Dilki Lakshani


03.08.dilki_smal03.08.dilki_smal01Dilki wurde am 08.08.1996 geboren. Sie ist 9 Jahre und geht in Katunayaka zur Schule. Sie geht in die 5. Klasse und hat, wie fast alle Kinder, viel Spaß am Lernen. Dilkis Mutter verließ ihren Vater als sie 2 Jahre alt war. Seitdem hat ihr Vater sie groß gezogen. Da dieser jedoch jetzt als Maler in ganz Sri Lanka unterwegs ist und keinen festen Wohnsitz hat, kann er sich nicht mehr um Dilki kümmern. Auch seine Mutter (Dilkis Oma) kann sie nicht zu sich nehmen, da diese seit kurzem im Rollstuhl sitzt.

Wir konnten Pateneltern für Dilki finden!

 

Die Entwicklung von Dilki im Jahr: 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012

 

Entwicklung Dilki (September 2007, geschrieben von Julia Fischer)

Zur Zeit ist Dilki 11 Jahre alt und besucht gemeinsam mit Nisansala die 6. Klasse der nahe gelegenen Schule in Marawila. Ihre Lieblingsfächer sind Englisch und Mathematik, nicht so gerne mag sie hingegen Singhalesisch. In der Schule hat Dilki eine sehr gute Freundin namens Sewuwandi.

Dilki hat momentan eine Körpergröße von 1,35 m und wiegt 33 kg. Prinzipiell ist sie ein sehr gesundes Mädchen und kann nur selten wegen irgendwelchen Krankheiten nicht zur Schule gehen. Vor einer Woche hatte sie jedoch Probleme mit ihrem Fuß, da sie beim Rennen umgeknickt ist. Sie konnte einige Tage nicht richtig auftreten und wir waren mit ihr im örtlichen Krankenhaus. Dort bekam sie eine Salbe und nachdem sie den Fuß ein paar Tage ruhig gehalten hatte, war die Sache wieder in Ordnung.

Im Angels Home versteht sich Dilki besonders gut mit Saduni und Chathumini. Nicht so gerne mag sie hingegen Nadisha, wofür sie mir den Grund jedoch nicht so genau sagen konnte.

Dilki spielt sehr gerne Cricket oder Volleyball mit den anderen Mädchen. Von dem regelmäßigen Kandy-Tanzunterricht am Samstag-Vormittag ist sie jedoch nicht mehr so begeistert, da ihr die Schritte zu kompliziert sind. Deshalb wird sie voraussichtlich nur noch diesen Kurs beenden und wir werden dann ein anderes Mädchen anstelle von Dilki mittanzen lassen.

Als ich Dilki nach ihrem Lieblingsessen fragte, musste sie erst eine Weile überlegen. Dann sagte sie jedoch, dass sie besonders gerne Gemüse und Weintrauben ist. Ihr Lieblingsgetränk ist das Gleiche wie bei fast allen Kindern im Angels Home - Orangensaft.

Dilkis Lieblingsfarbe ist rot und sie malt besonders gerne Bilder vom Dschungel in Sri Lanka. Wenn Dilki mit der Schule fertig ist, würde sie gerne studieren und später als Ärztin in einem Krankenhaus arbeiten. Am liebsten möchte sie auch in Sri Lanka bleiben und nicht - wie zahlreiche andere Einheimische - ihr Heimatland verlassen. Dies liegt jedoch vielleicht auch daran, dass Dilki ein wenig Angst vorm Fliegen hat.

Als ich Dilki nach ihrem größten Wunsch fragte, sagte sie mir, dass sie gerne sehr schnell rennen könnte.

Dilki ist ein sehr freundliches und ausgeglichenes Mädchen. Außerdem hat sie das Glück, noch regelmäßig Besuch von ihrem Vater zu bekommen, der ihr meistens auch ein kleines Geschenk mitbringt. Darüber freut sich Dilki jedes Mal sehr und man merkt, dass sie nach wie vor eine sehr innige Bindung zu ihrem Vater hat.

 

Interview Dilki (Juni 2008, geschrieben von Stefanie Lippmann)

1. Was isst du gerne?

Dilki: Ich liebe Icecream.

