Tagebuch Linus. Teil 1. Tempel, Kirche und kleine Kunstwerke. 18.03.2009

In den letzten Wochen waren alle sehr aktiv. Es wurde gebaut, gemalt und gepflanzt. Da wir nun unseren Mietvertrag für zwei weitere Jahre verlängern konnten, haben wir beschlossen, für die Kids einen kleinen Tempel und ein Kirche zu bauen. Da unsere Kids alle sehr gläubig sind und der Platz im Haus nicht ausreicht, haben wir nun angefangen, im Garten jeweils einen kleinen Tempel für die buddhistischen Kinder und eine Kirche für die christlichen Kids zu bauen. Eigentlich war der Plan, dass Laxman den Tempel baut und ich die Kirche, aber schon nach kurzer Zeit habe ich aufgegeben. Bei Laxman sah alles so einfach aus, als er aus den Natursteinen in kurzer Zeit eine Mauer baute. Bei mir sah es eher aus, als würde jeden Moment alles zusammenbrechen.Winken Also stand für mich schon nach kurzer Zeit fest: Laxman baut und ich schleppe die Steine.

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Allerdings, bis es soweit war, das ich mich körperlich betätigen durfte, dauerte es seine Zeit, denn die Mätren und Laxman meinten, dass die schwere Arbeit doch nicht so gut für mich ist. Diese Gespräche habe ich ständig, denn hier ist es nicht üblich, dass der Chef und schon gar nicht eine Weißnase selber arbeitet. Aber nachdem ich ihnen meinen Standpunkt erklärt habe und sagte, dass wenn ich ständig nur vor dem PC hocke, meine Gesundheit darunter leidet, waren sie einsichtig und ich durfte arbeiten. Lachen Kaum habe ich angefangen, hatte ich auch schon die ersten Zuschauer! Schließlich konnte man sich das ja nicht entgehen lassen und ruckzuck saß man in der ersten Reihe, um zu sehen, wie lange ich wohl durchhalte... lach. Wenn ich es richtig verstanden habe, liefen sogar interne Wetten, wie lange es wohl dauert bis ich nicht mehr kann. Alle waren sich einig, dass es wohl nicht länger als maximal 2 Stunden dauern würde. Aber wenn ich ehrlich bin, konnte ich nach einer Stunde schon nicht mehr. Trotzdem hielt ich tapfer fast 4 Stunden durch.

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In der Zwischenzeit malten Chathumini und Chanchala kleine Kunstwerke an die Wände.

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Die anderen Kids waren damit beschäftig, den Garten neu zu gestalten. Klasse fand ich die kleine Entenfamilie, die die Kinder aus Zement selber gemacht haben. Auch der Garten verwandelt sich immer mehr zu einem kleinen Botanischen Garten. Lachen

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Ein paar Tage zuvor hatte ich die Kinder in 2 Gruppen aufgeteilt. Auch das Grundstück wurde in der Mitte geteilt, so dass jede Gruppe für seinen eigenen Bereich verantwortlich ist. Die beiden Team-Leader Saduni und Udeshika bekamen jeweils 5000 Rs. (umgerechnet ca. 35 Euro) von mir, die sie selber verwalten mussten. Was sie mit dem Geld machen, konnten sie selber entscheiden. Ob sie es nun für Eis, Süßes... oder Sonstiges ausgeben, war ihnen überlassen. Allerdings gab es auch ein paar Bedingungen zu erfüllen:

  • Alle 14 Tage ist ein gemeinsames Meeting (in dem Vorschläge oder Probleme besprochen werden).
  • Die Teamleader führen Buch über alles, was sie bislang gemacht haben.
  • Ich bekomme von jedem Team am Monatsende eine genaue Kostenaufstellung.
  • Die Teams arbeiten nicht gegeneinander.

Des Weiteren soll jedes Team alle 4 Monate weitere 5000 Rs. erhalten. Auch hierfür gab es ein Abkommen: Jedes Team hält seinen Bereich sauber (im Garten liegt kein Müll, Spielsachen sind nach dem Spielen wieder weggeräumt, Kleiderschränke sind aufgeräumt, Hausaufgaben gemacht...). Wenn das nicht der Fall ist, z.B. die Schränke sind nicht aufgeräumt oder Müll liegt im Garten, ziehe ich dem entsprechenden Team pro Sache 50 Rs. von den 5000 Rs. wieder ab. Der erste Monat sollte für alle ein Probemonat werden und schnell merkten die Kids, dass ruckzuck ein ganz schöner Bertag durch Nicht-Aufräumen zusammen kommen kann. Mal schauen, was sie daraus machen Lachen. Das wichtigste für mich ist, dass die Kinder lernen, mit Geld umzugehen und ein Gefühl für ihre Umwelt bekommen.

in Tagebuch 2009
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Author: Linus