Tagebuch Manuela Sinsel. Von Elefanten, Feiertagen und Ruinen. Teil 1. 14.08.2009


Nachdem sich unser Aufenthalt hier in Marawila immer schneller seinem Ende entgegen neigt, beschlossen Dani und ich, dass es noch ein letztes Mal an der Zeit war, ein paar andere Flecken von Sri Lanka zu erkunden, und so brachen wir am Dienstag, den 04.08., zu einer viertägigen Sightseeing-Tour auf. Da wir uns einiges vorgenommen hatten (die meisten lachten uns angesichts unserer doch recht ehrgeizigen Pläne aus oder erklärten uns für verrückt) verließen wir um halb fünf in der Früh das Haus, wo uns gleich der erste Schock erwartete: unser sonst so zuverlässiger Tuk-Tuk-Fahrer Christi tauchte nicht auf und war auch telefonisch nicht zu erreichen. Da wir aber nun schon mal wach waren und an diesem Tag auch einige 100 Kilometer zurücklegen mussten, entschieden wir uns dann die 20 Minuten zur Bushaltestelle zu Fuß zurückzulegen, wobei wir auf der dunklen Straße ungefähr alle fünf Meter entsetzt zur Seite hüpften, da uns ein Straßenköter ankläffte. Trotz dieses Abenteuers und unserer etwas verspäteten Ankunft am Bus, schafften wir es in Colombo noch, den 7-Uhr-Zug nach Kandy zu erreichen. Die Zugfahrt war sehr schön und führte uns durch die unterschiedlichen Landschaften immer weiter ins Landesinnere. Leider kamen wir am Ende mit einer dreiviertel Stunde Verspätung an, da wir wohl der erste Zug waren, der an diesem Tag diese Strecke fuhr, und so passierte es gelegentlich, dass wir anhalten mussten und erst einmal jemand ausstieg um die Schienen von Steinen und anderem Dreck zu befreien. Als wir in Kandy am Bahnhof ankamen, wurde uns mal wieder vor Augen geführt, dass Weiße hier doch einen besonderen Stellenwert einnehmen. Während von allen anderen Menschen beim Verlassen des Gebäudes ihr Gepäck inspiziert wurde, konnten wir, trotz unserer großen Rucksäcke, den Bahnhof ungehindert verlassen. Umso schneller waren wir natürlich am Busbahnhof, wo wir in den Bus Richtung Nuwara Eliya stiegen. Etwas beunruhigt waren wir ja schon, als wir sahen, dass in den Bussen, die sich auf den Weg ins Hochland machen, überall Tüten bereit hängen, falls die Mägen der Passagiere diese kurvenreiche Fahrt nicht mitmachen. Jedoch war es letztendlich gar nicht so schlimm und nach zweieinhalb Stunden stetigem Bergauf-Fahren, kamen wir schließlich an unserem geplanten Tagesziel an.

Dort mussten wir erst einmal entsetzt feststellen, dass die Leute, die uns erzählt hatten, dass es im Hochland sehr nass und kalt sei, leider nicht übertrieben hatten und sobald wir in unserer Unterkunft waren, packten wir erst einmal unsere langen Sachen aus dem Rucksack aus, um uns darin einzuhüllen. Dann brachen wir auch schon wieder auf und fuhren mit dem Tuk-Tuk zu zwei ca. 30 Kilometer entfernt gelegenen Wasserfällen. Die Landschaft, die wir dabei passierten war wirklich beeindruckend: kurvenreiche Passstraßen, Teeplantagen soweit das Auge reicht und so viele intensive, verschiedene Grüntöne, welche die gesamte Vegetation durchzogen, wie wir es zuvor niemals für möglich gehalten hätten.

