Tagebuch Julia. Schlafgäste im Angels Home. 26.12.2008

 Sophie hat ja schon in ihrem letzten Bericht geschrieben, dass wir am Dienstag die Weihnachtsbäume fürs Heim geschmückt haben. Am nächsten Tag hat Laxman dann auch noch die für Sri Lanka typische Krippe aufgestellt und ich muss sagen, da hat er sich wieder die allergrößte Mühe gegeben.

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  Um Nadisha und Nisansala zu Weihnachten auch ein paar schöne Stunden zu bescheren, haben Sophie und ich am Mittwoch und gestern im Heim übernachtet. Am 24.12. haben wir ganz traditionell Weihnachtsplätzchen zum Ausstechen gebacken, wobei sich die Vorbereitung dafür gar nicht so einfach gestaltete. Sophie und ich haben in ganz Marawila verzweifelt nach Ausstech-Förmchen gesucht... vergeblich. Also musste letztendlich ein Glas herhalten und der Vanille-Zucker wurde durch Vanille-Konzentrat ersetzt. Bei den Streuseln wurden wir glücklicherweise fündig und haben sowohl bunte als auch Schoko-Streusel ergattert... Grinsen Danach konnte es endlich losgehen. Nicht nur die Mädels waren gespannt, wie man wohl selber Plätzchen backt (so etwas kennt man in Sri Lanka nicht), sondern es hat auch nicht lange gedauert bis sich Deepani, Saku und die Matron um uns herum versammelt haben.

Man nehme 500 g Mehl, 200g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker (in unserem Fall Konzentrat), 250 g Butter, 2 Eier und einen Teelöffel Backpulver. Dann kommt das Entscheidende: Der Teig wird natürlich nicht mit einer Küchenmaschine, sondern mit den HÄNDEN geknetet. Das fanden zunächst alle total eklig und keiner hat sich so richtig getraut, mit den Händen in die Schüssel zu greifen. Nisansala hat sich schließlich doch bereit erklärt, aber man kann ihr deutlich ansehen, dass ihr nicht so ganz wohl bei der Sache war. Nachdem der Teig gut durch geknetet war, haben wir ihn für ca. eine Stunde in den Kühlschrank gestellt und uns die Zeit derweilen mit MauMau-Spielen vertrieben. Danach ging's ans Teig-Ausrollen. Da wir in Marawila leider auch nirgendwo ein Nudelholz auftreiben konnten, haben wir dies mit einer Flasche realisiert, was auch ganz gut ging.

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  Wir mussten jedoch schnell feststellen, dass der Teig bei diesen hohen Temperaturen ziemlich schnell weich wird und deshalb haben wir ihn immer nur portionsweise aus dem Kühlschrank genommen, ausgerollt und ausgestochen. Auf dem Blech haben wir die einzelnen Plätzchen dann noch mit Eigelb bestrichen und mit Streuseln verziert. Nisansala und Nadisha waren uns dabei eine große Hilfe und wir hatten eine Menge Spaß beim Plätzchen-Backen. Nachdem das erste Blech aus dem Ofen kam, haben wir auch gleich eine Kostprobe genommen und jeder war vom Geschmack unserer Plätzchen begeistert.

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  Gegen 20.30 Uhr haben wir uns dann mit Nisansala, Nadisha, Saku und Deepani auf den Weg in die Kirche gemacht, selbstverständlich wieder ganz in weiß, so wie es sich in Sri Lanka gehört. Auf dem Weg konnten wir die zahlreichen Weihnachtskrippen und -bäume bewundern, die überall vor den Häusern standen.

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  In der Kirche waren ca. 200-300 Menschen versammelt, um die Weihnachtsmesse zu besuchen. Ich habe auch wieder etwas dazu gelernt: In Sri Lanka stellt man am 24.12. eine Weihnachtskrippe auf, in der alle entscheidenden Figuren zu finden sind: Maria, Josef, die Engel und die 3 Hirten. Das Jesus-Kind wird jedoch erst in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember in die Krippe gelegt. Während der Messe in der Kirche wurde das Porzellan-Baby in einem äußerst besinnlichen und feierlichen Akt durch den Pfarrer von der Kanzel in die Krippe getragen. Als die Zeremonie gegen 23 Uhr vorbei war, gab es zum Abschluss noch ein kleines Feuerwerk in der Kirche, welches vor allem aufgrund der riesigen Glut-Batzen, die vom Himmel fielen, sehr beeindruckend und angst-einflößend zugleich war. Sophie und ich starrten wie gebannt nach oben, natürlich in erster Linie, um nicht von der Glut getroffen zu werden. Dies war jedoch keine so gute Idee, wie sich schon nach wenigen Sekunden herausstellte. Im Nachhinein war es jedoch total witzig und deshalb muss ich es hier einfach erwähnen (Bitte verzeih mir, Sophie!). Man muss sich das so vorstellen: Es sind ca. 200-300 Singhalesen in der Kirche, die alle voller Freude das Feuerwerk beobachten, und wer bitteschön bekommt einen angespitzten Holzstiel von einer Rakete zwischen die Augen??? Genau... unsere Sophie... Schreien Es ist doch einfach unglaublich. Das Ding hat sogar ca. 1 cm in der Haut gesteckt, so dass Sophie es erst wieder heraus ziehen musste. Aber gottseidank hatte sie das Glück, dass es nicht ins Auge gegangen ist. Dann wäre das Ganze natürlich nicht so witzig ausgegangen.

Als wir wieder im Angels Home waren, haben wir noch bis Mitternacht gewartet, da man sich dann in Sri Lanka traditionell "Happy Christmas" wünscht. Danach haben wir mit den Mädels unser "Schlafgemach" hergerichtet und Deepani und Saku sind ins Bett gegangen. Nadisha war ziemlich müde und es hat auch nicht lange gedauert bis sie eingeschlafen ist, mit Nisansala haben wir jedoch bei Kerzenschein noch eine Weile MauMau gespielt, bis uns dann auch die Müdigkeit eingeholt hat.

Gestern Abend  haben wir dann nochmal im Heim übernachtet und als wir in den Betten lagen, haben wir noch eine Weile "Pantomime" gespielt, was bedeutet, dass wir immer jemanden aus dem Heim ohne Worte nachgemacht haben und die anderen mussten raten, wen. Das war ziemlich witzig, aber trotzdem mussten Sophie und ich feststellen, dass Nadisha und Nisansala ein wenig abwesend waren. Vermutlich war es für die beiden doch ganz schön traurig, dass sie die einzigen beiden Mädels waren, die ihr Weihnachtsfest im Angels Home verbringen mussten. Sophie und ich konnten uns anstrengen wie wir wollten, aber so richtig zum Lachen haben wir die Zwei nicht gekriegt. 

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  Trotzdem war es alles in allem ein schönes Weihnachtsfest und morgen kommen ja dann endlich auch die anderen Mädchen wieder zurück ins Angels Home und dann ist alles wieder beim Alten... Grinsen

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
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