Hiruni Thaleshila Fernando


HiruniHiruni (vollständiger Name: Warnaknlasuriya Hiruni Thaleshila Fernando) wurde am 15.06.1999 in Puttalam geboren. Sie ist 7 Jahre alt und wird ab dem 02.01.2007 in Marawila die Schule besuchen. Sie kommt nun in die 3. Klasse. Leider spricht sie noch kein Englisch, da sie vorher nur unregelmäßig zur Schule ging. Auf die Frage hin, was sie später mal machen möchte, sagte Hiruni spontan: "hier arbeiten" (im Angels Home) lächelnd Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört, mit ihrer Schwester Saduni zu spielen. Die Mutter von Hiruni und Saduni ist vor 6 Monaten im Alter von 36 Jahren an Krebs verstorben. Seitdem ist der Vater nicht auffindbar. Die beiden Mädchen lebten die letzten Monate bei ihrer Tante, die noch zwei eigene Kinder hat und nun nicht mehr genügend finanzielle Mittel besitzt, um alle Kinder zu ernähren. Deshalb ziehen Hiruni und ihre Schwester am 22.12.06 ins Angels Home.

Wir konnten Pateneltern für Hiruni finden!

Die Entwicklung von Hiruni im Jahr: 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018


Entwicklung Hiruni (September 2007, geschrieben von Julia Fischer)

Hiruni ist 8 Jahre alt und wie ihre große Schwester Saduni seit Dezember 2006 im Angels Home. Ihr gefällt es hier sehr gut, sie ist aber auch froh, dass sie gemeinsam mit Saduni ins Heim gekommen ist. Zur ihren guten Freundinnen gehört außerdem Chanchala.

Obwohl Hiruni sehr dünn und zierlich wirkt, ist sie sehr sportlich und besitzt eine große Ausdauer. Ihre Lieblingssportart ist Laufen, worin sie auch unter ihren Altersgenossinnen die Schnellste ist. Was sie nicht so gerne mag, ist Fußball spielen. Einmal wöchentlich nimmt sie auch mit großer Freude und Konzentration am Kandy-Tanzunterricht teil.

Sie geht gemeinsam mit Emesha, Shakina und Anne in die 3.Klasse und lernt sehr gerne. Ihr Lieblingsfach ist Englisch. Was sie nicht so gerne mag, ist Mathematik. Ihr Traum ist es, später einmal Ärztin zu werden.

Hiruni ist ein sehr fröhliches und lebendiges Kind, das viel lacht und rumalbert. Mit den anderen Kindern vom Heim versteht sie sich sehr gut und wird von ihnen mit ihrem Spitznahmen „Hiru" gerufen. Hiruni ist für jede neue Aktivität, insbesondere wenn sie sportlich ist, sehr aufgeschlossen und oft die Erste am Start.

 

Interview Hiruni (Juni 2008, geschrieben von Stefanie Lippmann)

1. Was isst du gerne?

Hiruni: Kekse.

2. Was trinkst du gerne?

Hiruni: Coca Cola.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Hiruni: Gelb ist schön.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Hiruni: Chanchala, Saduni, Nisansala und Dinesha.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Hinruni: Ich mag alle.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Hiruni: Deutschland.

7. Welches Tier magst du?

Hiruni: Elefanten, Hasen und Papageien, die sind nämlich so schön bunt.

8. Was möchtest du später werden?

Hiruni: Kinderärztin.

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Hiruni: Englisch, Mathe und Singhalesisch sind meine Lieblingsfächer in der Schule. Die Freizeit ist das schönste im Heim.

10. Was spielst du gerne in deiner Freizeit?

Hiruni: Elle.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Hiruni: Matara.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Hiruni: Surendhre, das ist ein singhalesischer Sänger.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Hiruni: Ich würde ein Auto kaufen und den Rest zur Bank bringen.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Hiruni: Ich würde uns mehr Freizeit geben.

15. Welche Musik magst du?

Hiruni: Singhalesische Musik.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Hiruni: „Gib den Menschen mehr Liebe untereinander."

 

Entwicklung Hiruni (August 2009, geschrieben von Manuela Sinsel)

hiruni-august-09Hiruni ist jetzt 10 Jahre alt und besucht zusammen mit Anne und Emesha die fünfte Klasse in der nahegelegenen öffentlichen Schule. Sie ist ein sehr zierliches Mädchen, das dadurch fast eine Art Beschützerinstinkt in einem weckt, und zwar nicht nur bei den Praktikantinnen, sondern auch bei den anderen Kindern. So sieht man sie öfter während der Fernsehstunde an eines der älteren Mädchen gekuschelt und auch beim Lernen erhält sie manchmal Hilfe von den Größeren. Doch trotz ihrer schmalen Statur ist sie sehr sportlich und scheint einen ziemlichen Bewegungsdrang zu haben. Sie spielt viel mit den anderen Mädchen und stellt sich auch meist sehr geschickt an. Vor allem bei Ballspielen ist sie, was Werfen und Fangen betrifft, schon ziemlich gut für ihr Alter.

Hirunis Lieblingsarbeiten im Heim sind das Pflanzen von Blumen und die Mithilfe beim Kochen und sie ist generell ein sehr fleißiges Kind, das ihre Aufgaben ernst nimmt und sich immer bemüht alles ordentlich zu erledigen.

Leider ist ihr Ordnungssinn, was ihre Schulsachen betrifft, nicht ganz so ausgeprägt. Ihre Hefte sind zwar meist ordentlich geführt, aber trotzdem kommt es häufig vor, dass sie die Deckel ihrer Stifte verliert oder das ein oder andere Eselsohr in ihr Schulbuch knickt. Beim Lernen ist sie jedoch sehr fleißig und in der Nachhilfe gibt sie sich immer große Mühe und beweist eine schnelle Auffassungsgabe. Die gestellten Aufgaben kann sie meistens gut lösen und der Spaß scheint ihr nur verloren zu gehen, wenn sie merkt, dass Anne gerade besser ist als sie, oder sie beim Mathe-Wettspiel verliert. Trotz ihren Bemühungen sind ihre schulischen Leistungen leider eher mittelmäßig, außer in ihrem Lieblingsfach Religion, in welchem sie ein ziemlich gutes Examensergebnis erzielte. Trotzdem macht ihr die Schule Spaß und sie beklagt sich auch nicht, wenn sie derzeit manchmal etwas länger Unterricht hat oder lernen muss, während die anderen Kinder spielen, da sie und Emesha in Kürze noch eine weitere wichtige Prüfung haben.

Für das neue Heim wünscht sich Hiruni einen Computerraum und man merkt ihr auch an, dass sie von technischen Geräten fasziniert ist. So steht sie häufig daneben, wenn wir etwas am Computer arbeiten müssen und liebt es, mit unseren Kameras ein paar Fotos schießen zu dürfen. Ihr Hobby ist es Geschichten zu lesen und so leiht sie sich jede Woche ein neues Buch aus der Bibliothek aus. Dabei sagte sie uns, dass sie sowohl englische, als auch singhalesische Bücher gerne liest.

Ihren Berufswunsch für die Zukunft hegt sie schon ziemlich lange und so möchte Hiruni als Erwachsene gerne hier in Sri Lanka bleiben und als Ärztin arbeiten.

Sie ist ein freundliches Mädchen, das oftmals sehr aufgeschlossen ist und uns meist mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen begegnet, jedoch auch gelegentlich etwas verschlossen und traurig wirkt. Dies vermittelt einem manchmal das Gefühl, dass sie trotz der Anwesenheit ihrer Schwester Saduni im Heim, ihre Familie mehr vermisst als manche der anderen Mädchen, ein Eindruck, der noch verstärkt wird, wenn man sieht, wie sie sich am Besuchstag an ihre Großmutter und ihre Tante anschmiegt. Den Großteil der Zeit wirkt sie jedoch völlig zufrieden und ausgelassen und ist durch ihre charmante Art beim Personal und den anderen Mädchen gleichermaßen beliebt.

