Diese Menschen prägen unsere Mädels

Da sind sie alle ;)In den Tagebüchern unserer Praktikantinnen geht es ja häufig um den Alltag der Kinder, was wir hier gerade so machen oder welche besonderen Abenteuer sie erlebt haben. Viel zu selten ist die Rede von unserem Personal und deshalb habe ich mir heute gedacht, das sollten wir mal ändern.

Momentan haben wir im Angels Home ein 9-köpfiges festangestelltes Personal (abgesehen von den zahlreichen Lehrern und Beraterinnen), welches in dieser Konstellation auch schon eine ganze Weile zusammenarbeitet. Normalerweise haben wir noch 3 weitere Stellen zu besetzen, die aktuell von den anderen Angestellten mit übernommen werden. Das ist nicht selbstverständlich und umso mehr wissen wir die Arbeit unserer Truppe hier zu schätzen und hoffen sehr, dass sie uns in der Form noch ein Weilchen erhalten bleibt. Jeder hat seinen festen Aufgabenbereich und es kommt nur selten zu Unstimmigkeiten oder ernsthaften Problemen – und das soll in Sri Lanka schon was heißen!

Wen ich jetzt ein wenig neugierig gemacht habe, der darf sich gerne zurücklehnen und weiterlesen, denn hier kommt meine ganz persönliche – und vielleicht nicht ganz ernst zu nehmende – Vorstellungsrunde von denjenigen Menschen, die das Leben unserer Mädchen tagtäglich begleiten.

Theekshani, Head Matron – der Boss im Schloss

TheekshaniMit ihren 27 Jahren hat es diese taffe Lady für eine Singhalesin faustdick hinter den Ohren, denn sie ist der lebende Beweis dafür, dass eine Matron (Heimmutter) nicht zwangsläufig alt und jahrelang erfahren in der Kindererziehung sein muss. Mit Witz, Herzlichkeit und der nötigen Strenge zeigt sie unseren Mädels, wo´s lang geht. Dabei ist sie sich auch nicht zu fein, eingenässte Bettlaken zu waschen oder mit voller Wucht einen Volleyball über´s Netz zu schmettern. Die Mädels, die nach ihrer Nase tanzen (und diese Nase hat fast immer den richtigen Riecher), finden in ihr nicht nur einfach eine Matron, sondern gleichzeitig auch eine große Schwester und beste Freundin. Natürlich hat Theekshani auch Schwächen, zum Beispiel gehört die Küchenarbeit nicht gerade zu ihren Lieblingsaufgaben, aber daraus macht sie dann auch keinen Hehl und kann gnadenlos über sich selbst lachen. All diese tollen Eigenschaften wurden vergangenes Jahr mit einer saftigen Gehaltserhöhung belohnt, nachdem die junge Dame auch noch den Aufgabenbereich unserer ausgeschiedenen Managerin übernommen hat. Im Sari macht Theekshani eine super Figur und mittlerweile weiß sie ihren umwerfenden Charme genau dann perfekt einzusetzen, wenn sie mit männlichen Beamten verhandeln muss. Aber natürlich alles im angemessenen Rahmen, denn im Juni kommt Theekshani „unter die Haube“ und heiratet ihren langjährigen Boyfriend, dem sie rettungslos verfallen ist. Wir hoffen, dass sie uns dann zumindest tagsüber als Managerin erhalten bleibt und wir uns „nur“ eine neue Head-Matron suchen müssen.

Preemalattha, Assistant Matron – abergläubische Schneiderin mit vielen versteckten Talenten

