Tagebuch Linus. Die Visa Story. 01.12.2007

Vor einigen Tagen war ich gerade mit  Julia im Heim, um mit den Kindern zu lernen, als ein großer Van vorm Tor stand. Als Julia das Tor öffnete, wurde sie als erstes gefragt ob ihr Ehemann auch da ist...grins

Der Van kam auf den Hof gefahren und es stiegen recht schnell 5 Männer aus dem Auto, die sofort auf mich zu kamen. Ich war gerade dabei, mit Chanchala die Englisch Hausaufgaben zu machen, als man mich fragte, ob ich der Frank Lieneke bin. Ich nickte und fragte sie, um was es denn geht. Sie zeigten mir ihre Ausweise und sagten, dass sie vom Amt of Emigration  (Visa Angelegenheiten) kommen und von mir wissen möchten, wie viele Ausländer hier beschäftigt sind und wohnen würden. Ich sagte ihnen, dass hier weder jemand arbeiten noch wohnen würde. Sie meinten, ich sollte draußen warten, währenddessen sie ins Haus gingen, um es zu durchsuchen. Die Situation war schon etwas komisch und ich sah, dass die Kinder verängstigt waren. Als die Männer nach kurzer Zeit wieder aus dem Haus kamen, wurden die Kinder sowie das Personal einzeln befragt. Ich habe zwar nur die Hälfte verstanden, konnte mir aber denken, um was es geht!

Nach einer ganzen Weile kam man dann auch zu mir an den Tisch und fragte nach meinem Reisepass. Ich fragte sie, um was für ein Problem es sich denn handeln würde, bekam aber nur die Antwort „No Problem". Jeder, der mich kennt und zwischendurch die Webseite verfolgt, weiß, dass ich ne Krise bekomme, wenn ich diese zwei Wörter höre ...grins

Aber ich machte gute Miene zum bösen Spiel, grinste und wackelte mit dem Kopf, was ich mittlerweile schon fast perfekt beherrsche, und sagte, wenn es kein Problem gibt, könnte man ja zum Tee trinken übergehen. Allerdings fand das wohl niemand außer mir so lustig...Verlegen. Ich bat Latta, für uns einen Tee zu kochen. In der Zwischenzeit wurde kein Wort geredet, sondern mein Reisepass machte ständig die Runde. Mir war schon von den ständig kreisenden Kopfbewegungen ganz schwindelig und ich war froh, als Latta endlich mit dem Tee kam...Winken

Man trank einen kurzen Schluck und dann ging es los! Ich wurde mit Fragen überhäuft, von denen ich nur die Hälfte verstanden habe, da alle durcheinander redeten! Langsam wurde mir die Sache etwas zu viel und mein Kopf war schon leicht am Qualmen als ich ihnen ganz klar zu Verstehen gab, dass ich ohne zu wissen, um was es sich handelt, kein Wort mehr sagen würde. Außerdem legte ich ihnen eine Visitenkarte vom Visa Office vor und sagte, dass man dort gerne anrufen könnte. Nach kurzem Blick auf die Visitenkarte war man dann doch der Meinung, mir zu sagen, dass die Emigration eine anonyme Nachricht erhalten hat, wo drin stand, dass ich keine Arbeitserlaubnis habe und somit ja wohl illegal im Land wäre und dass hier noch mehr Leute arbeiten und wohnen würden. Naja, das habe ich mir schon gedacht und ohne weiter zu hinterfragen, woher denn die Information kommen würde (hier an dieser Stelle mal einen lieben Dank in die Schweiz...Versiegelt, ) habe ich ihnen gesagt, dass ich einen Stempel der bis Februar gültig ist im Pass habe, dass meine Arbeitsgenehmigung schon seit Monaten beantragt ist und man könnte gerne das Emigration Office anrufen. Des Weiteren habe ich ihnen gesagt, dass hier Studenten vor Ort sind, die Volunteer-Arbeit leisten und ich dieses auch angegeben habe.

Langsam wurde die Stimmung der Herren auch ein wenig freundlicher und man sagte mir, dass sie einen positiven Eindruck von allem haben und ich mir keine Sorgen machen sollte. Da mir zwischendurch auch einfach mal was rausrutscht, was ich eigentlich gar nicht sagen will, kam auch diesmal der Satz: "Ich mache mir eigentlich weniger Sogen, vielmehr sollten Sie sich ein paar Gedanken machen, wenn plötzlich 4 Kinder mehr am Tisch sitzen." Na, das haben sie nun gar nicht verstanden und als ich ihnen dann erklärte, dass hier zur Zeit 20 Kinder leben und wenn ich aber nicht mehr hier bleiben kann, da ich ja nicht das richtige Visa habe, würde ich doch einfach jedem der 5 Herren 4 Kinder mit nach Hause geben...grins. Das fanden sie dann doch recht  lustig und meinten, dass ich mir wirklich keine Sorgen machen müsste! Sie haben sich dann noch kurz den Pass von Julia angesehen, der aber mit eindeutigem Kopfschütteln für in Ordnung befunden wurde! 

Allerdings nahm man mir den Reisepass ab und gab mir dafür ein Schriftstück, mit dem ich mich ausweisen konnte. Darauf stand, dass ich mich in den nächsten 14 Tagen beim  Emigration Office melden sollte. Die Herren meinten aber, dass es am besten ist, wenn ich mich gleich am nächsten Morgen melden würde. Also habe ich einen Termin für den nächsten Tag vereinbart und mich freundlich, aber doch mit einem leicht unguten Gefühl verabschiedet. 

Was dann am Freitag und Heute passiert ist, erzähle ich euch morgen. Und wenn jemand wissen möchte, wie die Story ausgeht: Ja, da bin ich im Moment leider selber überfragt!

Grüße aus Marawila

Linus 

in Tagebuch 2007
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Author: Linus