Tagebuch Daniela Anton. Ab in den Süden Teil 2. 23.07.2009


Unser zweiter Tag im Süden begann um viertel nach 5 mit einem Stromausfall, der uns ein romantisches Frühstück bei Kerzenschein bescherte. Frisch gestärkt starteten wir dann um 6 Uhr mit unserem Fahrer in Richtung Sinharaja Rain Forest. Schon unsere etwa dreistündige kurvenreiche Fahrt durch hügeliges Terrain bescherte uns unzählige beeindruckende Eindrücke von Tempeln, Reisfeldern und Wasserfällen. Es war unglaublich interessant zu sehen, wie sich die Vegetation auf der stetig ansteigenden Strecke nach und nach veränderte.

flusslandschaftreisfeld

Am Zielort angekommen führte uns unser Guide zunächst durch flacheres Gelände und zeigte uns verschiedene Vogelarten und Pflanzen, unter anderem eine Art, die sich bei Berührung als Schutzmechanismus zusammenzieht. Außerdem erzählte er uns viel über die Gegend und das Land und beantwortete auch viele unserer Fragen. Besonders interessant war, dass er uns die Funktion der Stäbe und Palmhölzer erklärte, die überall in den Reisfeldern hervorragen. Sie sind quasi eine natürliche Mausefalle, da sie den Eulen des Nachts als Sitz dienen, die dann ihrerseits die Nager fangen, die gern die Wurzeln der Reispflanzen anknabbern.

Bald stieg der Weg an und wir kamen an Teeplantagen vorbei, wo wir die Pflückerinnen mit ihren charakteristischen Beuteln beobachten konnten, die sie an einem Band um den Kopf gebunden tragen.

teepflueckerin

Kurz danach kamen wir dann in dichten Regenwald. Und sofort räkelte sich auch schon der erste Blutegel an meinem Socken empor. Von diesen kleinen Tierchen sollten wir den Tag hindurch noch Tausende treffen. Leider leben sie im Regenwald nämlich nicht, wie in Europa, im Wasser, sondern sind überall auf und zwischen dem feuchten Laub des Waldbodens. Obwohl wir uns unsere Socken und Schuhe mit Salz bestreuten und einrieben, das die wurmähnlichen Tiere nicht mögen, mussten wir alle paar Meter anhalten, um sie von unseren Schuhen und Socken zu entfernen. Jedoch kamen immer mehr Blutegel hinzu, wenn man sich eine falsche Stelle für einen Halt aussuchte. Glücklicherweise wurden weder Manu noch ich gebissen. Unser Guide und ein Österreicher, der mit uns unterwegs war, fanden jedoch jeweils ein Tier an ihrem Bein und bluteten etwa eine Stunde, da die Tierchen ein gerinnungshemmendes Mittel in ihr Opfer spritzen, um leichter trinken zu können.

Abgesehen von den Blutegeln war unsere Tour durch den Regenwald jedoch ein wirklich tolles Erlebnis. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter und kamen, bis auf die Luftfeuchtigkeit und freiwillige Sprünge ins feuchte Nass, über die ich später noch berichten werde, trocken durch den Wald. Unser Guide zeigte uns viele endemische Pflanzen und wir waren immer wieder erstaunt, wie er in dem Wust aus grünen Blättern und Stämmen die doch recht unscheinbaren Tiere erkennen konnte. Wir sahen drei etwa handgroße Spinnen, einige Echsen und Tausendfüßler, ein Rieseneichhörnchen, das größer war als eine ausgewachsene Katze, nur leider so flink, dass es unseren Kameras entkam, viele verschiedene Insekten und - mein persönliches Highlight - eine grellgrüne Schlange, die aber wohl nur leicht giftig ist.

schlangeechse

Beeindruckend war aber auch die Fauna des Regenwaldes. Uralte, dicke Bäume und interessante Farne, wunderschöne Blüten und verschlungene Lianen fanden sich überall auf unserem Weg.

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Nach zahllosen Überquerungen verschiedener kleinere Wasserläufe mithilfe von kleinen Holzbrücken oder Sprüngen von Stein zu Stein kamen wir schließlich an einen recht großen Fluss, der irgendwann in den Hauptfluss der Region münden sollte. Hier gab es keine Brücke mehr und wir hängten uns unsere Schuhe um den Hals, banden den Rucksack und die Kameras hoch und starteten unsere Flussdurchquerung, bei der uns das Wasser stellenweise bis zum Bauchnabel reichte. Aber kalt war es ja ohnehin nicht und die Erfrischung war wirklich willkommen. Kurz danach erreichten wir dann einen wunderschönen Wasserfall. Leider hatte uns vorher niemand darauf vorbereitet und so mussten wir in Unterwäsche und Hose in den Fluss springen. Aber das Bad unterm Wasserfall war der definitive Höhepunkt unserer Tour!

wasserfallflussdurchquerung

Nach unserem Bad im Fluss setzten wir uns auf ein paar Steine, verspeisten unsere mitgebrachten Käse-Tomaten-Sandwiches und ruhten uns in der Sonne aus. Trocken wurden wir leider so schnell nicht mehr, aber uns wurde beim weiteren Aufstieg durch den Dschungel und durch ein paar Teeplantagen schnell wieder warm. Dort konnten wir Lychees und Guaven direkt vom Baum essen. Der Rückweg war weitaus weniger anstrengend als unser Aufstieg zum Wasserfall, schon deshalb, weil die Luft hier viel trockener war und es kaum noch Blutegel gab.

Kurz vor unserer Rückfahrt hielten wir noch bei einer Familie an, um eine Kokosnuss zu trinken und uns etwas auszuruhen. Immerhin hatten wir einen 10 Kilometer-Marsch durch den Dschungel hinter uns. Zum Abschluss konnten wir dann noch im Haus unseres Guides ein nationales Dessert probieren: Joghurt aus Büffelmilch mit dickem, dunkelbraunem Sirup aus der Kithul-Palme. Manu war nicht so begeistert, aber ich fand das Ganze unglaublich lecker.

limettenbaumkokosnuesse

Den Sonntag verbrachten wir dann endlich am Strand. Immerhin ließ sich die Sonne morgens sehen und wir hatten die Chance, uns Schnorchel, Taucherbrillen und Flossen auszuleihen und zumindest mal kurz die Riffe vor Unawatuna zu erkunden. Leider war der Wellengang sehr stark und wir wurden beständig von der Brandung hin und her geworfen, was in einigen blauen Flecken und Schürfwunden resultierte. Außerdem war das Meer durch die Wellen voller Luftblasen und es wurde recht viel Sand aufgewirbelt. Trotzdem konnten wir einige große Seeigel, Korallen und viele bunte Fische im Wasser beobachten.

Vor unserer Heimreise starteten wir noch einen Bummel über den Markt und einen Rundgang durch das Fort in Galle, der jedoch recht kurz ausfiel, da wir mit Tüten voller Souvenirs wie Tee, Gewürze und Stoffen bepackt waren.

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Unser Wochenende war wirklich schön und ereignisreich, aber wir waren doch froh, als wir schließlich wieder in Marawila waren und im Heim unsere gewohnte Arbeit mit den Mädels wieder aufnehmen konnten - denn deshalb sind wir ja eigentlich da.

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