Tagebuch Maria Paola König. Don´t like to say Goodbye! 04.03.2010


mariapaola_und_kidsSechs unbeschreibliche Wochen sind so schnell und eindrucksvoll verlaufen als hätte mich ein Zug überfahren. Ich sitze nun wieder auf meiner Couch, trage wieder Schuhe und habe mein altes Leben wie ein Kleid brav wieder angezogen. Und nun?!
Wenn ich jetzt zurückblicke ist mir klar wie sehr ich mich an diesen Ort und an diese Kinder gebunden habe. Jeder wertvolle Moment läuft mir durch den Kopf wie eine Diashow.
Jedes Mädchen des „Angels Home for Children“ hat mir soviel mitgegeben das ich erstmal eine Weile gebraucht habe den Koffer zu packen. Jede auf ihre eigene Weise: Hashini temperamentvoll wie ein belebendes Sommer-Gewitter. Dinesha verlockt mit ihren Scharfsinn und dem unwiderstehlichen Humor. Shakina flattert, wandelbar wie ein Schmetterling durch die Gegend als wäre sie auf der ständigen Suche nach etwas. Mauri mit ihrer gutmütigen Art besitzt die Kreativität und das Durchhaltevermögen einer Künstlerin. Asadi, ein kleiner unbändiger Sonnenschein, ist äußerst dickköpfig und ihre Augen glänzen wie Sterne, bei bedarf. Ann ist so ausgeglichen sie wirkt etwas zurückhaltend ist aber immer sehr präsent mit Herz und Seele. Nadischa ist kraftvoll und zielsicher wie ein Torpedo, bewahrt damit meist nur ihren weichen Kern und die kleine Nawanjena mit ihre Mäusestimme, ist so niedlich dass es einem umhaut, verblüffend greift sie humorvoll ein wenn man es kaum erwartet hätte. Mali macht aus Ästhetik eine Berufung, steckt eigentlich voller Enthusiasmus sobald sie sich endlich beweisen kann. Dilki immer munter und spielerisch, oder auf den Punkt zuverlässig, das Kichern ist für sie aber vieeel zu verlockend.  Hiruni ist genauso zierlich in der Gestalt, wie empfindlich und zärtlich, und einfach unwiderstehlich: ob fröhlich oder traurig. Chanchala und ihr orangerotes Kleid, es strahlt herzlich und energisch wie ihr schlauer Charakter. Udeshika genauso ruhig, stabil und schweigsam, wie unberechenbar, extravagant und lebenslustig! Chatumini ist wie ein farbenfroher Regenschirm für die „kleineren“, sie ist vom Grund auf eine aufrichtige junge Frau. Die manchmal etwas komplizierte Shanika besitzt eine phantasievolle innere Welt in die sie sich meist mit sehr viel Fröhlichkeit begibt, doch manchmal ziehen dunkle Wolken auf, aber es ist nur eine Frage der Zeit. Während Sanduni mal wieder in einer Ecke sitzt, die anderen Kinder beim spielen beobachtet und sich dabei wunderbare Welten wünscht, verteilt Vihanga ihre friedliche Gefühlslage. Was immer sie damit berührt, verwandelt sich in etwas Besonderes. Die junge Kumari ist ein kleiner Tornado, so wuchtig und liebenswert wie nur Kinder sein können und zuletzt die süße Emesha still, aufmerksam und geheimnisvoll wie eine Katze, schwer zu bändigen oder zu erreichen und doch so knuddelig!

Dies ist das kleine Fenster durch das ich euch Heute ein Bild meines Aufenthalts in Sri Lanka vermitteln möchte. Ganz abgesehen von der prächtigen Landschaft, die ich offenbar inspirierend fand. Die hervorragenden, am Anfang zu scharfen Speisen (ich hab noch nie so guten Fisch gegessen) oder das unmittelbare Freiheitsgefühl dieser zwanglosen, natürlichen Lebensweise. Am meisten hat mir das Barfußlaufen gefallen ;)
Was die Menschen angeht denen ich begegnet bin, ist meine Meinung ganz zwiespaltig. Zum einen konnte ich die aufmerksame, praktische Seite der Singhalesen genießen, zum anderen eine verschlossene etwas unverschämte Mentalität die man einfach so akzeptieren muss wie sie ist. Ein einfacher Tipp für die Menschen die gerne Reisen (vor allem in solch einem Land): es wird eine große Anpassungsfähigkeit und viel Verständnis von einem gefordert und man sollte daran denken, dass es immer die eigene Einstellung ist die in erster Linie das Gelingen einer Erfahrung bestimmt.
Letztendlich ist es nicht der Grund wieso wir uns überhaupt einer solchen Herausforderung stellen?!

Was das Drylands Projekt angeht habe ich wiedermal feststellen können wie aufregend es ist ein Sozial-aktives Leben zu führen. Ich sehe es an Julia, Frank und all den anderen Mitarbeitern des „Angels Home“ die sich Tagtäglich mit tausenden, großen oder kleineren Fragen konfrontiert sehen. Simple Fragen wie: wie viel Schokolade dürfen die Kinder von den vielen Besuchern im Monat bekommen damit sie nicht allzu verwöhnt werden? Wer braucht alles ein neuen Schulranzen? Was machen wir mit Asadi die schon wieder ihr Nachhilfeheft verloren hat? Oder wichtige organisatorische Fragen der Heimverwaltung. Was mit den Behörden in Sri Lanka gar kein Spiel für leichte Nerven ist. Dazu muss man sich zurzeit um die Leitung des Neubaus konzentrieren. Und die Praktikantinnen? Wer kümmert sich um ihre Ausbildung? Und gleichzeitig wer sorgt für die ganze Öffentlichkeitsarbeit, Einkäufe für Schule und Heim, Personalleitung, Aufnahme und Entlassung der Kinder, Tagesbucheinträge, usw. Eins ist jetzt klar, es wird einem nie Langweilig im „Angels Home for Children“.

Es gab gute und weniger Gute Tage aber immer wieder das Bewusstsein das die Zeit etwas Wertvolles ist, vor allem wenn man weiß das man wieder gehen muss.
Wenn ich also zurückkehren könnte würde ich sicher viel mehr davon einplanen.

Ich bedanke mich Herzlich bei jedem Kind im Heim, bei Frank und Julia, bei dem Personal des „Angels Home“ und bei dem Lesern für diese einmalige Erfahrung.

Liebe Grüße aus Stuttgart

eure Maria Paola König