Supipi Sanduni Kumari


Supipi Sanduni KumariAm 25. Januar 2012 bekamen wir erneuten Zuwachs im Angels Home for Children. Diesmal von der kleinen Supipi Sanduni Kumari, die zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme 5 Jahre alt ist und am 26. März ihren 6. Geburtstag feiern wird. Supipi stammt aus der Gegend um Dankotuwa und wurde nach buddhistischem Glauben erzogen.

Seitdem Supipi s Vater die kleine Familie vor einiger Zeit verlassen hat, muss die Mutter selbst für den Lebensunterhalt von sich und ihrer Tochter sorgen. Um einem geregelten Job nachzugehen, entschied sie sich, gemeinsam mit Supipi in die Arbeiterunterkünfte einer Ziegelfabrik zu ziehen. Dort war das Mädchen während der Arbeitszeiten der Mutter jedoch größtenteils allein und musste sich mit sich selbst beschäftigen. Auch eine Schule bzw. einen Kindergarten hat Supipi nicht besucht, weshalb sie noch einige Entwicklungsrückstände aufweist. Nachdem das Jugendamt auf die Lebenssituation des Mädchens aufmerksam wurde, haben sie sich schnellstens dafür eingesetzt, dass Supipi bei uns untergebracht wird.

Die Kleine wurde mit einer Hasenscharte geboren, an der sie bereits operiert wurde. Da der Eingriff jedoch nicht ganz erfolgreich verlaufen ist, steht in naher Zukunft eine weitere Operation an. Die Mutter von Supipi hat zugesagt, uns während des Krankenhausaufenthaltes ihrer Tochter zur Seite zu stehen, um zumindest die Ganztagsbetreuung abzudecken.

Seit ca. 2 Wochen besucht Supipi gemeinsam mit 4 anderen Mädchen aus dem Angels Home die 1. Klasse der Schule in Mudukatuwa. Zwar fällt es ihr noch sehr schwer, sich zu konzentrieren, aber der Schulbesuch trägt dazu bei, dass sie sich relativ schnell in den Heimalltag integriert hat. Ihre anfangs sehr temperamentvolle und fordernde Art lernt Supipi nun langsam zu zügeln und sie genießt es sehr, im Angels Home for Children mit Mädchen in ihrem Alter spielen und Kind sein zu dürfen.

Auch für Supipi haben wir bereits eine Kinderpatenschaft vermittelt.

 

Die Entwicklung von Supipi im Jahr: 2013, 2014, 2015, 2016

 

Interview Supipi (Juli 2012, geschrieben von Snjezana Maljuric)

Hinweis: Auch bei den diesjährigen Statusberichten sollte unser Interview wieder zum Einsatz kommen. Diesmal bei all denjenigen Mädchen, denen die Fragen zu ihren Vorlieben und Eigenschaften in der Vergangenheit noch gar nicht gestellt wurden. Außerdem haben wir das Interview für die Mädchen genutzt, die erst seit diesem Jahr im Angels Home leben und bei denen es noch schwierig ist, einen umfangreichen Entwicklungsbericht zu schreiben. Nichtsdestotrotz haben sich die Praktikantinnen Inga, Snjezana und Marie größte Mühe gegeben, zu jedem Mädchen zumindest einen kurzen Text mit ihren persönlichen Einschätzungen zu verfassen.

1. Was isst du gerne?

Supipi: Ich esse gerne Schokolade.

2. Was trinkst du gerne?

Supipi: Mein Lieblingsgetränk ist Orangensaft.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Supipi: Rot ist sehr schön.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Supipi: Chanchala.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Supipi: Catherine.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Supipi: Ich würde nach Deutschland fliegen.

7. Welches Tier magst du?

Supipi: Ich mag Raben.

8. Was möchtest du später werden?

Supipi: Ich möchte Tanzlehrerin werden.

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Supipi: In der Schule mag ich das Lesen, und im Angels Home finde ich das Tanzen auf den Geburtstagspartys sehr lustig.

10. Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Supipi: In meiner Freizeit tanze ich gerne und spiele im Garten.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Supipi: Ich würde gerne einmal nach Colombo fahren.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Supipi: Weiß ich nicht.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Supipi: Wenn ich viel Geld hätte, würde ich meiner Mutter ein Haus bauen.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Supipi: Mehr Blumen im Garten.