teepflueckerinnenwasserfall

Die Devon Falls und die St. Claire Falls selbst konnten wir leider nur aus der Ferne betrachten, hatten jedoch das Glück, dass der Regen wenigstens für ein paar Minuten aussetzte, sodass wir wenigsten Fotos machen konnten. Was uns allerdings mehr beunruhigt hat als der Regen oder die Kälte, war der Zustand unseres Tuk-Tuks: dass wir beim Bergabfahren ohne Motor fuhren, schoben wir noch darauf, dass der Fahrer vermutlich Sprit sparen wollte, als es dann jedoch bergauf ging (und es ging eine lange Strecke bergauf), wurde uns schnell klar, dass er den Motor nur schonen wollte, da dieser sämtliche Kräfte für den Anstieg mobilisieren musste. So fuhren wir schließlich in einer Geschwindigkeit die Passstraße hoch, dass wir wirklich schon befürchteten, gleich müssten wir aussteigen und schieben, und uns wahrscheinlich jeder Fußgänger überholt hätte. Komplett durchgefroren und durchgerüttelt machten wir noch einen kleinen Zwischenstopp, um Erdbeeren zu kaufen, denn Nuwara Eliya ist der einzige Ort in Sri Lanka, wo diese wachsen können. Geschmacklich konnten sie jedoch nicht ganz mit den Erdbeeren von zu Hause mithalten, aber in 1800 Metern Höhe kann man das ja auch nicht unbedingt erwarten.

Abends verschanzten wir uns dann mit zwei dicken Wolldecken in unserem Zimmer, wo es uns nach Stunden gelang langsam wieder aufzutauen.

Am nächsten Morgen sind wir dann wieder zum Bus gegangen, um zurück nach Kandy, dem nächsten Stopp unserer Reise, zu fahren. Zuvor haben wir jedoch noch die Marktstände durchforstet, die uns als guter Tipp für den Einkauf von Sport-und Winterbekleidung einiger bekannter Marken, welche hier in Sri Lanka produzieren, empfohlen wurden. Tatsächlich war dort über Zara, Jack Wolfskin, Northface und ähnlichem alles zu finden. Angesichts des Platzmangels in unseren Koffern fiel unser Einkauf dann jedoch trotzdem noch einigermaßen bescheiden aus, da so eine Snowboard-Hose ja schon einiges an Raum einnimmt, aber auch für den Flug eher ungeeignet ist.

Kurz vor Kandy ließen wir uns in Peradeniya absetzen um dort einen Abstecher in den bekannten botanischen Garten zu machen: ein durchaus lohnenswerter Besuch in Anbetracht der Vielzahl an verschiedenen Bäumen und Blumen, die in unseren Breitengraden niemals gedeihen würden. Bambusbüsche, die uns meterhoch überragen, Kanonenkugelbäume und Mandelbäume bei denen schon die Wurzeln beinahe so hoch waren wie wir selbst waren nur ein paar der Highlights.

baumwurzel

flughundeZusätzlich gab es noch Gewächshäuser mit wunderschönen Orchideen, Kakteen und anderen Pflanzen, Gewürzgärten, Palmenalleen und sogar eine Rasensammlung. Und sogar die Tierwelt hatte einiges zu bieten. So trafen wir auf Affen, die zum Teil so gierig waren, dass sie uns sogar aus der Hand fraßen und es gab Bäume, die beinahe schwarz erschienen, da sie mit Tausenden von riesigen Flughunden behangen waren. Ganz schön beeindruckend diese Tiere in solch einer Anzahl mal live zu sehen, aber trotzdem möchte ich ihnen nachts wenn sie fliegen nicht unbedingt begegnen.

Nach drei Stunden, in dem wir die ganze Zeit unserer schweres Gepäck mit uns herum transportiert hatten, waren wir dann aber doch froh, die letzten sechs Kilometer für diesen Tag in einem Tuk-Tuk zurückzulegen.

zahntempelIn Kandy angekommen, konnten wir gleich festellen, dass uns abends so einiges erwartet. Die gesamten Straßen waren vollkommen überfüllt und die Menschen tummelten sich in Fünferreihen auf dem Bordstein. Schließlich war an diesem Tag der letzte Abend der bekannten Perahera, ein Ereignis, dass sich weder Touristen noch Einheimische entgehen lassen wollten. Trotzdem ließen wir uns erst einmal zu unserer Unterkunft bringen, um uns zumindest ein klein bisschen zu erfrischen und unser von Tag zu Tag wachsendes Gepäck abzuliefern. Anschließend liefen wir wieder hinunter in die Stadt, wo wir sogar noch Zeit fanden, den berühmten Zahntempel zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine Tempelanlage, in welcher die heiligste Reliquie des Buddhismus untergebracht ist: ein Eckzahn des Erleuchteten. Leider konnten wir von der sonst vorherrschenden andächtigen Stimmung nicht viel mitkriegen, da aufgrund der Perahera auch hier ein großer Besucherstrom vorhanden war. Doch auch sonst hätten wir wohl keine Chance gehabt, den Zahn tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, da selbst die äußere der sieben Schatullen, die seiner Aufbewahrung dienen, nur dreimal täglich gezeigt wird.