 

Entwicklung Hiruni (Juni 2010, geschrieben von Sophie Mörbe und Julia Fischer)

Hiruni Thaleshila FernandoHiruni besucht seit Anfang des Jahres die 6. Klasse einer katholischen Mädchenschule in Marawila. Den Schulwechsel konnte sie sich durch eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung im Dezember verdienen. Zwar besucht ihre bisherige Klassenkameradin Anne auch diese Schule, jedoch sind die beiden leider nicht mehr in derselben Klasse und somit muss Hiruni sich nun alleine durchschlagen. Dies meistert sie jedoch sehr gut und erledigt ihre Hausaufgaben stets selbstständig und gewissenhaft. Auch im Umgang mit ihren Schulsachen ist Hiruni jetzt sehr gewissenhaft. Nur noch selten kommt es vor, dass sie Stifte verliert oder ihre Schulhefte unordentlich aussehen.

Hiruni ist vor wenigen Tagen 11 Jahre alt geworden und wiegt bei einer Körpergröße von 1,28 m nur 20 kg. Sie ist und bleibt ein sehr zierliches Mädchen, welches anscheinend essen kann, was es will, aber trotzdem nicht zunimmt. Hiruni ist ein sehr freundliches und umgängliches Kind, das gerne von alleine auf einen zukommt und einen kleinen Plausch führen möchte. Dabei ist sie stets sehr interessiert an unserem Befinden und macht sich Sorgen, wenn es einem mal nicht so gut geht.

Bei den anderen Mädchen im Heim scheint Hiruni sehr beliebt zu sein. Gerne und bereitwillig hilft sie den Kleinen bei Hausaufgaben und täglichen Pflichten. Die Großen schätzen sie als ausdrucksstarke Tänzerin und gleichberechtigten Partner bei jeder Art von Mannschaftsspielen, wo Hiruni viel Ehrgeiz und Ausdauer beweist. Manchmal geht ihr Kampfgeist jedoch mit ihr durch, was sich dann in unfairem Verhalten und Schmollen äußern kann. Zum Glück hat sie diese Verhaltensweisen in der letzten Zeit jedoch schon ganz gut in den Griff bekommen.

In der Englischnachhilfe mit den Praktikantinnen gibt sich Hiruni stets große Mühe. Leider sind sie und ihre Nachhilfepartnerin Anne jedoch ziemlich faul, was das Lernen und Wiederholen betrifft. Deshalb macht Hiruni nur kleine Fortschritte in Englisch, zumindest in der Grammatik und im Schreiben. Wenn man sich hingegen ganz normal mit ihr unterhält, versteht Hiruni sehr viel und ist auch in der Lage, sich zu verständigen.

Neben der Englischnachhilfe mit den Praktikantinnen, die einmal pro Woche für eine Stunde stattfindet, besucht Hiruni außerdem die 3-stündige Mathematiknachhilfe einer einheimischen Lehrerin an den Samstagen, den ebenfalls 3-stündigen Tanzkurs am Freitag-Nachmittag sowie den Computerunterricht, der am Wochenende für 2 Stunden stattfindet. Und weil ihr all diese Sachen noch nicht ausreichen, hat sie nur auch noch ihr Interesse am Nähkurs angemeldet. Hiruni ist eben vielseitig interessiert und probiert gerne Neues aus.

Im Allgemeinen ist sie ein sehr lebendiges und liebenswürdiges Mädchen, die aus dem Angels Home nicht mehr wegzudenken ist. Wenn Hiruni in Zukunft weiterhin so diszipliniert lernt, hat sie später bestimmt gute Zukunftschancen.

 

Entwicklung Hiruni (Juli 2011, geschrieben von Anika Baumann)

HiruniDie zierliche Hiruni ist mittlerweile 12 Jahre alt. Bei einer Körpergröße von 1,33 m und einem Gewicht von 22 kg ist Hiruni extrem dünn und wirkt fast zerbrechlich, obwohl sie sich das Essen durchaus schmecken lässt. Wer Hirunis Schwester Saduni kennt, weiß jedoch, dass die zierliche Figur offenbar genetisch bedingt ist. Auf den ersten Blick scheint Hiruni etwas zurückhaltend zu sein. Nimmt man sich aber etwas Zeit für sie, fängt sie an, viel zu erzählen und begegnet einem dabei als sehr freundliches, höffliches und geduldiges Mädchen. Sie erledigt ihre Aufgaben gewissenhaft ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen und ist auch so ein unkompliziertes und umgängliches Kind. Sie hat Sinn für Humor und kann auch gut über sich selber lachen, was sie noch sympathischer macht. Kein Wunder also, dass sie bei den Kindern und dem Personal gleichermaßen beliebt ist. Beim morgendlichen und abendlichen Beten im Heim ist Hiruni stets sehr konzentriert, singt und betet laut mit oder liest Bibelpassagen vor.

Hiruni ist ein fleißiges Mädchen, das mit dem Besuch der Mädchenschule eine verhältnismäßig gute Ausbildung bekommt. Durch die verstärkte Förderung, die sie dort erfährt, hat sie sich sehr positiv entwickelt, sodass sie gute Chancen hat, die O-Level-Prüfung nach elf Jahren Schule erfolgreich zu bestehen. Derzeit lernt sie für die kommenden Prüfungen. Insbesondere die anstehende Tanzprüfung ist dabei für sie sehr wichtig, da sie den Wunsch hat, nach ihrem Schulabschluss Tanzlehrerin zu werden. So denkt sie sich momentan einen eigenen Tanz zu einem vorgegeben Lied aus, was neben einem schriftlichen Test die Prüfungsleistung ausmachen wird. Sofern sie beide Prüfungen erfolgreich ablegt, steht ihrem späteren Berufswunsch theoretisch nichts mehr im Wege. Kein Wunder, dass ihr auch die wöchentlichen Tanzstunden im Heim viel Freude bereiten und sie stets mit großem Eifer dabei ist.

Aufgrund ihrer mittlerweile guten schulischen Leistungen und ihrem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein wurde Hiruni vor kurzem zur Teamleiterin für eine Gruppe von sechs Mädchen ernannt. Da auch ältere Mädchen wie Shanika und Dilki im Team sind und sie sich somit gegenüber den Größeren behaupten muss, ist dies keine ganz einfache Aufgabe. Davon hat sich die Zwölfjährige aber nicht abschrecken lassen. Stattdessen stellte Hiruni mir zahlreiche Fragen zu ihren neuen Pflichten und Verantwortlichkeiten. Sie fand sich sogleich gut in die neue Rolle ein, die ihr offensichtlich viel bedeutet. So führt sie sämtliche dazugehörigen Aufgaben, wie die Aufsicht über die Teammitglieder bei der Gartenarbeit oder dem Küchendienst, sehr gewissenhaft aus. Morgens kontrolliert sie stets die Schränke der Anderen, bevor sie sich mit dem Fahrrad auf den Schulweg begibt. Gerade am Anfang war ihre erste Frage am Mittag stets, ob alle Schränke ihrer Teammitglieder ordentlich gewesen sein.

Hiruni_1Trotz ihres Ehrgeizes lässt sich die stets ausgeglichene Hiruni aber von ihrem Problemfach Tamil nicht aus der Ruhe bringen. Sie erklärte mir, dass sie an der alten Schule in erster Linie die einzelnen Wörter gelernt hätte. Nun muss sie aber teilweise ganze Aufsätze schreiben und das Niveau sei somit ein ganz anderes. Verständlicherweise hat sie Probleme, diese Aufgabe zur Zufriedenheit der Lehrerin zu erfüllen. Hiruni nimmt es jedoch mit Humor und konzentriert sich lieber auf Fächer wie Englisch, Mathematik oder Singhalesisch, in denen sie bisher recht gute Ergebnisse erzielte.

