Tagebuch Julia Fischer, 27.02.2007

 Am Sonntag waren wir gegen Mittag im Angels Home und haben auch – wie fast jeden Tag – mit dort gegessen. Die Kids finden es immer ganz witzig, wenn wir gemeinsam mit ihnen am Tisch sitzen und genau wie sie mit den Fingern essen.

Nach dem Essen kamen so nach und nach einige Angehörige der Kinder, da immer am letzten Sonntag im Monat Besuchstag ist. Frank und ich haben uns ein wenig mit den Kids beschäftigt, z.B. haben wir eine Runde Volleyball mit ihnen gespielt. Allerdings hatten daran nicht nur die Kinder riesigen Spaß, sondern auch das Personal vom Angels Home Grinsen

Am Nachmittag haben wir endlich mal das große Puzzle geholt. Da ich ja leidenschaftlich gerne puzzle, war das für mich eine sehr angenehme Beschäftigung. Die Kids wollten mir am liebsten alle helfen, aber einige sind dafür einfach noch zu klein. Es ist jedoch gar nicht so einfach, ihnen begreiflich zu machen, dass sie sich lieber ein kleines Puzzle holen sollen. Chanchala, Saduni und Mali sind allerdings schon ganz gut im puzzlen und waren mir eine große Hilfe.

Fast jedes Kind hat am Sonntag von irgendjemandem Besuch bekommen – nur leider Chanchala und Dilki nicht. Irgendwann haben die beiden schließlich angefangen zu weinen. Das tat mir wahnsinnig leid. Frank hat dann erst Dilkis Vater angerufen, der dann auch sagte, dass er noch vorbei kommt. Somit war für Dilki die Welt erstmal wieder in Ordnung. Bei Chanchala war das allerdings nicht so einfach; ihre Mutter arbeitet in Dubai und ist deshalb nur schwer zu erreichen. Chanchala war total aufgelöst und hat sich von Latta und den anderen Frauen trösten lassen. Ich hätte sie am liebsten auch in den Arm genommen und ganz doll geknuddelt. Frank hat dann schließlich als kleinen „Ersatz“ mal seine Eltern angerufen, damit Chanchala wenigstens mal mit ihren Pateneltern telefonieren konnte, die sie ja vor kurzem auch kennengelernt hat. Am nächsten Tag hat sie uns jedoch erzählt, dass sie am Abend auch noch ihre Mutter telefonisch erreicht hatte.

Gestern war ich nachmittags wieder den ganzen Tag mit Puzzlen beschäftigt. Außerdem war ich mit Latta in der Stadt und habe für jedes Kind einen Badeanzug gekauft. Das war gar nicht so einfach, wie es sich zunächst anhörte. Die Badesachen sind hier alle ziemlich kitschig, da es für die Singhalesen ja nichts tolleres gibt, als ganz viele bunte Farben. Außerdem mussten wir für jedes Kind eine ungefähr passende Größe finden. Aber nach ca. 30 min fuhren wir schließlich mit 9 Badeanzügen zurück zum Angels Home und dort war dann auch gleich Anprobe. Die Kids sehen echt voll süß aus in ihren Badesachen, aber dazu gleich mehr...

Gegen Abend waren dann nochmal am Strand, um uns den Sonnenuntergang anzusehen. Hier könnt ihr mal ein bisschen neidisch werden:

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Gestern Abend war Rukmal bis nachts um 1 Uhr bei uns und wir haben damit angefangen, einen Jahres-Plan 2007 für das Department of Probation & Childcare zu machen. Darin muss genau aufgelistet werden, welche regelmäßigen oder einmaligen Beschäftigungen die Kinder im Angels Home bekommen und welche Kosten dafür aufgewendet werden. An und für sich ist das ja keine große Sache, aber soetwas mit Rukmal auszuarbeiten, ist der absolute Knüller! Er hat genaue Vorstellungen, wie was gemach werden soll und genauso muss man es dann auch realisieren (egal, ob es anders vielleicht auch einfacher gehen würde). Er wollte z.B. unbedingt ein Deckblatt, auf dem in geschwungenen BUNTEN Buchstaben „Angels Home for Children“ steht, womit wir wieder beim Thema Singhalesen und Farben wären... In Deutschland würde man niemals etwas klitschbuntes an eine Behörde schicken, aber wie sagt man so schön: Andere Länder, andere Sitten.