PreemalatthaNicht nur altermäßig, sondern auch charakterlich ist unsere Preemalattha die optimale Ergänzung zu Theekshani und unterstützt uns deshalb zu Recht ebenfalls 24 Stunden am Tag bei der Kinderbetreuung. Zugegeben, man muss Preemalattha erst kennenlernen, um ihr wahres Wesen zu schätzen, versteckt sich ihr großes Herz doch hin und wieder hinter einer strengen Stimme, die unsere morgendlichen Schlafmützen zurecht weist, damit sie in die Gänge kommen. Dreht man jedoch spät am Abend noch eine Runde durch das Angels Home, sieht man die gute Seele häufig bis tief in die Nacht an der Nähmaschine sitzen, um neue Uniformen, Nachthemden oder Kleider für die Mädchen zu nähen, denn das ist ihre große Leidenschaft. Hat jemand ein Wehwehchen, weiß Preemalattha fast immer ein gutes ayurvedisches Hausmittelchen und bei seelischen Belangen steht sie einem gerne mit ihrem Wissen über Horoskope und esoterischen Lebensweisheiten zur Seite. Ihr höherer Schulabschluss mit der Fachrichtung Rechnungswesen macht sie zu einer guten Kassenverwalterin und auch beim Kopfrechnen werden ihre Fähigkeiten geschätzt. Sonntags ist Preemalatthas großer Auftritt in der Küche, denn dann darf sie ihr legendäres Chicken-Curry zubereiten, weil unsere Köchin Suneetha an diesem Tag frei hat. Ihre Kochkünste lässt sie besonders gerne loben, auch wenn sie dabei nicht vergisst, zu erwähnen, wie viel Arbeit sie hatte und was ihr nun alles wehtut. Beim allabendlichen buddhistischen Gebetsgesang tönt Preemalatthas starke Stimme über alle anderen hinweg, was unsere Mädels nicht selten zu einem verschmitzten Schmunzeln hinter ihrem Rücken veranlasst. Doch die Gute nimmt´s gelassen, immerhin kann ihr in vielen Sachen kaum jemand etwas vormachen. Lediglich ihre Englischkenntnisse bringen Frank regelmäßig um den Verstand, da sie mich oftmals viel besser versteht, obwohl ich genau das Gleiche sage wie er… Smile

Sarath, Security und Fahrer – zuvorkommender Möchtegern-Hausmeister mit Star-Allüren

SarathAn Sonn- und Feiertagen schafft es dieser engagierte Zeitgenosse auf jeden Fall immer irgendwann, einen aus dem Schlaf zu reißen – sei es durch rhythmische Besengeräusche oder durch das gnadenlose Motor-Aufheulen unseres heimeigenen TukTuks. So früh wie möglich auf die eigene Arbeitsleistung aufmerksam machen, das ist seine Devise. Dabei macht Sarath dann auch gerne mal Sachen, um die man ihn gar nicht gebeten hat und nicht selten auch noch genau andersrum, als man sie sich vorgestellt hat. Wenn er dann jedoch mit geschwellter Brust seine Leistung präsentiert und sich dabei freut, wie ein kleiner Junge, kann selbst Frank ihm nie wirklich böse sein. Eins muss man ihm lassen; er ist sehr aufmerksam und sieht, wo seine Hilfe gebraucht wird. Den Kindern gegenüber stets für ein Scherzchen aufgelegt, sorgt er dafür, dass unser Grundstück nachts stets ausreichend beleuchtet ist und dreht zusätzlich hin und wieder mit der Taschenlampe seine nächtlichen Runden. Fühlt er sich unbeobachtet, tobt er auch mal ausgelassen mit unserem hyperaktiven Schäferhund-Rüden Jerry um den Sandhaufen herum und hat dabei mindestens genauso viel Spaß wie der Hund. Sarath ist sich seiner verantwortungsvollen Position im Heim durchaus bewusst und überlässt die Schwerstarbeit dann doch auch ganz gerne unserem Gärtner Uncle Joseph. Spätestens wenn dieser sich dann beschwert, muss man den verheirateten Familienvater aus dem Süden dann mal wieder freundlich auf den Boden der Tatsachen zurückholen oder ihn mit einer Schachtel Zigaretten für seine gute Arbeit belohnen, die er dann gerne auch weiterhin ausführt. Sicher; als Mann hat man es in einem Haushalt mit knapp 70 Frauen durchaus nicht leicht, deshalb seien ihm gelegentliche Aussetzer gerne verziehen.

Mallika, Putzfrau – unterschätztes Energiebündel mit Bürolizenz

MallikaVon fast allen Besuchern werden wir dafür gelobt, wie schön sauber es in unserem Angels Home for Children ist. Dies ist ganz klar der Verdienst einer Frau, die man aufgrund ihrer Größe schnell mal übersieht und die sich auch nicht gerade durch ausschweifende Unterhaltungen ins Zentrum unseres Bewusstseins rückt. Häufig besteht die einzige Kommunikation mit unserer Mallika darin, ihr eine neue Flasche Glasreiniger aus dem Schrank zu geben, den sie dann strahlend entgegennimmt. Morgens um 8 Uhr beginnt sie mit Besen, Putzlappen und Staubwedel ihren Dienst, wobei sie sich nie über die Unordentlichkeit der Kinder beschwert, sondern lieber stillschweigend ihren Dreck wegmacht, damit sie keinen Ärger bekommen. Werden im Angels Home Fenster geputzt, kann man ziemlich klar erkennen, welche von ihr gereinigt wurden und welche ihre Mitstreiterin Sandamali übernommen hat. Mallikas Fenster sind schlichtweg nur zur Hälfte sauber, da sie nicht ganz hoch kommt, aber über solche kleinen Makel können wir problemlos hinwegsehen. Durch ihre Auslandserfahrung in Sachen Putzen weiß Mallika genau, auf welche Ecken besonders geachtet werden muss und weist nicht selten auch Sandamali freundlich, aber bestimmt darauf hin. Diese Fähigkeit ist auch der Grund dafür, weshalb wir Mallika täglich eine Viertelstunde Zutritt zu unserem Büro verschaffen. Auch wenn die kompakt gebaute Frohnatur meist sehr unauffällig ist, so kann man bei einer Begegnung mit ihr außerhalb des Kinderheims schon ziemlich überrascht werden. So gab sie bei unserem letzten Tagesausflug nach Kandy im Bus mal eben ihre disco-reifen Tanzbewegungen zum Besten. Durch entsprechendes Anfeuern und Klatschen unserer Mädels war die quirlige Putzfrau kaum noch zu halten und wir alle hatten unseren Spaß!