Die seit Beginn an bestehende Freundschaft zwischen Hiruni, Anne und Chanchala, die alle schon lange im Angels Home leben, scheint über die Jahre nur noch enger geworden zu sein. Mittlerweile wurde das Dreiergespann durch Kavindiya ergänzt, die vor einem Jahr ins Angels Home kam. So wirken die vier von außen wie ein eingeschworenes Team, das zusammen jede Menge Spaß zu haben scheint. Während einer meiner Heimübernachtungen erzählten mir Hiruni und Chanchala lachend von ihren Streichen im alten Gebäude. Sie scheinen viele gute Erinnerungen an die Erlebnisse im Angels Home zu haben, das für sie offenbar zu einem schönen Zuhause geworden ist.

 

Entwicklung Hiruni (Juli 2012, geschrieben von Julia Fischer)

Hiruni Thaleshila FernandoHiruni ist ein Sonnenschein, der nun schon seit 5,5 Jahren in unserem Angels Home scheint. Mit ihrer offenen, freundlichen und witzigen Art macht sie es auch neuen oder fremden Menschen nicht schwer, sie auf Anhieb zu mögen. Sie kennt die Gepflogenheiten im Heim nur zu gut und ist somit nach wie vor berechtigter Teamleiter einer Gruppe von mittlerweile 10 Mädchen. Zumindest kann sie sich sicher sein, dass nicht noch mehr Gruppenmitglieder hinzu kommen werden, da es insgesamt 6 Gruppen gibt und die Kapazität des Kinderheims bei 60 Kindern liegt. Hiruni übernimmt also schon jetzt die maximale Verantwortung und das, obwohl sie die Jüngste aller 6 Teamleiter ist. Sie macht ihren Job wirklich gut und weiß sich auch gegenüber den älteren Mädchen in ihrer Gruppe durchzusetzen.

Wie auch bei allen anderen Mädchen, die schon sehr lange im Angels Home leben, habe ich mich im Vorfeld zum diesjährigen Statusbericht über Hiruni besonders mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, welche von unserem Personal geführt und gelegentlich vom Jugendamt kontrolliert wird. Sie gibt vor allem Aufschluss über die Familiensituation des Kindes, die sich im Laufe der Jahre erheblich ändern kann.

Hiruni kam Ende 2006 gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Saduni zu uns ins Angels Home, da die Mutter der beiden Mädchen im jungen Alter von 36 Jahren an Krebs gestorben ist. Als wir die beiden damals aufgenommen hatten, sagte man uns, der Vater sei nach dem Tod seiner Frau verschwunden und man könnte ihn nicht auffinden. Etwas später stellte sich heraus, dass er damals einen Job im Ausland angenommen hat und seine beiden Töchter deshalb zu seiner Schwester gegeben hat. Da diese sich aufgrund zweier eigener Kinder sowohl zeitlich als auch finanziell nicht angemessen um die Mädchen kümmern konnte, wurden sie schließlich zu uns gebracht. Nichtsdestotrotz ist die Tante bis heute unsere Hauptansprechpartnerin geblieben und auch verantwortlich für die Zukunft ihrer beiden Nichten. Saduni hat sie bereits im Februar 2011 zu sich genommen, nachdem diese volljährig geworden ist. Mit kleineren Nebenjobs muss die Ältere zum Familienunterhalt beitragen bis sie irgendwann selbst heiraten und eine eigene Familie gründen wird. Bei Hiruni wird dies noch einige Jahre dauern und so lange soll sie auf jeden Fall bei uns im Angels Home bleiben, um verschiedene Ausbildungsangebote wahrzunehmen und auf eine berufliche Zukunft hinzuarbeiten. Die Ferien verbringt Hiruni nach wie vor bei ihrer Tante, wo sie dann gemeinsam mit ihrer älteren Schwester und ihren Cousinen und auch ihrer Großmutter väterlicherseits eine tolle Zeit erlebt. Auch die Besuchstage werden von Hirunis Verwandten fast immer wahr genommen, was für sie selbst natürlich unheimlich wichtig und wertvoll ist. Es ist jedes Mal schön anzusehen, wenn die große Schwester (mittlerweile eine junge Dame) Saduni ins Angels Home kommt, um Hiruni einen Besuch abzustatten. Natürlich wird sie dann auch von den anderen älteren Mädchen im Angels Home umlagert, die früher ihre engsten Freundinnen waren und nun natürlich gespannt sind auf Sadunis Geschichten vom Leben außerhalb des Kinderheims. Hiruni hingegen interessiert das alles herzlich wenig. Sie ist froh, ihre Kindheit im Angels Home noch ein wenig genießen zu können und macht sich noch nicht allzu viele Gedanken um ihre Zukunft.

Zu Hirunis Vater besteht seit einigen Jahren auch wieder ein sporadischer Kontakt. Mittlerweile lebt er gemeinsam mit einer neuen Frau im Norden der Insel und besucht seine Kinder so oft es ihm möglich ist. Er war mehrmals im Ausland, um sich dort mit verschiedenen Jobs über Wasser zu halten. Nun hat er scheinbar in Sri Lanka eine Arbeit gefunden und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Ob es darin irgendwann auch für Hiruni wieder einen festen Platz geben wird, ist noch fraglich, aber das Mädchen macht auch nicht unbedingt den Eindruck als ob sie darauf wartet. Sie scheint sich mit der Situation abgefunden zu haben und genießt ihre Freundschaften und festen Bezugspersonen im Angels Home.

Hiruni Thaleshila FernandoNeben den bereits erwähnten Verwandten hat Hiruni noch eine Großmutter mütterlicherseits, mit der über all die Jahre hinweg ein gelegentlicher, wenn auch schwieriger Kontakt vorhanden war. Die ältere Frau konnte wohl damals nicht verkraften, dass ihre Tochter in einem so früher Alter sterben musste und leidet seitdem unter Depressionen und schizophrenen Verhaltenszügen. Eine Zeit lang wurde der Großmutter sogar durch das Jugendamt der Kontakt zu Hiruni und Saduni untersagt, da sie des Öfteren wirres Zeug redete und den beiden Mädchen Angst machte. So sagte sie Hiruni einmal während eines Besuchs im Angels Home, dass ihre Mutter gar nicht an Krebs gestorben ist, sondern dass ihr Vater sie umgebracht hat. Sie hätte das mit ihren eigenen Augen gesehen und nun würde sie Rache nehmen und Hirunis Vater umbringen, wenn er ihr das nächste Mal unter die Augen tritt. Hiruni kam daraufhin völlig aufgelöst aus dem Garten und erzählte uns alles. Seitdem darf die Oma das Mädchen nur noch unter Aufsicht besuchen und sobald sie Äußerungen dieser Art macht, muss sie das Gelände verlassen. Ich möchte nicht wissen, was genau damals in Hirunis Kopf vor sich ging als ihre Oma diese schrecklichen Dinge sagte, aber auf irgendeine Art und Weise hat das Mädchen die alte Frau trotzdem gern. Sie möchte nicht, dass der Kontakt total unterbunden wird und es scheint ihr wichtig zu sein, auch ein Familienmitglied mütterlicherseits zu haben.

Hirunis schulische Leistungen sind weiterhin auf einem guten Niveau, auch wenn man natürlich merkt, dass der Stoff nun in der 8. Klasse langsam schwieriger wird. Es fällt ihr nicht mehr ganz so leicht wie noch vor ein paar Jahren und gerade in den Zeiten kurz vor den Examensprüfungen hat Hiruni richtig viel zu lernen. Aber ihr Ehrgeiz ist nach wie vor vorhanden und sie gibt sich die allergrößte Mühe, ihre Ergebnisse zu halten.

Noch immer ist Hiruni eine ausgesprochen grazile und begeisterte Tänzerin. Nicht umsonst hat sie vor kurzem den Wettbewerb „Angels Homes next Superstar“ in der Kategorie Tanzen gewonnen, wo sie sogar die älteren Konkurrentinnen wie Dinesha, Rashani und Dilki ausstechen konnte. Hiruni hat ein super Taktgefühl und weiß genau, wie sie ihren Körper zur Musik bewegen muss, auch wenn sie bei einer Größe von 1,41 m nur 25 kg wiegt und somit noch immer sehr dünn ist und leicht zerbrechlich wirkt.

