Tagebuch Julia. Weihnachten im Angels Home. 25.12.2007

 Seit dem 10.12. geht es bei uns etwas ruhiger zu, da an diesem Tag bereits 9 Mädchen zu ihren Verwandten gefahren sind, um dort die Weihnachtsferien zu verbringen. 

Somit hatten wir die ganze Zeit über nur 11 Kinder im Angels Home und durch Asadis zwischenzeitlichen Krankenhausaufenthalt sogar nur 10. Unsere Jüngste bekam aufgrund des starken Hustens einige Infusionen und die Ärzte wollten sie ein paar Tage zur Beobachtung im Krankenhaus behalten. Da sich der Zustand jedoch täglich verbesserte, durfte Asadi am Samstag zum Glück das Krankenhaus verlassen und ist mittlerweile auch wieder wohlauf. Die anderen Mädchen haben sich riesig über Asadis Rückkehr gefreut.

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 Am Sonntag hatten wir mal wieder eine kleine Geburtstagsfeier im Heim: Unsere süße Emesha ist 9 Jahre alt geworden und hat sich auf diesen Tag schon Monate lang gefreut. Bereits im Oktober hat sie mir erzählt, dass sie am 23.12. Geburtstag hat... Grinsen  Die Frauen haben einen riesengroßen Kuchen gebacken, wozu man uns jedoch erklärt hat, dass dieser sowohl Geburtstags- als auch Weihnachtskuchen in einem ist. Die Kinder haben sich am Morgen sogar extra kleine Papphüte für Emeshas Geburtstag gebastelt und Nisansala hat mir geholfen, ein paar Luftballons aufzuhängen. Ansonsten verlief dieser Tag wie jeder andere Geburtstag im Heim: Kerzen ausblasen, "Happy Birthday" singen, Kuchen anschneiden und essen, tanzen und anschließend mit Frank zum Shoppen. Der einzige Unterschied war diesmal, dass es nicht ganz so viele Kids wie üblich waren.

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 Später hat Laxman noch unsere Weihnachtsdeko perfekt gemacht: Die Grippe steht ja bereits einige Tage und heute hat er noch  eine Art singhalesischen Weihnachtsbaum gebracht, der dann auch noch mit Kugeln mit den übrig gebliebenen Luftballons von Emeshas Geburtstag geschmückt wurde (Luftballons gehören in Sri Lanka wohl an einen Weihnachtsbaum... aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten). Ich muss allerdings sagen, dass unser künstlicher Weihnachtsbaum aus Deutschland auf jeden Fall meine Nummer eins bleibt... Winken

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 Am 24.12., dem Heiligen Abend, haben wir uns dann nochmal von 6 Kindern verabschiedet, die von ihren Verwandten abgeholt wurden. Somit haben wir jetzt nur noch Nadisha, Dinesha, Nisansala, Chathumini und Emesha im Angels Home und ich kann euch sagen, es ist sehr, sehr ruhig geworden. Allerdings liegt das nach meinem Empfinden auch daran, dass die hier gebliebenen Kinder ganz schön damit zu kämpfen haben, dass sie die Feiertage nicht zu Hause verbringen können. Dies liegt bei einigen Kindern daran, dass sie einfach niemanden mehr haben, bei dem sie bleiben könnten. Bei anderen wurde vom zuständigen Amt keine Genehmigung für den Aufenthalt erteilt, da die Familienverhältnisse für eine angemessene Unterbringung zu schlecht sind. Jedenfalls kann man es an der allgemeinen Stimmung der Mädels deutlich spüren, dass sie sehr traurig darüber sind, über Weihnachten nicht irgendwo hin zu fahren.

Gerade deshalb versuchen Hana, Frank und ich nun, dass jeden Tag von morgens bis abends mindestens einer von uns im Heim ist, um sich mit den Mädchen zu beschäftigen. Außerdem hat auch das Personal über die Feiertage abwechselnd frei, so dass von den Frauen tagsüber auch immer nur eine im Heim ist.

Da in Sri Lanka offiziell erst am 25.12. Weihnachten ist, verlief der Heiligabend bei uns relativ normal. Wir haben mit den Kids Carrom gespielt und versucht, sie mit ein paar Blödeleien zum Lachen zu bringen.

Am Abend war ich dann mit Frank und Hana zur Feier des Tages in einem kleinen Restaurant in Marawila zum Essen. Anschließend gab´s zu Hause sogar eine kleine Bescherung und wir hatten mit ein paar Arrack-Colas einen ganz witzigen Abend.

Heute morgen ist Hana ins Heim gefahren und hat mit den Mädels eine Runde Cricket gespielt. Frank und ich haben in der Zwischenzeit versucht, das heutige Mittagessen zu organisieren. Da von unserem Personal heute nur Deepanie im Heim war, haben wir beschlossen, für die wenigen Kinder und uns außerhalb Essen zu besorgen. Allerdings gestaltete sich dies schwieriger als gedacht, da heute und morgen auch hier in Sri Lanka Feiertag ist und deshalb so ziemlich alle Shops geschlossen waren. Hana brachte dann kurzerhand den Vorschlag, mit den Mädels und Deepanie in ein kleines einheimisches Restaurant zu gehen. Sie hat uns dazu eingeladen, um uns weiteren Stress zu ersparen. Also sagten wir den Kindern, sie sollen sich was Hübsches anziehen und bestellten 2 TukTuks zum Heim. Die Mädchen waren total verwirrt, immerhin passiert so etwas nicht alle Tage, dass sie in ein Restaurant gehen und sich dort bedienen lassen. Dies hat man auch während des gesamten Essens gemerkt. Sie waren total schüchtern und immer, wenn wir sie gefragt haben, was sie essen oder trinken möchten, haben sie zuerst zu Deepanie geschaut und erst nach mehrmaligem Nachfragen eine Antwort hervorgebracht. Es war schon erstaunlich, zu beobachten, wie ein deutsches Routine-Verhalten bei singhalesischen Kindern zu totaler Schüchternheit und Verwirrung führen kann.

Obwohl der Restaurant-Besuch für die Mädels mal eine Abwechslung war und auch alle mehr als satt geworden sind, waren alle recht erleichtert, als wir später wieder im Heim angekommen sind. Nachmittags haben wir dann unser Carrom-Spiel von gestern fortgesetzt und anschließend "Findet Nemo" (auf englisch) geschaut.

Für morgen haben wir auch noch etwas Besonderes für die Kids geplant. Aber damit euch zwischen den Feiertagen nicht langweilig wird, gibt´s dies sowie den Besuch vom Weihnachtsmann erst in meinem nächsten Bericht... Zunge rausstrecken

Ich wünsche euch allen noch 2 schöne Weihnachtsfeiertage im Kreise eurer Lieben! Ganz ehrlich: Diejenigen, die Schnee haben, beneide ich schon ein wenig zu dieser Zeit... 

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
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