Mit Fahrrad und Zug in die Berge Sri Lankas Teil 2

Haputale hat tolle Ausblicke zu bietenOh man... Nun ist doch glatt schon wieder über eine Woche vergangen und es wird jetzt wirklich Zeit, dass ich mich mal an den zweiten Teil meines Reiseberichts mache. Also weiter geht es...

Tag 4: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt und der Lipton´s Seat ist gestrichen!

Am vierten Tag unserer bisher doch recht abenteuerlichen Reise sollte es etwas „gemächlicher“ zugehen. Der Plan war, vom sehr hoch gelegenen Ohiya mit dem Fahrrad in das weit aus niedrigere Haputale zu radeln, wo wir unser nächstes Guesthouse gebucht hatten. Schlappe 28 km galt es zu überwinden und das größtenteils bergab – so zumindest laut Google Maps und Wikipedia.

Der Tag startete um 7 Uhr morgens mit einem sehr spartanischen Frühstück, bei dem man auf Nachfrage auch den offensichtlichen Toaster in der Küche benutzen durfte. Da sieht man doch gerne mal über die beiden lieblos hingestellten Marmeladen- und Margarinebehälter hinweg, in denen vorher bereits die Gäste vom Nachbartisch herumgestochert haben. lächelnd Nachdem wir uns endlich aus unserem Teeplantagen-Einöde-Funkloch wieder heraus gekämpft haben – größtenteils schiebend – startete eine recht angenehme Tour durch die dicht und interessant bewachsenen Bergwälder, bei der unsere Bremsen arg gelitten haben und wir zwischenzeitlich pausieren mussten, um unsere Finger zu lockern! Nachdem wir laut Google Maps nur noch ca. 10 km von unserem Ziel entfernt waren und wir uns schon freuten, dass wir so früh in Haputale ankommen würden und noch den ganzen Nachmittag Zeit für Unternehmungen hätten, traf uns die nackte Wahrheit wie ein Faustschlag ins Gesicht: Es ging bergauf! Zunächst in einer Art Wechselspiel, so als wollte man uns noch ein wenig ärgern, doch dann zwang uns in der Anstieg in die Knie bzw. vom Fahrrad, denn irgendwann versagte sogar der erste Gang und uns blieb keine andere Wahl, als zu schieben... und zu schieben... und zu schieben. Und natürlich – wie sollte es anders sein – kam dieser anstrengendste Teil der Strecke genau zur Mittagszeit. Und da wir mittlerweile schon wieder einige Höhenmeter runtergefahren sind, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man ein vollbepacktes Fahrrad einen gefühlten 45-Grad-Anstieg hinaufschiebt und für kurze Pausen nicht einen einzigen Flecken Schatten findet, da die Sonne genau über einem steht und weit und breit kein Baum in Sicht ist. Super! Und ihr glaubt gar nicht, wie sich 3 km unter diesen Umständen hinziehen können... ENDLOS!!!

Wie auch immer; irgendwann sind wir endlich in Haputale angekommen und stellten schnell fest, dass sich diese Strapaze gelohnt hat, denn die Aussicht war gigantisch. Kurz darauf fanden wir auch unser schnuckeliges Guesthouse namens „Lilly Guest Inn“ und wurden bereits von einem sehr freundlichen Hausherren inklusive seiner Großfamilie, die sich alle in Schale geworfen hatten, erwartet. Sie wollten auf eine Hochzeit und warteten nur noch auf unsere Ankunft, damit sie das Haus verlassen konnten. Die kurz darauf einkehrende Ruhe in unserer Unterkunft sollte uns nur recht sein. Nach der anstrengenden Anreise kamen eine ausgiebige Dusche und gut funktionierendes Wlan auf unserem traumhaften Balkon gerade recht. Und endlich konnten wir ein paar Sachen waschen und zum Trocknen in unserem Zimmer aufhängen. Die Spanngurte unserer Gepäckträger wurden zur Wäscheleine umfunktioniert – und da soll nochmal einer sagen, Mädels sind nicht erfinderisch. lächelndIm Guesthouse in Haputale fühlten wir uns wohl

