„Sei frech, wild und wunderbar!“

Spaß beim SeilspringenWie schon erwartet, schwirrten auch in den letzten Tagen wieder einige Fragen durch meinen Kopf.

Ich denke darüber nach, weshalb man sich so oft fragt: „Weiß die Person das überhaupt zu schätzen was ich hier mache?“ oder „Wieso zeigen sie nicht mehr Wertschätzung?“

Ist es so wichtig, dass alles immer geschätzt wird? Müssen Kinder hier, nur weil sie von Spenden leben und angewiesen sind auf die Hilfe von Frank, Julia und den Angestellten, jeden Tag aufwachen und bewusst dankbar sein? Vor allem müssen sie es mehr schätzen als Kinder bei uns, die oft alles im Überfluss haben?

Ich finde das Wort Spende drückt häufig schon ein Abhängigkeitsverhältnis aus. Auf der einen Seite steht der Mensch der etwas braucht und auf Hilfe angewiesen ist, auf der anderen Seite die Person, die etwas von dem abgibt was sie besitzt. Ganz klar ist ja, dass der Besitz den man hat und die Lebensumstände in welchen man sich befindet, nicht (nur) durch eigene Kraft bestimmt sind. Viel mehr ist es Zufall in welchem Land, mit welchen Möglichkeiten und von welcher Mutter man geboren wird.

Daher finde ich, es drückt schon eine bestimmte Haltung aus, wenn man anstatt von Spenden besser von Patenschaften, seien es Projekt- oder Kinderpatenschaften, spricht. Diese Begriffe zeigen, dass etwas Gutes tun immer eine wechselseitige Wirkung hat. Die persönliche Verbindung zwischen den Kindern und ihren Pateneltern führt dazu, dass die Kinder die Möglichkeit haben ganz vieles zurück zu geben. Ich denke viele von euch kennen das Gefühl, wenn ein Brief oder ein gemaltes Bild von Ihrem Patenkind ankommt oder Sie Bilder auf der Homepage sehen wie gut es den Mädchen hier geht, da regelmäßige Unterstützungen hier eingehen. Die Arbeit die hinter all dem steckt, ist Wahnsinn. Aber sie ist es definitiv wert und sie zeigt, dass wirklich alles den Kindern zu Gute kommt und transparent sowie persönlich abläuft.

In Zusammenhang damit, frage ich mich auch, muss uns Praktikantinnen, nur weil wir 2-3 Monate unserer Lebenszeit hier verbringen, jeden Tag vermittelt werden wie toll es ist, dass wir hier sind?

Vishmika albert herumEs ist schön mal gelobt zu werden, trotzdem drängt sich mir die Frage auf, ob wir nicht die sind die sehr schätzen sollten, was wir hier erleben dürfen. Die Mädchen nehmen uns ohne wenn und aber hier auf. Sie gehen auf uns zu und unterstützen uns im Alltag. Egal ob groß oder klein alle tragen dazu bei, dass man sich hier schnell heimisch fühlt. Auch Frank und Julia nehmen sich trotz der wahnsinnig vielen Aufgaben die sie schon haben, Zeit für uns und zeigen und erklären uns ihre Welt.

Ich möchte diesen Beitrag dazu nutzen, Dankbarkeit auszudrücken. Nicht im Sinne davon, dass ich schätze, was ich zu Hause habe (auch wenn ich das natürlich mache). Sondern vielmehr Dankbarkeit an die Mädels, die uns hier ihre Lebenswelt zeigen. Dankbarkeit dafür, dass ich dieses Projekt kennen lernen darf und für eine kurze Zeit ein ganz kleiner Teil davon sein kann.

Ich möchte die Frage ablegen, ob die Kinder hier schätzen was für sie getan wird. Ich möchte die Kinder einfach als Kinder ansehen, die genauso eine unbeschwerte Kindheit verdient haben. Sie haben ein Recht darauf, ihre Kindheit zu genießen. Sie dürfen hier verrückt sein, sie selbst sein und auch Fehler machen. Die Mädchen hier dürfen genauso mal zickig sein und ich genieße es, wenn sie mal richtig wild rumtoben. Das Temperament vieler Mädchen ist unglaublich und jede ist einzigartig.

 Herumalbern im Angels HomeSie lernen hier was wichtig ist für das Zusammenleben, aber auch was ihnen etwas bedeutet. Jede auf ihre Art. Jede mit ihrer Geschichte im Herzen. Jede mit kindlicher Neugier. In einer großen Gruppe nimmt jede Person eine bestimmte Rolle ein, so auch hier. Es gibt Mädchen die ruhiger sind und die Fähigkeit haben andere zu beruhigen. Dann wiederum gibt es einige, die mich mit ihrer Ironie und ihren Späßen ständig zum Lachen bringen. Jede Einzelne für sich, auch wenn sie das Angels Home irgendwann verlässt, hinterlässt hier etwas und hat einen Beitrag dazu geleistet, dass diese große Gruppe als eine Familie zusammenwachsen kann.

Ich habe bei allen das Gefühl, auch wenn die meisten tragische Dinge erleben mussten, dass sie eine wahnsinnige Resilienz haben. Ich denke diese konnten sie entwickeln, da sie hier im Angels Home aufwachsen dürfen und damit ein zu Hause, eine Familie und einen Ort, an dem sie Kinder sein dürfen, gefunden haben. Kinder die frech wild und wunderbar sein dürfen.

Liebe Grüße

Valentina

in Tagebuch von Valentina Fröhlich
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Author: Valentina Fröhlich