R.M. Subashini Achini Rathnayeke


Die kleine Achini kam mit einem Alter von 7 Jahren am 09.11.2010 zu uns. Durch sie haben wir nun insgesamt 10 buddhistische Kinder im Angels Home. Achini wurde am 29.10.2003 geboren und besuchte vor ihrem Einzug bereits die erste Klasse.

Achini RathnayekeAchinis Vater trennte sich vor einiger Zeit von der Mutter und hatte seitdem das alleinige Sorgerecht für die Kleine. In diesem Jahr hatte er einen schweren Unfall, wobei er sich ein Bein brach. Solche Unfälle bedeuten in Sri Lanka oft das Aus für die zukünftigen Lebensbedingungen, da die Menschen nicht versichert sind und die komplette medizinische Versorgung aus eigener Tasche zahlen müssen. Hinzu kam, dass Achinis Vater auch noch seinen Job verlor, weil er körperlich nicht mehr voll einsatzfähig war. Somit konnte er seine Tochter nicht mehr angemessen versorgen und brachte sie vorübergehend zur Tante. Diese war jedoch nicht sonderlich interessiert an Achinis Befinden und kümmerte sich nur sehr lieblos um sie. Aus diesem Grund bat der Vater das Amt für Kinderfürsorge um eine Heimunterbringung von Achini.

Die Kleine hat sich schnell bei uns eingelebt und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit den anderen Mädchen in ihrem Alter. Ab Januar wird Achini auch die nahegelegene Schule besuchen. Erfreulicherweise konnten wir auch für Achini Pateneltern finden. lächelnd

Die Entwicklung von Achini im Jahr: 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018

 

Entwicklung Achini (Juli 2011, geschrieben von Bettina Hansel)

AchiniAchini ist 7 Jahre alt, aufgeweckt und meistens bestens gelaunt. In ihrer Freizeit backt sie sehr gerne Sandkuchen im Garten. Oft kommt sie mit den vollendeten Leckereien zu den Praktikantinnen, um diese zum Verzehr anzubieten. Dabei singt sie ganz freudestrahlend “Happy Birthday”. Außerdem hält sich Achini sehr gerne im Holzhaus auf dem Spielplatz auf, um mit den anderen Mädchen in ihrem Alter zu spielen. Bei der Wahl ihrer Spielutensilien ist Achini sehr genügsam. Sie gibt sich mit all dem zufrieden, was sie so im Garten an Blättern, Blüten, Sand und Stöckchen findet.

Das Mädchen geht gemeinsam mit Kumari in eine private Förderschule im Ort, wo sie die zweite Klasse besucht. Langfristig wäre zwar das Ziel, dass Achini irgendwann eine normale Schule besuchen kann, bei ihrem derzeitigen Entwicklungsstand ist dies allerdings in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Ihre geistigen Rückstände sind vermutlich auf einen erhöhten Tablettenkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft zurückzuführen, der sich aufgrund von Krankheit jedoch nicht vermeiden ließ. Nichtsdestotrotz hat Achini Spaß an der Schule und macht auch kontinuierlich kleine Fortschritte. Achinis Lieblingsfach in der Schule ist Mathematik und langsam beginnt sie auch, das singhalesische Alphabet zu schreiben.

Achini wird von vielen Kindern als eine Art Nesthäkchen behandelt, obwohl sie nicht die Jüngste ist. Durch ihre kleine zierliche Figur und ihr oftmals unbeholfenes Auftreten wirkt sie jedoch wie ein Küken. Mit gerade mal 107 cm wiegt das Mädchen 16 kg, hat also für ihre Größe zwar Normalgewicht, ist allerdings in Anbetracht ihres Alters etwas klein.

AchiniDass sie “süß” ist, weiß sie sehr genau und setzt diese Eigenschaft gerne bewusst ein, wenn es darum geht, Regeln nicht einhalten zu wollen. Meist hat sie dadurch bei den anderen Kindern auch Erfolg. Frank und Julia sowie wir Praktikantinnen sind jedoch sehr dahinter, dass Achini lernt, sich nicht alles herausnehmen zu können und bei der Grenzsetzung genauso konsequent wie bei den anderen Mädchen. Sie testet ihre Grenzen aus, zieht andere Kinder an den Haaren, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Wird sie deswegen ausgeschimpft, fängt sie an zu weinen. Es ist schwer, ihr diese Verhaltensweise abzugewöhnen, wenn die anderen Mädchen Achini nach so einer Handgreiflichkeit nicht einmal konsequent ein paar Minuten ignorieren können, sondern sie sofort wieder betätscheln und so tun, als wäre nichts passiert.

Liebenswert ist Achini durch ihre offene, freundliche Art in jedem Fall und kann einen mit ihrem fast ununterbrochenen Strahlen im Gesicht immer wieder zum Lachen bringen.

Ab und zu wird ihre wohlgesinnte und bereitwillige Art von manchen Kindern auch ein wenig zu deren Belustigung ausgenutzt. So wird sie gerne als durchführende Hand bei Streichen gegenüber dem Personal oder anderen Kindern eingesetzt, zumal Achini tatsächlich anstandslos tut, was ihr aufgetragen wird.

Wenn Achini groß ist, möchte sie gerne Lehrerin werden. Trotz ihres Alters gibt sie das recht bestimmt auf die Frage nach ihrem Berufswunsch an. Wie sich diese Pläne im Laufe des nächsten Jahrzehnts noch ändern werden, wird sich zeigen.

Achinis Lieblingsfarbe ist lila, ihr Lieblingstier der Papagei. An Musik gefällt ihr die Srilankische am besten.

An Sri Lanka mag Achini am liebsten die Früchte und das Essen im Allgemeinen. Ihr Lieblingsessen ist Eis. Am liebsten trinkt sie Orangensaft. Beides gibt es im Heim nur sehr selten zu besonderen Anlässen, aber das macht wahrscheinlich gerade den Reiz aus.

