Tagebuch Manuela Sinsel. Ab in den Süden. Teil 1. 23.07.2009


Nachdem wir mittlerweile seit über drei Wochen in Sri Lanka sind, dachten Dani und ich, dass es Zeit wird, dass wir uns auf den Weg machen und mal wieder etwas von dem uns doch noch recht fremden Land erkunden. Deshalb klingelte am Freitag den 17. Juli um 4 Uhr der Wecker und um halb fünf saßen wir schon im Bus, um in den Süden der Insel zu fahren. Im schüttenden Regen stiegen wir gegen sechs in Colombo um und leider sollte das Wetter den ganzen Tag über nicht mehr wesentlich besser werden. Auf der Fahrt kam uns der Gedanke, dass wir unterwegs aussteigen könnten um schon einmal den ersten Punkt auf unserer doch recht langen To-Do-Liste abzuhaken: die Schildkröten-Aufzuchtsstation in Kosgoda. Entlang der südlichen Westküste gibt es relativ viele solcher Stationen, deren Ziel es ist, die fünf hier vorkommenden Arten von Meeresschildkröten vor dem Aussterben zu retten. Denn leider werden Schildkröteneier hier gerne als Delikatesse gehandhabt und auch die schönen Panzer sind für Schmuck und dergleichen sehr begehrt.

schildkroetenbaby_sandGanz toll fanden wir es, dass wir direkt nach unserer Ankunft zwei eben erst geschlüpfte Schildkröten aus dem Sand ausgraben und in ein Wasserbecken zu lauter anderen ein bis drei Tage alten Babys der Green Turtle setzen durften. Die waren ja so niedlich!

manuWir haben dann noch mehrere andere Becken mit Schildkröten verschiedenen Alters gesehen, welche, wie uns unser Guide erklärt hat, hauptsächlich deshalb dort sind, da sie im offenen Meer nicht überlebensfähig wären. So handelt es sich bei ihnen größtenteils um Tiere, die entweder blind sind oder einen deformierten Panzer haben, und sogar eine Albino-Schildkröte mit dem Namen Lilly befand sich darunter. Interessant war auch, dass wir die Tiere hoch heben durften, was bei manchen aufgrund ihres doch recht hohen Gewichtes jedoch nur zu zweit möglich war; schließlich werden die Schildkröten wenn sie ausgewachsen sind bis zu zwei Meter lang und 250 Kilo schwer.

Als wir uns schließlich nach einem letzten Blick auf die Babyschildkröten von der Station wieder losreißen konnten, ging es mit dem Bus weiter nach Galle und von dort mit dem Tuk-Tuk nach Unawatuna, wo wir für die nächsten zwei Nächte unsere Unterkunft, ein nettes kleines Hotel direkt am Meer, gebucht hatten.

Unseren eigentlichen Plan, einen Teil des Tages am Strand und im Meer zu verbringen machte uns das Wetter leider zunichte, aber glücklicherweise sollte uns das, wie bei Dani zu lesen ist Sonntag noch gelingen, denn sonst hätten wir es in den zwei Monaten unseres Aufenthaltes hier kein einziges Mal ins Meer geschafft, da in Marawila das Baden aufgrund der Strömung zu gefährlich ist. Wahrscheinlich war es sogar gut so, denn so konnten wir den Nachmittag zu einer Rundtour nutzen, und uns einen doch verhältnismäßig großen Teil der Südküste ansehen. Unser Hotelbesitzer organisierte uns einen mit ihm verwandten Tuk-Tuk-Fahrer, der uns eine richtige Sightseeing-Tour anbot.

chillipflanzeSo fuhren wir zuerst noch zu einer zweiten Schildkröten-Station, welche ähnlich wie die in Kosgoda aufgebaut war und hatten dort das Glück auch noch die Schildkrötenarten zu sehen, die sie in der anderen nicht hatten. Von dort aus ging es nach kurzer Zeit weiter zu einem Gewürzgarten, wo wir die Chance hatten zu sehen, wie die ganzen, bei uns in den Supermärkten in Plastiktütchen abgepackten, Kochzutaten eigentlich tatsächlich aussehen.

schiffDie Besitzer dieses Gärtchens sprachen sehr gut Deutsch und führten uns mit manchen Erklärungen vorbei an Pfeffersträuchern, Aloe Vera- Planzen, Kurkumawurzeln und noch vielem mehr. Da die Besichtigung selbst kostenlos war, wurden wir direkt danach weiter in den dazugehörigen Verkaufsshop gelotst, wo wir uns dann doch so manches aufschwatzen ließen, was wir woanders vermutlich billiger bekommen hätten. Naja, aber dafür waren wir ja immerhin selber vor Ort und wissen, dass es wirklich frisch ist. Anschließend machten wir noch eine Bootsfahrt auf einer Lagune, welche zur Hälfte Salz- und zur Hälfte Süßwasser enthält und wurden durch eine idyllische Landschaft zur Cinnemon-Island, der Zimtinsel, gerudert.

