten und wir konnten sehen, wie sehr sie die Zeit im Wasser genossen. Ganz besonders lustig war es auch, zu beobachten, wie die Kleinen im Wasser umher wateten.

planschen_1dreckduscheelefantenbaby

Nach einem Bummel durch den Shop, in dem verschiedene Produkte wie Karten oder Tagebücher verkauft werden, die aus Elefantendung hergestellt werden, brachen wir schließlich wieder auf, um unser nächstes Ziel anzusteuern, die Millennium Elephant Foundation, einen Ort, an dem man wirklich mit den grauen Riesen in Kontakt treten kann, und diese nicht nur beobachten. Leider waren von den normalerweise zwölf Elefanten nur drei „zu Hause", da sich die anderen noch in Kandy auf der Perahera befanden. So mussten wir zunächst warten, bis ein Elefant für uns frei war. Wir verbrachten die Zeit damit, mit dem Leiter des Instituts zu reden, uns durch das kleine Museum führen zu lassen und Streifenhörnchen beim Essen zu beobachten.

streifenhrnchen

Als schließlich Pooja, eine 24-jährige Elefantenkuh, Zeit für uns hatte, konnte das Abenteuer los gehen. Wir erklommen also unseren Elefanten und wurden 20 Minuten lang durch den Ort und die grüne Wildnis hinter der Foundation geschaukelt. Dies war eine ganz besondere Erfahrung für mich, da Elefanten schon immer meine Lieblingstiere waren und ich schon mein ganzes Leben davon geträumt hatte, auf einem der Rüsseltiere zu reiten. Ich war also überglücklich, als ich vor Manu auf dem breiten borstigen Rücken des Dickhäuters saß.

Leider währte die vollkommene Zufriedenheit nur etwa drei Minuten, bis ein unglaublicher Regenguss einsetzte und wir innerhalb weniger Sekunden bis auf die Unterwäsche durchnässt waren. Wir machten aber aus der Not eine Tugend und erstickten auf unserem Elefanten fast an unserem Lachen über das uns nicht gerade wohl gesonnene Wetter. Immerhin hatten wir die Dusche durch einen Elefanten ja mit gebucht, aber nicht die Dusche auf einem Elefanten durch den Regen... Der Wolkenbruch hörte natürlich genau in dem Moment auf, als Pooja wieder auf das Gelände der Elephant Foundation einbog.

elefantenreitenpooja

Nach einem kurzen Fotoshooting mit unserem Reittier wateten Manu und ich dann in den kleinen Fluss neben der Foundation, um einen anderen Elefanten, der dort geduldig auf der Seite lag, mit Kokosnussschalen abzuschrubben. Wir sind uns nicht sicher, wie professionell wir dies taten und ob dies für den armen Kerl wirklich angenehm war, aber er erduldete es schweigsam mit stoischer Gelassenheit.

badezeitdusche

Schließlich durften wir noch einmal nacheinander auf den Elefanten aufsteigen, der uns mithilfe seines Rüssels komplett duschte - diesmal so, wie wir uns das vorgestellt hatten - , was jedoch in Anbetracht unserer Verfassung ohnehin nicht mehr viel änderte.

Auch das Umziehen danach half nicht so viel, da ein weiterer sintflutartiger Regenguss einsetzte und beinahe dazu geführt hätte, dass wir in unserem TukTuk ertrunken wären. So mussten wir anhalten, um mit unserem Fahrer einen Milktea zu trinken und zu warten, bis sich die Wettersituation wieder entspannte.

Nach einigen kurzen Stopps in diversen Souvenirläden, in denen wir außer Postkarten jedoch nichts erstanden, und dem Besuch einer Werkstatt, in der unglaublich schöne Holzmöbel und Figuren mit Intarsien hergestellt werden, fuhren wir zu unserem nächsten Ziel - den Markthallen von Kandy, auf die wir uns seit Beginn unserer Reise gefreut hatten, da Reiseführer und Berichte im Internet sie als DEN Geheimtipp für Mitbringsel und einheimische Kunst schlechthin anpriesen. Wir hatten also mit dem Einkauf von Gewürzen, Batikstoffen und einigen anderen Souvenirs sehnsüchtig auf genau diesen Moment gewartet und die ein oder andere Gelegenheit zum Kauf dieser Artikel verstreichen lassen. Umso besser kann man sich unsere Enttäuschung vorstellen, als wir in das zweistöckige, um einen Innenhof gruppierte Gebäude kamen, in dem es außer Stoffen, Obst und Gemüse eigentlich so gut wie nichts zu erwerben gab und in dem wir feststellen mussten, dass die Preise nicht von denen abwichen, die wir in Städten wie Kandy, Colombo oder auch Marawila gewohnt waren. Und anstrengender als in den Läden dort war es in den Markthallen allemal - wir wurden von Horden einheimischer Verkäufer belagert und verfolgt, die schon bevor wir ihre Stände überhaupt erreicht hatten, genau darüber im Bilde waren, was wir uns an anderen Ständen angeschaut hatten und mit welchen Waren sie uns also hinterherlaufen mussten. Nach einer schier endlosen halben Stunde machten wir uns endlich auf den Weg zum Busbahnhof und gaben, genervt von zu viel Feilschen und Aufdringlichkeit, sogar unseren Plan auf, uns noch mit leckerem Obst einzudecken - ein Fehler, den wir bis jetzt noch nicht verwundenhaben.

