Tagebuch Daniela Anton. Nachhilfe und Bastelstunden: Praktikantenalltag im Angels Home. 12.07.2009



Nachdem ich jetzt schon über zwei Wochen hier in Sri Lanka bin und mittlerweile recht viel Zeit damit verbracht habe, die Mädels kennen zu lernen, möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, über meine Aufgaben im Angels Home for Children zu berichten. Immerhin verbringen Manu und ich den Großteil unseres Tages damit, mit den Kindern im Heim zusammen zu sein, Nachhilfestunden zu planen und zu geben und uns Aktivitäten für die Nachmittage und das Wochenende auszudenken.

Generell kann man sagen, dass die meisten Mädels hier Allem, was wir mit ihnen vorhaben, sehr aufgeschlossen gegenübertreten. Sie freuen sich ebenso sehr darüber, mit uns ein Michael Jackson Musikvideo anzuschauen (da sie vorher nicht wussten, was er für Musik gemacht hat), wie darüber, ein deutsches christliches Lied zu lernen oder mit uns zu basteln. Und auch die Angestellten im Angels Home sind ganz begeistert von unseren Ideen und unterstützen uns tatkräftig durch Vorschläge.

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Unsere Hauptaufgabe sind die Nachhilfestunden in Mathe und Englisch, die wir jeden Werktag zwischen drei und fünf Uhr geben. Die Kleingruppen kommen ein- bis zweimal wöchentlich, je nach Leistungsstand, und Manu und ich unterrichten jeweils zwei bis vier Kinder. Oft bereiten wir hierfür Arbeitsblätter mit Lücken oder Diktate vor, verwenden die Bücher aus der Bibliothek, die sich sehr gut dazu eignen, Farben, Zahlen, Tiere oder Adjektive zu lernen, oder malen in den Sand im Hof Linien für Mathewettspiele. Die meisten Mädels sind auch echt motiviert und kommen gut vorbereitet zu den Stunden. So konnten wir Anne und Hiruni jeweils einen großen lachenden Stern in ihr Heft malen, weil sie beide letzte Stunde ihr 1X1 bis zu 5 perfekt konnten. Manchmal kommen einige Mädchen sogar in ihrer Freizeit mit der Bitte, ihnen Zusatzaufgaben zu geben. Allerdings haben vor allem einige der älteren Mädchen oft sehr lange Schule und kommen deshalb gelegentlich nicht rechtzeitig zum Unterricht, oder sie haben so viele Hausaufgaben, dass man sie stattdessen bei diesen unterstützt, statt normalen Nachhilfeunterricht zu geben, da sie sonst bis nachts um halb zehn an ihren Aufgaben sitzen würden.

Allerdings gibt es natürlich leider nicht nur erfreuliche Momente in den Nachhilfestunden. Vielen der Kinder merkt man an, dass sie unter sehr starken Stimmungsschwankungen leiden. Sie können nicht damit umgehen, wenn sie eine Aufgabe nicht auf Anhieb richtig lösen, sie mögen Mathe oder Englisch nicht und stellen deshalb auf stur, wenn man versucht, ihnen etwas zu erklären und letzte Woche fing ein Mädchen an zu weinen, weil wir ihr eine Hausaufgabe gegeben haben. Bei den Kindern, die schon etwas älter sind, oder die schon länger hier sind, merkt man, dass sie geduldiger sind, aber vor allem die Kleinen fordern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, was aber leider selbst bei zwei Praktikantinnen in einer Vierergruppe nicht immer möglich ist und dazu führen kann, dass ein Kind den Kopf auf den Tisch legt und schmollt, anstatt sich eigenständig an einer Aufgabe zu versuchen. Nichtsdestotrotz sieht man beständig Verbesserungen und die Lust und das Durchhaltevermögen der Mädchen scheint auch mit der Zeit zu wachsen, die sie uns kennen, was mich natürlich hoffen lässt, dass wir noch Einiges erreichen können in der uns verbleibenden Zeit.

Dieses Wochenende hatten wir etwas ganz besonderes für die Kinder vorbereitet. Statt wie sonst die Spiele der Kinder mitzuspielen und Malbücher auszumalen, haben wir unsere aus Deutschland mitgebrachten Perlen ausgepackt und mit den Mädchen in Gruppen Halsketten gebastelt. Sie hatten sichtlich Spaß daran, auch wenn der Kampf um die Zange und um Manus und meine Unterstützung manchmal schweißtreibend war. Die Resultate konnten sich sehen lassen. Sogar das Krankenzimmer funktionierten wir zwei Stunden lang in eine Bastelwerkstatt um, um dem Mädchen, das zum „Big Girl" geworden ist und deshalb drei Tage dort allein untergebracht ist, bis es mit einem kleinen Fest wieder in die Gesellschaft entlassen wird (wie Eun-Hye ja bereits vor kurzem über ein anderes Mädchen berichtet hat), etwas Abwechslung zu bieten.

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Als krönenden Abschluss haben wir den Mädels dann schließlich noch einen Line-Dance auf „Cotton Eye Joe" beigebracht. Sie waren so begeistert, dass sie selbst während ihres anschließenden Elle-Spielens noch wie wild herumhüpften und die Bewegungen nachmachten. In solchen Momenten bin ich einfach nur froh, hier zu sein, weil ich spüre, wie sehr sich die Kinder über unser Engagement freuen und wie sehr sie uns hier brauchen. Ich bin gespannt, was die nächsten paar Wochen noch bringen werden...