15. Welche Musik magst du?

Supipi: Ich mag Hindi Musik.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Supipi: Ich würde ihn fragen: „Wie heißt du?“

Supipi Sanduni KumariSupipi ist ein gesundes sechsjähriges Mädchen, das sich im Angels Home gut eingelebt hat. Mit ihrer Größe von 109 cm und dem Gewicht von 18 kg ist sie für ihr Alter körperlich normal entwickelt.

Gemeinsam mit Salani, Vindiya, Sandiya, Sajani und Sashini besucht Supipi die erste Klasse der nahegelegenen öffentlichen Schule in Mudukatuwa. Sie geht gerne zur Schule, benötigt aber, wie die meisten Kinder ihres Alters, sehr viel Unterstützung bei den Hausaufgaben. So muss ihr teilweise die Hand geführt werden, damit sie die singhalesischen Buchstaben korrekt nachzeichnet. Zudem hat sie noch eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne.

In der Englisch-Nachhilfe fällt es Supipi oftmals noch sehr schwer, sich zu konzentrieren und leise zu sein. Sie lässt die anderen Kinder nicht aussprechen und platzt sofort heraus, wenn sie etwas weiß. Ist sie aber gewillt sich zu konzentrieren (z.B. durch die Aussicht auf eine kleine Belohnung), stellt sie unter Beweis, dass sie in ihrer Nachhilfegruppe das leistungsstärkste Mädchen ist: Sie ist im Aufsagen und Schreiben vieler Buchstaben schon sehr gefestigt und kann bereits recht sicher bis 20 zählen. Vielleicht sollte in Zukunft vermehrt mit einem Belohnungssystem (z.B. Sticker) gearbeitet werden und diese Belohnungen kontinuierlich ausgeblendet werden.

Supipi ist ein sehr offenes Mädchen und kommt auch mit den Praktikantinnen leicht in Kontakt. Sie ist eine begeisterte Tänzerin. Egal, ob bei den einmal im Monat stattfindenden Geburtstagsfeiern im Angels Home oder zu irgendeiner anderen Gelegenheit: Supipi ist mit Sicherheit eines der ersten Mädchen auf der Tanzfläche. Mit ihrer wirklich überraschend guten Körperbeherrschung, ihren bemerkenswerten Tanzschritten und ihrer offensichtlichen Begeisterung, könnte man ihr stundenlang zusehen, wenn sie am „Abrocken“ ist.

Supipi Sanduni KumariEine Schwierigkeit im Umgang mit Supipi ist weiterhin ihr Temperament. Teilweise zeigt sie sehr aggressive Verhaltensweisen: So verdreht sie sowohl Praktikantinnen als auch anderen Kindern die Finger oder haut ihnen ein Schulheft auf den Kopf. Natürlich sind ihre Kräfte mit sechs Jahren noch nicht so groß, dass sie jemanden ernsthaft verletzten könnte, doch wird dies nicht immer so bleiben und es ist unabdingbar, dass man im Umgang mit ihr sehr konsequent vorgeht.

In ihrer Freizeit spielt sie gerne mit den anderen kleinen Mädchen und backt mit Begeisterung Sandkuchen oder rührt, nicht unbedingt appetitlich aussehende, Substanzen in halben Kokosnüssen zusammen.

Durch ihre noch nicht zufriedenstellend korrigierte Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte weist sie zum Glück keinerlei Artikulationsprobleme auf und die Aussprache der Laute, sowohl im Singhalesischen als auch im Englischen, ist nicht beeinträchtigt. Das einzige Problem, das spätestens im Teenageralter durch ihre ehemalige Hasenscharte entstehen könnte, wäre ein kosmetisches. Deshalb wird im Moment nach einem geeigneten Spezialisten zur Durchführung einer erneuten korrigierenden Operation gesucht.

 

Entwicklung Supipi (September 2013, geschrieben von Lisa Völkel)

SupipiSupipi ist jetzt 7 Jahre alt und geht gemeinsam mit 5 anderen Mädchen aus dem Angels Home in die zweite Klasse der örtlichen Schule in Mudukatuwa. Sie ist eine recht gute Schülerin, auch wenn uns die Ergebnisse der letzten Examen nicht vorliegen, da Supipi aufgrund einer Windpocken-Erkrankung nicht daran teilnehmen konnte.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist Supipi ganze 8 cm gewachsen und hat nun eine Größe von 1,17 m. Dabei hat sie jedoch nur ein halbes Kilo zugenommen und wiegt nun 18,5 kg. Trotzdem ist sie nicht zu dünn, sondern körperlich völlig normal entwickelt.

