Tagebuch Linus. Part 4. Die Visa Story. 17.12.2007


  Am nächsten Morgen war ich dann pünktlich um 6 Uhr bei Noel, der schon an der Hofeinfahrt auf mich wartete, um mit mir gemeinsam zu seinem Bekannten zu fahren, der nur 2 km entfernt wohnt. Ich fragte ihn, zu wem wir denn fahren, aber er war nur am Grinsen und meinte, ich würde ihn kennen. Als wir durch die Hofeinfahrt fuhren, wuchs in mir die Spannung, da wir erst einmal eine Zeit lang durch Gärten und Plantagen fuhren und überall Polizei und Security waren. Am Haus angekommen wurden wir dann von 2 Männern auf die Terrasse geführt, wo man uns auch gleich einen Tee servierte. Dann hieß es erst einmal warten und wir saßen knapp 1 Stunde, bis dann endlich der gute Mann kam. Ich wusste zwar, dass ich ihn schon mal irgendwo gesehen habe, aber weder wo, noch was er macht. Dafür wusste er aber genau, wer ich bin und was ich in Marawila mache...Grinsen Naja, als General Inspector of Police sollte man das auch schon wissen... lach. Nachdem er mich fragte, ob ich alle meine Unterlagen dabei habe, sollte ich ihm noch eine Frage beantworten! Er fragte mich, was das Wichtigste im Leben eines Kindes ist. Erst wusste ich gar nicht, was er mit dieser Frage bezwecken will, aber als erstes kam mir in den Kopf, dass es Liebe und Geborgenheit sind, was Kinder bekommen sollten. Als ich ihm das sagte, lachte er und meinte, genau das hätte er gemeint. Ein schönes Haus, tolle Kleider oder gutes Essen, das alles könnte Liebe nicht ersetzen.

Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten, bis er aufstand und meinte, das wir jetzt losfahren müssten, da er noch wichtige Termine hat. Ich wollte mich gerade verabschieden, als er mir sagte, dass ich bei ihm mitfahren sollte und wir gemeinsam zur Emigration fahren, um die Angelegenheit mit meinem Visa zu klären.

Wir verabschiedeten uns von Noel und fuhren gemeinsam nach Colombo. Es war schon ganz schön spannend, mit dem General Inspector in einer Limosine nach Colombo zu fahren. Jeder Polizist, den wir unterwegs sahen, salutierte sofort als er den Wagen erkannte. Da es schon etwas spät war und wir plötzlich mitten im Berufsverkehr waren, fragte er mich, ob ich schon mal mit Blaulicht gefahren bin und lachte. Sein Sekretär telefonierte kurz und wenige Minuten danach wechselten wir plötzlich die Fahrbahn und der Fahrer packte das Blaulicht aufs Dach und gab Gas. Ich kam mir vor wie auf der Kirmes beim Auto-Scooter fahren. Kurz vor Colombo wurde dann wieder die Seite gewechselt und kurz danach hielten wir an einer Bäckerei an. Der Fahrer kam nach einigen Sekunden mit ein paar belegten Brötchen wieder raus. Ich hatte mich schon gefreut, da ich noch nicht gefrühstückt und Hunger hatte. Allerdings hielt der Fahrer nach nur wenigen hundert Metern wieder an, der Inspector holte 100 Rupies aus seinem Portemonnaie und gab die Brötchen und das Geld einer alten Frau, die an einem Brückenpfeiler saß. Danach ging es weiter in Richtung Colombo zum Emigration Office. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass der Chef gerade in einem Meeting ist und so bekamen wir erst einen Termin am späten Nachmittag. In der Zwischenzeit hatte ich Horst Peter angerufen, der gerade fleißig im Odel am Shoppen war. Ich erklärte ihm kurz die Situation und sagte, dass wir uns anschließend im Majestic City (ein großes Einkaufscenter) treffen könnten. Allerdings kam es wieder anders als erwartet und so sollte ich mit dem Inspector in das Hauptquartier fahren, da er mir gerne alles einmal zeigen wollte.

