Tagebuch Julia. Besiegte Krankheit. 26.10.2007

 Nachdem es von meinen Freunden schon einige Beschwerden gab, dass ich mich kaum noch zu Wort melde, hier nun auch mal wieder von mir ein Tagebucheintrag... Grinsen

Die vergangenen zwei Wochen habe ich mich gesundheitlich nicht ganz so wohl gefühlt. Alles begann als ich an einem Tag (wohl etwas leichtsinnig) in der prallen Mittagssonne vom Angels Home am Strand entlang zurück nach Hause gelaufen bin. Ich habe schon gemerkt, dass die Sonne an diesem Tag besonders heiß war und spätestens als mich fast jeder Fischer am Strand fragte, warum ich keinen Hut aufhabe, wusste ich, dass die ganze Sache wohl nicht so gesund war. Aber einmal losgelaufen, musste ich es nun wohl oder übel auch zu Ende bringen. Als ich schließlich endlich angekommen war, schmiss ich mir erstmal ein paar Ladungen kaltes Wasser ins Gesicht und legte mich anschließend noch eine Runde auf´s Ohr. Nach etwa 30 Minuten begann ich jedoch, ganz fürchterlich zu frieren. Also bin ich aufgestanden und habe mir meine lange Jogging-Hose und eine Trainingsjacke angezogen. Das muss man sich mal vorstellen: Draußen waren mindestens 40 Grad Außentemperatur und ich lag da in meinen wärmsten Klamotten, bis oben hin zugedeckt und habe trotzdem noch gefroren. So ging das dann den ganzen Nachmittag und am Abend stieg meine Körpertemperatur auf bis zu 39,5 °C an. Also verbrachte ich die kommenden Tage hauptsächlich im Bett und nach etwa 3-4 Tagen war mein Fieber auch wieder ganz verschwunden. Trotzdem ging es mir nicht wirklich gut. Ich hatte so gut wie gar keinen Hunger und immer, wenn ich was gegessen habe, musste ich damit rechnen, dass es jeden Moment wieder raus kommt... Also bin ich letzte Woche Donnerstag zu einer Ärztin nach Marawila gefahren, die mir ein paar Tabletten mitgegeben hatte. Außerdem sollte ich am nächsten Tag noch ins Krankenhaus von Marawila zum Blut abnehmen. Da dies für mich jedoch schon in Deutschland jedes Mal ein riesen Akt ist und mir die hygienischen Bedingungen des Krankenhauses von meinem letzten Besuch dort noch in bleibender Erinnerung waren, habe ich beschlossen, dass es mir durch die Tabletten schon viel besser geht und ich deshalb auch nicht mehr zum Blutabnehmen brauche... Unentschieden

Am letzten Freitag begannen dann genau die gleichen Symptome, wie ich sie hatte, auch bei Frank. Er lag ebenfalls einige Tage im Bett, hatte hohes Fieber und keinen Appetit. Da auch mein Befinden leider immer noch nicht besser geworden ist und wir am Sonntag auch noch beide einen Hautausschlag dazu bekamen, haben wir beschlossen, wohl besser doch nochmal den nächsten Arzt aufzusuchen. Also sind wir zum nahe gelegenen „St. Anne´s Nursing Home" gefahren, einem kleinen privaten Krankenhaus. Dort hat unsere Heimleiterin Jasintha früher gearbeitet und uns deshalb schon mal einen Termin beim zuständigen Doktor besorgt. Dieser hat uns wieder neue Tabletten verschrieben und uns (leider ebenfalls) zum Blutabnehmen verwiesen, diesmal jedoch glücklicherweise nicht ins Krankenhaus von Marawila, sondern in ein Labor nach Negombo. Also sind wir auch direkt dorthin gefahren und ich habe den Spaß über mich ergehen lassen.

Am späten Nachmittag war ich noch einmal bei dem Arzt vom Vormittag und nach einem kurzen Telefonanruf im Labor konnte dieser mir zumindest schon mal mitteilen, dass wir kein Denque-Fieber haben... Super! Für die übrige Auswertung sollten wir am nächsten Tag noch einmal ins Labor nach Negombo fahren, um den vollständigen Blut-Report in Empfang zu nehmen, den der Arzt dann gemeinsam mit uns auswerten wollte. Den Report haben wir zwar tatsächlich schon am nächsten Tag abgeholt, aber zur Auswertung sind wir dann erst am Mittwoch gegangen, obwohl es uns beiden da schon wieder wesentlich besser ging. Mit meinen Werten war soweit alles in Ordnung und mittlerweile geht es mir auch wieder richtig gut. Bei Frank waren einige Werte nicht ganz im Normbereich und der Arzt hat ihm empfohlen, einen erneuten Blut-Check durchführen zu lassen. Da es ihm jetzt jedoch auch wieder besser geht, hat er das erst einmal sein gelassen.

