Tagebuch Linus. Wir müssen umziehen. 26.05.2008

  In den letzten Wochen habe ich mich intensiv darum bemüht, ein passendes Haus und Grundstück rund um Marawila für die Kids zu finden. Wie zuvor schon geschrieben, gab es zwar das eine oder andere Angebot , aber leider immer absolut überteuert oder der Pachtvertrag sollte nur über wenige Jahre laufen. Hinzu kam, dass am besten noch eine Schule, Tempel, Kirche und ein Krankenhaus in der Nähe sein sollten. Naja, träumen darf man ja mal. Winken

Vor kurzem traf ich bei einer meiner Besichtigungen jemanden, der angeblich bei einer großen Organisation in Sri Lanka arbeitet und genau das passende Objekt für uns hätte. Er wollte einen Termin mit dem Besitzer machen und sobald er genaueres weiß, wollte er mich anrufen. Ich gab ihm meine Telefonnummer und bat ihn, mich zurückzurufen, wenn der Termin feststeht. Ein paar Tage später rief er mich an und  wollte sich zwecks des Grundstückes mit mir treffen. Am selben Abend trafen wir uns noch und er fing an, Einzelheiten über das Grundstück zu erzählen. Nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, mal wieder jemanden zu treffen, der sich einfach nur gerne selbst reden hört und dass die Zeit, die ich dort saß, vergeudet sei. Das Grundstück, über das wir uns unterhielten, sollte ca. 3,5 acer (ca.15000 m²) groß sein, mit einem zwar alten, aber großen Haus. Das hörte sich ja alles gut an, aber als ich fragte, was das kosten soll, bekam ich als Antwort: umsonst!

Ja ne, is klar!

Wir unterhielten uns noch einen Augenblick und dann verabschiedete ich mich. Als ich zu Hause ankam und Julia davon berichtete, war ihre Wortwahl exakt die gleiche: "Ja ne, iss klar" ... lach. Also was würdet ihr denn denken bei so einem Angebot?!

Ok, für mich war dieses Thema gegessen. Jedoch nach 3 Tagen bekam ich den nächsten Anruf mit der Frage, ob ich am Sonntag Zeit hätte, mir das Grundstück mal anzusehen. Der Eigentümer wäre dann auch anwesend und man könnte nähere Einzelheiten besprechen. Am Sonntag morgen pünktlich um 8:00 Uhr wie vereinbart wurden wir abgeholt und sind zu dem besagten Grundstück gefahren, wo auch schon einige Menschen anwesend waren. Wir wurden rumgeführt und konnten uns somit einen Eindruck von Grundstück & Haus verschaffen. Das Grundstück ist wirklich sehr groß und es wäre ein optimaler Platz für ein Heim. Für einen kleinen Augenblick stellte ich mir schon vor, wie es später mal aussehen könnte. Aber alleine schon der Gedanke, was das Grundstück für einen Wert hat, ließ mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren! In dieser Gegend kostet ein Grundstück dieser Größe ca. 250.000 bis 300.000 Euro und wer bitte schön will so etwas verschenken??? Aber der Haken wird bestimmt gleich noch kommen! 

Also, bevor ich mir noch mehr Gedanken darüber machte, wollte ich mich noch kurz mit dem Besitzer unterhalten, bevor wir wieder zurück nach Marawila gefahren sind. Er fragte mich, ob mir das Grundstück gefällt und ob es gut für ein Kinderheim wäre. Eigentlich wollte ich ihm erst noch ein paar Fragen stellen, aber dann sagte ich ihm, dass es ideal ist und fragte, wann wir mit dem Renovieren anfangen könnten. Ein breites Grinsen kam auch von meinem Gegenüber und er sagte, wenn ich möchte, schon morgen. Wie sagt man so schön: Nun mal im Ernst und Butter bei die Fische... oder so ähnlich. 

Der Eigentümer ist ein Minister, der sehr viele Ländereien besitzt und nun einen ganz kleinen Teil für einen guten Zweck spenden möchte. Er bat seinen Freund, den ich am Anfang schon erwähnte, jemanden zu suchen, der auf dem Grundstück eine soziale Einrichtung (Kindergarten, Waisenheim etc.) aufbauen würde. Ich erklärte ihm, dass ich mich nun erstmal setzen müsste, um was zu trinken. In der Zwischenzeit hatten wir noch ein  weiteres Treffen, in welchem Unterlagen von dem, was wir bislang in Sri Lanka gemacht haben, geprüft wurden. Aber das jetzt noch alles ausführlich zu beschreiben, würde doch etwas länger dauern... grins.

Der aktuelle Stand: Wir bekommen das Land mit allem, was dazugehört, gestiftet und das ein Leben lang. Das Land darf weder verkauft noch für andere Zwecke als für soziale verwendet werden. Auch die Ernten (Kokosnüsse, Früchte) gehören dazu. In den nächsten Tagen treffen wir uns mit Rechtsanwälten, um das Ganze vertraglich festzuhalten. Da bleibt vorerst mal nur zu sagen: Schauen wir mal. Weitere News folgen in den nächsten Tagen. Wir wollen ja nicht, dass es euch so geht wie mir und ihr vom Hocker fallt. 

Und hier schon mal die ersten Fotos. 

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in Tagebuch 2008
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Author: Linus