Persönliches über Julia Fischer

Nachdem ich nun bereits seit August 2007 beim Dry Lands Project e.V. in Marawila tätig bin, wird es wohl auch für mich langsam Zeit, hier eine kleine Vorstellungsrunde zu machen.

Ich habe am 23.09.1983 in dem kleinen Städtchen Meiningen in Südthüringen das Licht der Welt erblickt, wo ich auch bis zu meinem 15. Lebensjahr aufgewachsen bin.

Ich gehörte zu der Sorte Mädchen, die stets stolz darauf sein konnten, zwei ältere Brüder zu haben, da sie mich von keinem „männlichen" Abenteuer ausgeschlossen und mich dennoch immer beschützt haben, wenn es nötig war. Ich glaube, dass ich mir durch Marco und Sebastian bereits in meiner früher Kin1 Klein Julchen mit 3 Jahrendheit sehr viel von meiner heutigen Abenteuerlust und Selbstsicherheit angeeignet habe.

Meine Eltern Marion und Wolfgang Fischer gaben uns Geschwistern stets die Liebe und Geborgenheit, die man als Kind braucht, auch wenn wir es ihnen zwischenzeitlich sicher nicht leicht gemacht haben. Auch heute noch - als „erwachsenes Kind" - kann ich mich jederzeit an meine Eltern wenden, wenn ich Probleme habe oder Unterstützung brauche. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar und stets innerlich verbunden, auch wenn ich mich noch so weit entfernt von ihnen aufhalte.

Als ich mit 15 Jahren mit meinen Eltern in ein kleines Dorf namens Gerthausen gezogen bin, welches ca. 20 km von meiner Heimatstadt entfernt liegt, wurde mir klar, wie wichtig mir Freunde in meinem Leben sind. Besonders habe ich in dieser Zeit jedoch gelernt, welche Menschen ich als „echte Freunde" bezeichnen kann und das waren bei Weitem nicht so viele, wie ich vorher geglaubt hatte. Durch meinen vorläufigen Abschied von Deutschland im August 2007 verringerte sich die Anzahl dieser Menschen erneut, doch nun bin ich mir ziemlich sicher, auf welche Freunde ich mich hundertprozentig verlassen kann - nämlich auf diejenigen, mit denen ich auch heute noch in ständigem Kontakt stehe und die stets interessiert an meinem Befinden sind.2 Mit 12 Jahren im Urlaub

Bereits seit meiner Jugend stand für mich fest, dass ich später einmal Psychologie studieren wollte. Insbesondere interessierte mich dabei das Seelenleben von Straftätern, worüber ich zahlreiche Bücher verschlungen habe und zwar schon in einem Alter, wo mich deren Inhalt so manche Nacht um den Schlaf brachte. Wie auch immer - leider konnte ich dieses Ziel nicht hundertprozentig verwirklichen, da ich in einer sehr unbekümmerten Phase meiner Pubertät (zum Leidwesen meiner Eltern) das Gymnasium verlassen habe und später „nur" mein Fachabitur absolvierte. Damit konnte ich leider kein Uni-Studium beginnen, wie Psychologie eines war und ist, sondern ich musste mich mit der Fachhochschulvariante „Kommunikationspsychologie" in Görlitz zufrieden geben. Im Nachhinein betrachtet hat mir dieses Studium jedoch sehr viel gegeben und meine späteren Berufsperspektiven enorm erweitert. Und immerhin war es auch die Zeit, die mich schließlich nach Sri Lanka ins Angels Home verschlagen hat.

Wie es bei einem FH-Studium üblich ist, mussten auch wir eine bestimmte Anzahl von Praktika absolvieren. Am Ende des 6. Semesters hatte ich schließlich noch ein Kurzpraktikum von 4 Wochen offen. Da man in dieser kurzen Zeit meistens sowieso nicht allzu viel lernen kann und ich in den Semesterferien gerne mal etwas Neues sehen und erleben wollte, habe ich beschlossen, dieses Praktikum im Ausland zu absolvieren. Bereits als ich 12 Jahre alt war, besuchte ich zum ersten Mal Sri Lanka, damals als dreiwöchigen Familienurlaub mit meinen Eltern. Seither hatte ich dieses Land und sein3 Im Jahr 2006 beim Praktikume freundlichen Menschen stets in meiner Erinnerung behalten und mir vorgenommen, es irgendwann noch einmal zu bereisen. Somit stand für mich ziemlich schnell fest, in welchem Teil der Welt ich mich nach einem Praktikum umschauen wollte. Durch das Internet habe ich schließlich über einige Umwege Franks Homepage entdeckt und war von Anfang an begeistert. Nachdem ich all seine Berichte gründlich durchgelesen hatte, stand für mich fest: Da will ich hin! Also habe ich ihm eine Email geschrieben und binnen weniger Wochen alle Vorbereitungen für ein vierwöchiges Praktikum im Angels Home getroffen.

Dieser erste Aufenthalt bei Frank und den Mädchen (damals waren es erst zwei) hat viele meiner bisherigen Weltanschauungen und Zukunftspläne durcheinander gebracht. Ich habe festgestellt, wie wichtig und erfüllend für mich selbst diese Arbeit ist und innerhalb kürzester Zeit Anne und Chanchala in mein Herz geschlossen. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland war nichts mehr wie vorher. Vier Wochen Sri Lanka kosteten mich ca. 2-3 Monate Deprimiertheit und Sehnsucht. Schließlich habe ich mich entschieden, mein Studium so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, um dann diese wertvolle Arbeit fortzusetzen.4 Mit Achini beim Rumalbern

Nun bin ich bereits seit August 2007 in Marawila und unterstütze Frank so gut ich kann beim weiteren Aufbau des Angels Home und der täglichen Computer-Arbeit. Es ist kaum zu glauben, dass wir mittlerweile fast 60 Mädchen ein sicheres und liebevolles Zuhause bieten können und ich genieße jeden Tag, an dem ich mich mit ihnen beschäftigen und sie lachen sehen kann. Hätte mir damals schon jemand voraus gesagt, wo ich mich heute befinde, dann hätte ich diese Person womöglich für verrückt erklärt - erst recht bei dem Gedanken, dass ich mich tausende von Meilen entfernt von Deutschland befinde und dort ehrenamtlich arbeite. Tja, so schnell kann es gehen.

Mein größter Wunsch ist es, dass wir zumindest einem Teil der Mädchen, die momentan im Angels Home leben, den Weg in eine abgesicherte und glückliche Zukunft bereiten können. Jede einzelne von ihnen ist eine ganz besondere Persönlichkeit, für die es sich zu kämpfen lohnt und die später ein gutes Leben verdient hat. Um dieses Ziel zu erreichen, werde ich weiterhin alles in meiner Macht stehende für diese Kinder tun.

 

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