2. Was trinkst du gerne?

Dilki: Natürlich Coca Cola.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Dilki: Rot.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Dilki: Chanchala, Dinesha, Nisansala und Mali.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Dilki: Latta und Dipani mag ich sehr gerne.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Dilki: In Deutschland.

7. Welches Tier magst du?

Dilki: Hase.

8. Was möchtest du später werden?

Dilki: Sehr gerne Kinderärztin.

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Dilki: In der Schule mag ich Englisch und im Heim das Spielen.

10. Was spielst du gerne in deiner Freizeit?

Dilki: Elle.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Dilki: Sehen möchte ich gerne Anuradhapura.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Dilki: Suren der, das ist ein singhalesischer Sänger.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Dilki: Ich würde mir ein Haus kaufen.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Dilki: Wir würden den ganzen Tag nur Schokolade essen.

15. Welche Musik magst du?

Dilki: Singhalesische Musik.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Dilki: „Gib allen Menschen mehr Geld.

 

Entwicklung Dilki (August 2009, geschrieben von Manuela Sinsel)

dilki-august-09Dilki wurde 13 Jahre alt und besucht zusammen mit Nisansala und Shanika die achte Klasse der örtlichen Schule. Sie ist ein relativ quirliges Mädchen, dass sehr oft am kichern ist, wobei dies auch möglicherweise ihre Art sein kann ihre Unsicherheit, welche vor allem auftritt, wenn sie Englisch sprechen soll, zu verbergen. Im Vergleich zu ihrer Klassenkameradin Nisansala sind ihre Englischkenntnisse noch nicht sonderlich gut und sie braucht öfter Hilfe von den älteren Mädchen, die dann als Dolmetscher fungieren. Dies spiegelt sich leider auch in ihren Examensergebnissen wider, die sich in den meisten Fächern eher im unteren Drittel befinden. Trotzdem hat sie in den Nachhilfestunden nie den Kopf hängen lassen und geschmollt, wie manche der anderen Kinder dies gerne tun, wenn sie eine Aufgabe nicht lösen können, sondern nach ausführlicher Erklärung dann bestmöglich mitgearbeitet und nicht aufgegeben. So war sie auch eines derjenigen Mädchen, die vor ihrer Mathematikprüfung ein paar Tage lang versucht hat, jeden Tag mindestens eine Stunde mit uns zu lernen und auch täglich ein kleines bisschen besser wurde. Ihre Lieblingsfächer in der Schule sind Englisch und Religion, jedoch sind wir uns bei Englisch da nicht so sicher, da sie uns das mit riesigem Grinsen erzählt hat und eher klang, als wolle sie uns auf den Arm nehmen.

In ihrer Freizeit liebt es Dilki zu lesen, Fernsehen zu schauen oder zu schlafen, was auch durchaus verständlich ist, wenn jeden Morgen um fünf der Wecker klingelt. Wenn sie im Heim mitarbeiten soll, mag sie am liebsten die Gartenarbeit und so hat sie vor Kurzem auch mit drei anderen Mädchen ein neues Blumenbeet in der Form von Sri Lanka angelegt. Da sie wie die meisten anderen Kinder hier auch sehr technikbegeistert ist, wünscht sie sich für das neue Heim einen extra Computerraum mit vielen Computern. Wenn es nach ihr geht, am besten für jedes Kind einen. Diese Freude an der Arbeit mit technischen Geräten zeigt sich auch darin, dass sie schon jetzt manchmal vor dem Laptop sitzt und mit dem Paint-Programm arbeitet oder versucht, sich den Fotoapparat von uns Praktikantinnen auszuleihen und so viele Bilder wie möglich zu schießen.