Für viele kleinere Mädchen ist Hiruni eine verantwortungsbewusste und liebevolle große Schwester, die sie sich gern zum Vorbild nehmen und von der sie sich auch etwas sagen lassen. Hiruni ist nie lange nachtragend, wenn mal jemand nicht nach ihrer Pfeife tanzt und schlichtet kleine Streitereien gekonnt mit einem Witz. Außerdem verbringt sie gerne und viel Zeit mit den kleineren Mädchen, deren Anerkennung sie ebenso genießt wie diese Hirunis Zuneigung. Kurzum: Hiruni spielt eine wichtige Rolle im sozialen Beziehungsgeflecht unseres Kinderheims und trägt viel zu einem harmonischen und positiven Alltag bei.

 

Entwicklung Hiruni (September 2013, geschrieben von Julia Fischer)

H wie herzlich

I wie idealistisch

R wie reinlich

U wie umwerfend

N wie neugierig

I wie ideenreich

HiruniHirunis Entwicklung geht weiterhin steil bergauf und sie ist eines der wenigen Mädchen im Angels Home, mit der wir wirklich so gut wie nie Probleme haben und die ihre Sachen einfach gut macht. Vermutlich liegt das u.a. auch daran, dass sie schon so lange bei uns ist und in den fast sieben Jahren mit dem Projekt gewachsen ist und weiß, wie wir einmal angefangen haben.

Hiruni wiegt bei einer Größe von 1,42 m nur 28 kg, was sie noch immer zu einer sehr zierlichen und leichten Person macht. Trotzdem ist sie rundum gesund und klagt – abgesehen von den kürzlich im Angels Home verbreiteten Windpocken – nur selten über irgendwelche gesundheitlichen Probleme oder Krankheiten.

Noch immer kann Hiruni als eine von sechs Gruppenleiterinnen glänzen, wobei sie Verantwortung für sieben Mädchen trägt und darauf achtet, dass die Gruppe ihren Pflichten nachkommt. Dabei findet sie als einzige Gruppenleiterin die richtige Mischung zwischen Dominanz und Gleichberechtigung. So kann sie beispielsweise ganz schön sauer werden und das auch lautstark zum Ausdruck bringen, wenn eines ihrer Gruppenmitglieder die gemeinsamen Aufgaben nicht richtig erledigt. Auf der anderen Seite ist sie jedoch nicht nachtragend und kann ihre Gruppe auch gut motivieren, wenn sie etwas gut gemacht hat. Im Gegensatz zu den anderen Gruppenleiterinnen ist sie auch die einzige, die jeden Montagmorgen ein kleines „Meeting“ mit ihrer Gruppe macht, wo sie dann festlegt, wer in der aktuellen Woche für welche Dienste zuständig ist. Die Idee dazu kam ihr von ganz alleine und in Anbetracht dessen, dass sie mit die jüngste Gruppenleiterin ist, finde ich das schon sehr beeindruckend und da könnten sie die anderen jungen Damen ruhig eine Scheibe abschneiden.Smile

HiruniAuch Hirunis schulische Leistungen sind weiterhin stabil, obwohl der Unterrichtsstoff natürlich zunehmend schwieriger wird. Auch wenn Mathematik nicht gerade ihre Stärke ist, so versucht Hiruni stets am Ball zu bleiben und nimmt regelmäßig an den Nachhilfestunden im Angels Home teil. Ich würde deshalb auch sagen, dass Ehrgeiz eine der besonderen Eigenschaften von Hiruni ist. Wenn sie etwas wirklich möchte, dann klemmt sie sich dahinter und erreicht es oftmals auch. Wir hoffen sehr, dass sie auch noch bis zu ihren O-Level-Prüfungen (in etwas vergleichbar mit dem deutschen Realschulabschluss) im Dezember 2015 so ehrgeizig bleibt, damit sie den Abschluss schafft.

Im Gegensatz zu manch anderen Mädels in ihrem Alter scheint sich Hiruni noch nicht sonderlich für Jungs zu interessieren. Stattdessen widmet sie sich in ihrer Freizeit weiterhin gerne dem Tanzen oder schreibt Gedichte und Geschichten.

Hiruni ist ein liebes Mädchen, das zielstrebig seinen Weg geht und uns Hoffnungen macht, dass sie später ein glückliches und erfolgreiches Leben hat.

 

Entwicklung Hiruni (Oktober 2014, geschrieben von Julia Fischer)

Hiruni Thaleshila FernandoMit ihren 15 Jahren gehört Hiruni zu einem unserer ersten Mädchen, die wir damals im Angels Home for Children aufgenommen haben. Sie lebt nun bereits seit fast 8 Jahren bei uns und man kann behaupten, dass sie sich wirklich zuhause fühlt und auch zu schätzen weiß, unter welchen Bedingungen sie hier aufwächst.

Für die diesjährigen Statusberichte möchte ich bei all unseren ersten Mädchen einen kleinen Rückblick auf die früheren Berichte werfen und die wesentlichen Veränderungen oder Konstanten im Laufe der Jahre hervorheben.

Ein Markenzeichen an unserer Hiruni ist wohl ihr breites, herzerwärmendes Lächeln, mit welchem sie einem stets begegnet. Bereits als kleines Mädchen wurde sie stets als Frohnatur beschrieben, die fast immer gute Laune hat und freundlich durchs Leben geht. Auch heute trifft es diese Beschreibung noch ziemlich gut, auch wenn die Pubertät natürlich auch bei Hiruni etwas mehr Ernsthaftigkeit und Rationalität ins Leben gebracht hat. So erhält man zwar noch immer ein freundliches Lächeln, wenn man ihr begegnet, allerdings kann man auch häufig beobachten, wie sie konzentriert und verbissen über ihren Hausaufgaben sitzt und den Eindruck macht, als wäre ihr gerade überhaupt nicht nach Lächeln zumute.

Denn in schulischen Dingen hat Hiruni wirklich große Mühe, um ihre Leistungen zu halten. Während wir uns anfangs noch häufig über Hirunis liederliche Heftführung und Faulheit geärgert haben, so hat sie sich spätestens mit dem Schulwechsel Anfang 2010 zu einer ehrgeizigen, disziplinierten Schülerin entwickelt, die ihre Schulsachen stets in Ordnung hält und sich täglich ihren Hausaufgaben widmet. Trotzdem sind gute Leistungen für sie keine Leichtigkeit und sie muss kontinuierlich am Ball bleiben. Umso erstaunlicher ist es, dass sie seit Jahren den Ehrgeiz dazu hat und somit in den Schulprüfungen meist mittelmäßige bis gute Ergebnisse erzielt. Zwar wird es für Hiruni definitiv eine Herausforderung, aber wir sind uns alle einig, dass sie im nächsten Jahr eine reale Chance hat, die Abschlussexamen für das sogenannte O-Level (in etwa vergleichbar mit der Mittleren Reife) zu bestehen. Das einzige Fach, welches ihr (wie vielen anderen Mädchen auch) größere Probleme bereitet, ist Mathematik, aber wir hoffen, dass Hiruni hier durch die regelmäßige Nachhilfe noch etwas aufholen kann.

Hirunis größte Leidenschaft ist seit vielen, vielen Jahren das Tanzen und auch in der Schule kann sie damit die beste Leistung erbringen. Wenn Hiruni tanzt, dann tut sie dies mit voller Hingabe und die Freude daran steht ihr ins Gesicht geschrieben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich ihr lang gehegter Berufswunsch, Ärztin zu werden, irgendwann mit der Liebe fürs Tanzen wandelte und sie nun stattdessen lieber Tanzlehrerin werden möchte. Allerdings ist sie dabei auch sehr realistisch und weiß, dass sie dafür überdurchschnittlich gut sein muss.

