Neubau eines Hauses für eine Mutter und ihre zehnjährige Tochter.

Unterstützung Hausbau July 2012Heute hatten wir drei Praktikantinnen –  Marie, Snjezi und ich –  die Gelegenheit  ein weiteres Projekt, das von Dry Lands unterstützt wird, kennenlernen: den Neubau eines Haues für eine Mutter und ihre zehnjährige Tochter. Da Frank und Julia verhindert waren, fuhren wir früh morgens zu der Hauseinweihung in das etwa 90 km entfernte Dörfchen Nikaweratiya in der Region Puttalam.

Die Hintergrundgeschichte in wenigen Worten:

Frank bei seinem ersten Besuch mit den Vertretern vom JugendamtDie Mutter ist verwitwet, der neue Freund neigte zur Gewalt. Nach einigen Annäherungsversuchen des Freundes an ihre Tochter verließen sie ihn. Doch nun standen sie ohne alles auf der Straße. Zum Glück wurde das Jugendamt auf die Notlage der beiden aufmerksam und sicherte ihnen finanzielle Unterstützung für den Bau eines kleinen Hauses zu. Diese Zusicherung bestand aus 15.000 Rupien. Doch selbst in Sri Lanka reichten diese knapp 100 € bei weitem nicht dazu aus, ein Haus zu bauen, das nicht beim nächsten Windstoß in seine Einzelteile zusammenfällt! Das Jugendamt, das in regem Kontakt zu Frank und Julia steht, stellte den beiden das Projekt vor: Und sie beschlossen, dass Dry Lands den Bau des Hauses mit weiteren 400 Euro unterstützt.

Der  Weg zur FamilieGesagt – getan. Nachdem sie zunächst zu acht  Personen im kleinen Haus des Bruders gewohnt hatten, konnte mit Hilfe der Spenden ein kleines Steinhaus mit zwei Zimmern gebaut werden, das durch ein solides Blechdach vor Regen und Sonne geschützt wird. Und nun, nach 4 Wochen Bauzeit, war heute der Tag der Einweihung gekommen.

Essen zur HauseinweihungWir trafen uns mit dem obersten Zuständigen sowie drei Sozialarbeitern des hiesigen Jugendamtes wenige Kilometer vor Nikaweratiya und fuhren dann gemeinsam über die unbefestigte Zufahrtsstraße zu dem kleinen Häuschen. Erwartet wurden wir bereits von der Tochter und ihrer Kusine, die uns mit einem typischen singhalesischen Ritual  willkommen hießen: Wir bekamen einen Bündel großer Blätter in die Hände, während die Mädchen sich zu unseren Füßen beugten und einen Dankesspruch rezitierten. Im Anschluss wurden die vier Jugendamtsmitarbeiter und wir zum Essen eingeladen. Wir bekamen ein ausgiebiges Frühstück serviert: Milchreis, reichlich süßes Gebäck und natürlich einen ordentlich gezuckerten Tee.

Unterstützung Hausbau July 2012Nachdem wir uns stärken durften, hielt der Officer eine kurze feierliche Rede vor allen Anwesenden (von der wir leider nichts verstanden …).

Als wir die Hütte das erste Mal betraten, waren wir zunächst wie vor den Kopf gestoßen. Denn außer dem Büffettisch sahen wir: Nichts. Keine Möbel, keine Habseligkeiten, keine Dekoration; nichts, was eine Wohnung normalerweise ausmacht und zu einem Zuhause werden lässt.

Klein aber mein Noch nie habe ich so eine Armut gesehen. Höchstens mal im Fernsehen, doch da erscheint es immer so weit weg, dass man sich nicht wirklich damit befasst. Diese Armut live zu sehen und zu erleben, ist da etwas ganz anderes …

Doch natürlich fragt man sich dann auch, was wäre, wenn diese beiden Menschen keine Unterstützung bekommen hätten? Wo und vor allem wie würden sie auf Dauer leben können? Unter freiem Himmel? Weiterhin beengt in dem Haus des Bruders?

Ich weiß es nicht …

Zwei strahlende Gesichter (Mutter und Tochter)EinweihungszeremonieDoch sicher weiß ich, dass die Frau und ihre Tochter überglücklich und dankbar sind für das, was sie erhalten haben und für das, was sie daraus machen konnten – auch wenn es auf den ersten Blick für uns nach sehr wenig aussieht. Dank Dry Lands können die beiden ihre Lebensqualität erhöhen und sich, ganz wichtig, auch wieder auf die Schulbildung der Tochter konzentrieren.

Trotzdem macht mich dieses Erlebnis einmal mehr nachdenklich. Und ich frage mich, ob die Dinge, die ich in Deutschland oft als „Probleme“ angesehen habe, auch wirklich „echte Probleme“ sind!