 

Entwicklung Achini (Juli 2012, geschrieben von Inga Sangermann)

Hinweis: Auch bei den diesjährigen Statusberichten sollte unser Interview wieder zum Einsatz kommen. Diesmal bei all denjenigen Mädchen, denen die Fragen zu ihren Vorlieben und Eigenschaften in der Vergangenheit noch gar nicht gestellt wurden. Außerdem haben wir das Interview für die Mädchen genutzt, die erst seit diesem Jahr im Angels Home leben und bei denen es noch schwierig ist, einen umfangreichen Entwicklungsbericht zu schreiben. Nichtsdestotrotz haben sich die Praktikantinnen Inga, Snjezana und Marie größte Mühe gegeben, zu jedem Mädchen zumindest einen kurzen Text mit ihren persönlichen Einschätzungen zu verfassen.

1. Was isst du gerne?

Achini: Ich esse gerne Schokolade.

2. Was trinkst du gerne?

Achini: Ich trinke gerne Coca Cola.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Achini: Meine Lieblingsfarbe ist orange.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Achini: Am liebsten mag ich Chanchala.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Achini: Ich mag die Matron.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Achini: Ich würde auf einen Mangobaum fliegen.

7. Welches Tier magst du?

Achini: Ich mag Frösche.

8. Was möchtest du später werden?

Achini: Ich möchte mal Ärztin werden.

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Achini: In der Schule mag ich Kunst und im Angels Home male ich  gerne Bilder.

10. Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Achini: Ich backe gerne Schokoladenkuchen und koche (im Sandkasten).

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Achini: Ich möchte ganz viele Tempel und Kirchen sehen.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Achini: Ich würde gerne den Präsidenten von Sri Lanka treffen.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Achini: Ich würde ein Fahrrad kaufen.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Achini: Ich würde den Kindern mehr Zeit zum Spielen lassen.

15. Welche Musik magst du?

Achini: Ich mag gerne singhalesische Musik.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Achini: Ich würde sagen: „Ich liebe dich“.

R.M. Subashini Achini RathnayekeMit ihren fast neun Jahren erreicht Achini nur ein Gewicht von 16 kg und eine Größe von 110 cm. Für ihr Alter ist sie demnach immer noch klein und zierlich. Zudem ist sie sehr anfällig für Erkältungen und hat ein schwaches Immunsystem. Achinis Entwicklungsverzögerung wirkt sich jedoch nicht allein auf ihre Körpergröße aus. Bezogen auf ihr Verhalten und ihre Lernfähigkeit ist sie etwa auf dem Entwicklungsstand einer Fünfjährigen.

Achini besucht derzeit die dritte Klasse der katholischen Förderschule in Wennappuwa, wo sie gemeinsam mit Kumari jeden Morgen mit dem Tuk Tuk hingebracht und mittags wieder abgeholt wird. Sie geht gerne zur Schule und mag die dortigen Lehrer. Dank der guten Förderung macht Achini weiterhin kleine Fortschritte, sodass sie mittlerweile anfängt, singhalesische Sätze zu bilden und mit den anderen Mädchen und dem Personal in ganzen Sätzen zu sprechen. Schreiben kann sie noch nicht, sie ist aber eine begeisterte Zeichnerin. Beim Zeichnen und auch beim Tanzen, was sie begeistert ausübt, beweist sie, dass sie sowohl ihre Fein-, als auch ihre Grobmotorik mehr und mehr unter Kontrolle bekommt. Verläuft ihre Entwicklung weiterhin so positiv, kann sie voraussichtlich in ein oder zwei Jahren an eine Regelschule wechseln. Bis dahin kann sie durch den Schonraum Förderschule und die individuelle Förderung noch an ihren Entwicklungsrückständen arbeiten.

An der Englisch-Nachhilfe, die im Angels Home angeboten wird, nimmt sie noch nicht teil. Es wird jedoch überlegt, eine spezielle Gruppe einzuführen, die spielerisch elementare Grundkenntnisse der englischen Sprache lernen soll. Hier wäre Achini sicherlich gut aufgehoben und könnte auf spielerischer Basis ein bisschen Englisch lernen. Dies wäre auch für ihre Kommunikation mit den Praktikantinnen sehr positiv, denn zurzeit beschränkt sich die sprachliche Kommunikation mit Achini auf das Nennen des Namens. Mimik und Gestik spielen jedoch ebenfalls eine große Rolle.

In ihrer Freizeit spielt Achini viel mit den jüngeren Kindern wie Sashini, Priyanka oder Padmini. Gemeinsam werden Sandkuchen gebacken und Eis oder Schokolade in Form von Steinen und Kernen verteilt.

Achini testet weiterhin gerne ihre Grenzen aus. Denn hinter ihrem unschuldigen Lächeln steckt doch ein kleines Schlitzohr. Nimmt sie einem anderen Mädchen etwas weg oder macht etwas kaputt, schaut sie zunächst, ob es jemand gesehen hat. Hat sie jemand gesehen, lächelt sie unschuldig und versucht, sich aus dem Staub zu machen.

R.M. Subashini Achini RathnayekeBei den älteren Mädchen ruft Achini durch ihr kindliches Verhalten oftmals den Beschützerinstinkt hervor. Häufig sieht man sie mit Shanika, die sie kitzelt oder durch die Gegend wirbelt.

In ihrem Alltag benötigt Achini noch viel Unterstützung von den älteren Mädchen oder dem Personal – sei es beim Waschen oder beim Aufräumen des Kleiderschranks. Auch bezogen auf die Gartenarbeit genießt sie eine Art Sonderstatus. Zwar könnte sie theoretisch genauso viel helfen wie die anderen kleinen Mädchen, doch zieht sie es oftmals vor, zu spielen oder übernimmt ab und zu nur ganz einfache Aufgaben.

Um ihre Entwicklung weiterhin positiv voranzutreiben, wäre hier vielleicht ein nächster wichtiger Schritt, dass sie ihre eigenen (einfachen) Aufgaben bekäme, die sie zuverlässig jeden Tag zu erledigen hätte.

 

Entwicklung Achini (September 2013, geschrieben von Julia Fischer)

AchiniDass Achini bald 10 Jahre alt wird, steht leider im Gegensatz zur ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung. Momentan ist sie 1,17 m groß und wiegt dabei 18 kg. Somit hat sie zwar im Vergleich zum letzten Jahr etwas an Größe und Gewicht zugelegt, jedoch ist ihr Entwicklungsstand noch immer nicht der einer gesunden 10-Jährigen.

Achini besucht weiterhin mit Kumari die nahegelegene Förderschule. Obwohl sie sehr gerne zur Schule geht, ihre Lehrer und Klassenkameraden mag, haben wir zunehmend das Gefühl, dass diese Schule nicht ganz das Richtige für Achini und Kumari ist. Wenn man unsere beiden Mädchen mit den anderen Schülern vergleicht, so fällt auf, dass ihre „Probleme“ weitaus geringer sind und sie eigentlich zu den leistungsstärksten Schülern gehören. Das liegt wohl daran, dass die Schule vordergründig geistig Behinderte Kinder betreut, die dort sicherlich auch gut aufgehoben sind und bei denen man sich über kleine Entwicklungsschritte schon freut. Aus diesem Grund passen die Lehrer ihre Inhalte wohl eher dem Entwicklungsstand der meisten Schüler an und bei Achini haben wir in den letzten Monaten eher das Gefühl, dass ihre Entwicklung ein wenig stagniert. Natürlich braucht auch sie sehr, sehr lange, um Neues zu erlernen und anzuwenden, aber vermutlich könnte sie sich besser und schneller entwickeln, wenn man sie kontinuierlich fordern würde. Wir wollen uns nun noch einmal erkundigen, ob es nicht bei uns in der Nähe noch eine andere Schule für entwicklungsverzögerte Kinder gibt, wo Achini und Kumari vielleicht besser aufgehoben wären.

Wie auch bei den Statusberichten im vergangenen Jahr habe ich mich bei denjenigen Mädchen, die schon sehr lange bei uns im Angels Home leben, vordergründig mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, um die Familiengeschichte und deren Veränderungen ein wenig zu beleuchten.

In Achinis Fall ist im Prinzip alles beim Alten und sie hat nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Vater. Dieser hat die Erziehung und das Sorgerecht für seine Tochter übernommen, nachdem die leibliche Mutter von Achini vor einigen Jahren die Familie verlassen hat. (Glücklicherweise gingen keine weiteren Kinder aus dieser Beziehung hervor.) Nachdem der Vater jedoch einen schweren Arbeitsunfall hatte und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, suchte er gemeinsam mit Achini Unterstützung bei seiner Mutter, die die beiden bei sich aufnahm und sich mit um das Mädchen kümmerte. Leider ist auch sie schon relativ alt und leidet an verschiedenen Krankheiten, sodass der Vater sich schließlich entschieden hat, Achini in einem Kinderheim unterzubringen. Er selbst lebt bis heute bei seiner Mutter.

Etwas später, als Achini schon einige Zeit bei uns lebte, suchte die leibliche Mutter wohl irgendwann wieder Kontakt zu Achinis Vater. Die beiden haben seither ein freundschaftliches Verhältnis und kamen dann und wann sogar gemeinsam zu den Besuchstagen ins Angels Home, um ihre gemeinsame Tochter zu besuchen. Achini zeigte jedoch nie ein sonderlich großes Interesse an ihrer Mutter. Aber wehe dem, ihr Vater kommt mal nicht pünktlich, um sie für die Ferien abzuholen! Da kann Klein-Achini das gesamte Angels Home auf Trab halten und drängt das Personal, wieder und wieder zu Hause anzurufen, damit ihr Papa endlich kommt.

Mittlerweile hat Achinis Mutter wieder einen neuen Lebenspartner und lebt mit diesem nicht weit vom Wohnhaus der Großmutter entfernt. Da sich die Mutter seitdem nur noch sporadisch nach Achinis Befinden erkundigt und auch die monatlichen Besuchstage im Angels Home nicht mehr regelmäßig wahrnimmt, möchte die Großmutter nun versuchen, den Kontakt zwischen Achini und ihrer Mutter gänzlich zu unterbinden. Sie ist der Meinung, dass eine solche Verwirrung nicht gut für ihre Enkelin ist und möchte dieses Anliegen auch dem Jugendamt vortragen. Wir werden sehen, wie darüber entschieden wird.

AchiniWie schon in einem vorherigen Statusbericht beschrieben, sind Achinis Entwicklungsrückstände darauf zurückzuführen, dass ihre Mutter während der Schwangerschaft starke Medikamente einnehmen musste, da sie an einer Schilddrüsenunterfunktion litt. Neben den geistigen Rückständen, die Achini dadurch davongetragen hat, erbte sie auch die Krankheit an sich von ihrer Mutter. Aus diesem Grund muss Achini selbst seit einigen Jahren täglich das Medikament Thyroxin einnehmen, um fehlende Hormone zu ersetzen.

Achinis Sozialverhalten hat sich in den letzten Monaten erheblich verbessert. So hat sie mittlerweile gelernt zu teilen und dass auch sie bestimmte Pflichten im Angels Home erledigen muss. Wutausbrüche und Heulkrämpfe ihrerseits sind nur noch selten zu beobachten und wir freuen uns sehr über diese Entwicklung.

