Meine erste Reise nach Sri Lanka. 06.02.2008


So, jetzt ist es endlich soweit, ich bin zum ersten Mal auf Sri Lanka.
Wahrscheinlich wäre ich ohne meinen Bruder nie auf die Idee gekommen, ausgerechnet hierher zu reisen. Seit nun fast drei Jahren lebt und arbeitet er hier auf dieser Insel. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich ihm das so nicht zugetraut. Helfen ist ja eine Sache, so ein Projekt auf die Beine zu stellen aber eine ganz andere!

 

Natürlich habe ich mich die ganze Zeit über das Internet und per E-Mail auf dem Laufenden gehalten, außerdem war Frank ja ein paar mal zu Besuch in Deutschland. Als meine Eltern von ihren Reiseplänen berichteten, habe ich die Gelegenheit ergriffen und mich eingeklinkt.

mein-schwesterherz

Kurz nach unserer Ankunft sind wir auch schon bei den Kindern im Angels Home. Alle sind ganz aufgeregt, dass die Familie vom Frank kommt. Mit drei kleinen Blumensträußchen werden wir empfangen. Da Sonntag ist, haben die Mädchen Englischunterricht und die Lehrerin gibt die eine oder andere Hilfestellung bei der Begrüßung.

Beim anschließenden Mittagessen haben die Kinder ihren Spaß dabei, zu beobachten, wie wir, mehr oder weniger geschickt, mit den Fingern essen.

Endlich habe ich Gelegenheit meinem Patenkind Udeshika ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Da sie erst seit kurzer Zeit die Schule besucht, und wie alle singhalesischen Mädchen sehr schüchtern ist, beschränkt sich die Unterhaltung auf anschauen und lächeln. Außerdem möchte ich sie nicht gleich bei meinem ersten Besuch überfordern.

Da die Mädchen in letzter Zeit viel Besuch hatten und Weihnachten ja auch noch nicht so lange zurück liegt, gebe ich die anderen Mitbringsel Julia, die sie dann lieber bei einer besseren Gelegenheit verteilen soll.

Während wir uns ein wenig auf der Terrasse entspannen, legen die Mädchen mit ihrem Sportprogramm los. Ich sitze praktisch in meinem eigenen Saft und kann nur staunen, mit welcher Energie ein Wettrennen nach dem anderen abgespult wird. Und nicht eine Schweißperle ist zu entdecken!

Danach wird ganz selbstverständlich die Wäsche von der Leine genommen und anschließend der Garten gefegt. (Das müssten meine Jungs mal sehen!) Wir müssen uns leider schon verabschieden und versprechen am nächsten Tag wieder zu kommen.

Wir treffen passend zum Mittagessen im Heim ein. Die Kinder kommen gerade aus der Schule. Erst einmal die Schuluniformen aus, Schuhe und Strümpfe zum Auslüften nach draußen und dann zum Essen bereit machen. Mit großer Disziplin geht es anschließend an die Hausaufgaben. Hana und Julia haben aber trotzdem jede Menge Hilfestellung zu geben. Das gestaltet sich allerdings beim Singalesich etwas schwierig.

Am Nachmittag bekommen wir noch eine tolle Tanzdarbietung. Man merkt den Kindern an, dass es ihnen viel Spaß macht.

Nach ein paar Tagen im Heim, machen wir den einen oder anderen Ausflug. Schließlich wollen wir ja auch ein paar Eindrücke von Sri Lanka mitnehmen.

Natürlich ist es ein sehr schönes Land mit vielen tollen Sehenswürdigkeiten, von denen wir auch einige besucht haben. Trotzdem überwiegt bei mir der Eindruck eines doch noch recht rückständigen, und in großen Teilen auch armen Landes.

Wir fahren an Hütten aus Palmenblättern, Holzverschlägen und Häusern in einfachster Konstruktion vorbei. Allgegenwärtig sind auch die Bettler, die am Straßenrand um ein paar Rupies flehen.

Die Gedanken über die Terroranschläge und den Krieg drängen wir zurück. Zum Glück bekommen wir das Meiste auch nur durch die Nachrichten mit.

Als wir wieder zurück sind, besuchen wir noch einmal das Angels Home.

Die Mädchen sind dabei, sich aus Palmenblättern Besenreisig zu schnitzen, aus denen Laxman, der Hausmeister und Securitiman, dann einen gebrauchsfähigen Besen zusammenbaut. Sogar die Kleinste ist schon mit dem scharfen Messer zugange und stellt sich sehr geschickt dabei an.

So lernen die Kinder jeden Tag für ihr späteres Leben.

Auch komme ich Udeshika ein bisschen näher, und mit Hilfe der Metren als Übersetzerin können wir uns auch ein wenig unterhalten. Beim anschließenden Sport müssen auch wir alle an den Start und haben viel Spaß dabei. Das Highlight ist für mich der Wettlauf meines Vaters gegen die Metren. Zum Abschied bekommen wir noch ein paar selbst gemalte Bilder und Briefchen und mit einer Träne im Augenwinkel fahren wir fort.

Von einer „Aufbewahrungsanstalt" hat dieses Haus aber auch gar nichts. Der Tag der Kinder ist mit vielen Aufgaben, Lernen, Spaß und Spiel ausgefüllt.

Sicherlich vermissen alle Mädchen ihre Familien, aber wenn ich sehe wie viel Liebe ihnen im Angels Home entgegengebracht wird, glaube ich, dass sie es bestimmt besser haben als manch anderes Kind in Sri Lanka.

Schwer beeindruckt und unendlich stolz auf meinen Bruder fahre ich nun wieder nach Hause.

Ich komme bestimmt wieder.