Ansonsten lässt sich über Dilki sagen, dass sie relativ sportlich ist und gerne mit den anderen Kindern spielt, vor allem auch Ballspiele wie Elle oder Cricket. Dabei stellt sie sich sehr geschickt an und beweist vor allem beim Fangen ein gewisses Talent. Auf diese Weise hat sie schon öfter einen Spieler aus dem gegnerischen Team ausgeschaltet. Man sieht sie eigentlich die meiste Zeit fröhlich und sie scheint sich mit den anderen gut zu verstehen. Was man ihr auch anmerkt ist die gute Bindung, die sie nach wie vor zu ihrem Vater zu haben scheint. So können sich die beiden am Besuchstag stundenlang miteinander beschäftigen und auch das Spielen mit ihrem Halbbruder macht ihr sichtlich Spaß. Dennoch fühlt sie sich im Heim wohl und hat sich mit der Situation, dass ihr Vater am Ende ohne sie nach Hause geht, sehr gut abgefunden. Im Vergleich zu manchen der anderen Mädchen scheint sie dies gut zu verkraften und ist auch nach den regelmäßigen Besuchen nicht plötzlich in sich gekehrt oder zurückgezogen.

Sehr unsicher und zögerlich und mit dem typischen Dilki-Grinsen reagierte sie auf unsere Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. Schließlich sagte sie, dass sie eher nicht in Sri Lanka bleiben, sondern lieber in England wohnen würde, wobei wir uns nicht sicher sind, ob dies ernst gemeint war, oder nur eine Notantwort um unserem Interview endlich zu entkommen. Jedoch hat sie schon kurze Zeit später wieder mit uns Ball gespielt und ist generell ein freundliches Mädchen, das überhaupt nicht nachtragend ist.

 

Entwicklung Dilki (Juni 2010, geschrieben von Sophie Mörbe und Julia Fischer)

Dilki LakshaniDilki ist ein sehr ruhiges und unauffälliges Mädchen. Sie ist sehr sportlich und macht gerne mal einen Witz. Gegenüber den Praktikantinnen ist sie höflich, jedoch anfangs zu schüchtern, um auf sie zu zugehen. Allgemein dauert es bei Dilki sehr lange, bis man einen Draht zu ihr finden kann. Ob das wirklich an ihrer Schüchternheit liegt oder an fehlendem Interesse, ist fraglich. Immerhin werden die Mädchen im Angels Home for Children kontinuierlich mit neuen Praktikantinnen konfrontiert und da ist es auch ganz normal, dass man irgendwann vielleicht nicht mehr an jeder neuen Person interessiert ist. Dilki besucht seit Januar 2010 gemeinsam mit 4 weiteren Kindern aus dem Heim eine katholische Mädchenschule in Marawila und geht dort in die 9. Klasse. Der Schulwechsel scheint ihr sehr gut getan zu haben, denn sie ist nun viel motivierter, gewissenhaft ihre Hausaufgaben zu erledigen und sitzt so manches Mal sogar länger als alle anderen Mädchen daran, obwohl sie eigentlich schon längst spielen könnte. Nichtsdestotrotz bleibt abzuwarten, ob sich auch Dilkis schulische Leistungen durch den Schulwechsel verbessern. Im letzten Examen war leider noch kein großer Unterschied festzustellen und Dilki gehört noch immer zu den Mädchen, die eher schlechte Ergebnisse in den Prüfungen erzielen.

Dilki ziert sich sehr, Englisch zu sprechen und antwortet deshalb auf Fragen nur selten. Aus diesem Grund ist es auch sehr schwer, sich mit ihr zu unterhalten und eine tiefere Beziehung zu ihr aufzubauen. Dabei ist es nicht so, dass Dilki schlecht in Englisch wäre: wenn sie wöllte, könnte sie. Oftmals beweist sie auch in der Englischnachhilfe, dass sie eigentlich viel mehr versteht als man ihr zutraut. Wenn sie es schaffen würde, ihre Scheu vorm Sprechen abzulegen, könnte sie noch viel mehr aus sich herausholen, was sich schon allein darin zeigt, dass Dilki im Lesen viel besser ist als die meisten anderen englischschwachen Kinder.

Dilki besucht momentan 3 Kurse im Angels Home: Montags besucht sie den 3-stündigen Nähunterricht, freitags ist sie in der Tanzklasse vertreten und am Wochenende nimmt sie am 2-stündigen Computerkurs teil.

Dilki wird im August 14 Jahre alt, ist momentan 1,52 m groß und wiegt 47 kg. Sie ist demzufolge ihrem Alter entsprechend normal entwickelt, was sich mit Sicherheit dadurch begründen lässt, dass Dilki einerseits ein guter Esser ist und auf der anderen Seite für ihr Leben gerne Sport treibt und bei jeglicher Art von Bewegungsspielen sofort dabei ist. Auch im Tanzunterricht beweist Dilki viel Ehrgeiz und ist stets mit Freude dabei.