Bleibt nur zu hoffen, dass wir Achini auch schulisch noch einen Schritt nach vorne bringen können, um das Beste aus ihrer Entwicklung zu machen.

 

Entwicklung Achini (September 2014, geschrieben von Claudia Maier)

A wie anhänglich
C wie chaotisch
H wie herzlich
I wie impulsiv
N wie neugierig
I wie individuell

R.M. Subashini Achini RathnayekeAchini ist nun seit fast vier Jahren im Angels Home und mit einer Größe von 1,22 m und einem Gewicht von 23 kg für ihre elf Jahre noch immer sehr zierlich und klein. Ihre körperliche Rückentwicklung spiegelt sich vor allem auch in ihrem geistigen Entwicklungsstand wieder. So besucht sie immer noch zusammen mit Kumari die Förderschule im nächstgelegenen Ort Wennapuwa. Zwar erzielt sie dort gute Leistungen und gilt als eine der besten Schülerinnen, was aber vor allem an dem niedrigen Anforderungen dieser Einrichtung liegt. Im letzten Jahr haben sich dennoch kleine Fortschritte in Achinis Entwicklung bemerkbar gemacht. Mittlerweile kann sie einzelne Wörter auf Singhalesisch schreiben und einfache mathematische Aufgaben lösen. Im letzten Jahr hat Julia eine spezielle Förderguppe für die Englischnachhilfe eingerichtet, die sie zusammen mit Kumari und Bodika besucht. Dies ist mitunter ein Grund für Achinis kleine Lernerfolge. In der Fördergruppe liegt das Augenmerk weniger auf der englischen Sprache, sondern eher darauf, die singhalesischen Schriftzeichen zu üben und spielerisch die Konzentrations- und Merkfähigkeit der Mädchen zu schulen. Auch wenn Achini insgesamt viel langsamer ist als ihre Freundin Kumari und sich auch leichter ablenken lässt, so überrascht sie gelegentlich mit guter Gedächtnisleistung. Trotzallem ist leider nicht davon auszugehen, dass Achini irgendwann eine normale Schule besuchen kann, denn dafür sind ihre Rückstände einfach zu groß. Bedauerlicherweise gibt es in unserer Umgebung auch keine andere Schule, die für Achini und Kumari in Frage kommen könnte. Eine Einrichtung, die besser auf ihren Entwicklungsstand zugeschnitten wäre und individuell auf die beiden Mädchen eingehen würde, findet man leider erst in der Hauptstadt Colombo und so werden wir weiterhin versuchen, mit der jetzigen Schule und zusätzlicher Förderung im Angels Home das Beste aus Achini und Kumari herauszuholen.

Achini ist ein Kind, das gerne draußen im Garten spielt. Dort dient alles, was sich so findet, wie Äste, Blätter oder Blumen als Spielzeug. Man sieht das Mädchen sowohl alleine spielen, als auch mit anderen, jüngeren Kindern Sandkuchen backen oder Geschäfte eröffnen. Diese Geschäfte enthalten dann sämtliches Grünzeug, das als Lebensmittel verkauft wird.

R.M. Subashini Achini RathnayekeAchinis Heulkrämpfe und Wutanfälle finden zwar seltener, aber immer noch mit einer gewissen Regelmäßigkeit statt. Die Ursachen sind meist banal, ja manchmal scheint es sogar grundlos zu sein. In diesen Momenten hat sie sich selbst nicht mehr im Griff und tritt und schlägt nach den anderen Kindern. Immerhin konnten wir das Personal und die anderen Mädchen größtenteils davon überzeugen, dass es besser ist, Achini dann in Ruhe zu lassen, anstatt sie zu bemuttern, mit ihr zu schimpfen oder sie gar zu sticheln, wie es die Kleinen manchmal machen. Meist beruhigt sich Achini dann innerhalb von ein paar Minuten wieder und dann kann man auch mit ihr reden und ihr klar machen, dass ihr Verhalten falsch war und dass sie andere Kinder damit verletzt. Oft ist sie dann auch einsichtig und entschuldigt sich, allerdings trägt dies leider nicht dazu bei, das aggressive und trotzige Verhalten von Achini ganz zu unterbinden.

Im Haushalt wird Achini immer noch nicht so eingespannt, wie es eigentlich möglich wäre. Zwar geben ihr sowohl das Personal wie auch die anderen Kinder zu verstehen, dass auch von ihr erwartet wird, mit anzupacken und man beispielsweise während der Gartenarbeit nicht zu spielen hat, allerdings scheint Achinis Dackelblick leider noch viel zu häufig Beschützer-Instinkte hervorzurufen. Außerdem wäre es manchmal mehr Arbeit, Achini erst alles zu zeigen, wie sie manche Aufgaben erledigen muss, anstatt es von vornherein selbst zu machen. Und wenn Achini sich überfordert fühlt oder keine Lust auf manche Sachen hat, dann ist der nächste Wutanfall nicht weit und dem möchte man ohnehin aus dem Weg gehen. Aus diesen Gründen hat unsere Achini leider noch immer viel zu oft Narrenfreiheit und genießt ihren Sonderstatus im Heim.

Eine herausragende Eigenschaft von Achini ist ihre Herzlichkeit, die wir Praktikanten oft spüren dürfen, wenn sie unser Gesicht zwischen ihre Hände nimmt, unsere Nase an ihre reibt und uns ganz verträumt und liebevoll anlächelt. In solchen Momenten meint man, die Kleine kann kein Wässerchen trüben und nicht selten ertappt man sich dann selbst dabei, dass Achini eigentlich gerade Gartenarbeit zu verrichten hätte.

