Tagebuch Manuela Sinsel. Zurück im nasskalten Deutschland: abschließende Gedanken. 05.09.2009


Nachdem ich mittlerweile schon seit eineinhalb Wochen wieder zu Hause in Deutschland bin, wird es Zeit, dass ich mich noch einmal hinsetze und mir ein paar abschließende Gedanken über meinen Aufenthalt in Sri Lanka mache.

Erst einmal muss ich nochmal zusammenfassend sagen, dass es zwei tolle Monate waren, welche ich mit den Mädchen vom Angels Home verbracht habe und dass es eine super Gelegenheit war, eine mir bis dahin fremde Kultur genauer kennen zu lernen, als mir das als Touristin jemals möglich gewesen wäre.

Somit fiel auch der Abschied von Marawila und dem Kinderheim nicht gerade leicht, auch wenn es uns dadurch etwas einfacher gemacht wurde, dass wir nicht allen Kindern auf einmal 'Tschüss' sagen mussten. Da gerade Schulferien waren, gingen manche der Mädchen nach Hause zu ihren Familien und somit hatten wir die Gelegenheit, uns jeden Tag von einer kleinen Gruppe zu verabschieden, bis am Tag unserer Abreise nur noch acht Mädels übrig waren.

Mit diesen hatten wir einen wunderschönen letzten Tag, da wir gemeinsam einen Ausflug zum Meer machten. Wir hatten alle wahnsinnig viel Spaß miteinander, als wir uns gegenseitig nass spritzen und im niedrigen Wasser zu Fall brachten und nach einer Stunde liefen wir komplett triefend zurück ins Heim, wo es dann endgültig Zeit zum Abschied nehmen war. Mali hielt noch eine kurze Rede und dann konnten wir alle Mädels nochmals drücken und auch dem Personal 'Auf Wiedersehen' sagen, bevor wir ein letztes Mal mit dem Fahrrad die Beach Road entlang fuhren.

Jetzt, wo ich zurück in Deutschland bin, habe ich mich wieder gut eingelebt, auch wenn ich natürlich noch oft ans Angels Home denke und mit Spannung die Baufortschritte auf der Homepage verfolge. Außerdem ist es auch schade, dass wir keine Gelegenheit hatten, den Neuzuwachs im Angels Home kennen zu lernen, da Daniela und ich die ganze Zeit über dachten, dass es sicher spannend wäre zu sehen, wie ein neues Kind sich im Heim eingewöhnt. Und dann haben wir den Einzug von Navangena so knapp verpasst.

Es ist schon ein ziemlicher Kontrast zwischen Deutschland und Sri Lanka und ich würde sagen, dass beide Länder ihren eigenen Reiz haben. So fehlt es mir, jeden Tag am Meer entlang zu fahren und die tolle Landschaft mit den Kokospalmen zu sehen. Auch das Lächeln und die Freundlichkeit der Menschen, die jedoch leider manchmal recht schnell in Aufdringlichkeit umschlägt, fehlen einem hier in Deutschland, wo einem die wenigsten Leute auf der Straße überhaupt einen Blick zuwerfen. Und nachdem ich jetzt etwas Pause hatte, würde ich auch gerne mal wieder eine Portion leckeres Curry mit Reis im Heim essen, so ganz typisch singhalesisch mit den Fingern. Und am meisten fehlt mir die Idylle im Heim, wenn man nachmittags mit ein paar Mädels plaudernd im Schatten des riesigen Benjamins sitzt und gemütlich eine Tasse Tee trinkt oder Ball spielt.

bild_1Allerdings ist es auch toll, sich hier wieder mit Freunden zu treffen, gemütlich in einem kleinen Kaffee sitzen zu können und nachts weder Ventilator noch Moskitonetz zu benötigen. Und auch die deutsche Mentalität, welche doch weitestgehend von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit geprägt ist, lernt man zu schätzen, wenn einem zwei Monate lang ein Kontrastprogramm dazu gezeigt wird. So fiel es mir auch nicht allzu schwer mich wieder an zu Hause zu gewöhnen und der Stress, den ich hatte, mir eine neue Wohnung zu suchen, da ich, wie ich drei Tage vor meinem Rückflug erfahren habe, ab Mitte September mein Referendariat in München beginne, tat sein Übriges, dass ich gar nicht erst die Zeit hatte, in großes Fernweh zu verfallen.

Nach zwei Monaten Sri Lanka kann ich auch sagen, dass es zwar eine super Erfahrung war und ich jederzeit wieder hinfliegen würde, es jedoch für mich kein Land wäre, wo ich dauerhaft leben möchte. In meiner Zeit im Angels Home konnte ich viel über mich lernen und somit auch für mich selbst feststellen, dass ich ein Mensch bin, der doch eher einen geregelten Tagesablauf ohne tägliche Überraschungen zu schätzen weiß und auch das europäische Klima, mit wechselnden Jahreszeiten und kühleren Tagen, würde mir auf Dauer fehlen. Umso größer ist dadurch mein Respekt für Frank und Julias Arbeit geworden. Als Praktikantin bekommt man die Probleme mit denen sich die beiden fast täglich herumschlagen zwar nur am Rande mit, aber schon diese geringen Einblicke reichen, um festzustellen, dass es eine sehr kräftezehrende und nervenaufreibende Arbeit ist, die sie auf sich nehmen, um den Kindern ein glückliches Zuhause und eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

bild_2Außerdem hat die Arbeit mit den Kindern riesigen Spaß gemacht und mich in meinem Entschluss bestätigt, dass ich auch in der Zukunft gerne mit Menschen zusammenarbeiten will. Allerdings wurde mir durch Julias Feedback und auch aufgrund meines nicht immer ganz entspannten Verhältnisses zu Frank klar, dass ich dazu noch mehr aus mir herausgehen und an einem selbstsichereren Auftreten arbeiten muss. Und wichtig ist natürlich auch die Lektion, die man sich von den Mädchen abschauen kann: trotz unterschiedlicher und meist trauriger oder schwieriger Vorgeschichten scheinen sie mit ihrem jetzigen Leben zufrieden zu sein und ihr Leben bestmöglichst, wenn auch natürlich nicht immer komplikationslos oder engelsgleich, zu leben.

Abschließend möchte ich Frank und Julia danken, dass sie mir so eine tolle Erfahrung ermöglicht haben und ich bin mir sicher, dass ich in nächster Zeit noch oft die Abschiedskarten der Mädels anschauen werde, um so die Erinnerung an zwei tolle Monate wach zu halten. Und natürlich hoffe ich, dass ich meinen Plan, spätestens zur Eröffnung des neuen Heims 2011 wieder nach Marawila zurückzukehren, umsetzen kann, denn nachdem ich zwei Monate lang die Baufortschritte mitverfolgen konnte, möchte ich natürlich unbedingt wissen, wie es ausschaut, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind.