Wie ihr sicherlich bemerkt habt, gab es schon länger keinen aktuellen Bericht mehr zu unserem Trainingscenter und nun wird es wirklich an der Zeit, dass wir euch dazu mal wieder ein Update geben.

Lasst es uns einfach mal so formulieren: Die Ausbildungsstätte ist momentan unser Sorgenkind und wir wissen nicht so recht weiter damit. Deshalb haben wir uns nun dazu entschieden, das Ganze mal öffentlich zu machen.

Als wir damals nach dem Kauf des Grundstücks mit unserer Idee für eine berufliche Ausbildungsstätte ans örtliche Jugendamt herangetreten sind, war die Begeisterung groß. Man versicherte uns, dies sei eine ganz hervorragende Idee, um auch Mädchen aus anderen Heimen nach der Schule durch eine Berufsausbildung zu unterstützen und ihnen somit mehr Zukunftsperspektiven zu geben. Uns wurde gesagt, es gäbe genügend junge Frauen, die für eine solche Ausbildung in Frage kämen und man wollte uns dabei helfen, für die verschiedenen Kurse eine ausreichende Anzahl an Auszubildenden zu finden. Soweit der Plan und wir gaben uns Mühe, die Bauarbeiten möglichst schnell abzuschließen, damit wir mit den ersten Kursen beginnen konnten. Leider blieb die zugesagte Unterstützung vom Jugendamt von Anfang an aus und wir suchten uns für die ersten Kurse selbst Auszubildende bzw. brachten auch vereinzelt unsere eigenen Mädchen mit unter. Über Zeitungsinserate erreichten wir andere junge Frauen aus der Umgebung, allerdings waren wir uns nicht immer sicher, ob es sich tatsächlich um Hilfsbedürftige handelte. Und das war ja eigentlich die Zielgruppe, die wir mit unserer Einrichtung erreichen wollten.

Friseur-bereichNeben diesem Problem mussten wir auch der Tatsache ins Auge sehen, dass die staatliche berufliche Ausbildungsstätte in Marawila die gleichen Kurse wie wir anbietet, allerdings erreichen die Kursteilnehmer hier bereits nach 3 Monaten ihr Zertifikat. Wir wollten die Ausbildung mit 6-monatiger Lernphase bei uns und anschließender 6-monatiger Praxisphase in einer frei wählbaren Arbeitsstelle etwas intensiver gestalten, mussten jedoch die Erfahrung machen, dass dies keiner wollte. Frei nach dem Motto „je schneller, umso besser“ lernt man hier in Sri Lanka also in 3 Monaten Haareschneiden und dementsprechend sehen die Menschen auch aus, wenn sie gerade vom Frisör kommen 😉. Unsere Bemühungen, daran etwas zu ändern, sind fehlgeschlagen und es meldeten sich immer weniger Auszubildende für unsere Kurse an. Am Ende stand das Gehalt der Ausbilderinnen nicht mehr im angemessenen Verhältnis zur Anzahl der Kursteilnehmerinnen, sodass wir unsere Ausbildungen einstellen mussten.

Doch so schnell wollten wir natürlich nicht aufgeben. In der letzten Zeit schrieben wir zahlreiche Briefe an verschiedene Ämter und Ministerien, in denen wir stets darauf hinwiesen, dass wir hier eine super ausgestattete, aber ungenutzte Ausbildungsstätte haben und auch die damit verbundenen Probleme schilderten. Natürlich haben wir uns auch bis an die obersten Stellen vom Jugendamt gewandt und unsere Enttäuschung über die ausgebliebene Unterstützung zum Ausdruck gebracht. Die einzige Reaktion, die wir darauf erhielten, war die Aussage, dass es kein Problem wäre, uns Azubis für die Ausbildungsstätte zu vermitteln, sofern wir bereit sind, diese auch bei uns unterzubringen. Davon war jedoch nie die Rede gewesen und für uns ist ein angegliedertes Internat weder finanziell noch personell oder räumlich überhaupt möglich. Hätte man uns das von vornherein so gesagt, dass eine Ausbildungsstätte nur mit Unterbringungsmöglichkeiten Sinn macht, hätten wir das Projekt gar nicht erst gestartet. Diesem Hinweis begegnet das Jugendamt aber mittlerweile nur noch mit einem müden Lächeln, woraus wir schließen, dass man uns dort nicht weiterhelfen möchte.