Wie wir da so saßen und recherchierten, was man in Haputale noch machen kann, war uns schnell klar, das ursprüngliche Ziel namens Lipton´s Seat – ein toller Aussichtspunkt in den Teeplantagen über Haputale – zu streichen, denn von unserem Guesthouse wären das noch einmal 17 km (ein Weg!) gewesen, die wir uns beim besten Willen nicht mehr antun wollten. Also auf zum Bahnhof, um schon mal den Transport der Räder für den morgigen Tag zu klären. Auch Wäschewaschen muss seinDabei hatten wir wieder mehr Glück als Verstand, denn durch unser Rumgetrödel sollte doch tatsächlich der letzte Zug, der unsere Fahrräder transportieren kann, in 10 Minuten abfahren. Natürlich konnten wir das nicht wissen, aber zum Glück ließ sich das Bahnhofspersonal bestechen, die Räder noch in den Zug zu packen. Natürlich wurde wieder viel mehr Aufsehen gemacht als nötig, denn letztendlich fuhr der Zug auch nach 20 Minuten noch nicht los, aber zumindest konnten wir das regeln und mit dem Ticketverkäufer klären, dass wir morgen um 7 Uhr da sein sollten, wenn wir noch einen Sitzplatz im Zug wollen. Okay, den wollen wir! Somit fielen wir nach einem absolut traumhaften Rice & Curry zum Abendbrot in unsere Betten, wo wir trotz schreiendem Baby im Nachbarzimmer relativ schnell einschliefen.

Tag 5: Das Schlechteste kommt zum Schluss

Sonnenaufgang von unserem Balkon in HaputaleSehr witzig fand ich, dass wir am vorletzten Morgen unserer Reise amüsiert feststellten, dass Petra in der Nacht das schreiende Baby nicht hörte, während ich im Schlaf die jaulenden Hunde komplett ignorieren konnte. So ist eben jeder von seinem Alltag geprägt... lächelnd

Auch beim Frühstück ließ sich unser netter Guesthouse-Besitzer nicht lumpen und pünktlich um 7 Uhr schlangen wir den letzten Leckerbissen hinunter und machten uns mit dem TukTuk auf den Weg zum nahegelegenen Bahnhof. Dort erwartete uns auch glatt der „nette“ Ticketverkäufer vom Vortag, allerdings mit der nüchternen Auskunft, dass alle Sitzplätze schon weg seien. Natürlich wollte er nichts mehr von unserem Deal am Vortag wissen und ich musste mich zusammenreißen, dass ich nicht platze vor Wut! Wieder einmal hätten wir in Ruhe zu Ende frühstücken und uns sinnlose Warterei am Bahnhof ersparen können. Und wieder einmal mussten wir im Zug stehen... und stehen... und stehen... eigentlich die komplette Zugfahrt bis nach Nawalapitiya, die insgesamt 4 Stunden dauerte. Zum Glück waren in unserem Wagon einige mitfühlende Einheimische mit Sitzplätzen, die uns hin und wieder für 10 Minuten ihren Platz anboten. Das war sehr freundlich und entschädigte für die Ignoranz des Ticketverkäufers am Bahnhof. Als wir endlich ankamen, überraschte man uns erneut mit einem erfolgreichen und zuverlässigen Transport unserer Fahrräder, die wir ohne Probleme im Gepäcklager abholen konnten. Nach einer ordentlichen Portion Sonnencreme konnte die zweite Etappe des heutigen Tages beginnen; die ca. 30 km lange Fahrradtour nach Kitulgala, wo wir direkt am Kelani River unsere letzte und vielsprechende Unterkunft gebucht haben.

