Und ich wollte doch nur zum Pool!

Mein kleiner singhalesischer StraßenfreundIn der Medizin hätte man wohl von einem Fixierungsfehler gesprochen. Überzeugt davon auf der richtigen Spur zu sein, folgte ich dieser korrekt, nur leider in die völlig falsche Richtung. Nach 2 Stunden Fussmarsch in der Hitze, diversen Begegnungen mit süssen und weniger süssen Strassenhunden und dem Gefühl eine Leuchtreklame zu sein, als einzige Weisse weit und breit, machte sich das leichte Unbehagen breit, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Die letzten 10 Minuten war ich durch einen lokalen Fischmarkt gewandert, mit einem dichten Gewusel von Verkäufern, Tuktuks, Hunden und Fischen in allen Grössen frisch und getrocknet, aber von einem Hotel keine Spur. Getrockneter FischLange solle er zwar sein, der Fussweg immer dem Strand entlang bis zum Hotel mit Pool, circa 5km, aber das sollte ich doch in 2 Stunden längst geschafft haben. Ansonsten passte aber alles wunderbar zum mir beschriebenen Weg, immer dem Meer nach, mal durch Fischerdörfer mal dem Strand entlang. Nur, was stimmte nun nicht? Ein Blick auf Google Maps half weiter, ich war 10 km um 180° in die falsche Richtung gewandert. Fast musste ich lachen. Dann fiel mein Blick auf die Blase an meinem linken Fuss. Ich entschloss mich, mir ein Tuktuk zu finden. Also sprach ich eine mir sympathisch wirkende Frau an, ob sie wisse, wie ich hier ein Tuktuk finden kann? (Wo sind die denn nur, wenn man mal eins braucht?) Lieber an die Frauen halten als alleinreisende Frau, hatte ich mal irgendwo gehört. Besagte Dame organisierte mir ihren Bruder, der mich für einen anständigen Preis in einem fast neuen Tuktuk ans ersehnte Ziel fuhr. Auf der Fahrt wurde ich zu Freund, Ehemann und Telefonnummer befragt, ich erfand mir also kurzerhand einen Angetrauten, der schon im Hotel auf mich warte, die Frage nach der Nummer konnte ich plötzlich nicht mehr so richtig verstehen und so kam ich zufrieden ans Ziel.

LaguneJetzt erst mal in den Pool bei der Lagune springen, meinen kühlen Kokosnussbananensaft und den freien Tag geniessen, dachte ich mir und wusste noch nicht, dass das Abenteuer noch nicht zu Ende war. 

„Zu Shashikalas bitte!“ Sagte ich dem Tuktukfahrer am späteren Nachmittag. Auf halber Strecke fiel meinem Fahrer ein, dass dieser Supermarkt und Ort zum Geldwechseln heute geschlossen sei. Tatsächlich stand ich wenig später vor verschlossener Tür. Er könne mir aber helfen. Na toll. Geld wechseln musste ich, sonst hätte ich den weiteren Heimweg wieder zu Fuss antreten müssen und einkaufen wollte ich ja schliesslich auch noch. Wir fuhren also auf der Hauptstrasse zurück, in eine Seitenstrasse hinein und da war es auch gleich, ein kleines Lädelchen mit Uhren und Goldschmuck aller Art. Hier bekam ich Rupies für mein Geld und war doch etwas erstaunt nicht übers Ohr gehauen zu werden und erst noch den bisher besten Wechselkurs zu bekommen.

 Bild „Bäcker“, Bäcker mit TuktukDer Rest war Kleinigkeit, ich liess mich zu einem anderen Supermarkt fahren und kaufte ein, da spielte es auch keine grosse Rolle mehr, dass ich die Hälfte im Halbdunkel zusammensuchte, denn plötzlich ging der Strom aus. Und endlich erreichte ich müde aber glücklich die vertrauten Tore des Kinderheims.

Von einem kleinen Rätsel noch will ich berichten, dass ich an meinem unfreiwilligen Wandertag lösen konnte. Für immer wird mir Beethovens „Für Elise“ nun mit Kokospalmen, Meeresrauschen und Hitze verbunden sein. Denn jeden Morgen, wenn ich noch schläfrig im Bett liege, dudelt es unüberhörbar zwischen den Palmen hervor. Und Schuld ist dieser Bäcker! Ein duzendes Mal fuhr er mir in seinem Tuktuk über den Weg und immer quäkte die Melodie unüberhörbar aus den Lautsprechern und kündete vom Nahen der frischen Brötchen.

in Tagebuch von Lisa Mutschler
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Author: Lisa Mutschler