Dilki ist bei den anderen Mädchen im Heim anerkannt und akzeptiert, obwohl es häufig den Eindruck macht, dass sie keine richtige bzw. enge Freundin im Angels Home hat, mit der sie sich regelmäßig austauscht. Dilki scheint eher eine Einzelgängerin zu sein, die sich gerne selbst aussucht, wann und mit wem sie Zeit verbringt.  Nichtsdestotrotz ist sie jederzeit für einen Spaß zu haben und bringt die anderen Mädchen oft zum Lachen.

 

Entwicklung Dilki (Juli 2011, geschrieben von Anika Baumann)

Dilki_1Es dauert nach wie vor ein wenig, bis die mittlerweile fast fünfzehnjährige Dilki sich einem anvertraut. Sie gehört einfach nicht zu den Mädchen, die sich sofort in den Vordergrund drängen und versuchen, die Aufmerksamkeit neuer Praktikantinnen auf sich zu ziehen. Nimmt man sich aber Zeit für sie, redet sie offen über ihre Wünsche und Ansichten. Dazu eignen sich insbesondere die späteren Stunden am Abend, wenn die kleinen Mädchen bereits schlafen und Ruhe im Angels Home einkehrt. Bei solchen Gesprächen entpuppt sich Dilki als offenes und umgängliches Mädchen. Zudem erlebt man dann auch als Praktikantin ihre humorvolle Seite, die sicherlich mit  für ihre Beliebtheit unter den Mädchen sorgt. Ihren Einzelgängerstatus hat Dilki nämlich mittlerweile abgelegt. Am Nachmittag ist sie nun oftmals in einer Gruppe von älteren Mädchen zu sehen, mit denen sie die neusten Mädelsgeschichten austauscht. So hat sie eine engere Freundschaft zu Hashini und Rashani aufgebaut, die beide Anfang des Jahres ins Angels Home kamen. Neben den zwei Schwestern zählt Dilki auch Udeshika, die mittlerweile als Köchin im Heim arbeitet, zu ihren besten Freundinnen.

Nach wie vor kommt Dilki gut damit klar, getrennt von ihrem Vater und Stiefbruder aufzuwachsen. Anders als viele andere Mädchen äußert sie nicht den Wunsch, wieder zuhause bei ihrer Familie leben zu wollen. Ganz im Gegenteil, ohne sie darauf anzusprechen erzählte sie von sich aus, wie froh sie sei, mit ihrer Stiefschwester Chanchala im Angels Home leben zu können. Hier sei es deutlich besser als zuhause, wo es oft zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen ihrem Vater und Chanchalas Mutter käme. Zudem fühle sie sich von ihrer Stiefmutter unfair behandelt. Voller Stolz spricht sie dagegen über ihren jungen Bruder, der – anders als sie selbst – nur gute Noten in der Schule erziele. Er sei sehr schlau und fleißig, so Dilki.

Dilki_2Dilkis Fleiß hingegen lässt leider manchmal zu wünschen übrig. Sie ist gewiss ein pfiffiges Mädchen, das durch den Besuch des örtlichen Convents, der Mädchenschule in Marawila, eine bessere Schulbildung als die meisten anderen Mädchen genießt. Sie sagt, die Mädchenschule gefalle ihr sehr gut und sei besser als ihre bisherigen Schulen. Sie habe Spaß daran, etwas zu lernen und viel Neues zu lesen. Dennoch kann es vorkommen, dass sie erst am Abend vor einer Prüfung mit dem Lernen beginnt. Mit etwas mehr Einsatz könnten ihre Noten sicherlich besser ausfallen. Darauf angesprochen fängt Dilki an zu lachen und gibt zu: „Ja ich sollte mehr lernen!“. Warum es an der Umsetzung dieses guten Vorsatzes hapert, weiß sie selber nicht so recht.