Sandamali, Putzfrau – unangefochtene Mop-Königin mit schwarzem Humor

SandamaliDa wo man Mallika sieht, ist Sandamali nicht weit, denn die beiden sind ein eingeschweißtes Team in der täglichen Reinigung unseres Kinderheims. Im Gegensatz zu ihrer Partnerin kann man Sandamali jedoch häufig nicht nur sehen, sondern auch hören, wenn ihre markante tiefe Stimme durch die Gänge hallt. Mop und Wassereimer sind ihre treuen Begleiter, wobei ihre Witze meist so trocken sind, dass sie einen Moment brauchen, um beim Rest des Personals mit schallendem Gelächter entgegen genommen zu werden. Ist am frühen Morgen Gegacker und Gekicher im Flur zu vernehmen, dann ist unsere Sandamali meist der Grund dafür. Doch wehe dem, der es wagt, über ihre frisch gewischten Fliesen zu laufen, der wird auch gerne mal mit einem strengen Blick bestraft und weggescheucht.

Judith, Assistant Matron – kleines Sensibelchen voller Schadenfreude

JudithWenn Theekshani mal nicht da ist, ziehen wir häufig Judiths Fähigkeiten als Übersetzerin und Telefonistin heran, um bestimmte Dinge zu regeln. Allerdings gibt es Judith dann meist nur im Doppelpack mit Preemalattha. Mitunter hat man schon das Gefühl, die beiden sind siamesische Zwillinge, wird doch jeder Gang zum Tor und jedes Telefonat meist gemeinsam erledigt. Die Beiden ergänzen sich prima und dank ihrer gemeinsam genutzten Englischkenntnisse, die für sich genommen nicht gerade „the yellow from the egg“ sind, schaffen die beiden Damen es dann auch immer irgendwie, Frank selbst komplizierte Arbeitsabläufe von Maurern, Elektrikern und Telefonanbietern zu erklären, natürlich mit ihrer ganz eigenen Note, wovon jeder andere Ausländer vermutlich nur Bahnhof verstehen würde. Judith ist eine Frohnatur und macht sehr gerne Witze auf Kosten anderer. Ganz nach dem Motto „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“, witzelt sich Judith durch ihren Alltag. Geht es allerdings um sie selbst, kann sie auch schnell sehr sensibel werden und hier und da auch mal ein Tränchen vergießen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. Nichtsdestotrotz sorgt sie sich mit ihrem großen Herzen rührend um unsere Mädels und nimmt in den Schulen meist die Rolle der Ersatzmama bei Elternbesprechungen ein.

Uncle Joseph, Gärtner – unermüdliches Arbeitstier und Opa-Ersatz

Uncle JosephDiesem kleinen dürren Männlein sieht man auf den ersten Blick nicht an, was in ihm steckt. Ein arbeitsreiches Leben, pure Muskelkraft, Ausdauer und ungebändigter Tatendrang lassen unseren Uncle oftmals in der brütenden Sonne Aufgaben verrichten, die andere nicht mal bei Minusgraden fertigbringen würden. So kommt er auch mal einfach nicht zur Arbeit, wenn er sich unterfordert fühlt und lässt uns mitteilen, dass wir ihn wieder rufen können, sobald wir richtige Arbeit für ihn haben. Auch ein vor ca. 3 Jahren erlittener Herzinfarkt hält ihn nicht auf bei seinem täglichen Kampf mit Bananenstauden, Feuerholz und Gartenschläuchen. Seine selbst eingeräumten mehrfachen Ruhepausen am Tag, in denen er zufrieden seine Betelnüsse knackt und die Mädels mit trockenen Sprüchen zum Lachen bringt, nimmt ihm keiner übel und überhaupt sind wir uns alle einig, dass Uncle Joseph so lange bei uns arbeiten darf, wie er kann und möchte. Immerhin hat er mit seiner schwerkranken Frau und dem Leben in einem Zeltlager von all unseren Angestellten wohl das härteste private Los gezogen. Hinter der harten Schale steckt ein verdammt weicher Kern. So kann Uncle Joseph seine Tränen kaum verbergen, wenn ihm die Mädchen einmal im Jahr „Happy Birthday“ singen und ihrem gutmütigen Ersatz-Opa für seine harte Arbeit danken.