Heute Mittag haben wir wieder ein Stückchen von dem Puzzle weitergemacht. So langsam aber sicher geht’s auch voran:

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Nachmittags sind wir gegen 14.30 Uhr mit allen Kindern nach Wennapuwa gefahren, um dort schiwmmen zu gehen. Nachdem wir erstmal im falschen Hotel gelandet sind und man uns dort ganz ungläubig anschaute, als wir sagten, dass sei alles abgesprochen, haben wir es in einem zweiten Anlauf schließlich geschafft.

Die meisten Kids waren heute das erste Mal überhaupt in einem Swimming-Pool, was man auch an den Gesichtern und der anfänglichen Unsicherheit merken konnte. Am Anfang waren wir ganz alleine im Pool und sie konnten sich langsam an das Wasser gewöhnen. Nach einer Weile wurden sie dann auch schon viel lockerer und plantschten herum. Frank und ich haben ihnen die Schwimm-Bewegungen gezeigt und mit unserer Hilfe starteten die Kids schließlich auch die ersten Schwimm-Versuche. Das war zwar alles noch etwas unbeholfen, aber ich denke, wenn sie regelmäßig zum Schwimmen gehen, wird das schon. Einige haben sich für das erste Mal schon ziemlich gut angestellt.

Gegen 16 Uhr kamen dann auch andere Kinder und ein Schwimmlehrer und wir hatten dann nur noch 3 Bahnen zur Vefügung. Also haben wir den Ball geholt und ein bisschen mit den Kids im Wasser gespielt. Sie hatten einen Riesen-Spaß.

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Frank hat nun ausgemacht, dass sie alle 14 Tage an einem Samstag schwimmen gehen, wo sich dann auch der Schwimmlehrer um die Kids kümmert. Ich finde das eine Super-Idee!

Abends war ich mit Frank und Rukmal bei einer Rechtsanwältin in Marawila, die sich mit solchen Jahresplänen, wie wir ihn jetzt erstellen müssen, wohl einigermaßen auskennt. Im Endeffekt hat sich jedoch rausgestellt, dass noch eine ganze Menge an Informationen fehlt, was wir nun noch nachholen müssen. Es ist ja schön und gut, wenn einem jemand erklärt, was die singhalesischen Behörden hier bei so einem Dokument alles erwarten, aber manchmal habe ich das Gefühl, die Singhalesen halten Frank und mich für etwas beschränkt... Winken Sie hat uns bestimmt 5mal erklärt, wie welche Seite aussehen soll. Da es sich um sehr unterschiedliche Informationen handelt, habe ich innerlich schon so gedacht, dass man ja da am Anfang ein Inhaltsverzeichnis machen könnte. Irgendwann kam auch sie auf diese völlig „innovative“ Idee, allerdings auf eine Art und Weise, die mir immernoch unverständlich ist: Ganz stolz hat sie aus ihrem Haus ein paar Postits (diese kleinen klebenden Lesezeichen) geholt und uns erklärt, wir sollten doch bei jedem neuen Thema eins von diesen Dingern (am besten natürlich noch in unterschiedlichen Farben!) an den Rand kleben und eine Zahl darauf schreiben. Im Inhaltsverzeichnis sollen dann nicht rechts die Seitenzahlen stehen (die aber trotzdem vorhanden sein müssen), sondern die Zahlen von den Postits... Na??? Ist das logisch??? Nicht wirklich, oder? Aber naja... was soll’s. Das ist halt Sri Lanka; warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

 

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