Abgesehen vom Tanzen hat sich Hirunis Bewegungsdrang von früher in der letzten Zeit ein wenig gemindert und so sitzt sie jetzt häufiger auch mal mit ihrer Freundin Anne am Spielfeldrand, während die anderen Mädchen Volleyball spielen. Ihrer Figur tut dies jedoch keinen Abbruch; mit einer Größe von 1,50 m wiegt Hiruni derzeit 31 kg und gehört damit noch immer zu den zierlichsten Mädchen in unserem Angels Home.

Noch immer hat Hiruni große Vorbildwirkung für die jüngeren Mädchen und wird von diesen als große Schwester sehr gemocht und geachtet. Immerhin hat Hiruni ihre Sachen stets in Ordnung und wird vom Personal regelmäßig für ihr Pflichtbewusstsein gelobt. Nicht umsonst wurde sie bereits mit 12 Jahren zur damals jüngsten Teamleiterin ernannt und führt diesen Posten bis heute verantwortungsvoll aus.

Hiruni Thaleshila FernandoIm Statusbericht von 2009 gab Hiruni an, dass sie sich für das neue Heim einen Computerraum wünscht und dieser Wunsch sollte ihr nicht verwehrt bleiben. Seit 4 Jahren erhält sie nun sporadisch Unterricht und lernt dabei die Grundlagen der Computerarbeit kennen. Mittlerweile schreibt sie regelmäßig mit ihren Pateneltern Emails und weiß, wie man eine Powerpoint-Präsentation erstellt. Im Gegensatz zur ihrem technischen Verständnis war der Nähunterricht, den sie zwischenzeitlich besuchte, nicht ganz nach Hirunis Geschmack.

Während Hiruni als Kind bei Mannschaftsspielen manchmal zu verbissen war und für einen Sieg auch gerne mal mogelte oder sich lautstark mit dem gegnerischen Team herumstritt, so hat sie in den letzten Jahren zunehmend Teamgeist, Fairness und Gelassenheit entwickelt, die sie zu einer beliebten Mitspielerin machen.

Was ihre Englischkenntnisse betrifft, so konnte sich Hiruni in all den Jahren, die sie nun bei uns ist, kontinuierlich verbessern und ihren Wortschatz erweitern. Auch wenn sie zwischenzeitlich in der Englisch-Nachhilfe mit Praktikantinnen mal etwas faul war, so gehört sie mittlerweile zu den wenigen Mädchen, mit denen man sich über jedes beliebige Thema unterhalten kann, auch wenn dabei gelegentlich unbekannte Vokabeln umschrieben werden müssen. Hiruni unterhält sich eigentlich gerne auf Englisch, auch wenn sie zunächst immer eine gewisse Anlaufphase braucht und anfangs etwas schüchtern ist.

Eine Charaktereigenschaft von Hiruni, die sich über all die letzten Jahre zieht und die sie sehr ernst zu nehmen scheint, ist ihre Religiosität. Sie investiert viel Zeit und Ernsthaftigkeit in das tägliche Gebet und nicht selten kann man sie dabei beobachten, wie sie Zitate in der Bibel nachschlägt. Gelegentlich wirkt sie beim Beten auch etwas traurig und ich frage mich dann oft, ob sie wohl für ihre Familienmitglieder betet, wie beispielsweise für ihre große Schwester Saduni, die seit einiger Zeit im Ausland arbeitet und zu der sie deshalb kaum noch Kontakt hat. Was auch immer dann in ihrem Kopf vorgeht, es sind die Momente, in denen mir bewusst wird, dass auch unsere Strahle-Hiruni langsam erwachsen wird und gelegentlich die Ernsthaftigkeit des Lebens erkennt.

 

Entwicklung Hiruni (Oktober 2015, geschrieben von Julia Fischer)

Hiruni Thaleshila Fernando Unser Fliegengewicht Hiruni hat im Vergleich zum letzten Jahr sogar noch einmal ein Kilo abgenommen und wiegt derzeit bei einer Größe von 1,50 m nur 30 kg. Sie ist somit sehr zierlich für ihre 16 Jahre, doch wer sie und ihre ältere Schwester Saduni kennt, die ebenfalls einige Jahre bei uns gelebt hat, der weiß, dass diese Figur durchaus in der Familie liegt und dass die Mädchen deshalb trotzdem vollkommen gesund sind.

Nicht nur körperlich erinnert mich Hiruni sehr oft an ihre Schwester. Auch wenn ich mir heute Fotos aus den ersten Jahren im Angels Home anschaue, wird mir bewusst, wie ähnlich sich die Beiden sind. Während Hiruni früher immer weitaus kürzere Haare hatte, so kommt sie heute mit ihrer Haarpracht fast an die unendlich lange und in die Geschichte des Angels Home eingegangene Mähne von Saduni heran. Und darauf ist sie sichtlich stolz; nicht selten sieht man die junge Dame während ihrer Freizeit im Garten sitzen und sich die Haare kämmen. Dabei wird sie dann vor allem von den jüngeren Mädchen, die bei uns fast alle kurze Haare tragen, neidisch beobachtet.

In der letzten Zeit sieht man Hiruni fast ausschließlich zusammen mit Anne. Die Beiden leben gemeinsam schon von Anfang an im Angels Home und seitdem sie auch noch die einzigen beiden Mädchen sind, die in derselben Klassenstufe des katholischen Mädchen-Convents in Marawila sind, könnte man fast meinen, sie sind unzertrennlich. Momentan bereiten sie sich gemeinsam auf ihre Abschlussprüfungen im Dezember vor und man sieht sie deshalb häufig bis spät abends am großen Küchentisch über ihren Büchern sitzen. Dabei sondern sie sich immer ein wenig von den Mädchen der anderen Schule ab, die sich ebenfalls auf das O-Level (in etwa vergleichbar mit der mittleren Reife) vorbereiten, obwohl sie offensichtlich auch zusammenlernen könnten. Dieses Verhalten haben wir bereits mehrfach an Anne und Hiruni kritisiert und ihnen zu erklären versucht, dass es nicht besonders nett ist, wenn sie sich so absondern. Stattdessen könnten sie sich gegenseitig helfen und indem man anderen etwas erklärt, durchläuft man ja selbst auch einen Lernprozess, der meist viel effektiver ist. Leider hält unser Ratschlag meist nicht lange an und die beiden Convent-Mädels distanzieren sich wieder von den anderen, was wir sehr schade und auch ein wenig enttäuschend finden.

Hiruni gehört zu denjenigen Mädchen, die nun schon am längsten bei uns sind und die Regeln und Abläufe in unserem Angels Home ziemlich genau kennen. Bei all diesen Mädchen habe ich mich für die diesjährigen Statusberichte mal nach ihren Zukunftsvorstellungen erkundigt.

Hiruni hat in letzter Zeit wieder mehr Kontakt zu ihrem Vater, der sie auch häufig im Angels Home besuchen kommt oder anruft, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Ihre Ferien verbringt Hiruni nach wie vor bei seiner Schwester (also ihrer Tante), aber er versucht auch dann, sie so oft wie möglich zu besuchen und Zeit mit ihr zu verbringen.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass in Hiruni seit einiger Zeit der Wunsch wächst, wieder bei ihm leben zu können. Seit einigen Jahren hat er ja nun auch eine neue Partnerin, allerdings ist sehr bezeichnend, dass Hiruni diese bis heute noch nicht kennengelernt hat. Ob ihr Vater das nicht möchte oder ob die Frau kein Interesse an den Kindern aus seiner früheren Ehe hat, das können wir nicht genau sagen. Jedenfalls hofft Hiruni, dass sie in den diesjährigen Weihnachtsferien die Möglichkeit haben wird, ihre Stiefmutter kennenzulernen.

Dabei werden die Ferien in diesem Jahr für Hiruni sowie auch für die anderen O-Level-Girls erst 2 Wochen später beginnen als für die anderen Mädchen. In der Zeit vom 08. bis 17. Dezember schreiben sie ihre Abschlussprüfungen in 9 Unterrichtsfächern, auf deren Ergebnisse wir dann bis ca. März / April warten müssen. Wir hoffen sehr, dass Hiruni noch einmal all ihre Kräfte sammelt und sich gewissenhaft auf die Prüfungen vorbereitet. Denn eines ist ziemlich klar: ein Kinderspiel wird es für sie wohl nicht. Andererseits sind wir uns sicher, dass sie tatsächlich eine Chance hat, wenn sie sich wirklich anstrengt.

Hiruni Thaleshila Fernando Wenn man Hiruni fragt, wie es nach den Prüfungen weitergehen soll und wie ihre Berufswünsche so aussehen, so hält sie noch immer an ihrem Ziel fest, später einmal Tanzlehrerin zu werden. Und wer Hiruni einmal hat tanzen sehen, der weiß auch, dass dieser Wunsch keineswegs abwegig ist. Die junge Dame hat beim Tanzen Rhythmus, Grazie und Audruck wie kein anderes Mädchen, man könnte fast sagen, dass sie nicht einfach nur tanzt, sondern die Musik fühlen kann. Somit ist für Hiruni klar, dass sie bei erfolgreichem Abschluss auf jeden Fall auch noch versuchen möchte, ihr A-Level (in etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur) zu absolvieren. Denn dieses braucht sie, um später Tanz studieren zu können. Und wir würden ihr nichts mehr wünschen, als sich diesen Traum zu erfüllen! Falls Hiruni die Abschlussprüfungen nicht schafft, würde sie gerne einen zweiten Versuch wagen und sich bis dahin die Zeit (bis Dezember 2016) mit verschiedenen Kursen, eventuell auch in unserer Ausbildungsstätte, vertreiben.

Ob sie die Abschlussprüfungen nun schafft oder nicht – Hiruni wäre es am liebsten, wenn sie das Angels Home nächstes Jahr verlassen könnte, um dann bei ihrer Tante oder ihrem Vater leben zu können. Allerdings zweifeln wir momentan noch sehr daran, dass ihr dieser Wunsch erfüllt wird, wenngleich wir nichts dagegen hätten, Hiruni zu ihrer Familie zu entlassen.

Wie es auch immer für Hiruni weitergehen wird; bei uns wird die elfengleiche junge Dame stets einen Platz haben und wir werden versuchen, sie so gut es geht in ihre Zukunft zu begleiten und zu unterstützen.

 

Interview Hiruni (Juli 2016, geschrieben von Julia Fischer)

Hinweis: Genau vor acht Jahren haben wir mit unseren ersten Mädchen im Angels Home begonnen, kleine Interviews durchzuführen und diese für die Statusberichte zu verwenden. Hirunis Interview ist nun ebenfalls schon so lange her und wir dachten, es könnte interessant werden, ihr genau die gleichen Fragen noch einmal zu stellen. Mal sehen, was dabei herauskommt!

1. Was isst du gerne?

Hiruni: Ich esse sehr gerne „Mixed Rice“, also gebratenen Reis mit verschiedenen Gemüsesorten und Hühnchen oder Fisch.

2. Was trinkst du gerne?

Hiruni: Necto ist total lecker, das ist ein pinkes Limonadengetränk in Sri Lanka.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Hiruni: Grün.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Hiruni: Bis Anne hier ausgezogen ist, mochte ich sie am liebsten. Jetzt bin ich sehr gut mit Sodi befreundet.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Hiruni: Ich finde unsere neue Matron Kumari sehr nett.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für 2 Wochen bleiben?

Hiruni: Ich würde nirgendwo lange bleiben, sondern versuchen, so viel wie möglich zu sehen und das Ende der Welt zu finden.

7. Welches Tier magst du?

Hiruni: Kängurus sind toll!

8. Was möchtest du später werden?

Hiruni: Immer noch Tanzlehrerin!

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Hiruni. In unserer Schule finde ich den Spielplatz sehr schön und im Angels Home einfach alles!

10. Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Hiruni: Mein Lieblingsspiel ist Netball und ansonsten höre ich auch sehr gerne Musik.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Hiruni: Das World´s End und den Norden der Insel, wo früher Krieg war.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Hiruni: Piyath, das ist ein singhalesischer Sänger.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Hiruni: Mir ein tolles Auto kaufen und den Führerschein machen.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Hiruni : Ich würde einige der Regeln ändern und zum Abendbrot etwas sehr, sehr leckeres für alle kochen.

15. Welche Musik magst du?

Hiruni: Ich finde Hindi-Musik toll!

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Hiruni: Ich würde ihn fragen, ob er eine Lösung für Frank und Julia hat, damit sie nicht immer so viele Schwierigkeiten haben, ihre Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

Wenn man die Antworten der mittlerweile 17-jährigen Hiruni mit denen von 2008 vergleicht, als sie gerade einmal 8 Jahre alt war, so kann man deutlich einige Unterschiede feststellen. Eines hat sich allerdings nicht geändert und darüber mussten wir beide ein wenig schmunzeln, als wir die Antworten verglichen haben: Noch immer möchte Hiruni ein tolles Auto und später mal ihren Führerschein machen. lächelnd

Hiruni Thaleshila FernandoEnde letzten Jahres legte die Teenagerin die Abschlussprüfungen für das sogenannte O-Level ab, einen Schulabschluss, den man in etwa mit der deutschen Realschule vergleichen kann. Zu unserer Überraschung hat sich Hiruni bei den Examen gar nicht so schlecht geschlagen, wie wir zunächst dachten. Abgesehen von ihrem Feind Mathematik, konnte sie es mit allen anderen Fächern aufnehmen und hat sie bestanden. Nun ist es so, dass Hiruni ab September wieder den Unterricht besuchen wird, um sich auf den nächst höheren Abschluss, das sogenannte A-Level (in etwa vergleichbar mit dem Abitur), vorzubereiten. Zwar muss sie im Dezember zunächst noch einmal die Mathematikprüfung wiederholen und bestehen, aber wir hoffen, dass sie das schafft und sich dann voll und ganz auf den von ihr gewählten singhalesisch-künstlerischen Zweig konzentrieren kann. Somit würde sie ihrem Wunsch, später einmal Tanzlehrerin zu werden, wieder ein kleines Stückchen näher kommen.

In unserem Heimalltag ist Hiruni nach wie vor ein sehr vorbildliches, liebes und freundliches Mädchen, mit dem wir so gut wie nie Probleme haben. Ihren Pflichten kommt sie ordentlich nach und noch immer fungiert sie als eine der 6 Gruppenleiterinnen im Angels Home, wobei ihr die Aufgabe zuteilwird, für 7 andere Mädchen Verantwortung zu übernehmen, damit sie ihre wöchentlichen Pflichten erledigen. Außerdem ist Hiruni derzeit für unser Nesthäkchen Madushani als „große Schwester“ zugeteilt, die der Kleinen beim Aufräumen, Bettenmachen, Wäschewaschen und anderen alltäglichen Dingen unter die Arme greift. Diese Aufgabe erfüllt Hiruni mit sehr viel Zuneigung, Verständnis, aber auch mit der nötigen Strenge, um den kleinen Wirbelwind in die richtigen Bahnen zu lenken.

Mit dem Auszug von Anne Anfang des Jahres ist für Hiruni eine langjährige, enge Freundin weggefallen, die zwar noch regelmäßig zu Besuch ins Heim kommt, mit der sie aber nun nicht mehr täglich über ihre Probleme und Anliegen sprechen kann. Dies fiel Hiruni anfangs sehr schwer, mittlerweile hat sie jedoch in der etwas jüngeren Sodi eine gute Freundin gefunden und so sieht man die Beiden jetzt häufig gemeinsam lernen oder im Garten mit den Hunden herumalbern.

Hiruni Thaleshila FernandoAus Hirunis Wunsch, ab diesem Jahr bei ihrem Vater oder ihrer Tante leben zu können, wird leider doch nichts. Der Vater hat wohl einen neuen Job und aus diesem Grund wenig Zeit, sich angemessen um seine jüngere Tochter zu kümmern. Seine Schwester, also Hirunis Tante, hingegen ist nicht bereit dazu, Hiruni bei sich aufzunehmen, da sie von deren älterer Schwester Saduni so enttäuscht war, nachdem sie diese damals bei sich aufgenommen hatte. Sie hatte sich erhofft, Saduni würde ihr ein wenig im Haushalt helfen und durch eine solide Arbeit etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. Die mittlerweile 23-Jährige suchte sich jedoch relativ schnell einen Job im Ausland und lebt nun schon seit einiger Zeit in Dubai, wo sie als Putzfrau in einem großen Krankenhaus arbeitet. Von dem Geld, welches sie dort verdient, schickt sie jedoch nichts nach Sri Lanka zu ihrer Tante, so wie diese sich das erhofft hat. Nun hat sie wohl Bedenken, dass sie mit Hiruni das gleiche Schicksal ereilen könnte und deshalb lehnt sie es ab, sie bei sich aufzunehmen. Momentan ist Saduni gerade mal in Sri Lanka zu Besuch und verbringt Zeit bei ihrem Vater, aber schon bald möchte sie wieder nach Dubai zurück. Hiruni vermutet, dass sie dort mittlerweile auch einen Freund hat.

Auch wenn Hiruni etwas traurig darüber ist, dass sie nicht bei ihren Angehörigen leben kann, so denken wir, dass es für ihre Zukunft und vor allem für ihren Schulabschluss vielleicht auch besser so ist. Bei uns hat sie die nötige Ruhe zum Lernen und wir hoffen wirklich sehr, dass sie motiviert bei der Sache bleibt! Und wer weiß: vielleicht überrascht sie uns ja alle und geht als erstes Mädchen mit A-Level-Abschluss in die Geschichte des Angels Home ein… lächelndDafür drücken wir ihr alle Daumen!!!

 

Entwicklung Hiruni (Oktober 2017, geschrieben von Julia Fischer)

HiruniSchulisch gesehen ist die kürzlich volljährig gewordene Hiruni der neue Hoffnungsträger im Angels Home, hat sie doch die Chance, als erstes Mädchen das sogenannte A-Level zu schaffen, was man in etwa mit dem deutschen Abitur vergleichen kann. Dafür hat sie hart gekämpft. Als vorher eher durchschnittliche Schülerin hat sie Ende 2015 noch einmal all ihre Energien in die Schule gesteckt und somit die Prüfungen für den ersten Schulabschluss – das O-Level – mit Bravour gemeistert. Lediglich im allseits gefürchteten Fach Mathematik haben ihre Leistungen nicht ganz gereicht. Dennoch machte die Direktorin des katholischen Mädchen-Convents, welches Hiruni seit einigen Jahren besucht, eine Ausnahme und ließ die Teenagerin direkt im Anschluss schon am Unterricht für den nächsthöheren Schulabschluss teilnehmen. Allerdings mit einer Bedingung; Hiruni musste im Dezember 2016 noch einmal die Mathematik-Prüfung belegen und diesmal bestehen, sonst hätte sie nicht weiter am Unterricht teilnehmen dürfen. Mit vielen zusätzlichen privaten Mathe-Nachhilfestunden und sehr viel Ehrgeiz seitens Hiruni hat sie es tatsächlich geschafft und wir waren wahnsinnig stolz auf ihre Leistung. Seitdem hat Hiruni der Lerneifer so richtig gepackt und auch in ihrem Vertiefungsbereich für das A-Level, wo sie nun zum Glück keine Mathematik mehr machen muss, ist sie ständig bestrebt, ihre Leistungen zu verbessern. So fährt sie mittlerweile auch selbstständig jeden Samstagvormittag mit dem öffentlichen Bus ins benachbarte Wennappuwa, wo sie an einer Nachhilfe für Politik teilnimmt. In den letzten Prüfungen Ende Juli konnte sie schon recht gute Ergebnisse erzielen und momentan sind wir sehr zuversichtlich, dass Hiruni eine reale Chance hat, das A-Level zu schaffen. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie – wie nicht anders erwartet – im traditionellen Kandy-Tanz, den sie nun vertiefend belegt.

Nicht nur in schulischen Dingen, sondern auch im Kinderheim-Alltag nimmt Hiruni eine Vorbildrolle ein und geht den anderen Mädchen mit gutem Beispiel voran. Immerhin lebt sie nun schon seit fast 11 Jahren in unserem Angels Home und weiß besser als jedes andere Mädchen, wo´s lang geht. So hilft sie oft dem Personal bei der Beaufsichtigung der jüngeren Mädchen und kann, wenn es darauf ankommt, gemeinsam mit den anderen Ältesten auch mal die ganze Bande alleine unter Kontrolle halten. Aus der kleinen, schüchternen Hiruni von früher, die oft im Schatten ihrer großen Schwester Saduni stand, als diese noch bei uns war, hat sich eine selbstbewusste, gut erzogene junge Dame entwickelt.

Bei einer Größe von 1,52 m wiegt Hiruni zarte 34 kg und ist damit noch immer ein echtes Fliegengewicht. Für ihre große Leidenschaft – das Tanzen – ist dieser Körperbau jedoch von Vorteil und wer die hübsche Teenagerin kennt, weiß auch, dass ihre Zierlichkeit zu ihren Markenzeichen gehört und ihrer Gesundheit keinen Abbruch tut.

Bei unserem Theaterstück im April 2017 hat Hiruni neben der kessen Harisha, die in der Hauptrolle von Frank geglänzt hat, die zweite Geige gespielt und durfte mich spielen. Die beiden jungen Damen mussten dafür eine Menge Text auswendig lernen und außerdem schauspielerisches Talent beweisen. Da die Beiden dies ganz hervorragend gemeistert haben, wurden sie von mir im Juni zu einem Theaterstück nach Colombo eingeladen. Diesen kleinen Ausflug haben beide sehr genossen und auch ich habe mich darüber gefreut, meine Beziehung zu Hiruni dadurch noch einmal zu vertiefen.

HiruniSeitdem ich in Deutschland bin, ist Hiruni mit ihren Computerkenntnissen eine konstante Kontaktperson für mich. Fast jede Woche schreiben wir uns Emails und wenn es zufällig gerade passt, dass wir zur selben Zeit online sind, telefonieren wir auch mal übers Internet. Es ist toll, dass Hiruni die Technik schon so gut beherrscht und mir immer mal den neusten Klatsch und Tratsch aus dem Angels Home berichtet.

Seitdem Hirunis große Schwester aus dem Ausland zurück ist und mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Baby in Colombo lebt, konnten die Beiden ihre Beziehung wieder verbessern. Saduni kommt regelmäßig ins Angels Home zu Besuch und wir alle freuen uns immer sehr, unsere ehemalige Bewohnerin als glückliche Mutter zu sehen. Es ist toll, dass sie nun auch hin und wieder nach ihrer Schwester schaut und ich hoffe, dass die Beiden auch zukünftig ein gutes Verhältnis zueinander haben.