Kelani River – einer der größten Flüsse Sri LankasDie Fahrt verlief problemlos und zu unserem Glück größtenteils abwärts, sodass wir recht bald den Fluss ausmachen konnten, der uns den Rest der Strecke begleiten sollte. Zu gerne hätten wir angehalten, um ein Bad darin zu nehmen, doch da man angeblich auch in unserer Unterkunft im Fluss baden konnte und wir auch gerne erst einmal ankommen wollten, fuhren wir weiter. Die Idee mit dem Flussbad hatte sich spätestens dann erledigt, als ein kranker Motorradfahrer meinte, er müsse am Straßenrand halten, um an seinem Pimmel herumzufummeln, als wir vorbeifuhren. Super Idee und so surreal, dass wir beide ganz perplex vorbeifuhren und uns hinterher gegenseitig fragten, ob wir das richtig gesehen haben. Egal, wir waren nun nur noch wenige Meter von unserem Ziel entfernt und die zahlreichen Rafting-Angebote am Straßenstrand deuteten ebenfalls darauf hin. Von einem dieser Stände aus wurden wir schließlich nach einer 20-minütigen Wartezeit von einem TukTuk, dem wir folgen sollten, zu unserer Unterkunft gelotst. Klingt einfach – war es aber nicht! Da denkt man, man ist fast am Ziel und dann soll man einem drängelnden TukTuk-Fahrer folgen, der mit einem die unmöglichsten Schleichwege bzw. –hänge hinunterfährt, so steil, dass man BERGAB schieben muss (was für ein Widerspruch!) um nicht vom Fahrrad zu fallen. Was für ein Idiot! Und als wir endlich da waren – so behauptete er zumindest – war ich felsenfest davon überzeugt, dass wir falsch sind. Wir standen vor einer Absteige, die so runtergekommen aussah, dass man Moder, Schimmel und Ungeziefer förmlich spüren konnte, auch wenn man sie nicht sah. Und das sollte nun die teuerste Unterkunft unserer gesamten Reise sein??? Schei... Leider konnte mir der Typ im Büro tatsächlich meinen Namen sagen, bis dahin glaubte ich noch immer, wir sind am falschen Platz. Also erstmal das Zimmer checken, welches dann in Anbetracht der Außenanlage zwar doch recht annehmbar war, allerdings überhaupt nicht vergleichbar mit den Fotos auf Booking.com.

Die Unterkunft in Kitulgala war leider sehr enttäuschend.Doch jegliches Verhandeln und Feilschen half nichts – wir mussten den vereinbarten Preis zahlen, ob wir nun blieben oder nicht. Das war eine absolute Unverschämtheit und wir brachten das hinterher bei unserer Online-Bewertung auch entsprechend zum Ausdruck. Doch zu diesem Zeitpunkt konnten wir leider nicht mehr tun als auszuharren und uns den letzten Abend so schön wie möglich zu machen. Zu allem Überfluss begann es kurz nach unserer Ankunft auch noch wie aus Eimern an zu regnen, sodass auch aus dem Flussbad nichts mehr wurde. Allerdings war uns die Laune dafür ohnehin vergangen. Das Highlight des Abends war ein in Styropor-Boxen serviertes Abendessen, welches zwar gut, aber vermutlich vom nächsten Lieferservice bestellt war. Wenigstens gab´s dazu dann noch das versprochene Bier, auf das wir uns schon seit Stunden freuten. Das unfähige Personal war natürlich auch nicht in der Lage, uns für den nächsten Morgen ein frühes Frühstück zu organisieren, damit wir pünktlich starten konnten. Also einigten wir uns darauf, das Abendessen nicht zu berechnen und nachdem wir schweren Herzen die ungerechtfertigte Rechnung für das Zimmer bezahlt haben, verzogen wir uns schnell ins Bett, in dem man jedoch eher das Gefühl hatte, auf einem Holzbrett anstatt auf einer Matratze zu liegen. Wir wollten einfach nur noch schnell einschlafen und am nächsten Tag endlich nach Hause...

Tag 6: Home Sweet Home und auf die Party... fertig... los...

Nach einer unruhigen Nacht fiel es uns absolut nicht schwer, am letzten Tag unserer Tour bereits kurz nach Sonnenaufgang zu starten. Bloß weg aus diesem Loch und so schnell wie möglich Richtung Marawila! Durch den frühen Aufbruch konnte ich Petra nach ca. 2-stündiger Fahrt zu einem typisch singhalesischen Frühstück an der Straße überreden, da leider nichts „Westliches“ in Aussicht war. Also gab es String Hoppers (Nudelnester aus Reismehl), frisches Weißbrot, Dhal (Linsen-Curry), Coconut-Sambol (frisch geraspelte Kokosnuss mit Chili, Zwiebeln und Limettensaft) sowie ein gut gewürztes Chicken-Curry. So kann der Tag beginnen! Naja, für mich zumindest... lächelnd Für Petra war das wohl eher gewöhnungsbedürftig, aber nach 2 Stunden Fahrradfahren auf nüchternen Magen geht auch mal sowas.