 

Entwicklung Achini (August 2015, geschrieben von Simone Lauber)

Achini RathnayekeIst es einmal hektisch und turbulent, findet man in Achini immer einen Pol der Ruhe. Gelassen ruft sie „come“, nimmt dann deine Hand und führt dich an einen Platz im Garten, wo sie gerade etwas Interessantes entdeckt hat, oder zeigt dir die neuste Schürfwunde der kleinen Sachini, die sie sich kürzlich beim Spielen zuzog. Manchmal streicht sie auch einfach nur über die Innenfläche deiner Hand, berührt deinen Oberarm und schaut dir dann lange und eindringlich in die Augen. Ruhig, aber kein bisschen zurückgezogen scheu, das ist unsere Achini, wie man sie nun seit bald 5 Jahren hier kennt. In diesen Jahren, seitdem sie nun im Angels Home wohnt, hat Achini große Entwicklungssprünge hingelegt und ist dennoch die Alte geblieben. Mittlerweile ist sie „schon“ 1,27 m groß und bringt aktuell 20 kg auf die Waage, womit sie im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas abgenommen hat, obwohl sie doch ohnehin schon so zierlich ist. Noch zählt sie trotz ihrer fast 12 Jahre eher zu den niedlichen Kleinen, denn Achinis Hormonstörung verursacht nach wie vor ihre Entwicklungsverzögerungen. Somit ist sie sowohl in ihrer körperlichen wie geistigen Entwicklung zurückgeblieben und anderen Kindern ihres Alters hinten nach. Sie besucht deshalb auch, wie schon die Jahre davor, zusammen mit Kumari und nun auch Tharushika die katholische Förderschule in Wennappuwa. Seit ca. 2 Jahren nimmt Achini zusätzlich an einem von Julia eingerichteten speziellen Förderunterricht teil. In der Kleingruppe übt sie gemeinsam mit Bodika, Tharushika und Kumari singalesische Schriftzeichen und spielerisch soll die Konzentrations- und Merkfähigkeit der Mädchen ausgebaut werden. Hier überrascht Achini gelegentlich mit einer guten Gedächtnisleistung, wobei sie jedoch prinzipiell leider immer noch einen eher langsamen Arbeitsstil hat und sich auch leicht ablenken lässt. Somit können wir auch derzeit nicht davon ausgehen, dass Achini einmal eine normale Schule besuchen wird. Zu groß sind die Rückstände, die sie von anderen Kindern ihres Alters unterscheidet.

Auch wenn alles bei Achini seine Zeit braucht und sie oft geistesabwesend wirkt, wenn sie auf einer Bank sitz und verträumt in die Luft schaut, ist sie nach wie vor ein recht neugieriges und offenes Mädchen, das gerne mit dir teilt, was sie hier im Angels Home alles beobachtet hat. Immer wieder erzählt sie dir, was heute passiert ist oder was sie beschäftig und fragt auch stets genau nach, wenn ihr etwas auf der Seele brennt. „Julika go“ heißt es dann beispielsweise immer und immer wieder, wenn eine Praktikantin das Angels Home verlassen musste, oder „today Melanie offday“. Das ist Achinis Art mit dir in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Achini gibt gerne all ihr Wissen und ihre Informationen preis und wartet dann darauf, dass du ihr bestätigst, was um sie herum passiert.

Als hätte man alle Zeit der Welt, das ist es, was sie umgibt und ausstrahlt. Achinis Uhr tickt anders und so holt sie dich immer wieder runter, hinein in ihre Zeitrechnung. So angenehm dies an manchen Tagen auch ist, so nervenaufreibend kann es an anderen Tagen werden. Meist ist es beispielsweise eine morgendliche Geduldsprobe, die liebe Achini einmal in die Gänge zu bekommen. Beim Aufwecken begonnen, wo sie für gewöhnlich eine der Letzten ist, die langsam, langsam allmählich ihr Bett verlässt, schlendert sie im selben Tempo vom Teetrinken zum Zähneputzen, auch hier oft eine der Letzten, die immer noch mit fast vollem Teebecher am Tisch sitzt, während die anderen schon auf die Zahnpasta-Ausgabe warten. Hier zeigt sich dann auch der starke Wille dieses Mädchens, den alle schon zu gut kennen und über die Jahre all zu oft zu spüren bekommen haben. Denn nach wie vor ist es sehr schwer, Achini zu etwas zu bewegen, was ihr gerade gar nicht passt. Missachtet man ihren Widerwillen und versucht, sie zu heftig zu drängen, jetzt endlich ihre Kleidung zu wechseln, kann dies auch heute noch in einen heftigen Heulkrampf münden. Auch wenn ihre Wutausbrüche und Heulkrämpfe in der letzten Zeit deutlich weniger geworden sind, gilt immer noch: widerwillig und stur kann sie sein und sich vor allem stark in ihre Emotionen hineinsteigern. Trotz ihrem langsamen zögerlichen Wesen, ist ihre Persönlichkeit sehr ausdrucksstark.

Man kann durchaus sagen, dass es dieses Kind doch recht faustdick hinter den Ohren hat und immer wieder einmal versucht, so ihren Willen durchzubringen. Man tut gar nicht schlecht daran, ein wachsames Auge auf die so süße, unschuldig wirkende Achini zu werfen, sonst kann es schon einmal vorkommen, dass man sie eine halbe Stunde nach dem morgendlichen Wecken wieder schlafend in einem der drei Schlafsäle vorfindet.