Auch bei der Perahera handelt es sich um Feierlichkeiten, die zu Ehren der Zahnreliquie stattfinden. Diese wird in den abendlichen Prozessionen durch die Straßen von Kandy getragen, ein Spektakel, das am letzten Tag seinen Höhepunkt findet. Nach dem Besuch des Tempels fingen wir an, uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz zu machen, um den Umzug sehen zu können, ein Unterfangen, welches sich als weitaus schwieriger als gedacht gestaltete. Jeder noch so kleine Winkel auf dem Pflaster war mit Gläubigen besetzt, die vermutlich schon seit dem frühen Morgen dort saßen und alle drei Meter versuchte ein anderer Singhalese uns einen total überteuerten Platz zu verkaufen. Ein Angebot, das auch die meisten Touristen in Anspruch nahmen, was wir daran beobachten konnten, dass wir, je mehr wir uns dem Ende der Umzugsstrecke näherten, desto weniger Weiße sahen. Da sich an diesem Abend etwa 800 000 Menschen in Kandy aufhielten, blieb auch uns am Ende nichts anderes mehr übrig, als doch noch für einen Platz zu bezahlen. Nach harten Verhandlungen wurde uns aber ein annehmbarer Preis gemacht, und unser Sitz im ersten Stock eines kleinen Geschäftsgebäudes, bei welchem sogar extra für diesen Anlass die Scheiben entfernt wurden, bot wirklich einen tollen Ausblick auf die Straße.

feuerknstlerUnd jetzt begann das große Warten: es war ca. viertel vor sechs, als wir uns auf unseren Stühlen niederließen und aus den verschiedensten Informationen, die einem jeder bereitwillig gab, konnten wir uns immerhin schon einmal zusammenreimen, dass sich die Prozession irgendwann zwischen 18 und 21 Uhr am Zahntempel in Bewegung setzten würde. Nach circa drei Stunden wurden wir dann doch so langsam etwas ungeduldig und waren heilfroh, dass wir uns doch für die komfortablere, wenn auch nicht kostenfreie, Variante entschieden hatten. Nachdem wir schon beinahe nicht mehr daran glauben konnten, dass überhaupt noch etwas geschehen sollte, hörten wir um 22.30 in der Ferne die ersten Peitschenschläge und eine Viertelstunde später ging es dann tatsächlich los. Zweieinhalb Stunden lang zog ein Zug an uns vorbei, welcher insgesamt 73 festlich geschmückte und beleuchtete Elefafestelefantnten, unzählige Tänzer und Trommler, Feuertänzer und Männer auf Stelzen umfasste.

Am wichtigsten dabei natürlich der größte und schönste Elefant, dem es beschieden war, die Zahnreliquie zu transportieren und der dafür sogar extra auf einem weißen Band, das vor ihm ausgelegt wurde, entlang schreiten durfte.

Es war wirklich sehr interessant, dieses in ganz Sri Lanka bekannte Fest live erleben zu dürfen, auch wenn wir froh waren, um halb zwei endlich total übermüdet in unser Bett fallen zu können. Übertroffen wurde dieses Gefühl nur noch von unserer Erleichterung überhaupt wieder heil angekommen zu sein, da man unserem Fahrer anmerkte, dass er an diesem Abend noch einige Menschen mehr transportieren wollte und er in furchterregendem Tempo zu unserer Pension fuhr, sodass wir nicht nur Angst um unsere eigene Sicherheit, sondern vor allem auch um die unzähligen Menschen auf der Straße haben mussten.

Was wir in den zwei darauf folgenden Tagen noch alles erlebt haben, könnt ihr in Danis Tagebuch nachlesen.