obst

Unsere letzte Station führte uns in die älteste Königsstadt Sri Lankas, ins ehrwürdige Anuradhapura. Allen Prognosen und allen vorhergehenden spöttischen Bemerkungen zum Trotz hatten wir es also geschafft, diese doch recht ambitionierte Route innerhalb einer so kurzen Zeit zurück zu legen. Schon an der Bustür sammelte uns ein ortskundlicher TukTuk-Fahrer ein, der uns gleich ein Guesthouse empfahl, das zwar nicht sonderlich sauber und schön war, dafür aber um einiges billiger war als unsere bisherigen Unterkünfte. Und spätestens das Abendessen entschädigte uns für das karge Zimmer.

Am nächsten Morgen holte uns der Fahrer auch pünktlich um 8 Uhr wieder ab, um uns auf vielen holprigen Schleichwegen die Größe und Schönheit der Stadt zu zeigen - und dadurch die Eintrittsgelder zu sparen, wie wir erstaunt feststellten.

Zunächst fuhren wir zum Felsentempel Isurumuniya, der schon im 3. Jhd. vor Christus erbaut wurde und mit seinen vielen Treppen, Steinmetzarbeiten und Verbindungsgängen sehr beeindruckend wirkte. Hier warfen wir Münzen in eine Felsnische, was Glück bringen soll, wenn diese liegen bleiben - und wir waren alle erfolgreich. Auch die Vögel, die in einer der Höhle ihre Nester gebaut hatten und die Scharen von Fledermäusen in den Felsspalten fanden wir äußerst interessant.

mann_und_pferdisumuruniya

Unser Führer war sehr aufgeschlossen und sprach recht gut Englisch, was nach der Enttäuschung in Nuwara Eliya sehr wohltuend war. So erklärte er uns viel über die Geschichte der Stadt und die verschiedenen Gebäude und unzähligen Dagobas. Die weiteren Stopps auf unserer Fahrt waren dann der Bodhi-Baum, der älteste bekannte Baum der Welt, der Kupferpalast, von dem leider nur noch die Fundamente zu sehen sind, da das neunstöckige Gebäude komplett abgebrannt ist, viele Dagobas und ein altes Kloster, in dem vormals etwa 5000 Mönche wohnten und das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Außerdem hielten wir an den Zwillingsteichen und bewunderten die Wewas, die künstlichen Seen, die bereits im 4. Jhd. vor Christus als Wasserspeicher angelegt wurden.

affenmondstein

groe_stupadagoba

Nach der dreieinhalbstündigen sehr informativen Führung setzten wir uns schließlich vollkommen erledigt in den Bus, der uns zurück nach Marawila bringen sollte. Zunächst hatten wir Angst, dass das etwas klapprige öffentliche Gefährt nicht mehr als 10km/h fahren könnte, da der Motor suspekte Geräusche von sich gab und wir uns mit schrecklicher Langsamkeit aus der Stadt quälten. Allerdings entpuppte sich der Bus jedoch bald als Rennfahrzeug und wir hatten so manches Mal Angst um uns und vor allem um die etwa 30 bis 40 Singhalesen, die im Gang standen. Unterbrochen wurde diese Formel 1-Fahrt nur durch drei Passkontrollen, bei denen wir im Bus sitzen bleiben konnten, aber eindringlich zu unserer Person und unserem Aufenthalt befragt wurden.

Abschließend kann ich sagen, dass unser Ausflug wieder einmal unglaublich war und Sri Lanka ein absolut faszinierendes und facettenreiches Land ist, in das es sich wirklich gelohnt hat zu reisen.

powered by social2s