Tagebuch Manuela Sinsel. Kultur einmal anders: Buddhistischen Gottesdienst. 09.07.2009


Da hier in Sri Lanka sehr viele Buddhisten leben und auch im Heim einige Mädchen der buddhistischen Religion angehören, haben Daniela und ich den heutigen Feiertag dazu genutzt uns das Ganze einmal aus der Nähe anzuschauen.

bud-gebetsfahneDazu muss erst einmal gesagt werden, dass Religion hier einen wesentlich höheren Stellenwert einzunehmen scheint, als in Deutschland. So sind die christlichen Mädchen Samstag Nachmittag circa vier Stunden oder länger in der Kirche und die buddhistischen gehen Sonntag Vormittag für ungefähr dieselbe Zeit in den Tempel.

Da am heutigen Montag dann auch noch ein buddhistischer Feiertag war, der hier jeden Monat einmal ist und an dem die Menschen fast den ganzen Tag im Tempel verbringen, hatten wir die Chance zumindest für ein bis zwei Stunden mal hineinzuschnuppern.

So hat dann auch um sechs Uhr der Wecker geklingelt, da wir mit den Mädchen um 6.45 im Heim verabredet waren um gemeinsam zum Tempel zu laufen. Weil die Menschen hier alle spezielle Kleidung für den Tempel haben (weißes knöchellanges Kleid bzw. bei den Mädchen ein weißer Kindersari) mussten wir uns natürlich so gut wie möglich anpassen und haben auch unsere hellsten Kleider hier aus dem Schrank geholt und zur Abwechslung mal eine lange Hose getragen, um der uns fremden Religion den nötigen Respekt entgegenzubringen und nicht als Touristen negativ aufzufallen. Aufgefallen sind wir natürlich trotz unserer farblichen Anpassung, aber die meisten Leute haben uns mit einem freundlichen Lächeln begrüßt und uns das Gefühl gegeben willkommen zu sein.

Wie es überall hier in Sri Lanka beim Betreten eines Hauses und vor allem beim Betreten eines Tempels üblich ist, haben wir vor dem Eingang unsere Schuhe ausgezogen. Unsere Mädchen haben uns dann das Gelände gezeigt, auf dem sich verschiedene Gebäude befinden, so zum Beispiel eine Art Haus, auf dessen Empore eine riesige Buddhastatue sitzt und noch verschiedene weitere kleinere Tempel und Altäre mit unterschiedlichen Buddhastatuen.

eingang-tempelDann ging es los und alle Leute stellten sich in einer Reihe am Rande des Tempelgeländes auf. Etwas nervös waren Dani und ich dann schon, da wir erstens keine Ahnung hatten, was jetzt als nächstes passiert und zweitens auch nicht wussten, ob es den Menschen nicht unangenehm ist, wenn wir aktiv am Gottesdienst teilnehmen, da wir ja beide einer anderen Religion angehören. Bevor wir uns jedoch mit den Mädels nochmal verständigen konnten, ob wir uns nicht besser ein Stück zur Seite stellen sollten, fing auch schon die erste Zeremonie an. Eine Reihe von Kindern und auch ein paar erwachsenen Frauen zogen an uns vorbei, von denen jeder entweder einen vorher vorbereiteten Korb mit wunderschönen Blüten oder eine Schale mit Räucher-/bzw. Weihrauchstäbchen trug. Diese Schalen wurden dann von allen Personen am Rand berührt, auch von uns beiden, nachdem wir durch freundliches Lächeln dazu aufgefordert wurden und wir somit nicht länger Angst hatten etwas zu entweihen. Nachdem diese Prozession von circa 20 Personen etwa zweimal an uns vorbei gezogen war und die Blumen und Schalen an den unterschiedlichen Altären verteilt waren, sagten uns die Mädchen, dass jetzt gebetet wird. Dazu setzten wir uns auf die Stufen eines der Gebäude und die Gottesdienstbesucher verteilten sich über das gesamte Gelände. Ob es dabei feste Plätze gab, die irgendeiner Rangfolge entsprachen, konnten wir leider nicht rausfinden, da sich die Antworten unserer Mädels etwas widersprachen, was wohl an der etwas schwierigen englischen Verständigung lag. Das Gebet verlief dann so, dass ein buddhistischer Mönch, der wie man es aus jedem Reiseführer kennt in ein orangenes Gewand gehüllt war, das Gebet zum Teil in ein Mikrofon gesprochen, zum Teil gesungen hat, was die Teilnehmer am Gottesdienst wiederholten oder eventuell auch beantworteten. Da sich unsere Kenntnisse der singhalesischen Sprache bislang leider auf das Zählen bis 10 und vereinzelte Wörter wie z.B. 'Wie geht's dir?' beschränkt, kann ich über den Inhalt des Gebets leider nichts wiedergeben, aber trotz allem war es interessant zu beobachten, wie vor allem ältere Menschen die ganze halbe Stunde unbeweglich dasitzen konnten und völlig in ihr Gebet versunken zu sein schienen. Uns fiel das Stillsitzen da schon schwerer, weil es nach geraumer Zeit mit zum Gebet gefalteten Händen doch etwas unbequem wurde.

Als das Gebet vorbei war, wurde uns gesagt, dass es jetzt Frühstück gibt, und da Daniela und ich eigentlich vorhatten bald zum Heim zurückzukehren, dachten wir, das wäre ein geeigneter Zeitpunkt um zu gehen und die Menschen und vor allem die Mädchen wieder ihrer Routine zu überlassen. Wir hatten auch schon die Schuhe an und waren auf halbem Weg zum Tor, als uns ein singhalesischer Mann extra angehalten und uns persönlich zum Frühstück eingeladen hat. Diese Einladung konnten wir dann natürlich nicht ausschlagen und somit sind wir wieder in ein Nebengebäude gegangen, in dem die Mädchen vom Angels Home auf uns warteten und uns extra Teller mitgebracht haben. Da diese unserem Gastgeber jedoch zu klein erschienen, brachte uns der Mann, der die Einladung ausgesprochen hatte, extra zwei Suppenteller und somit reihten wir uns damit in die Schlange ein, um unser Essen zu bekommen. Mit einer großen Portion Reis, Fischcurry und Kokosnusssambal setzten wir uns dann also auf den Boden der Halle und genossen unser Frühstück, wobei ich dazu sagen muss, dass ich trotz des eigentlich guten Geschmacks des Essens doch Toast oder Müsli bevorzuge und meine Portion auch nicht ganz geschafft habe. Da kommt wohl doch noch meine europäische Geschmacksrichtung zum Vorschein, welche doch eher noch auf ein typisch deutsches Frühstück eingestellt ist.

Da uns Nisansala gesagt hat, dass das nächste Gebet bis ungefähr 11.30 Uhr dauern würde und wir erst 9.00 Uhr hatten, haben wir uns dann entschieden nach dem Frühstück den Heimweg anzutreten, weil wir ja geplant hatten, gegen zehn ins Angels Home zurückzukehren um mit den anderen zu spielen und uns ein zweieinhalb Stunden Gebet in einer absolut fremden Sprache doch auch etwas abschreckte.

Obwohl wir nur zwei Stunden des etwa 8-stündigen Gottesdienstes besuchten, denke ich, dass es für uns beide eine ganz neue und sehr interessante Erfahrung war und wir werden uns die nächsten Tage von unseren Mädels sicher noch mehr über die Traditionen und Zeremonien des Buddhismus erzählen lassen.

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