Hundeelend...im wahrsten Sinne des Wortes

Projektgründerin Marina Möbius mit einem ihrer SchützlingeHat sich eigentlich schon einmal jemand gefragt, wo der Begriff „hundeelend“ herkommt? Wünscht ihr euch nicht auch manchmal lieber ein Hundeleben, weil ihr dann den ganzen Tag nichts anderes tun müsstet als zu essen, zu schlafen und zu spielen? Bei uns in Deutschland hat man als Hund doch ein tolles Leben. Meistens jedenfalls.

In Sri Lanka sieht das leider etwas anders aus und ich frage mich manchmal, ob das Wort „hundeelend“ vielleicht sogar hier erfunden wurde. Es gibt Unmengen von Straßenhunden, die täglich ums nackte Überleben kämpfen. (Nackt sogar im wahrsten Sinne des Wortes, da viele Hunde an einer Hautkrankheit leiden, die mit Fellverlust einher geht.) Sogar viele Tiere, die in menschlicher Obhut sind, wirken verwahrlost und sind teilweise abgemagert bis auf die Knochen. Vielen Menschen fehlt das Verständnis, dass Hunde auch Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen sind und dass man als Besitzer die Verantwortung für das Wohlergehen seines Haustieres trägt.

Vielen Hundehaltern ist es egal, ob das Tier geimpft ist, eine ausgewogene Ernährung bekommt oder wie viele Zecken es hat. Und wenn unerwünschter Hundenachwuchs zustande kommt, dann wird dieser einfach ausgesetzt oder auch im Meer ertrunken, anstatt die Mutter vorher kastrieren zu lassen.

Die Hunde kommen teilweise in katastrophalem ZustandAll diesen Problemen sieht man in der Dog Care Clinic e.V. in Talpe täglich ins Auge. Und trotzdem (oder wahrscheinlich gerade deshalb) kämpfen die Mitarbeiter dort mit unermüdlichem Engagement und großer Tierliebe gegen ein falsches Verständnis vom Haustier gegen seinen Besitzer. Mit kostenfreien Impfungen und Kastrationen hofft man, langfristig das Denken der Menschen zu ändern und gegen die Vermehrung der Straßenhunde anzukommen. Neben sogenannten „Besitzerhunden“, die nur zur Behandlung oder vorübergehend in die Hundeklinik kommen, kümmern sich Projektgründerin Marina Möbius und ihr Team außerdem kontinuierlich um rund 150-200 Hunde, die sie auf der Straße aufgesammelt haben oder die einfach niemand mehr abgeholt hat. Es sind wirklich traurige Schicksale dabei und jeder einzelne Hund bettelt förmlich und ein klein wenig Aufmerksamkeit.

Trotz Abwesenheit der Chefin und straffem Tagesprogramm nahm sich ein netter junger Mann namens Markus am Freitag die Zeit, Frank und mich auf dem Gelände herumzuführen und uns geduldig auf unsere vielen Fragen zu antworten. Zwischen den Zeilen konnte man nicht nur Fachkompetenz, sondern auch ein großes Herz für Tiere erkennen.

Das Anwesen der Dog Care Clinic ist super ausgestattet und kann locker so manches Krankenhaus in Sri Lanka ausstechen, wenn es um Sauberkeit und Hygiene geht. Die Vierbeiner bekommen täglich frisch zubereitetes Futter bestehend aus Reis, Hühnerfleisch, Gemüse und ayurvedischen Kräutern. Als wir gerade mit Markus über das Grundstück gingen, konnten wir beobachten, wie die Hunde frische Milch bekommen haben. Außerdem erhielt ein querschnittsgelähmtes Tier gerade sein tägliches Lauftraining am Tragegurt. Die Anlage machte trotz der vielen Hunde einen super gepflegten und sauberen Eindruck, was sicherlich nur durch mehrfaches Reinigen am Tag gewährleistet werden kann.

In der Dog Care Clinic gibt es viel Platz und Zuneigung für Hunde

Auch wenn man uns liebend gerne mit ein paar Hunden wieder nach Hause geschickt hätte, so wünschen dem Team der Dog Care Clinic e.V. von Herzen alles Gute für die weitere Arbeit und viel Erfolg im Kampf gegen ein falsches Hundeverständnis!

 

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
in Tagebuch Julia 2012
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