Tja, was gibt es sonst noch für Neuigkeiten bei uns? Mira hatte am Sonntag ihren letzten Praktikumstag und hat sich von uns und den Kids verabschiedet. Sie bleibt nun noch einen Monat so auf der Insel, um ein wenig herum zu reisen und sich einiges anzuschauen. Anschließend fliegt sie nach Indien, um auch dort noch Praktika zu absolvieren. Etwa im April kommt sie das Angels Home dann noch einmal besuchen, bevor sie endgültig zurück nach Deutschland fliegt. Wie Mira selbst ihren Abschied so erlebt hat und was sie in den letzten Tagen noch mit den Kids gemacht hat, habt ihr ja sicherlich schon in ihrem Abschiedsbericht nachgelesen.

Letzten Sonntag und Montag hatten wir außerdem mal wieder Besuch von einer netten Dame aus dem Sri-Lanka-Forum, bei dem Frank schon seit einiger Zeit angemeldet ist. Astrid verbrachte einen 2-wöchigen Urlaub im Süden der Insel und machte nun - kurz vor ihrem Rückflug - noch einen kleinen Abstecher zu uns, um sich das Angels Home einmal anzuschauen. Zu unserer großen Freude legte sie bei ihrem Besuch im Heim auch gleich fest, dass sie ab sofort die Patenschaft für Nisansala übernehmen möchte. Somit haben nun endlich wieder alle Mädels liebevolle Pateneltern gefunden.

Am Mittwoch war ich mit Rukmal und Frank mal wieder in dem Behindertenheim in Wennappuwa, um dort einen Rollstuhl abzuliefern, den ein User aus einem anderen Sri-Lanka-Forum gesponsert hatte. Es war mal wieder eine krasse Erfahrung, diese Einrichtung zu besuchen. Ich bin jedes Mal aufs Neue schockiert, unter welchen Umständen die Kinder dort leben müssen, weil einfach die notwendigen Gelder fehlen. Viele sind total unterernährt und sitzen ihre Zeit dort im Prinzip einfach ab, da sich niemand mit ihnen beschäftigt. Der Heimleiter scheint mit der ganzen Situation auch überfordert zu sein und muss zusehen, dass er jeden Tag genügend zu Essen für die Kinder zusammen bekommt. Nichtsdestotrotz hat man sich über unser Geschenk sehr gefreut. Da dieser Einrichtung bisher nur ein Rollstuhl zur Verfügung stand und über die Hälfte der Kinder dort gehbehindert sind, kann man einen weiteren Rollstuhl sehr gut gebrauchen und er wird mit Sicherheit das alltägliche Leben dort um einiges erleichtern.

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 Gestern war hier mal wieder ein Feiertag und die buddhistischen Kids waren den ganzen Tag im Tempel. Da auch keine Schule war, bin ich schon gegen 12 Uhr mit dem Fahrrad zum Heim gefahren, weil ich mich mit den anderen Mädels beschäftigen wollte. Dort angekommen, waren jedoch alle noch am Saubermachen. Jasintha hatte die Gunst der Stunde genutzt und diesen Feiertag gleich mal zum großen Angels-Home-Putz-Tag erklärt... Lachen Da mussten alle Kinder mit ran und bis es Mittag gab, war dann schließlich auch alles blitzeblank. Weil man so stolz darauf war und den frisch gewischten Boden auch nicht gleich wieder dreckig machen wollte, haben sich die Kids entschlossen, zur Feier des Tages im Freien zu essen. Also habe auch ich mir in der Küche einen Teller voll gemacht und mich gemeinsam mit den Mädels draußen auf die Bänke gesetzt. Das fanden sie natürlich sehr witzig, dass ich zusammen mit ihnen gegessen habe - und das auch noch mit den Fingern... Winken

Nach dem Essen konnte ich die Kids auch nicht wirklich zu irgendwelchen Aktivitäten überreden, da alle vom Saubermachen geschafft waren. Außerdem scheint an Feiertagen (ähnlich wie bei uns) das Fernsehprogramm ziemlich gut zu sein. Nachdem man dann auch tatsächlich eine Art Liebes-Märchenfilm entdeckt hatte, waren die Mädels nicht mehr von der Glotze weg zu bringen. Also habe ich mich halt dazu gesetzt, auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe. Ich dachte, der Film geht vielleicht 2 Stunden, aber da hatte ich mich wohl gewaltig getäuscht: Wir saßen tatsächlich bis 16.30 Uhr... Danach gab's für mich aber keine Ausreden mehr, dann mussten die Kids erstmal ein paar Runden mit mir um die Wette rennen, um ihre müden Knochen wieder in Gang zu bringen. Als dann gegen 17 Uhr auch die buddhistischen Mädchen endlich aus dem Tempel zurück kamen und großes Duschen angesagt war, habe ich mich schließlich verabschiedet.

Heute hat es fast den ganzen Tag geregnet. Deswegen habe ich mit Mali, Shanika und Frank Carrom gespielt - das kann man sich so ähnlich wie Billard vorstellen, nur auf einem großen Holz-Spielfeld, mit Dame-Steinen und ohne Stock, sondern mit Finger-Schnipsen. Allerdings ändert Mali zum Ende des Spiels immer ganz gerne die Regeln so, wie sie's gerade braucht und dann nimmt es meistens kein Ende... Stirnrunzeln

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Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
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