Tagebuch Maria Paola König. Kreatives Spielen & Malen. 12.02.2010


 

Hallo liebe Leser,

nun befinde ich mich mittendrin in meiner Erfahrung mit den Kindern des „Angels Home“. In den vergangenen Wochen habe ich die Möglichkeit gehabt einen tieferen Blick in das Heimleben zu werfen. Die Mädchen haben sich dabei ganz offen gezeigt und mich gerne in ihre kleine Spielwelt begleitet. Die Begegnung mit ihren Spielgewohnheiten und den Alltag den sie hier bewältigen, hat mich jeden Tag ein bisschen mehr verlieben lassen GrinsenIch merke wie sich in diesem Land alles im widersprüchlichen Doppelrhythmus bewegt: außerhalb der Häuser, wo das Leben im wilden Zick-Zack des Verkehrs voran geht und innerhalb wo die Menschen ihren Pflichten mit einer selbstverständlichen Ruhe und Gelassenheit nachgehen. Ich erzähle dies als Anregung, um ein Stück weit das Gefühl zu vermitteln, das ich habe wenn ich durch die Gartentür des „Angels Home“ trete. Ich komme jeden Tag in eine sehr friedliche, mit der Natur verbundene Umgebung. Das erste was ich hier tue, so wie jeder andere auch, ist die Schuhe auszuziehen. Unter den ersten Eindrücken ist somit die Erde, mit ihrem feinen, angenehmen, kühlen Sand unter meiner Fußsole. Das zweite ist eben die Ruhe. Je nachdem ob die Kinder in der Schule sind, erlebe ich ein strahlendes „Good Morning Maria!“, oder ich warte auf die Begegnung mit den ersten Kindern. Sobald die Mädchen aber zu Hause sind, geht es ganz lebendig zu. Ich werde zu Hausaufgaben, Mal- un d Zeichen Stunden und jeder Art von Spiele gezerrt.

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In dieser Zeit habe ich die Gelegenheit dazu, wirklich interessante Dinge über die Kinder zu erfahren. Ich merke dass zum einem die unmittelbare Nähe zur Natur, den Mädchen ein offenes Erfahrungsfeld bietet. Zum anderen die Tatsache, dass die Kinder hier weniger Spielzeuge besitzen, die Mädchen dazu fördert ihre Phantasie intensiver einzusetzen. Sie haben viel Spaß dabei, ausgefallene Gegenstände zu erzeugen, die sie dann für die Gestaltung ihrer Spiele verwenden. So wird schnell aus einer Kokosnuss-schale und ein paar großen Blättern ein schickes Spiel-Geschirr. Aus einem alten Metalleimer, einer Schnur und 2 kräftigen Stöcken ein lautes Tamburin, und aus ein bisschen Erde und Wasser, taugliches Knet-Material.

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Auch die Spielweise zeigt sich von ihrer klugen Seite. Wie durch eine Lupe beobachte ich sie beim spielen:

Asadi und Shanika verbringen zum Beispiel, hin und wieder die Zeit in ihrem kleinen „Haus“. Zwischen 3 Büschen hinter einer kleinen Gartenmauer sind sie ganz in ihrer Welt. Dort beschäftigen sie sich gerne mit der Vorbereitung von ausgefallenen Gerichten. Sie pressen sorgfältig eine Hand voller Beeren und vermischen sie mit etwas Wasser. Dann fügen sie verschiedene Blüten und klein gehackte Blätter hinzu und quetschen das ganze zu einer gleichmäßigen Paste. Sie pressen eine klebrigen Gelatine heraus, die sie als Binder für ihre vielfältige „Erdgerichte“ verwenden werden. Der Rest benützen sie als Dekoration für die Speisen.

Ich hatte noch nie so viele verschiedene Blumen-Schleim-Suppen und Erd-Frikadellen gekostet Winken..und da ich so begeistert von der Haupt-speise war, durfte ich sogar einen eigenen Blumen-Sand-Geburtstagskuchen Winkenbei den Nachbarinnen einnehmen: Emesha, Hashini, Hiruni und Vihanga die ebenso ein eigenes Küchenreich eingerichtet haben.

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Die Mal-Aktivitäten haben sich inzwischen zu einem festen Bestandteil des Tages entwickelt. Mittlerweile mache ich keine Ankündigungen mehr, sondern die Mädchen übernehmen die Initiative selbständig. Ich beschaffe Ihnen die Materialien und sie gestalten gelassen ihre bunten Werke. So ist es nicht unüblich eine Konzentrierte Vihanga, in einer einsamen Ecke zu sehen, wie sie hoch beschäftigt den Wachsstift in der Hand und die Lippen zusammengepresst hält. Oder eine Surangika welche ganz gespannt, die Farben so fest an das Papier presst bis das Bild von eigener Kraft strahlt Grinsen

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Meistens versuche ich mich zur gleichen Zeit, ebenso in der Kunst. Ich konnte beobachten wie mein eigenes herangehen an die Objekte, die Kinder dazu anregt sich mehr über die verschiedenen Möglichkeiten umzuschauen. Dabei ist mir wichtig dass sie sich die Frage stellen: „Was kann ich alles als Malmotiv von meiner Umgebung nehmen?“ und „ Was gibt es für Möglichkeiten wie ich es darstellen kann?“. Vor allem die älteren Mädchen scheinen davon überrascht zu sein, wie einfach es ist, etwas unsichtbares, wie z.B. eine Wäscheschnur zwischen Bäumen, in eine schöne, Farben frohe Zeichnung zu verwandeln Winken

b13Malobjekt Wäscheleine

Wachsstifte, Pastellfarben Kohle und Papier stehen nun meistens auf einem Tisch in der Veranda und werden sehr häufig genutzt.

Was die Wasserfarben angeht, ist die richtige Zeit seltener aber dafür auch ein intensiveres Erlebnis. Die ersten Organisationsfragen sind endlich gelöst. Nun wissen die Mädchen schon selber wie sie sich bewegen sollen ohne ein Chaos einzurichten (Hashini und Asadi Winken) und sie wissen mit den Materialien umzugehen. Hin und wieder tauchen ein paar Stunden auf, wo die Kindern sich so richtig ausleben dürfen. Es ist eine Freude für mich zu sehen wie sie in dieser bunten Welt aufgehen. Sie genießen sichtlich die eindrucksvolle Wirkung der Mischfarben und die grenzenfreie Natur des Wassers. Nawanjena zum Beispiel, eine besonders stilles, schüchternes Mäußchen malt mit einer Überzeugung die mich manchmal wirklich überrascht! Und Shakina mit ihrem sanguinischen Temperament, macht sich an die Arbeit mit großer Ruhe und Konzentration ran... bis zum Ende!

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Wenn ich es mir recht überlege merke ich wie mir die Zeit davon läuft. Es gibt soviel was ich gerne mit diesen Mädchen machen würde!

 

Soweit für Heute

Liebe Grüße

Maria

 

 

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