Unser Bootsfahrer, der selbst auf dieser kleinen Insel zu Hause ist, kochte uns Zimt-Tee, den wir auf seiner Terrasse genossen, während er uns zeigte, wie die Rinde der Bäume zu Zimtstangen geformt wird. Jeder von uns bekam sogar eine ganz frische eingepackt, die wir dann zu Hause irgendwann sicher ganz besonders genießen werden. Und in den Baumwipfeln konnten wir auch den ein oder anderen Affen erspähen. Leider fing es noch während wir auf unserem Boot saßen wieder zu regnen an, weshalb wir keine Warane sahen, die sich sonst wohl manchmal auf den Steinen in der Sonne räkeln.

teeverkostungNachdem wir wieder am sicheren Ufer angekommen waren, ging es auch schon weiter an der Küste entlang, wo wir hofften, ein paar Stelzenfischer zu sehen, die sich jedoch leider rar machten. Nur ein einziger saß auf seinem Stab im Wasser, doch unser Fahrer meinte, dass wir vielleicht auf dem Rückweg mehr sehen würden, eine Prophezeiung, mit der er Recht behalten sollte, wie später noch zu lesen ist. So fuhren wir erst noch zu einer Teeplantage um uns diese anzuschauen. Die Besichtigung der Plantage und der Fabrik war zwar umsonst und beinhaltete auch zwei Tassen Tee und ein Stück Kuchen, jedoch ließ es sich unser Führer nicht nehmen, uns alle fünf Minuten genau daran zu erinnern und uns ins Gedächtnis zu rufen, dass deshalb eine kleine Spende am Ende doch sehr angebracht wäre, was uns nach geraumer Zeit doch etwas auf die Nerven ging. Jedoch war die Führung selbst sehr interessant und am Ende haben wir, nach der Probe von noch mehr Tees, auch kräftig eingekauft.

Ceylon Tee ist ja schließlich doch eine Spezialität und schmeckt Zuhause in Deutschland sicher gleich doppelt so gut, wenn man selbst durch die Plantage spaziert ist.

stelzenfischerDanach machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Hotel und tatsächlich hatte unser Fahrer Recht und trotz des zunehmenden Regens konnten wir nun mindestens zwanzig Stelzenfischer bei ihrer Arbeit beobachten. Das ist schon ein beeindruckender Anblick, wie diese Männer Wind und Wetter trotzen und dort auf ihren Stangen im Meer sitzen. Ein Job um den ich sie nicht beneide, da ich wahrscheinlich nach spätestens fünf Minuten hinunterfallen würde.

Abends im Hotel kam es dann noch zu einem weiteren Highlight. Da unsere Unterkunft eigentlich eine recht umfangreiche Menükarte hatte, dachten wir uns, dass wir dort zu Abend essen könnten. Unser Hotelbesitzer teilte uns dann jedoch mit, dass aufgrund der Nebensaison (wir waren die beiden einzigen Gäste im Hotel) keine Vorräte da seien, er uns aber gern Reis und Curry kochen könne. Erst als wir nach einer halben Stunde wieder hinunter kamen, stellten wir fest, dass er auch dazu erst mal einen seiner Angestellten zum Einkaufen schicken musste und wir bekamen fast ein schlechtes Gewissen, dass er wegen uns so einen Aufwand hatte und danach noch eine halbe Stunde in der Küche schnippelte und brutzelte. Allerdings ist es ihm sehr gut gelungen und die drei verschiedenen Gemüsecurries waren wirklich sehr lecker. Mit vollem Magen fielen wir dann nach diesem ereignisreichen, aber auch anstrengenden Tag ins Bett, da es am nächsten Morgen ja schon früh wieder weitergehen sollte. Wie, könnt ihr in Danis Tagebuch nachlesen.