Die etwas andere Welt

Über den Wolken Zwei Wochen ist es nun her, dass ich nach nur wenigen Stunden Flugzeit, in Sri Lanka, einer so anderen Welt landete und im Angels Home ankam. Dort wurde ich herzlichst und mit offenen Armen empfangen,weshalb ich mich schnell wie zu Hause fühlte. Sowohl die Kinder, als auch die Angestellten und anderen Praktikantinnen, mit ihrer unglaublich offenen und lieben Art, integrierten einen sofort in das Gemeinschaftsleben und führten einen in den ziemlich durchstrukturierten Alltag ein.

Obwohl hier jeder Tag fast gleich abläuft, wird man täglich mit zahlreichen, unterschiedlichen Sachen konfrontiert und so habe ich in dieser Zeit schon so viele Erfahrungen gemacht, so viel Neues kennen gelernt und unglaublich schöne, aber auch traurige und belastende Momente erlebt, die einen zum Nachdenken angeregt haben und die man teilweise erst einmal verarbeiten muss, bevor man hier zurecht kommen kann.

Verkaufstände an der HauptstraßeZu Beginn lernte man erst einmal nach und nach die Kinder kennen. Zunächst kamen die etwas weniger scheuen, meist etwas jüngeren Kinder, nach und nach aber auch die etwas schüchternen Mädchen auf mich zu, verrieten mir ihre, mir absolut fremden und für mich gleich klingenden Namen, wie Madushika, Udenika, Dinushika, Tharushika, Nandika, Chaturika und Shashikala, die ich dann mit Mühe zu lernen versuchte.

Mit der Zeit wurde man auch mit dem durchstrukturierten Tagesablauf vertraut, geprägt vom frühen Aufstehen um 5 Uhr, der Gartenarbeit, dem Waschen auf dem Waschplatz, den Mahlzeiten, bei denen man mit der Hand isst und den Spielzeiten mit singhalesischer Musik.

Vor allem sind es aber die zahlreichen kleinen Momente, die diese Zeit ausmachen und die man einfach nur festhalten möchte. Glückliche und rührende Momente, wenn sich die Kinder beispielsweise freuen einen zu sehen und auf einen zugestürmt kommen, einem Abends eine gute Nacht wünschen und einen umarmen, wenn man mit ihnen ohne wirklichen Grund lacht, wenn man sieht, wie sehr sie sich umeinander kümmern, wenn sie ohne grossartig nachzudenken für dich aufstehen würden, weil kein anderer Sitzplatz mehr frei ist oder den einen Keks den sie bekommen haben mit dir teilen würden.

Unsere GrinsebackeJedoch kann man nicht sagen, dass die Zeit ganz sorgenfrei ist, denn es handelt sich beim Angels Home um ein Kinderheim und obwohl es den Kinder unglaublich gut geht, hat es einen Grund warum sie hier sind. Zum Teil haben sie in ihrem jungen Alter schlimmste Dinge erlebt oder stammen aus schwierigen oder ärmlichen Familienverhältnissen.

Hinzu kommt, dass es für mich teilweise sehr schwer ist, die Kutur Sri Lankas mit all ihren Einschränkungen, gerade gegenüber Frauen, zu verstehen. Man merkt immer wieder, wie normal dieses Frauenbild für die Mädchen hier ist und wie kritisch sie über all die Freiheiten in der westlichen Kultur denken. Das andere Verhältnis zur Gewalt wird ebenfalls deutlich, die Ausübung ist absolut üblich. So werden die Kinder beispielsweise in der Schule noch von ihren Lehrern geschlagen. Aber auch Dinge wie Mülltrennung, Hygiene und Benimmregeln werden hier anders gehandhabt, woran man sich erst einmal gewöhnen muss.

Dennoch bin ich unglaublich froh, hier zu sein und all diese unterschiedlichen Dinge und tollen Menschen kennen lernen zu dürfen!

Liebe Grüße,

Marla

in Tagebuch von Marla Jung
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Author: Marla Jung