Es war schon sehr interessant, einmal zu sehen, wie es im Büro von einem Polizeichef so abgeht... grins. Am liebsten hätte ich ja mal ein Foto gemacht, aber irgendwie habe ich mich nicht getraut, zu fragen...Winken

In der Zwischenzeit sind Horst Peter und Sante (Fahrer) im Polizeirevier eingetroffen, um mich abzuholen. Als ich mich verabschieden wollte, meinte der Inspector, dass Horst Peter doch auf einen Tee in sein Office kommen sollte.

Lach... das war eine ganz witzige Situation, als Horst Peter plötzlich in Begleitung von 2 Polizeibeamten in das Büro gebracht wurde! Ich glaube, so ganz wohl war ihm dabei nicht. Aber als ich ihm dann erzählte, dass er ihn gerne mal kennen lernen wollte, schoss Horst Peter auch gleich in Richtung Schreibtisch und begrüßte ihn auf deutsch mit den Worten „Hallo mein Name ist Horst Peter Engel und ich freue mich, sie kennen zu lernen."...grins. Danach fragte mich Horst Peter, ob wir nicht noch ein Foto machen könnten... hm... Also habe ich mir einen Ruck gegeben und gefragt, ob das in Ordnung gehen würde. Obwohl der Inspector sehr beschäftigt war, nahm er sich noch kurz die Zeit für ein Foto. 

nihal-und-horst-peter

  Wenn der kleine Farbunterschied nicht wäre, könnte man glatt meinen, es seien Brüder. Lachen

In der Zwischenzeit bekamen wir einen Anruf aus dem Emigration-Office und der Termin wurde noch mal auf 16 Uhr  verschoben! Da ich den Inspector auch nicht länger von der Arbeit abhalten wollte, beschloss ich, mit Horst Peter erst mal etwas zu Essen. Kaum hatte ich das Thema ausgesprochen, kam vom Schreibtisch ein "That is a good Idea" und man schloss sich mit einem breiten Grinsen uns an. Als wir dann im Majestic waren, wo es mehrere Imbissstände gibt, und ich ihn fragte was er essen möchte, sagte er, dass er nur eine Kleinigkeit möchte. Wenn ihr diese Kleinigkeit gesehen hättet...lach.

Nach dem Essen sind wir noch ein wenig durch die Geschäfte gelaufen und als es dann endlich 15:30 war, war ich auch recht froh, dass wir uns auf den Weg zur Emigration machen konnten. Dort angekommen ging alles recht schnell: Man schaute sich kurz die Unterlagen an und sagte, dass dem Visa nun nichts mehr im Wege stehen würde. Ich hatte mich schon gefreut und geglaubt, dass ich (vielleicht heute) schon einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen würde, aber nein... es fehlte noch eine letzte Unterschrift vom NGO Office. Na super! Da es mittlerweile schon 16 Uhr war, hatte das Office schon geschlossen und somit durfte ich am nächsten Tag noch mal nach Colombo fahren!!!

Also am nächsten Tag wieder früh morgens ab nach Colombo und  zum NGO Office. Als ich dort ankam, wurde noch mal kurz über die Unterlagen geschaut und mir die letzte Bescheinigung ausgestellt...grins.

Nun heißt es, in den nächsten 3 Monaten einmal kurz aus Sri Lanka auszureisen und dann wieder einzureisen, da ein normales Visa nicht in ein Resident-Visa umgewandelt werden darf. Auch für unsere Praktikanten bekommen wir jetzt eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung.

Obwohl ich in den letzten Wochen einige Rennerei wegen dem Visa hatte, möchte ich nun mal ganz liebe Grüße in die Schweiz schicken und mich dafür bedanken, dass man die Emigration auf mein Visa-Problem aufmerksam gemacht hat. Ansonsten hätte es bestimmt noch Monate gedauert. Huss

in Tagebuch 2007
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Author: Linus