Trinkpause auf unserer letzten Fahrt nach AvissawellaDer Zeitplan für unseren letzten Tag war nochmal etwas straff und vor allem in Bezug auf den Fahrradtransport etwas heikel: Von Kitulgala wollten wir mit dem Fahrrad ins ca. 41 km entfernte Avissawella radeln, um dort gegen halb eins am Mittag den Zug nach Colombo zu bekommen. In Colombo wollten wir dann am Nachmittag einen Zug nach Nattandiya nehmen, den ca. 5 km entfernten Nachbarort von Marawila, von wo aus wir dann am Abend nach Hause radeln wollten. Soviel zum Plan...

Die Fahrt nach Avissawella haben wir gut gemeistert, denn zum Glück ging es wieder größtenteils abwärts und ein teilweise bedeckter Sonnenschein meinte es auch recht gut mit uns. Als wir gegen halb elf ankamen, machten wir uns auf direktem Wege zum Bahnhof, um den Transport der Fahrräder zu klären. Mittlerweile war uns klar, dass der ursprüngliche Plan so nicht funktionieren würde, da uns in Colombo nur eine Viertelstunde zum Umsteigen bleiben sollte und es utopisch wäre, in dieser Zeit auch noch den weiteren Transport zu regeln. Also fragten wir den freundlichen Bahnhofsverwalter, ob man die Räder nicht direkt nach Nattandiya durchlotsen könne. Ja, könnte man, allerdings nicht mehr am selben Tag, sondern wir mussten uns damit abfinden, dass wir unserer Räder dann erst morgen in Nattandiya abholen können. Kein Problem! Wir wollten einfach nur noch nach Hause, also ließen wir unsere treuen Drahtesel ein letztes Mal bei der Gepäckannahme eines Bahnhofs zurück und machten uns mit dem nächsten Bus auf den Weg nach Colombo. Nun war es egal, ob wir Zug oder Bus fuhren und mit Letzterem konnten wir uns zumindest einen Sitzplatz sichern. Mittlerweile standen wir schon wieder so vor Dreck, dass wir uns in puncto Körpergeruch sicher nicht so sehr von einigen anderen Passagieren unterschieden.

Endlich im Bus nach Colombo und Petra dämmert weg lächelndHome Sweet Home und tolle Party mit den MädelsIn Colombo angekommen, tranken wir noch kurz einen Fruchtsaft und lachten uns schlapp darüber, dass man Petra auf der Damentoilette für einen Kerl hielt. Dann ging´s auf direktem Wege ab nach Hause, wo uns nach einem kühlen Drink, einer erfrischenden Dusche und kurzer Verschnaufpause noch ein richtiges Highlight erwartete: die Ferien-Abschluss-Party mit den Mädels!!! Frank machte gefüllte Brötchen mit Hühnchen und Zwiebelmus für alle und es wurde getanzt bis zum Abwinken. Ein gelungener Abschluss für eine abenteuerliche Tour und ein tolles Gefühl, wieder zu Hause zu sein!!!

Und zum Schluss: Was wir gelernt haben – die Top Ten

Platz 10: Sitzplätze im Zug werden völlig überbewertet!
Platz 9: Steht ein Srilanki verdächtig am Straßenrand – nicht hinsehen!
Platz 8: Fahrrad-Transport in srilankischen Zügen will gut geplant und organisiert sein!
Platz 7: Selbst auf dem zweithöchsten Berg Sri Lankas bist du nicht allein, aber es gibt Handy-Empfang!
Platz 6: Sonnencreme, Schweiß, Verkehrsdreck und Fahrtwind ergeben eine super Mischung auf weißer Haut!
Platz 5: Auch in Sri Lanka gibt es die Zutaten für eine tolle Lasagne!
Platz 4: Bilder in Online-Buchungsportalen können komplett an der Realität vorbeigehen!
Platz 3: Ein zufriedenstellendes Selfie nach einer 60 km langen Fahrradtour – vergiss es!
Platz 2: Radler sollten Radler trinken!
Platz 1: Wo´s runter geht, geht´s auch wieder hoch!

In diesem Sinne danke ich euch, wenn ihr euch bis hier hin durch beide Teile dieses Reiseberichts gequält habt und ich hoffe, auch ihr konntet dabei etwas dazu lernen.

Beste Grüße aus Marawila und schöne Pfingsten,
Julia.

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
in Tagebuch Julia 2016
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