Achini RathnayekeEine enorm positive Entwicklung hat Achini in den Bereichen Selbstständigkeit, Ordnung und Plichterfüllung hingelegt. Längst nicht mehr wird sie hier von den anderen Mädchen gehätschelt und übertrieben nachsichtiger behandelt. Auch wenn sie immer noch super süß ist und sehr jung für ihr Alter aussieht, bringt ihr das keine Pluspunkte mehr ein. Von ihr wird ebenso erwartet, dass sie die allgemeinen Hausregeln einhält und ebenso streng wird ihr dies auch zu verstehen gegeben, versucht sie sich wieder einmal ihren eigenen Weg zu bahnen. Auf die Unterstützung der Großen ist Achini auch nicht mehr so stark angewiesen, wie dies einst der Fall war. Ihren Kleiderschrank ordentlich halten, ihre Wäsche waschen und sich morgens für die Schule fertig machen – dies alles kann sie schon recht gut alleine, auch wenn die älteren Mädchen und das Personal stets ein wachsames Auge auf sie gerichtet haben und natürlich da und dort unterstützen. Richtig fleißig ist Achini nun, wenn es darum geht, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen, zwar in ihrem Tempo, jedoch fast immer in Bewegung. Auch hier genießt sie keine Extra-Behandlung mehr, sondern hat einen klaren Aufgabenbereich, dem sie meist gut nachgeht.

Was Achini nach wie vor Pluspunkte bei all ihren Mitbewohnern einbringt, ist ihr freundliches Strahlen, ihre zutrauliche offene Art und ihre begeisterten leuchtenden Augen, mit denen sie dich oft groß, freudig-erwartungsvoll anschaut. Denn sie will ihre Begeisterung gerne mit dir teilen und dich mit ihrer Freude anstecken.

Auf ihr Äußeres legt Achini mittlerweile großen Wert. Sie ist in dieser Hinsicht richtig mädchenhaft. Oft erblickt man sie in einem wunderhübschen Kleidchen mit ausgefallenen Haarklipsen im Haar. Morgens frisiert sie sich ausgiebig die Haare und immer wieder bildet sich eine Schlange vor ihrem Kleiderschrank, weil sich alle ihre tolle Haarbürste borgen wollen.

Ihre Freizeit genießt Achini noch immer am liebsten draußen. Hier beweist sie nicht nur die Liebe zum Backen und Puppenspielen, gerne spielt sie auch mal mit Bodkia und Nishama eine Partie Fußball im Garten. Zu Achinis größten Freuden zählt das abendliche Vorlesen von den Praktikantinnen in der Bibliothek. Fast täglich möchte sie wissen, wer dies heute macht und ob ihre Gruppe heute an der Reihe ist. Ebenso gerne wie den Geschichten der Praktikantinnen lauschend, verbringt Achini die Zeit in der Bibliothek mit Puzzeln oder damit, dir stolz die Fotoalben der letzten Jahre zu zeigen.

Wie schon im letzten Statusbericht festgehalten: Achinis verträumter Blick, ihre langsamen liebevollen Gesten, wenn sie beispielsweise dein Gesicht in ihre Hände nimmt, ihr strahlendes Grinsen – das alles ist unsere angenehm-widerwillige, süß-freche Achini, die uns immer wieder daran erinnert, auch mal einen Gang runter zu schalten und die kleinen Dinge des Lebens mehr zu schätzen.

 

Entwicklung Achini (August 2016, geschrieben von Julia Fischer)

Achini Rathnayaeke Unser „Strahlemännchen“ Achini lebt nun auch schon seit fast 6 Jahren in unserem Angels Home und wenn man sie sich so anschaut, scheint manchmal überhaupt keine Zeit vergangen zu sein. Noch immer hat Achini den gleichen verträumten Blick in ihren hübschen Augen und das gleiche allesumfassende Lächeln, mit dem sie es innerhalb weniger Sekunden schafft, jede noch so schlechte Laune zu vertreiben. Sie ist ein richtiger Schatz und man muss sie einfach gerne haben!

Trotzdem möchte ich nicht abstreiten, dass wir es so manches Mal auch ziemlich schwer mit der fast 13-Jährigen haben. Dies passiert vor allem dann, wenn es eben nicht nach Achinis Willen geht bzw. wenn sie merkt, dass man sie nicht mehr süß und knuddelig findet und ihr Lächeln erwidert, wenn sie sich nicht an die Regeln unseres Heimalltags halten mag. So passiert es nämlich hin und wieder mal, dass Achini einen richtigen Dickkopf hat, lautstark zu heulen anfängt oder auch nach Personal und Kindern haut, wenn es ihr zu viel wird. In solchen Momenten ist es wichtig, ihr Fehlverhalten einfach zu ignorieren und sie in Ruhe zu lassen, anstatt auf sie einzureden oder ihr gar mit Sanktionen zu drohen. Durch ihre Hormonstörung und die damit einhergehende Entwicklungsverzögerung, die auch nicht mehr zu korrigieren ist, fehlt es Achini in vielen Dingen an Verständnis und sie kann viele Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht erfassen. Deshalb kann ihre Stimmung nach einem Wutanfall auch genauso schnell wieder umschwingen und sie lächelt dann wieder, als ob gar nichts gewesen ist. Man darf dann keinesfalls nachtragend mit ihr sein, sondern sollte ihre Launen einfach so nehmen, wie sie gerade kommen. Am besten kann Achini sich an Vorbildern orientieren, die sie gerne mag und die sehr geduldig mit ihr sind. Wenn diese ihr dann auf einfühlsame Weise erklären, warum sie jetzt gerade dieses oder jenes machen soll, dann kann Achini dies auch verstehen und folgt in der Regel den Aufforderungen. Leider hat man jedoch nicht immer die Zeit, angemessen und geduldig auf Achinis Stimmungen zu reagieren und auch für unser Personal und die Mädchen ist es oftmals schwer, Verständnis für Achinis Situation aufzubringen. So lässt es sich in unserem Heimalltag nicht immer vermeiden, dass das Mädchen zwischenzeitlich Wutanfälle oder Heulkrämpfe bekommt. Dennoch muss man sagen, dass jeder auf seine Art und Weise versucht, Achini das Leben bei uns so normal wie möglich zu gestalten und sie auch genauso zu behandeln. In dieser Hinsicht ist es von großem Vorteil, dass Achini zu uns und nicht in eine Einrichtung für behinderte Kinder gekommen ist, da sie sich hier an normal entwickelten anderen Mädchen orientieren kann.