Supipi erfreut sich bester Gesundheit und ist ein sehr sportliches Mädchen. Das einzige medizinische Problem, was leider noch immer nicht aus der Welt ist, ist Supipis Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Daran trägt ihre Mutter die Schuld, da sie viele Arztbesuche, die sie uns gegenüber versprochen hat, einfach nicht wahrgenommen hat. Unseren Vorschlag, Supipi im Krankenhaus von Marawila behandeln zu lassen, hat sie stets abgelehnt. Sie wollte sich selbst darum kümmern und den Arzt in Kurunagala aufsuchen, der bei Supipi schon die erste Operation durchgeführt hat. Mittlerweile war sich auch bereits einmal dort und es hat sich herausgestellt, dass rein kosmetisch nicht mehr viel an Supipis Mund gemacht werden kann. Das heißt, vom Aussehen her wird sich für sie künftig nicht viel verändern. Jedoch hat sie im Gaumen wohl noch ein kleines Loch, welches man mit einem einfachen Eingriff schließen könnte, sodass Supipi nicht mehr so oft Flüssigkeit aus Mund und Nase laufen würde. Allerdings sei das Loch wohl in den letzten Monaten von selbst kleiner geworden, sodass der Arzt vorgeschlagen hat, noch etwas abzuwarten, ob es eventuell ganz zuwächst. Dann könnte man auf den Eingriff verzichten. Nächsten Monat werden wir Supipi noch einmal mit ihrer Mutter zum Arzt schicken, um den aktuellen Stand feststellen zu lassen.

Supipi ist ein Sonnenschein, dem nur selten Regenwolken das Gemüt verhageln. Ausgelassen tobt sie mit den anderen Kindern ihres Alters durch das Angels Home und ist bei allen Sachen mit vollem Einsatz und ganzer Energie dabei. Ihr Temperament hat sie inzwischen schon viel besser im Griff und selten kann man beobachten, dass Streitereien von ihr ausgehen (was nicht immer bedeutet, dass sie nicht mit drin steckt).

Da Supipi nun mal ein kleiner Wirbelwind ist, kann es manchmal morgens beim Anziehen ganz schön schwer sein, sie an Ort und Stelle zu behalten. Sobald man sich umdreht, saust sie mit einer Mission von dannen, die selten etwas mit Sockenanziehen oder Krawatte-Richten zu tun hat. Oft findet man sie jedoch dann bei einem anderen Mädchen, dem sie gerade hilft.

Bei kreativen Arbeiten ist Supipi, so wie bei ziemlich allen Sachen, mit Feuereifer dabei und gerne malt sie ohne Hemmungen drauf los, was schön zu beobachten ist.

SupipiSupipi erledigt ihre Pflichten im Angels Home etwas geflissentlicher als ihre Altersgenossen und auch wenn man sie mal ermahnen und erinnern muss, dass die Spielzeit noch nicht angefangen hat, so fällt es ihr doch leichter, ihren Aufgaben nachzukommen.

Zu ihrer Mutter hat Supipi ein recht gutes Verhältnis. Diese ist an Besuchertagen und zu Beginn der Ferien oft die Erste, die am Tor des Angels Home steht. Supipi freut sich jedesmal sehr, sie zu sehen oder mit ihr die Ferien zu verbringen.

Mit ihrer offenen Art macht Supipi es einem sehr einfach, sie zu mögen. Besonders für Scherze ist sie gerne zu haben und manchmal kann sie ein ganz schöner Lausbub sein.

Ihre Englischkenntnisse haben sich im vergangenen Jahr schon sehr verbessert und sie kann zumeist zu verstehen geben, was sie möchte, meistens indem sie zuerst quer über das gesamte Gelände nach einem ruft.Smile

 

 

Entwicklung Supipi (Oktober 2014, geschrieben von Alicia Pieper)

Supipi Sanduni KumariUnser Wirbelwind Supipi ist nach wie vor überall und nirgendwo. Wo es etwas zu erledigen gibt, da ist Supipi nicht weit. Man sieht sie durchgehend in Aktion.