Suneetha, Köchin – zierliche und temperamentvolle Küchenchefin

SuneethaEin normaler Arbeitstag während der Schulzeit beginnt für sie um 4 Uhr morgens. Während die Mädels noch friedlich in ihren Betten schlummern, schwingt Suneetha in der Küche bereits die Messer, um ihnen das Frühstück für den Schulbesuch vorzubereiten. Dabei darf eine Zutat auf keinen Fall fehlen, mit der sie es manchmal auch ein bisschen zu gut meint – Chili! Wenn man bedenkt, dass Suneetha bei uns kinderfreundlich kocht, möchte ich manchmal nicht wissen, wie ihre Kochkünste zu Hause so ausfallen. Vermutlich hat sie von ihrer Leidenschaft zu den feurigen Schoten auch ihr ungezügeltes Temperament, welches immer dann zum Vorschein kommt, wenn zu viele Köche in ihrem Brei rühren. So liefert sie sich mit Preemalattha schon auch mal lautstarke Wortgefechte, wenn diese ihr Tipps für den wöchentlichen Einkauf geben möchte oder an ihren Rezepten herumexperimentiert. Hinter Suneethas schlankem Erscheinungsbild würde wohl kaum jemand eine 7-fache Mutter vermuten, die in ihrem eigenen Haushalt ganz klar die Hosen anhat. Doch eines ist selbstverständlich: Wer tagtäglich ca. 70 hungrige Mäuler stopfen muss, dem darf das Salz in der Suppe nicht fehlen!

 

Lattha, Assistant Matron – langjähriges Heiminventar mit Dauergrinsen

LatthaWer unser Angels Home schon lange kennt, kennt in der Regel auch diese freundliche Dame. Und wer Lattha einmal kennengelernt hat, vergisst sie auch nicht so schnell, denn ihr Lächeln hat bisher noch jedes Herz erwärmt. Mit gelegentlichen Arbeitsunterbrechungen ist uns unsere erste Kinderfrau aus dem Jahr 2006 bis heute erhalten geblieben und nimmt demzufolge für einige der Mädchen unangefochten die Rolle der Ersatzmutter ein. Ihr klarer Vorteil bei den Kids: Lattha kann nicht schimpfen und nicht streng sein, weshalb sie mit der alleinigen Betreuung unserer Rasselbande auch gnadenlos überfordert wäre. Doch dieses Manko macht sie durch ihre Herzlichkeit und kindliche Naivität wett, weswegen man sie einfach gerne haben muss. Wenn jemand lacht, lacht Lattha mit, dabei muss sie nicht zwangsläufig wissen, um was es überhaupt geht. Sie ist so einfach zu bespaßen, dass man seine wahre Freude mit ihr hat. Dabei scheut sie sich auch nicht vor weniger beliebten Aufgaben wie Krankenhausbegleitung, Nachtschicht oder Zeckenentfernung bei unseren Schäferhunden. Lattha ist einfach eine ganz treue Seele, der man nie lange böse sein kann, erst recht nicht, wenn man ihren familiären Hintergrund kennt, in dem sie nicht immer etwas zu lachen hat. Wie kaum eine andere versteht sie auch meine und Franks Körpersprache, weshalb sie oftmals ziemlich genau weiß, ob wir jetzt gerade zum Scherzen aufgelegt sind oder ob sie sich lieber ruhig verhalten sollte. Bei diesen Kenntnissen macht ihr aufgrund ihrer jahrelangen Angels-Home-Erfahrung keiner etwas vor und diesen Status genießt sie auch unverkennbar.

Jeder hat seine festen Aufgaben, jeder macht seine Sache gut. Und wie hat es Aristoteles damals schon so schön formuliert: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Genauso ist es, zusammen sind sie ein super Team mit einem gemeinsamen Ziel; den Mädchen in unserem Angels Home eine tolle Kindheit zu bescheren und sie auf das spätere Leben vorzubereiten. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich bei jedem einzelnen von unserem Personal und hoffen, dass sie uns alle noch lange erhalten bleiben!

Hauptkategorie: Tagebuch Julia Fischer
in Tagebuch Julia 2015
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Author: Julia Fischer