Mein Berg und ich

Julia und ihr Adams PeakNoch einmal kurz dem Vorweihnachtsstress entfliehen und dem Jahr 2013 einen würdigen Abschluss verleihen… Energie tanken… etwas Außergewöhnliches tun… allein sein… an die eigenen Grenzen gehen… mit mir selbst ins Reine kommen… und das alles fernab von Marawila, dem Angels Home und den Kindern – all das wollte ich.

Über 5000 Stufen und alle unterschiedlich :-)Und so machte ich mich am Mittwoch, den 18.12.2013 ein weiteres Mal auf den Weg zum heiligen Berg Adams Peak – mein Berg, wie ich ihn mittlerweile liebevoll nenne. Denn es war bereits das vierte Mal, dass ich mich die unendlich vielen Stufen (um genau zu sein; es sind fast 5000) hochquäle, um bei jedem Mal erneut festzustellen, wie anstrengend es wirklich ist und dass ich nicht mehr alle am Sender haben kann, mir das jedes Mal wieder anzutun.

Unser singhalesischer Freund Rohitha hat mir vor einer ganzen Weile schon nahe gelegt, dass es unter den Einheimischen eine Art Weisheit gibt die folgendes besagt: Wer nicht mindestens einmal im Leben auf dem Adams Peak war, ist ein Idiot. Wer jedoch mehr als einmal nach oben geht, muss ein noch größerer Idiot sein. Na vielen Dank! Dann weiß ich ja jetzt, was ich bin.Smile

Die Westseite des Adams PeakVermutlich hätte auch ich es bei einem Mal belassen, wenn dieses erste Mal unter einem besseren Stern gestanden hätte. Aufgrund der nicht ganz so guten körperlichen Verfassung und einer sich während des Abstiegs verschlimmernden Knieverletzung meiner ersten Wegbegleiterin benötigten wir insgesamt ca. 15 Stunden, um einmal hoch und wieder runter zu kommen. Und dann war das alles auch noch umsonst, da wir oben tatsächlich NICHTS gesehen haben. Kein Sonnenaufgang, keine Wolken, keine Täler – ja, nicht mal die eigene Hand vor den Augen! Es wurde einfach nur hell, sonst nichts. Das war sehr, sehr deprimierend!

Also musste ich wohl oder übel noch einmal, denn man geht schließlich wegen der sagenhaften Aussicht und einem einmaligen Naturschauspiel da hoch. Das zweite Mal war für mich dann so überwältigend, dass ich mit mir selbst einen Deal geschlossen habe: Solange ich in Sri Lanka bin, werde ich den heiligen Berg einmal pro Jahr erklimmen. Das habe ich bis jetzt durchgezogen, auch wenn es diesmal für 2013 ganz schön knapp wurde…

Wenn am Horizont langsam die Sonne durch die Wolken brichtAber ich hab´s geschafft und auch dieses Mal war es einzigartig! Das Gefühl, die körperliche Anstrengung zu spüren, während am Horizont langsam die Sonne durch die Wolken bricht, ist einfach unbeschreiblich! Man fühlt sich frei, stolz, zufrieden und eins mit der Natur. Man denkt einfach an nichts. Mein Bruder, Hobby-Bergsteiger aus Leidenschaft, fand außerdem die treffende Formulierung, dass ein riesiges Päckchen von einem abfällt. Ja, all das fühlt man, aber vermutlich muss man es selbst erleben, um es wirklich nachempfinden zu können.

Wie auch immer: Auch wenn die Einheimischen mich alle für bescheuert erklären, ich werde mein Versprechen mir gegenüber halten und meinem Berg auch weiterhin treu bleiben. Für mich ist der Sonnenaufgang auf dem Adams Peak eines der schönsten Geschenke, die unsere Natur zu bieten hat. Und wenn diese Erfahrung zudem noch mein Wohlbefinden steigert und außerdem völlig umsonst ist, dann frage ich mich doch, ob man nicht eigentlich der größte Idiot ist, wenn man sie nicht so oft wie möglich macht, solange man es noch kann.

Buddhistische ZeremonieDer Berg von meinem GuesthouseWarten auf den Sonnenaufgang

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein guten Rutsch und vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr auf dem Adams Peak!?

Eure Julia

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
in Tagebuch Julia 2013
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