Ihren Kleiderschrank und das Doppelstockbett teilt sich Achini neuerdings mit der fast 15-jährigen Dinushika, die nun den Job von ihrer älteren Schwester Dananjani übernommen hat, seitdem diese in unserem neuen „Aussiedler-Projekt“ für volljährige Mädchen auf dem Nachbargrundstück lebt. Nun ist Dinushika also für Achini verantwortlich und hilft ihr dabei, die täglich anfallenden häuslichen Pflichten zu erledigen und ihre eigenen Sachen in Ordnung zu halten. Dies ist mit Sicherheit kein einfacher Job und erfordert sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis, allerdings haben wir großes Vertrauen zu Dinushika, dass sie sich gut um ihren neuen Schützling kümmern wird.

Achini Rathnayaeke Noch immer besucht Achini gemeinsam mit Bodika, Kumari und Tharushika die Förderschule im Nachbarort Katuneriya. Hierfür machen sich die 4 Mädchen jeden Morgen gegen halb acht mit unserem Fahrer im TukTuk auf den Weg zur Schule. Es ist gut, dass sie morgens ein klein wenig mehr Zeit haben als die anderen Mädchen, denn somit können sie alles in ihrem eigenen Tempo machen und das Personal hat auch noch ein wenig Zeit für sie allein, nachdem die anderen Mädchen sich bereits um 7 Uhr auf den Weg gemacht haben. Achini geht sehr gern zur Schule und mag die dort arbeitenden Lehrer, auch wenn diese an vielen Tagen sicher auch grenzenlos überfordert und unterbesetzt sind, denn insgesamt besuchen etwa 30 entwicklungsverzögerte, behinderte und verhaltensauffällige Kinder diese Schule.

Körperlich ist Achini für ihr Alter ein klein wenig unterentwickelt, was jedoch auch auf ihre Krankheit zurückzuführen ist. Momentan wiegt sie 33 kg bei einer Größe von 1,33 m, womit sie im Vergleich zum Vorjahr immerhin ein paar Kilo zugelegt und nicht wieder abgenommen hat. Dennoch wirkt ihr gesamter Körperbau und auch ihre Haltung noch sehr kindlich und zerbrechlich, weshalb man immer das Gefühl hat, auf Achini besonders achtgeben zu müssen. Ihre Bewegungen sind oft sehr grobmotorisch und abgehakt, weshalb es ihr schwerfällt, bestimmte Tätigkeiten genauso flüssig auszuführen, wie die anderen Mädchen. Allerdings weiß darüber mittlerweile jeder Bescheid und es nimmt unserer Achini auch niemand übel, wenn sie für alles ein klein wenig länger braucht. Spätestens wenn sie ihr alles übertrumpfendes Lächeln aufsetzt, kann ihr keiner mehr böse sein, denn Achini wäre nicht Achini, wenn sie damit nicht jeden um den Finger wickeln könnte… lächelnd

 

Entwicklung Achini (Oktober 2017, geschrieben von Julia Fischer)

AchiniDie mittlerweile 14-jährige Achini bildet in diesem Jahr das Schlusslicht meiner Statusberichte über die Mädchen im Angels Home. Dies liegt nicht etwa daran, dass es mir schwerfällt über Achini etwas zu schreiben – im Gegenteil; ich könnte Romane über dieses Kind verfassen. Den Grund dafür könnte man einfach damit auf den Punkt bringen, dass man sich das Beste für den Schluss aufhebt.

In den 7 Jahren, die der kleine Sonnenschein nun bei uns im Kinderheim lebt, ist mir Achini mit ihrer sehr speziellen Art und ihren Verhaltensweisen besonders ans Herz gewachsen. Neben ein paar anderen Bewohnerinnen des Angels Home ist sie mit Sicherheit eines derjenigen Mädchen, die besondere Aufmerksamkeit benötigt und die uns immer wieder die Bedeutung und den Sinn unserer Arbeit vor Augen führt. Dies macht sie natürlich nicht bewusst, aber mit ihrer kindlich naiven Betrachtung der Welt und ihren ganz eigenen Gedanken schafft sie es irgendwie, mir mit wenigen Worten oder Gesten auch nach einem noch so stressigen Tag ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

In Vorbereitung für einen Statusbericht lese ich mir immer noch einmal die Texte der vergangenen Jahre durch und versuche, die Veränderungen und Weiterentwicklungen des jeweiligen Kindes herauszuarbeiten. Bei Achini ist dies etwas schwierig und um ehrlich zu sein, könnte ich den Bericht vom letzten Jahr eins zu eins kopieren. Aufgrund ihrer Hormonerkrankung kann man kaum Fortschritte in ihrer Entwicklung ausmachen und altersmäßig würde ich das Mädchen mit dem Stand einer 5- bis 6-Jährigen vergleichen.

Achini ist sehr verspielt und verträumt, aber gleichzeitig auch sehr empfänglich für die emotionalen Stimmungen, die sie umgeben. So hat sie ein ganz besonderes Gespür dafür, wenn es jemandem schlecht geht oder wenn jemand traurig ist. Sie kann dann mitunter sehr einfühlsam auf das andere Mädchen oder auch auf den betreffenden Erwachsenen zugehen, seine Hand nehmen und ganz sanft darüberstreichen. Begleitet wird diese Geste häufig von ihrem beliebten Ausspruch „Paaaauuuu!“, was ungefähr so viel bedeutet wie „Du Arme!“ oder „Du Armer!“ Selbst wenn es einem wirklich gerade nicht so gut geht, führt dieses Verhalten unweigerlich dazu, dass man sich Achini zuliebe ein Lächeln abringt und gleichzeitig ihr Gesicht zum Strahlen bringt. Und wenn dieses Mädchen sich freut und man gleichzeitig ihre Geschichte und familiären Hintergründe kennt, so geht einem automatisch das Herz auf und man sieht seine eigenen Probleme nur noch halb so schlimm.

