Was macht eigentlich die Ausbildungsstätte???

Unser Logo für das Trainingscenter

Mit dieser oder ähnlichen Fragen werden wir in der letzten Zeit häufiger konfrontiert und da bleibt von unserer Seite ehrlicherweise nur Eins zu sagen: Asche auf unser Haupt! Ihr habt natürlich recht und wir hätten schon...

längst wieder mal einen aktuellen Bericht zu unserem Trainingscenter schreiben müssen. Dies wird hiermit nachgeholt und wir hoffen, ihr könnt uns die lange Wartezeit noch einmal verzeihen...

Seit Ende April liefen bei uns die ersten Ausbildungen in den Bereichen Kosmetik, Friseurwesen und Schneiderei. Dabei waren die Kurse in den ersten beiden Berufsfeldern auf 4 Monate ausgelegt und der Schneidereikurs auf 6 Monate. Nähere Informationen dazu findet man ja auch auf unserer Seite zur Ausbildungspatenschaft und wir sind sehr froh, dass wir beim Durchlauf der ersten Kurse schon tatkräftig von einigen Ausbildungspaten unterstützt wurden!

Unsere ersten Kurse waren also bereits Ende August beendet und wir setzten die ersten Prüfungen für Anfang September fest. So weit, so gut... Wenn es da mal nicht ein kleines Problem mit unserer Registrierung gegeben hätte und wir nicht voller Entsetzen festgestellt hätten, dass diese noch gar nicht durch ist und wir noch immer nicht bei der entsprechenden Behörde als Ausbildungszentrum eingetragen sind. Somit konnten wir natürlich auch keine Prüfungen machen bzw. Zertifikate ausstellen. Also hat sich das alles etwas hingezogen und natürlich ließ sich auch mal wieder nicht so schnell herausfinden, wessen Schuld das denn nun eigentlich war. Doch das wurde dann einfach Sri-Lanka-typisch gelöst und man schob schnell unserer ehemaligen Assistenz-Managerin Samanthi die Verantwortung in die Schuhe, da diese nicht mehr bei uns arbeitet und sich somit auch nicht wehren kann... lächelnd Wie dem auch sein; es wurde schlichtweg vergessen, einige wichtige Dokumente für die Registrierung einzureichen und somit wurde auch unser Antrag auch noch gar nicht bearbeitet. Na prima... Also haben wir nachgefragt, was denn noch fehlen würde und mit der Antwort wurden wir mal eben schnell vor eine ziemliche Herausforderung gestellt! Samanthi hatte wohl nur eine grobe Gliederung unserer Lehrpläne eingereicht, die Behörde jedoch benötigt eine genau Planung der einzelnen Inhalte, also in welcher Ausbildungswoche welche Inhalte behandelt werden und wie viele Zeitstunden dafür vorgesehen sind. Uff... Das ist keine Aufgabe, die man mal eben schnell zwischen Tür und Angel erledigt. Wir haben uns dann die Lehrpläne von den sogenannten NVQ-Abschlüssen (= National Vocational Qualification, standardisierte und allgemein anerkannte Berufsabschlüsse) besorgt und diese in mühseliger Kleinstarbeit auf unsere Einrichtung zugeschnitten. Zum Glück waren die Pläne für den Friseurbereich und Kosmetik bereits in Englisch, sodass Steffi, Audrey und ich das nur etwas ummodeln mussten. Bei dem Lehrplan fürs Schneidern allerdings sahen wir alt aus, denn diesen gab´s nur auf Singhalesisch. Also haben wir unsere beiden Angestellten Theekshani und Manori hinzugezogen, woraufhin Steffi tagelang mit den Beiden im Computerraum saß, wo Köpfe rauchten, diskutiert, gerechnet und übersetzt wurde. An dieser Stelle bedanken wir uns dafür auch noch einmal ganz herzlich bei unserer geduldigen Steffi, die von den beiden singhalesischen Damen sicherlich so manches Mal innerlich zur Weißglut gebracht wurde, aber sie hat es sich nie anmerken lassen, die Gute!

Nun konnten wir also endlich alle Unterlagen einreichen und man bestätigte kurz darauf auch die Vollständigkeit unserer Dokumente und dass nun der Antrag bearbeitet werden würde, was wohl aber durchaus auch noch einmal 2-3 Monate dauern kann. Wahnsinn... Wenigstens haben wir die Erlaubnis bekommen, unsere ersten Prüfungen schon abzuhalten und den Azubinen auch ein Zertifikat ausstellen zu dürfen.

Diese Woche war es dann auch endlich soweit; am Montag fanden die schriftlichen Prüfungen für die Bereiche Kosmetik und Friseurwesen statt und am Mittwoch schließlich die praktischen Prüfungen. Dafür haben wir uns extra eine Prüferin von außerhalb besorgt, damit es hinterher nicht heißt, unsere Lehrerinnen hätten da irgendwie geschummelt. Momentan werden noch die Ergebnisse ausgewertet und sobald in Kürze auch noch die Prüfungen für den Schneidereibereich absolviert wurden, werden wir eine offizielle Zeugnisübergabe für unsere ersten Auszubildenden machen. Wir hoffen natürlich sehr, dass möglichst viele bestanden haben, aber dazu werden wir dann in Kürze noch einmal berichten.