Trotz ihrer manchmal mangelnden Motivation für die Schule zu lernen, hat Dilki ambitionierte Zukunftsvorstellungen: Sie wünscht sich nach ihrem A-Level ein Medizinstudium zu beginnen, um anschließend als Ärztin arbeiten zu können. Ein Wunsch, den sie schon sehr lange hegt. Sie wolle möglichst vielen Menschen helfen, egal ob alt oder jung, erklärte Dilki mir. Dabei ist sie sich im Klaren darüber, dass sie dafür nicht nur in den naturwissenschaftlichen Fächern, sondern auch in Englisch, Singhalesisch und Tamil gute Noten  benötigt. Nach eigenen Angaben bereitet ihr das Erlernen von Sprachen aber keine Schwierigkeiten, wobei ihr das Schreiben leichter als das Sprechen falle. Dilkis Abneigung oder Angst Englisch zu sprechen hat seit dem Besuch der Mädchenschule offenbar nachgelassen. Auch wenn ihre Englischkenntnisse nicht mit denen von Chanchala mithalten können, ist eine Unterhaltung mit ihr mittlerweile durchaus möglich und sie gibt auch bei fehlenden Vokabeln nicht auf, ihre Gedanken zu erklären. Problematischer sieht es dagegen in Mathematik aus, ein Fach in das sie, trotz Nachhilfestunden am Wochenende, viel Zeit investieren muss.

An Dilkis neuer Schule herrschen deutlich strengere Regeln als an der zuvor besuchten. So wird stark auf ein gepflegtes Auftreten der Mädchen und eine adäquate Rocklänge geachtet. Auch die Haare dürfen nicht geschnitten werden, was Dilki, die ihre langen lockigen Haare gerne mag, aber nicht weiter stört. Generell macht sie sich gerne zurecht und achtet auf ihr Äußeres. So begegnet man Dilki bei gelegentlichen Übernachtungen im Heim auch häufiger mit einer dicken Schicht Creme im Gesicht, die sie wie eine Gesichtsmaske trägt.

Auch wenn Dilki weiterhin angibt, gerne Sport zu treiben, wirkt es nach außen eher so, als habe ihre Begeisterung für sportliche Aktivitäten etwas nachgelassen. Zumindest für den allmorgendlichen Frühsport kann sich kaum begeistern und trottet eher gemächlich dahin, anstatt sich beim Laufen zu verausgaben. Auch bei den Fangspielen der Jüngeren ist sie nicht anzutreffen, was sich aber wohl in erster Linie auf den Altersunterschied zurückführen lässt.  Auf die Frage nach ihrem Lieblingssport, sagte sie mir, dass ihr Kricket und Elle besonders gut gefielen.

Seit dem letzten Statusbericht vor einem Jahr ist Dilki nicht weiter gewachsen und somit noch immer 1,52 m groß, aber 3 kg schwerer. Dies lässt sich ggf. auf die weniger gewordene Bewegung und den gleichbleibenden guten Appetit zurückführen, kann aber auch als ganz normale Entwicklung eines Teenagers eingestuft werden. Dilkis Lieblingsgetränk ist KIK Cola, eine singhalesische Cola-Marke, und als Lieblingsessen nannte sie Erdbeeren, obwohl sie sofort einräumt, diese noch nie gegessen zu haben. „Die sehen so schön aus.“, begründet Dilki ihre Vorliebe für die rote Frucht.

Gab Dilki in der Vergangenheit noch an, gerne im Ausland leben zu wollen, bevorzugt sie mittlerweile Sri Lanka als späteren Wohnort. Gerne würde sie später in der Hauptstadt Colombo leben. Besonders schön in Sri Lanka findet sie die Wasserfälle, die sie bei einem Ausflug des Angels Home zu sehen bekam.

 

Entwicklung Dilki (August 2012, geschrieben von Julia Fischer)