Hiruni ist eines unserer Mädchen, das mich sehr stolz macht und wenn ich mir so ihre Entwicklung betrachte, ist sie doch ein kleiner Beweis dafür, dass Frank und ich auch einiges richtiggemacht haben. Bei ihr bin ich mir sicher, dass auch sie selbst, den Sinn und Zweck dieses Kinderheims verstanden hat und oft auf unserer Seite steht, wenn es darum geht, die vielen Querulanten im Angels Home zur Ordnung zu erziehen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

 

Steckbrief Hiruni (September 2018, geschrieben von Julia Fischer)

Hinweis: In diesem Jahr habe ich mir überlegt, von denjenigen Mädchen, die schon besonders lange bei uns sind, einen kleinen Steckbrief zu erstellen. Die Kategorien hierfür habe ich mir selbst ausgedacht und die Antworten sind nicht allzu ernst zu nehmen. Es handelt sich hier lediglich um meine – ganz subjektive – Einschätzung. Die Mädchen hätten mit Sicherheit ganz anders geantwortet…

  1. Ihr Name und eine Wortgruppe, die sie am besten beschreibt:

Hiruni, fleißiges und diszipliniertes Fliegengewicht, das beim Tanzen alle Blicke auf sich zieht

  1. Wo sie oft anzutreffen ist:

In der letzten Zeit hat man Hiruni fast ausschließlich am Tisch vor der Bibliothek gesehen, wo sie stundenlang vertieft über ihren Schulbüchern saß.

  1. Was sie überhaupt nicht mag:

Wenn jemand schlecht über unser Kinderheim spricht oder Kritik gegen Frank oder mich gerichtet wird. Für Hiruni ist das Angels Home sicherer Hafen und Zuhause, auf das sie nichts kommen lässt.

  1. Worin sie richtig gut ist:

Tanzen, ohne Wenn und Aber. Wenn die zierliche Teenagerin sich zur Musik bewegt, hält man einfach nur den Atem an und staunt über ihren Ausdruck und ihre Eleganz.

  1. Was sie traurig macht:

Dass keiner aus ihrer Familie ihre schulischen Leistungen wirklich zu würdigen weiß.

  1. Ihre größte Konkurrentin im Heim:

Seit dem Auszug der älteren Dinesha, die ebenfalls stets durch gute schulische Leistungen und ein enormes Tanztalent glänzte, kann Hiruni im Angels Home keiner das Wasser reichen.

  1. Wen sie von den anderen Mädchen bewundert:

Ich könnte mir vorstellen, dass Hiruni manchmal einige andere Mädchen für ihren spontanen Humor und ihre Sorglosigkeit bewundert. Sie selbst ist meist sehr ernsthaft und hat in der Vergangenheit oft auf ein unbekümmertes Kind-Sein verzichtet.

  1. Ihre größte Angst:

Umsonst so viel Energie in die Schule gesteckt zu haben und später das Leben einer traditionellen Hausfrau und Mutter zu führen.

  1. Ihre charakterlichen Stärken:

Ehrlichkeit, Fairness, Ehrgeiz

  1. Woran sie noch arbeiten muss:

Kritikfähigkeit, Spontaneität, Selbstsorge

  1. Ihre Lieblingsbeschäftigung im Heim:

Der wöchentliche Tanzunterricht jeden Freitagnachmittag.

  1. Wo ich sie mir in 10 Jahren vorstelle:

Als unabhängige Tanzlehrerin, die mit verschiedenen Kursen bei sich zu Hause oder auch in sozialen Einrichtungen (wozu unser Angels Home gehört) ihr Geld verdient. Ich hoffe, sie ist mit einem gleichberechtigten, gut situierten Mann verheiratet, vielleicht hat sie bereits ihr erstes Kind. Allerdings wird sie dieses so früh wie möglich in einem Kindergarten anmelden und ihre Tanzkurse wieder aufnehmen.

Ich will ganz ehrlich sein: Wenn ich an Hiruni denke, geht mein Herz auf und sie ist vermutlich das Mädchen, zu dem ich in all den Jahren, die ich im Angels Home arbeite, das intensivste Verhältnis aufgebaut habe. Dies liegt nicht nur daran, dass sie seit fast 12 Jahren Teil unseres Kinderheims ist, sondern ich bewundere sie für ihren tollen Charakter und die Entwicklung, die sie bei uns vollzogen hat. Mehr als jedes andere Mädchen verkörpert sie voll und ganz den Sinn und den Erfolg unseres Projekts und manchmal wünsche ich mir, wir könnten ein paar mehr Kinder von Hirunis Sorte bei uns haben.

Hiruni Thaleshila FernandoDeshalb macht es mich natürlich auch ein bisschen traurig, dass dies vermutlich der letzte Statusbericht ist, den ich über die junge Dame verfasse. Im August hat Hiruni die finalen Prüfungen für den höchsten Schulabschluss in Sri Lanka – das sogenannte A-Level – absolviert und nun heißt es Daumen drücken für die Ergebnisse, die voraussichtlich erst im Dezember veröffentlicht werden. Hiruni hat in den letzten 2 Jahren wahnsinnig viel in ihre schulische Entwicklung investiert und für den enormen Ehrgeiz und die Selbstdisziplin, die sie dafür aufgebracht hat, kann man sie nur bewundern. Sie verzichtete auf Vieles – gemeinsame Spiele, Fernsehstunden, Schwimmunterricht und sogar Ausflüge. Für ihr Alter von 19 Jahren, in dem viele singhalesische Frauen noch sehr kindlich und naiv sind, ist das wirklich sehr beachtlich.

Hiruni Thaleshila FernandoNatürlich wäre es klasse, wenn Hiruni den Schulabschluss tatsächlich besteht und vielleicht sogar so gute Ergebnisse bekommt, dass sie zur Universität nach Colombo gehen kann. Allerdings habe ich ihr auch gesagt, dass es eigentlich fast egal ist, denn ihren eisernen Willen hat sie ohnehin bewiesen und das ist das größte Geschenk, das sie uns machen konnte. Als Anerkennung dafür werde ich im Dezember gemeinsam mit Hiruni und Chethana (die ebenfalls volljährig ist und täglich freiwillig in unserer Küche mithilft) zum heiligen Adams Peak fahren. Diesen Berg sollte jeder Einwohner Sri Lankas einmal in seinem Leben erklommen haben und viele Frauen haben leider niemals die Chance dazu. Die beiden Mädels freuen sich schon riesig auf unseren gemeinsamen Ausflug und ich bin gespannt, wie wir den Aufstieg meistern werden.

Bei Hiruni bin ich mir ziemlich sicher, dass sie den Kontakt zu uns stets aufrechterhalten wird. Sie sieht in Frank und mir tatsächlich einen Eltern-Ersatz und ist oft zu Tränen gerührt, wenn ein Abschied auf längere Zeit ansteht. So wird sicherlich auch kein Auge trocken bleiben, wenn Hiruni uns bald verlässt, aber das Wichtigste ist, dass sie weiß, dass sie immer auf unsere Hilfe und Unterstützung zählen kann. Sie ist eine unglaubliche kleine Lady und es wäre mir eine große Freude, wenn ich ihr irgendwann auch mal meine Heimat zeigen könnte.

 

Auszug (August 2018)

Bereits nach ihren Prüfungen im August ist Hiruni vorerst zu ihrer Tante gegangen, um ein wenig abzuschalten vom Schul- und Heimalltag. Im Dezember haben wir ihre Ergebnisse für den höheren Schulabschluss, das sogenannte A-Level, bekommen. Immerhin hat sie es geschafft und alle Fächer bestanden, was an sich schon eine wirklich tolle Leistung ist, auf die sie sehr stolz sein kann! Allerdings sind die Ergebnisse im Einzelnen nicht besonders gut, weshalb sie damit keine Chance auf einen Universitätsplatz hat. Deshalb hat sich Hiruni entschieden, die Prüfungen im August 2019 freiwillig zu wiederholen und noch einmal ihr Glück zu versuchen. Da sie bis dahin jedoch nicht mehr zur Schule gehen muss, hat sie sich entschieden, zukünftig bei ihrer Tante zu leben und sich nebenbei bereits mit Tanzunterricht, den sie für kleine Mädchen gibt, etwas dazu zu verdienen. Dies ist sicher keine schlechte Idee und ein kleiner Schritt in Richtung Endziel – nämlich professionelle Tanzlehrerin zu werden. Hiruni kommt uns regelmäßig besuchen. Wir sind sehr stolz auf ihre Entwicklung und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute!

 

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