Trotz all dieser positiven Gefühle muss man sagen, dass Achini nach wie vor auch ein richtiger Dickkopf sein kann, wenn es mal nicht nach ihrem Willen geht. Wie schon im letzten Jahr geschrieben, kann sie dann sehr jähzornig werden und ihre körperlichen Reflexe nur schwer kontrollieren. So kommt es immer noch hin und wieder vor, dass sie anderen Mädchen an den Haaren zieht, nach ihnen schlägt oder auch mal mit Sand oder Steinen wirft. Der Unterschied zu anderen Mädchen ist hier jedoch, dass Achini diese Verhaltensweisen einfach nicht steuern kann. So enden ihre Wutausbrüche fast immer mit bitterlichen Tränen, die Traurigkeit, Reue und Enttäuschung über sich selbst zum Ausdruck bringen. Zum Glück haben mittlerweile fast alle anderen Mädchen im Angels Home verstanden, dass Achini nichts dazu kann und eigentlich ist ihr niemand lange böse. Wenn man sehr einfühlsam mit ihr spricht und ihr das jeweilige Fehlverhalten erklärt, ist sie auch immer bereit, sich bei den anderen Mädchen zu entschuldigen und erfreulicherweise ist Achini gegenüber niemand lange nachtragend.

AchiniWas ihre schulische Entwicklung betrifft, so ist es wie in vielen anderen Lebensbereichen auch: Achini braucht sehr, sehr viel Aufmerksamkeit, Zeit und Geduld. Dennoch kann man hier in den letzten Jahren kleine Fortschritte beobachten. So schafft sie es mittlerweile, viele Zeichen des singhalesischen Alphabets fehlerfrei zu schreiben und auch einfache Wörter zu lesen. Wenn man sich die Zeit nimmt, Achini die Funktionsweise des Rechenschiebers zu erklären, schafft sie es auch, sehr einfache Matheaufgaben zu lösen. Allerdings braucht sie beim Zählen noch viel Unterstützung, da es ihr immer wieder passiert, dass sie eine Zahl vergisst oder die Reihenfolge durcheinanderbringt. Es ist auch immer ein wenig abhängig von ihrer Tagesform und was sie in den letzten Stunden schon alles erlebt hat. Für Achini sind teilweise schon kleinste Abweichungen des Alltags eine große Herausforderung, die sie mit ihrer kleinen Welt vereinbaren muss und das fordert mitunter ihre gesamte Konzentration.

Normalerweise hätte ich Achini in diesem Jahr zum Statusbericht auch gefragt, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt; was sie später einmal werden will und ob sie eine Familie gründen möchte. Allerdings muss man in ihrem Fall sagen, dass dies ganz einfach Fragen sind, die ihre Vorstellungskraft übersteigen und ihre Antworten wären wohl nicht sehr ernst zu nehmen. Achinis Zukunft ist in jedem Fall ein Punkt, über den auch wir uns permanent Gedanken machen, aber zum Glück haben wir noch ein wenig Zeit, bevor wir uns ernsthaft damit auseinandersetzen müssen. Bis dahin darf die süße Maus auch weiterhin unsere Herzen zum Schmelzen bringen.

 

Auszug (August 2018)

In den vergangenen Jahren hatten wir zunehmend Probleme mit Achini und es kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass sie mit ihren Entwicklungsrückständen bei uns definitiv nicht in der richtigen Einrichtung ist. Achini braucht fast rund um die Uhr die Betreuung eines Erwachsenen. Dies beginnt morgens beim Aufstehen, wo sie oft einfach liegenbleibt, und endet beim abendlichen Zähneputzen und Zu-Bett-Gehen, wo sie mehrfach ermahnt werden muss. Achini ist ein kleiner Dickkopf, der zunehmend seinen Willen durchsetzen möchte - ohne Rücksicht auf Verluste. Außerdem werden ihre Wutausbrüche mitunter immer heftiger und sind nur schwer zu kontrollieren. 

Aus diesen Gründen informierten wir bereits vor einiger Zeit das Jugendamt und baten darum, eine andere geeignete Einrichtung für Achini zu finden. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, denn die meisten Heime in unserer Umgebung sind entweder ganz "normale" Kinderheime wie unseres oder aber Behinderteneinrichtungen, wo quasi alles zusammenkommt, was irgendwie von der Norm abweicht. An eine solche Einrichtung würden wir Achini nur ungerne abgeben, denn sie wäre dort sicher total unterfordert und würde schlichtweg untergehen. 

In den letzten 1-2 Jahren konnte Achini die Beziehung zu ihrer leiblichen Mutter mehr und mehr verbessern, die sie regelmäßig bei uns besuchen kommt und bei der sie zwischenzeitlich auch schon mal die Ferien verbringen durfte. Leider wird Achinis Vater zunehmend unzuverlässig, da er Alkoholiker ist und seine Sucht einfach nicht in den Griff bekommt. 

Als Achinis Mutter mitbekommen hat, dass uns die weitere Unterbringung von Achini schwerfällt und dass es auch fast utopisch ist, hier eine andere Einrichtung für sie zu finden, bot sie dem Jugendamt an, sich selbst wieder dauerhaft um ihre Tochter zu kümmern. Wir dachten zunächst, dass es nicht genehmigt wird, aber beim Elternsprechtag vor den Ferien hat das Amt nun seine Zustimmung gegeben und Achini hat sich riesig darüber gefreut. 

Wir hoffen sehr, dass es Achini zukünftig bei ihrer Mutter gut haben wird und dass sie uns hin und wieder im Angels Home besuchen kommt.