Dilki LakshaniDilki wurde vor ein paar Tagen bereits 16 Jahre alt und lebt nun auch schon seit fünfeinhalb Jahren bei uns im Angels Home. Sie ist ein typischer Teenager mit einer Größe von 1,54 m und einem Gewicht von 52 kg. Am liebsten faulenzt sie mit ihren Freundinnen Rashani, Hashini, Sewandi und Dinesha im Garten des Heims auf einer Bank, um sich über alles und jeden lustig zu machen, der dort vorbei kommt. Es ist diese Mischung aus „Wir-sind-schon-so-erwachsen-dass-wir-nichts-mehr-mit-den-Kleinen-zu-tun-haben-wollen“ und „Eigentlich-möchten-wir-nur-deshalb-unter-uns-sein-damit-keiner-merkt-wie-albern-und-kindisch-wir-noch-sind“. J Ein bisschen schade ist, dass diese gesamte Teenager-Gruppe kaum noch für irgendwelche Aktivitäten zu begeistern ist, wenn es nicht gerade um Tanz- oder Schönheitswettbewerbe geht, wo sie sich in ihrer kleinen Gruppe gemeinsam behaupten können. Es ist schon sehr lange her, seitdem Dilki oder die anderen älteren Mädchen das letzte Mal mit den Kleinen zusammen Elle oder Brennball gespielt haben. Sie sitzen lieber gelangweilt daneben und lachen sich halb tot, wenn eines der mitspielenden Mädchen den Ball nicht fängt oder abgeworfen wird. Aber vermutlich gehört das eben auch zum normalen Pubertätsverhalten.

Nichtsdestotrotz ist Dilki ein freundliches und humorvolles Mädchen, mit dem man gut und gerne auch mal ohne Grund drauf los lachen kann. Noch immer ist sie im Angels Home eine Bewohnerin, die sich eher im Hintergrund hält und ein geringes Geltungsbedürfnis gegenüber uns, dem Personal oder Praktikantinnen hat. Sie kommt nach wie vor ganz gut allein bzw. mit ihren Freundinnen zurecht und erledigt all ihre Pflichten selbstständig und gewissenhaft. Aus diesem Grund muss ich ehrlicherweise gestehen, dass Dilki eines der Mädchen ist, dem man versehentlich weniger Aufmerksamkeit schenkt als anderen, da man weiß, dass ihre Dinge laufen, auch ohne dass man sie ständig kontrolliert. Umso mehr genießt es die kleine Dame, wenn man einfach mal ganz ungezwungen ein Gespräch mit ihr beginnt und sich für ihre Meinungen, Gefühle und Gedanken interessiert. Natürlich spielt sie mit ihrer trainierten Coolness erst einmal Gleichgültigkeit vor, aber nach einer Weile freut sie sich ernsthaft, dass jemand Interesse an ihrer Person zeigt.

Wie auch bei allen anderen Mädchen, die schon sehr lange im Angels Home leben, habe ich mich im Vorfeld zum diesjährigen Statusbericht über Dilki besonders mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, welche von unserem Personal geführt und gelegentlich vom Jugendamt kontrolliert wird. Sie gibt vor allem Aufschluss über die Familiensituation des Kindes, die sich im Laufe der Jahre erheblich ändern kann.

Dilki LakshaniWie bereits im letzten Statusbericht angedeutet und auch in Chanchalas diesjährigem Report zu lesen, sind Dilkis Vater und Chanchalas Mutter seit einigen Jahren ein Paar und haben einen gemeinsamen Sohn, den mittlerweile 6-jährigen Tschamud. Die beiden Elternteile waren schon damals zusammen als sie jeweils ihre fast gleichaltrigen Töchter aus erster Ehe zu uns gebracht haben. Natürlich ließen sie dies uns gegenüber vorerst unerwähnt. Dilkis Vater gab uns gegenüber lediglich an, dass er sich nicht länger um seine Tochter kümmern könnte, da er als Maler oft in ganz Sri Lanka unterwegs ist, um Jobangeboten nachzukommen. Dilkis Mutter hat ihren Mann bereits im Jahr 1998 verlassen als die Kleine gerade mal 2 Jahre alt war. Es hat sich bestätigt, dass der Vater das Mädchen allein groß gezogen hat bis er schließlich Chanchalas Mutter begegnet ist. Da diese bereits kurze Zeit nach ihrem Kennenlernen schwanger wurde, haben die Beiden beschlossen, ihre Töchter in einem Kinderheim unterzubringen, um eine neue kleine Familie zu gründen. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Denkweise leider in Sri Lanka noch sehr verbreitet ist und teilweise auch vom Amt akzeptiert wird. Kinder aus erster Ehe stehen einem neuen Familienglück oftmals im Wege und werden deshalb abgeschoben.)

