Abschied von Hana. 23.01.2008


Fazit nach 5 Wochen Aufenthalt im Dezember 07/Januar 08:

Durch meinen Aufenthalt konnte ich mich überzeugen, dass das Projekt ehrlich gemeint ist. Ich habe mit Frank und Julia die ganze Zeit praktisch in einer WG gelebt, so dass ich den Alltag der beiden kennen lernte und von der Ernsthaftigkeit überzeugt wurde.

Da es unter einigen der selbsternannten Helfern in Sri Lanka, die ein angeblich gemeinnütziges Spendenprojekt betreiben auch schwarze Schafe gibt, die sich ein angenehmes Aussteigerleben dadurch finanzieren oder Ländereien aufkaufen, wollte ich zuerst die Personen und das Projekt kennen lernen.

Abschied von Hana

Der Lebensmittelpunkt von Frank und Julia ist das Heim, für das tagsüber vor Ort gearbeitet wird sowie die unermüdliche Spendensammlung insbesondere über Internetforen, Beantwortung von Anfragen, Reporting an Pateneltern und Spender, Berichtswesen an Behörden etc. Insbesondere die Spendensammlungsaktivitäten über Internetforen finden zwangsläufig aufgrund der Zeitverschiebung nachts statt. Von einem angenehmen Luxusleben kann nicht die Rede sein. Beide sind mit Herz dabei und haben natürlich an der ganzen Sache auch Spaß, ansonsten wäre die ganze Aktion sowie die Überwindung der zahlreichen Hürden nicht möglich.

Durch meine tägliche Arbeit mit den Mädchen im Heim hat auch die Spendenzielgruppe ein Gesicht bekommen.

Wichtig finde ich die Transparenz. Jeder kann nach Voranmeldung das Heim besuchen sowie Julia und Frank bei der Arbeit begleiten und sich ein eigenes Bild machen.

 

Einzelschicksale der Heimkinder

Mir sind alle 20 Mädchen ans Herz gewachsen. Die Kinder sind alle starke Persönlichkeiten. Wenn man bedenkt, dass fast alle Kinder traumatische Erlebnisse hinter sich haben, über die sie aufgrund der landesüblichen Erziehung wenig oder gar nicht sprechen aber trotzdem versuchen gute Leistungen in der Schule zu erbringen und sich in die Heimgemeinschaft einzugliedern ohne verhaltensauffällig zu sein oder eine psychologische Betreuung zu haben wie in Europa in solchen Extremfällen üblich, ist es schon erstaunlich. Alle Mädchen haben den festen Willen, sich eine bessere Zukunft für sich zu erarbeiten und das muss einfach unterstützt werden. Einige Einzelschicksale:

Chatumini (14)

Chatumini lebte mit einer eher pflegebedürftigen Oma und einem alkoholkranken und gewalttätigen Vater in sehr armen Verhältnissen. Der Vater hatte Chatumini mehrfach versucht auf der Strasse zu verkaufen. Details sind nicht bekannt. Generell werden die Mädchen zu einer Zurückhaltung und Widerspruchslosigkeit gegenüber Erwachsenen erzogen. Umso erstaunlicher ist es, dass Chatumini von zu Hause weggerannt ist. Chatumini ist sehr gut in der Schule und lernt viel und gern. Sie ist bei den anderen Mädchen sehr beliebt. Ihr Traum ist es, Anwältin zu werden. Das Potential bringt sie mit. Allerdings sind weiterführenden Schulen sowie das Studium sehr teuer und müssen privat finanziert werden. Ich hoffe, dass das Heim dafür künftig auch genügend Spenden sammeln kann.

Nadisha (10)

Nadisha hat Zigaretten-Brandwunden am ganzen Oberkörper, Hals und Armen. Nadischa ist extrem gute Sportlerin. Sie liebt es, Cricket zu spielen und zu rennen. Auch Nadischa versucht gute Schulleistungen zu erbringen. Es gibt aber zahlreiche Lücken, da sie wahrscheinlich zu Hause nicht zu einem regelmäßigen Schulbesuch geschickt wurde. Auch hier wäre eine gezielte Nachhilfe hilfreich.

Dishna (6)

Dishna ist Vollwaise und wurde von ihren Verwandten aufgenommen, die selbst sehr arm sind. Dishna hatte nach der Ankunft im Heim nur Wasser getrunken und Reis gegessen. Alles andere wie Tee oder Gemüse hatte sie gemieden, da sie es schlichtweg nicht kannte.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn das Projekt künftig eine angemessene Unterstützung erhält, damit der Bestand und die weitere Entwicklung gesichert werden können. Ich hoffe, dass ich persönlich noch viele Freunde und Bekannte von diesem Projekt überzeugen kann.

Ich habe in den 5 Wochen viele Eindrücke sammeln können und mit Frank, Julia, den Kindern, dem Personal und auch mit den in der letzten Woche meines Aufenthaltes zu Franks Geburtstag angereisten Eltern, seiner Schwester Petra und seinem besten Freund Jan, die sich alle für das Projekt einsetzen, wirklich viel Spaß gehabt und viel gelacht. Obwohl ich mir fest vorgenommen habe, vor den Kindern beim Abschied nicht zu weinen, war der Abschied beidseitig tränenreich. Die Mädchen haben sich auf eine sehr persönliche und tolle Art, die ich nie vergessen werde, bedankt und verabschiedet. Danke für die tolle Zeit!

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