Andere Schreiben von uns gingen u.a. an das Bildungsministerium und auch an eine zentrale Stelle für die Registrierung von Ausbildungsstätten, wo wir ebenfalls unsere Probleme schilderten. Uns ist ja klar, dass in Sri Lanka alles wahnsinnig lange dauert, vor allem, wenn man solche Dinge auf dem unpersönlichen Postweg klären muss. Dass man jedoch überhaupt keine Antworten bekommt und bei telefonischen Nachfragen wieder und wieder vertröstet wird, bis man irgendwann selbst keinen Elan mehr hat oder es aufgrund von unzähligen anderen Aufgaben schlichtweg vergisst, das war auch für uns eine bittere Erfahrung. Und so gingen die Monate ins Land und mit ihnen unsere Hoffnung, dass wir an der ursprünglichen Idee noch festhalten können. Die Enttäuschung darüber, mit dieser für uns einst so genialen Idee gescheitert zu sein führte zu Lethargie und wir müssen uns wohl auch ehrlich eingestehen, dass uns irgendwann einfach die Energie fehlte, das Projekt weiter voranzutreiben bzw. neue Bemühungen auf uns zu nehmen. Und so steht die Ausbildungsstätte mit ihrem unzähligen tollen Equipment einfach nur da und verstaubt jeden Tag ein bisschen mehr. Wenn man darüber nachdenkt, kommen einem die Tränen, aber das ist nun mal die harte Wahrheit und wir wollen sie euch nicht länger vorenthalten. Auch wenn wir ohnehin schon längst keine Ausbildungspatenschaften mehr vergeben, so standen sie bisher noch immer auf unserer Webseite – auch ein Zeichen dafür, dass wir nicht so einfach aufgeben wollten. Nun haben wir uns jedoch dazu entschieden, diese Form der Unterstützung erst einmal zu deaktivieren, bis wir wissen, ob und wie es weitergeht.

Kosmetik-bereichUnumstößlich ist die Tatsache, dass wir diese Räumlichkeiten haben und irgendwie auch wieder für uns und die Mädels nutzen wollen. Dazu standen bereits mehrere Ideen im Raum. Was allerdings immer wieder mitschwingt, sind Zweifel und Angst, eine neue Herausforderung zu wagen und damit ebenfalls zu scheitern. Dabei liegt es vielleicht gar nicht an unseren Ideen an sich, sondern an der Rückständigkeit und den Traditionen des Landes, nach denen viele neue Perspektiven noch nicht akzeptiert und umgesetzt werden. Dies ist schade und bedauerlich, aber es sind Gegebenheiten, die wir leider nicht ändern können.

Gerne würden wir den Schneiderei-Bereich so beibehalten wie er ist und die Maschinen zukünftig für eine kleine Nähwerkstatt nutzen, in der uns bezahlte Schneiderinnen Schuluniformen, Bettwäsche und Nachthemden nähen, die wir in erster Linie für den Eigenbedarf nutzen, später aber auch an andere Einrichtungen verschenken wollen. Eventuell könnte man hier auch den Schulen anbieten, mit dem jährlichen Stoff für Uniformen allen hilfsbedürftigen Kindern Gutscheine fürs Nähen bei uns zu schenken.

Bei den anderen beiden Bereichen (Friseur und Kosmetik) haben wir uns damit abgefunden, dass wir diesen Platz demnächst anderweitig nutzen müssen. Dabei reichen unsere Ideen für die Zukunft von einer Bäckerei, über Floristikdienste bis hin zu Deutschkursen oder einem Restaurant für Besucher. Für alles benötigen wir zusätzliches Equipment, neues Vertrauen und eine Aussicht auf Erfolg. Und was es nun genau werden soll, wissen wir immer noch nicht genau. Deshalb haben wir uns gefragt, ob ihr uns nicht weiterhelfen könnt. Vielleicht hat ja der Eine oder Andere von euch noch eine ganz neue Idee, über die es sich lohnt, nachzudenken. Oder eventuell habt ihr Anmerkungen, Hinweise, Kritik zu unseren Ideen. Wer Lust hat, sich mit uns auszutauschen, ist herzlich eingeladen, uns zu schreiben. Alles kann – nichts muss. Wir sind lediglich auf der Suche nach Meinungen und Vorschlägen. Diesbezüglich freuen wir uns über jede Rückmeldung, denn Aufgeben kommt für uns nicht in Frage.

Hoffnungsvolle Grüße aus Marawila,

Frank und Julia.