Tagebuch Manuela Sinsel. Besuch bei Little Smile in Koslanda. 20.08.2009


Nach einiger Aufregung an den Vortagen, ob wir nun einen Bus zur Verfügung gestellt bekommen würden oder nicht, ging es am Samstag, den 15. August um 6.15 Uhr (zwei Stunden später als geplant) los in Richtung der Berge im Landesinneren. Spannend war es schon, ob und was für ein Bus kommt und anstrengend war es auch, als wir versuchen mussten 29 Menschen (19 Kinder, 2 Heimangestellte, Julia und Frank, einen Mann vom Amt mit seinem Sohn, den Busfahrer und seinen Helfer und schließlich uns zwei Praktikantinnen) inklusive Gepäck in einem Bus mit nur 20 Sitzplätzen zu verstauen. Trotz fröhlichem Beginn mit einigen Liedern und guter Laune bei allen Teilnehmenden, sollte sich die Fahrt nach und nach in eine 11 Stunden währende Odyssee verwandeln. Das Problem war, dass der Busfahrer entgegen seiner vorherigen Behauptungen den Weg nicht kannte und wir so zwar eine hübsche Sightseeing-Tour durch halb Sri Lanka bekamen, aber eben auch vier Stunden länger als geplant unterwegs waren.

Als wir gegen 17.00 Uhr schließlich am Ziel unserer Reise ankamen, wurden wir schon erwartet und herzlich begrüßt. Für die meisten der Mädchen und auch für uns Praktikanten, die wir alle zum ersten Mal die Gelegenheit hatten, das Projekt von Herrn Kreitmeir zu besuchen, war es sehr beeindruckend, diese riesige, verwinkelte und über viele Hektar verstreut liegende Anlage zu sehen. Da der Terminplan aufgrund unserer späten Ankunftszeit doch recht strikt war, stellten wir nur kurz unser Gepäck ab und schon ging es weiter zur Gebetsstätte, welche eine Buddhastatue, ein Marienbild und auch einen hinduistischen Tempel umfasst, vor welchem die meisten von uns das erste Mal die Gelegenheit hatten, einen Gottesdienst dieser Religion zu besuchen. Anschließend ging es weiter zum neuen Schulgebäude in die Halle, die speziell für Aufführungen gedacht ist. Auf dieser Bühne führten uns die Gastgeber verschiedene Tanzdarbietungen und Sketche vor und ernteten dafür von allen Seiten großen Applaus. Dazu muss man wissen, dass die Kinder in Little Smile auf fünf Häuser verteilt leben (Moonlight-, Wisdom-, Lucky-, Green Star- und Honest-House) und jedes dieser Häuser eine dieser Aufführungen vorbereitete, sodass die Darbietungen auch für die anderen Kinder des Heims sehr unterhaltsam waren, da sie diese selbst noch nicht kannten.

Nach Beendigung dieses Programms bekamen unsere Mädchen die Gelegenheit, näheren Kontakt zu den Kindern zu knüpfen, weil sie auf die beiden Häuser Lucky und Green Star verteilt wurden. Da zur Zeit unseres Besuchs circa 30 Kinder unseres Gastgeber-Heims in den Ferien bei ihren Familien waren, blieb genug Platz um unsere Mädchen zusammen mit den Kindern von Little Smile in den Schlafräumen unterzubringen; eine Idee die sicherlich dazu beitrug, dass sich sehr schnell Freundschaften bildeten. Wir trauten unseren Augen kaum, als die Kinder beim gemeinsamen Abendessen schon Hand in Hand mit ihren neuen „Schwestern" kamen und bunt gemischt an den Tischen verteilt saßen. Wie die Mädchen uns am nächsten Tag berichteten, war es für sie auch toll, dass sie nach dem Essen in ihre jeweiligen Häuser durften, wo sie noch ca. eineinhalb Stunden Zeit hatten sich zu unterhalten, gemeinsam zu singen und zu tanzen und auf diese Weise die Bekanntschaften zu vertiefen, bevor sie schließlich, von den Anstrengungen des Tages übermüdet, schlafen gingen. Wir nahmen an diesem Teil der Abendunterhaltung nicht teil, da es sicher hinderlich gewesen wäre, wenn sie sich ständig beobachtet gefühlt oder aus Höflichkeit fast nur mit uns gesprochen hätten.

