Tagebuch Julia. Die Rote Nummer. 16.05.2010

Noch eine unglaubliche Geschichte

Da wir hier ja gerade so gut dabei sind mit dem Thema „unglaublich, aber wahr“, habe ich doch auch gleich eine kleine Geschichte dazu beizutragen.

Vor wenigen Tagen kam Shanika nach draußen auf die Terrasse, wo die Matron, einige der Mädchen und ich beieinander saßen. Ganz aufgeregt berichtete sie auf Singhalesisch irgendetwas über Mobiltelefone, Anrufe und Todesfälle. Da ich irgendwie nicht ganz folgen konnte, fragte ich noch einmal nach. Man erklärte mir dann auf Englisch folgende Tatsache, die sogar wenige Minuten vorher in den TV-Nachrichten gelaufen sein soll. Und jetzt haltet euch fest: In Sri Lanka gab es in den vergangenen Tagen auf mysteriöse Weise mehrere Todesfälle. Alle Opfer sind wenige Minuten vorher auf ihrem Mobiltelefon von einer roten Nummer angerufen worden, die (und jetzt kommt´s!) mit einem Virus gespeist war, der sich augenblicklich ins Gehirn frisst und den Angerufenen sterben lässt. Wow… Wirklich krasse Geschichte, nach der ich mich nur leider nicht mehr zusammenreißen konnte und erst einmal laut loslachen musste. Doch dafür wurde ich sofort ermahnt, ich solle das nicht auf die leichte Schulter nehmen und Deepani hätte eben auch einen Anruf von einer roten Nummer erhalten. Außerdem wäre sogar im Marawila Krankenhaus schon jemand gestorben, dem dieses Schicksal widerfahren ist. Hmmm… Ich machte mir bloß die ganze Zeit Gedanken darüber, ob ich es wohl auch merken würde, wenn mich eine rote Nummer anruft, wo ich doch noch das gute alte Schwarz-auf-Grün-Display habe. Geht das denn da technisch überhaupt??? Okay… Scherz beiseite. Natürlich machte ich mir überhaupt keine Gedanken über die Sache an sich, sondern nur darüber, wie man eine ganze Nation dazu bringt, so etwas zu glauben. Wirklich jeder, den man in den folgenden Stunden in Marawila angetroffen hat, wusste über die rote Nummer bescheid. Christi, unser TukTuk-Fahrer berichtete uns sogar, dass all seine Freunde nicht mehr erreichbar seien, weil sie alle aus Angst ihre Handys ausgestellt haben. Das ist doch unfassbar, oder? Unseren Kindern und auch dem Personal haben Frank und ich mehrfach versucht zu erklären, dass so etwas überhaupt nicht möglich ist und dass sie das nicht glauben sollen. Nichts zu machen… Da ließ sich keiner von abbringen. Man wunderte sich eher über die Leichtigkeit, mit der wir die Sache angingen. Naja… Quintessenz der ganzen Geschichte war, dass man einfach mal die gesamte Bevölkerung Sri Lankas verarschen wollte. In Marawila hat das auf jeden Fall gut funktioniert und wir alle (also Frank, Sophie, Kathi und ich) waren erstaunt über den Glauben der Menschen an diese unglaubliche Geschichte.

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