Mittlerweile ist es auch für Dilki relativ normal, dass ihr Papa, Chanchalas Mama und der kleine Tschamud jeden letzten Sonntag im Monat zu Besuch ins Angels Home kommen. Für unsere beiden Mädchen muss es hart sein, diese kleine Familie regelmäßig zu sehen, zu der sie zwar irgendwie dazu gehören, aber von der sie dennoch nicht als vollwertige Töchter betrachtet werden. Lediglich in den Ferien dürfen die Beiden etwas Zeit mit ihren Angehörigen verbringen und sich zumindest für eine kurze Zeit in das Familienleben integrieren. Man muss jedoch sagen, dass Dilki etwas besser mit der Gesamtsituation umgehen kann als Chanchala. Sie hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden und findet das Leben im Angels Home soweit auch ganz in Ordnung. In einen der letzten Ferien ist sie sogar freiwillig im Heim geblieben, da sie den Streitereien mit ihrer Stiefmutter und dem Konkurrenzkampf mit Chanchala um die Gunst der Eltern aus dem Weg gehen wollte. Tief in ihrem Inneren ist sie sich der Liebe ihres Vaters sehr sicher, der sie immerhin bis zum Zusammentreffen mit Chanchalas Mutter liebevoll versorgt und großgezogen hat. Dilki macht kein Geheimnis daraus, dass sie ihre Stiefmutter nicht besonders mag und ihr die Schuld daran gibt, dass sie in ein Kinderheim gekommen ist.

Wie auch schon in Chanchalas Statusbericht geschrieben, ist die gesamte Situation sehr verzwickt, auch was das Verhältnis zwischen den beiden Mädchen betrifft. Man kann nur hoffen, dass sie irgendwann ihr gemeinsames Schicksal realisieren und sich unabhängig von ihrer Familie ein eigenes, verantwortungsbewusstes Leben aufbauen, in dem sie die Fehler ihrer Eltern hoffentlich nicht wiederholen.

Dilkis schulische Leistungen haben sich leider auch im letzten Jahr nicht verbessert. Im Gegenteil; man muss leider sagen, dass Dilki den Anforderungen der Abschlussklasse kaum noch gewachsen ist. So befinden sich fast all ihre Leistungen im unteren Drittel und dürften kaum ausreichen, dass sie im Dezember dieses Jahres ihr sogenanntes O-Level (in etwa vergleichbar mit dem deutschen Realschulabschluss) besteht. Das ist sehr schade, vor allem, weil man weiß, dass dieser schulische Misserfolg seit einiger Zeit nicht mehr auf Dilkis Faulheit zurückzuführen ist. Oft sitzt sie noch bis spät am Abend über ihren Büchern und auch unser Personal ist der Meinung, dass sie sich wirklich Mühe gibt. Da Dilki das Angels Home auf keinen Fall vor Chanchala verlassen soll, die erst im nächsten Jahr ihre Abschlussprüfung hat, werden wir sie dazu motivieren, das O-Level zu wiederholen, falls sie beim ersten Mal nicht besteht. Wir hoffen von Herzen, dass sie es dann zumindest mit dem zweiten Anlauf schaffen wird und werden alles in unserer Macht stehende dafür tun.

 

Auszug (November 2012):

Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder Probleme und Streitigkeiten innerhalb der Familie von Chanchala und ihrer Mutter sowie Dilki und ihrem Vater gegeben hat, eröffneten uns die beiden Elternteile nach den Augustferien, dass sie ihre Töchter gerne wieder nach Hause holen möchten. Auch Chanchala und Dilki gaben uns gegenüber an, dass dies ihr Wunsch sei. Da wir der Situation kritisch gegenüberstanden, hat es eine Weile gedauert bis schließlich auch das örtliche Jugendamt die Familienverhältnisse überprüft und letztendlich als zufriedenstellend bewertet hat. Somit entließen wir die beiden Mädchen (die mit zu den ersten Bewohnerinnen im Angels Home überhaupt gehört haben) im November schweren Herzens in ihre Familie zurück. Wir hoffen sehr, dass Chanchala und Dilki sich auch zu Hause weiterhin positiv entwickeln und vor allem, dass sie glücklich sind.