Tagebuch Julia. Schon wieder vorbei. 27.04.2008

Kaum zu glauben, aber meine 3 Wochen Aufenthalt in Deutschland neigen sich schon wieder dem Ende entgegen. Die Zeit ist so schnell rum gegangen, dass ich doch beinahe vergessen hätte, mich hier noch einmal zu Wort zu melden, so wie ich es in meinem letzten Bericht versprochen hatte.

Meine 10 Arbeitstage entwickelten sich im Endeffekt leider auch anders als geplant. Die ersten 3 Tage war ich - wie bereits geschrieben - in einem Kindergarten des DRK in Meiningen eingesetzt, danach teilte man mir jedoch mit, dass momentan extremer Personalmangel beim DRK herrscht und somit musste ich ab Dienstag vergangener Woche in einer Förderschule für körperlich und geistig behinderte Kinder arbeiten. Dort war ich dann für den ambulanten Pflegedienst für 5 Kinder im Alter von 7 bis 18 Jahren zuständig. Das bedeutet, dass ich diese Mädchen und Jungen mehrmals am Tag aus ihren Klassen geholt, ihnen bei der Körperpflege geholfen und sie dann wieder zurück gebracht habe. Alle diese Kinder waren geistig behindert und inkontinent, hatten also keine Kontrolle über ihre Ausscheidungsorgane, so dass ich ihnen auch mehrmals täglich die Windeln wechseln musste. Bei einem Jungen fiel mir dies besonders schwer, da er immerhin schon 18 Jahre alt und sowohl geistig als auch körperlich behindert war. Er saß im Rollstuhl und konnte sich im Prinzip hüftabwärts gar nicht mehr bewegen. Somit musste ich ihn täglich anhand eines elektrischen Lifters vom Rollstuhl ins Bett und wieder zurück transportieren. Während er auf dem Bett lag musste ich seinen Genitalbereich säubern und eine neue Windel anlegen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie einen solchen Job ausgeführt habe und die Einweisung in diese Arbeit aufgrund von Zeitmangel leider auch etwas dürftig ausfiel, ist mir das Ganze schon sehr schwer gefallen. Allerdings war ich ganz "froh" darüber, dass ich in Sri Lanka bereits des Öfteren im Behindertenheim war, wo die Lebensbedingungen ja doch erheblich unmenschlicher sind, als in deutschen Einrichtungen. Von daher hat mich diese Arbeit nicht unbedingt psychisch belastet, aber körperlich war es doch sehr anstrengend, da man als Laie halt doch nicht das nötige Grundwissen hat, mit welchen Griffen und Tricks man einen bewegungsunfähigen Menschen am einfachsten an- und auszieht. Außerdem hat mich die Verantwortung, die man mir mit dieser Arbeit übertragen hat, sehr belastet. Fast alle Kinder litten zusätzlich an Epilepsie und hätten zu jeder Zeit einen Anfall bekommen können, bei dem ich wahrscheinlich überhaupt nicht gewusst hätte, was zu tun ist. Auch die Benutzung des elektrischen Lifters bei dem 18-jährigen Jungen war für mich täglich eine Herausforderung und ich hatte jedes Mal Angst, dass ich ihn nicht richtig befestigt habe und er herausrutschen könnte. Nun ja... im Endeffekt hab ich mir gedacht "Augen zu und durch" und gottseidank wurde ich während der 10 Arbeitstage nicht ein einziges Mal mit einer solchen Situation konfrontiert. Letztendlich kann ich sagen, dass ich den Umständen entsprechend ganz gut über die Runden gekommen bin und dass diese Arbeit für mich auch mal eine ganz neue Erfahrung war. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor den Menschen, die diesen Job täglich ausführen, aber ich habe für mich selbst festgestellt, dass ich es auf keinen Fall für einen längeren Zeitraum könnte.

Ansonsten habe ich während meines 3-wöchigen Aufenthaltes sehr viele Freunde und andere Menschen getroffen, die mir am Herzen liegen, was auch mal wieder ganz schön war. Ganz besonders habe ich natürlich das deutsche Essen genossen oder einfach mal einen guten Wein zu trinken. Morgen abend geht es dann wieder zurück nach Marawila und ich freue mich riesig darauf, die Mädels wiederzusehen, die Sonne zu genießen und mit Sinas Babys zu spielen! Grinsen

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
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