So, und wie geht es dann weiter???

Natürlich haben wir während der ersten Kurse eine ganze Menge dazu gelernt und uns dazu entschieden, im zweiten Durchlauf Einiges anders zu machen. Zunächst einmal werden wir nun abwarten, bis wir die Registrierung schwarz auf weiß in den Händen halten, bevor wir mit den nächsten Kursen beginnen. Außerdem benötigen wir dringend eine einheimische Managerin für die Ausbildungsstätte, der wir vertrauen können und die dort ein Auge auf die gesamte Verwaltung hat. Dazu gehört die angemessene Nutzung der Produkte ebenso, wie die Buchführung oder die Kursplanung. Es ist gar nicht einfach, so jemanden zu finden, aber momentan haben wir da schon eine junge Dame im Auge. Mal sehen, ob das etwas wird...

Ansonsten möchten wir uns zukünftig natürlich auch an die neuen Lehrpläne halten, die wir so mühevoll erstellt haben. Danach werden unsere Kurse demnächst alle über 6 Monate hinweg laufen. Anschließend legen alle Auszubildenden erst einmal ihre theoretischen und praktischen Prüfungen ab. Wenn sie dann noch Interesse haben, können in einer 6-wöchigen Theorie-Einheit ein paar Grundlagen zur Existenzgründung und Unternehmensführung erlernen, womit sie etwas besser befähigt werden, später z.B. ihr eigenes Kosmetikstudio zu eröffnen. Außerdem müssen sie zur Festigung aller theoretischen und praktischen Kenntnisse noch 3 Monate in einem renommierten Unternehmen ihrer Fachrichtung (also Friseursalon, Kosmetikstudio oder Schneiderei) arbeiten, welches sie sich bereits im Rahmen ihrer Ausbildung selbst suchen sollten und welches von uns als Ausbildungsstätte genehmigt werden muss. Insgesamt würde die Ausbildung für die jungen Frauen dann (inkl. Feiertage, Jahreswechsel etc.) also fast ein Jahr dauern und die erworbenen Zusatzqualifikationen würden natürlich in ihrem Abschlusszeugnis gesondert erwähnt werden. Wir denken, dass sie damit noch einmal ihre eigenen Chancen steigern, nach der Ausbildung bei uns auch tatsächlich einen Job zu bekommen. Und in Deutschland lernt man auch nicht in 4 Monaten, wie man anderen Menschen die Haare schneidet. Das wäre ja schrecklich... lächelnd

Bei unseren Lehrerinnen / Ausbilderinnen werden wir sicher auch noch die eine oder andere Änderung vornehmen, denn da haben sich in den letzten Wochen leider einige Dinge eingeschlichen (sicher auch aufgrund des fehlenden Managements), die wir in den nächsten Kursen keinesfalls so fortsetzen möchten.

Ein anderer Punkt ist die Zielgruppe und die Finanzierung der Kurse. Ursprünglich war ja unsere Idee, die Kurse kostenfrei hauptsächlich jungen Frauen aus Kinderheimen (wie auch unseren Mädchen) oder der ärmlichen Umgebung anzubieten, um ihre Zukunftsperspektiven zu erweitern und ihre Unabhängigkeit zu stärken. Wir haben jedoch festgestellt, dass dies gar nicht so einfach ist, wie zunächst angenommen. Viele Einheimische gaben uns mittlerweile auch schon den gut gemeinten Hinweis, bloß nichts umsonst anzubieten, da dann die Absprungquote ziemlich hoch wäre und die Azubis das Ganze auch nicht so sehr schätzen würden, als wenn sie zumindest einen kleinen Teil selbst aufbringen müssen. Wir sind deshalb aktuell noch ab überlegen, wie wir das in Zukunft gestalten können, evtl. über eine Art Vorfinanzierung der Azubis, wovon sie dann am Ende wieder etwas zurück bekommen, je nachdem, wie so ihr finanzieller und familiärer Hintergrund ist. Man hätte dann auch mehr Zeit, sich über diese Umstände im Klaren zu werden und müsste nicht jeder jungen Frau von vornherein glauben, dass sie selbst nicht für einen solchen Kurs aufkommen könnte. Doch erreicht man damit dann auch diejenigen, die es eben wirklich nicht können? Und wie findet man das raus? Es ist wirklich ziemlich schwierig... Für Vorschläge und Ideen jeder Art sind wir natürlich jederzeit offen!

Soviel also erstmal zum aktuellen Stand unserer Ausbildungsstätte, die nun offiziell übrigens „Angels Training & Education Center“ heißt. Auch ein eigenes Logo haben wir mittlerweile entworfen und selbst wenn der Weg etwas steinig war und bestimmt auch in Zukunft noch sein wird, sind wir uns sicher, dass wir mit dieser Einrichtung wieder einen kleinen Beitrag für die (Aus-)Bildung von Mädchen und jungen Frauen in Sri Lanka geleistet haben. Und dafür danken wir besonders unseren zahlreichen Spendern und Ausbildungspaten, die gemeinsam mit uns dieses Ziel verfolgen und ohne die unsere Arbeit in der Form nicht möglich wäre!

Ganz liebe Grüße aus Marawila,

Linus & Julia.

 

in Ausbildungsstätte für die Mädchen
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