Um 6.30 Uhr am Sonntag Morgen (aufgrund des Wochenendes und der langen Fahrt durften die Kinder ausnahmsweise etwas länger schlafen) ertönte die große Glocke zum Weckruf, sodass vor dem Frühstück genügend Zeit zum Waschen und zu weiteren kurzen Erkundungsgängen blieb. Auch wir trafen wieder mit unseren Mädels zusammen und nach dem Frühstück gingen wir alle gemeinsam zur heimeigenen Kirche, in welcher Herr Kreitmeir, der von allen Kindern nur Locu-Thatha genannt wird, eine bewegende Predigt hielt.

Im Anschluss daran ging es wieder zur großen Bühne vom Vorabend, auf der nun unsere Mädels die Gelegenheit hatten, ein paar Darbietungen vorzuführen. Dafür, dass die Mädchen diese erst kurz vor dem Frühstück spontan einstudiert hatten, lösten sie ihre Aufgabe gar nicht schlecht und ernteten auch entsprechenden Applaus. Schön war es auch zu sehen, wie bei einer kurzen Tanzaufführung die Kinder von Little Smile sofort mit auf die Bühne stürmten und sie gemeinsam sichtlich Spaß hatten. Nachdem dieses kurze Programm beendet war, brachen wir in zwei Gruppen zu einem Rundgang über das Grundstück des Heims auf. Sowohl wir, als auch die Mädels waren beeindruckt von der Größe und Ausstattung des Anwesens. Von eigenen Reisfeldern und Bananenplantagen, dem riesigen Schulgebäude, einer eigenen Schreinerei und einer Nähwerkstatt war dort wirklich alles vertreten, was man zum Leben so braucht und jeder war von etwas anderem völlig begeistert. Der Ort, der jedoch allen unseren Kinder wirklich gefallen hat, war der Fluss, welcher das Grundstück durchquert und in welchem sie Gelegenheit hatten, ein bisschen zu plantschen. Nach der circa eineinhalbstündigen Führung genossen wir erst einmal unser Mittagessen, bevor schließlich in einem Spiel getestet wurde, wie viel die Besucher bei ihrer Führung gelernt hatten. In einer Art Quiz wurden den beiden Gruppen diverse Fragen gestellt, wie beispielsweise nach dem Namen des dort lebenden Hundes, den Häusernamen, etc. Besonderen Spaß hatten sie und vor allem wir als Zuschauer bei der letzten Runde: dabei mussten die Mädels sich die Namen der Jungs merken und jeder gewusste Name gab zwei Punkte. Da unsere Kinder sonst ja nur in der Schule Kontakt zum anderen Geschlecht haben, stellten sie sich dementsprechend schüchtern an und vor allem die kleine Vihanga sorgte für viel Gelächter, als sie, direkt nachdem sie den Namen des Jungen ausgesprochen hatte, wegrannte und sich hinter den Rücken der Anderen versteckte.

Als die Sieger schließlich ermittelt und noch die von uns mitgebrachten Süßigkeiten gemeinsam verspeist wurden, war es auch schon an der Zeit langsam Abschied zu nehmen. Ausgestattet mit Adressen, Abschiedsgeschenken und vielen neuen Ideen, stiegen wir um 15.45 Uhr wieder in den Bus, um den Heimweg anzutreten. Während es sich anfangs noch um einen richtigen Party-Bus handelte, in welchem die Mädels lautstark sangen und sogar tanzten, wurde es zunehmend leiser, da die Fahrt aufgrund des starken Regens trotz des diesmal beinahe richtigen Weges noch immer neun Stunden dauerte und einige der Mädels die kurvenreiche Fahrt nicht ohne Plastiktüten überstanden hätten. So hatten wir am Schluss beinahe Mühe, die total erschöpften Mädchen, die zum Teil bei uns auf dem Schoß schliefen, zu wecken, als unsere Reisegruppe schließlich um Mitternacht in Marawila ankam. Trotzdem waren alle begeistert von ihrem ersten Übernachtungsausflug und die Mädchen haben unglaublich viel erlebt und gelernt.

Hier geht es weiter zu Danielas Bericht: Gedanken über die Reise nach Little Smile