Mit ihren 8 Jahren ist Supipi schon ziemlich verantwortungsbewusst, da sie sich viele Dinge zur eigenen Aufgabe macht. So kann man sie z.B. immer noch oft dabei beobachten, wie sie morgens, während alle anderen sich für die Schule fertig machen, hin und her flitzt, herumliegende Kleidung zusammenräumt, jemandem einen Kamm bringt oder sonst etwas erledigt. In diesem Zusammenhang ist es oft süß zu beobachten, mit welcher Ernsthaftigkeit und mit welchem Enthusiasmus sie dies macht. Bei Supipi macht sich darüber hinaus vermehrt bemerkbar, dass sie im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Freundinnen selten bei ihren Aufgaben herumtrödelt.

Weiterhin ist die kleine Supipi wirklich fürsorglich. Wenn sie mal nicht die anderen Kinder auf dem Hof bekocht (mit Sand, Blättern und Steinen), dann hilft sie auch gerne, wenn man sich beispielsweise mal eine kleine Wunde am Fuß zugezogen hat und läuft sofort zu Tante Champa, die sich um sämtliche Wunden und Krankheiten im Heim kümmert. Dann erklärt sie ihr mit einem sorgenvollen Gesicht, was passiert ist und wartet mit dem Spielen so lange, bis man versorgt ist. Mit den anderen kleineren Mädchen geht sie genauso fürsorglich um, wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass Supipi dabei durchaus ziemlich grob sein kann. Sie hat noch kein Feingefühl im Umgang mit den Kleineren, sodass sie z.B. die kleine Bodika manchmal zu feste oder gar gegen ihren Willen anpackt. Auch wenn es um Ballspiele geht, wirft Supipi ihren Gegenspielerinnen den Ball oft so fest zu, dass diese ihn fast gar nicht fangen können. Nach genauerer Beobachtung würde ich sagen, dass sie es absichtlich macht, um anderen Kindern ihre Kraft und somit Überlegenheit zu präsentieren.

Nach Meinung unserer Matron kann Supipi anders denken als manch andere gleichaltrige Mädchen. Dies bestätigte sich sofort nach der ersten Englisch-Stunde, die ich mit ihr verbrachte. Denn sie war beim Farbenlernen z.B. die Einzige, die sich die Farben mitsamt der singhalesischen Übersetzung ins Heft schrieb. Auf die Idee sind die anderen gar nicht erst gekommen. Man merkt schnell, dass sie gerne und gut lernt und somit gute Fortschritte in Englisch machen kann. Auch was die übrigen schulischen Leistungen betrifft, so ist Supipi nicht dumm und kann im Gegensatz zu ihren Klassenkameradinnen überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Bei den letzten Schulprüfungen im August hat Supipi sich allerdings nicht besonders angestrengt und sich somit im Durchschnitt um ca. 30 Punkte verschlechtert. Da waren wir natürlich nicht sehr erfreut, allerdings sind wir uns auch ziemlich sicher, dass dies ein Ausrutscher von Supipi war und sie beim nächsten Mal wieder besser sein wird.

Supipi Sanduni KumariObwohl Supipi sich oft andere Dinge im Heim zur Aufgabe macht, die sie eigentlich gar nicht betreffen, ist sie von den anfallenden Pflichten im Angels Home zurzeit nicht so begeistert. Viel lieber will sie spielen, statt Gartenarbeit zu machen und auch die Ordnung in ihrem Kleider- und Schulschrank hält sie in den seltensten Fällen ein.

Ansonsten ist Supipi mit ihrer Größe von 1,21 m und einem Gewicht von 25 kg ein sehr gut entwickeltes und gesundes, freundliches Kind, das merklich Spaß am Leben hat und dessen herzhaftes Lachen man häufig über das gesamte Grundstück hören kann. Wir hoffen, dass Supipi so bleibt, wie sie ist und dass sie weiterhin ihren frischen Wind ins Heim zaubert.

 

Entwicklung Supipi (August 2015, geschrieben von Simone Lauber und Julia Fischer)

Supipi Sanduni KumariSupipi ist in der Schar von Kinderköpfen noch immer schwer zu übersehen und zu überhören. Ihre raue laute Stimme, mit der sie gerne über den ganzen Hof deinen Namen ruft, ihre unverwechselbaren Grimassen, mit denen sie dir stets ein Lachen entlocken kann, ihre lebhafte Art – sie hat nichts an Begeisterungsfreude eingebüßt und genau das macht sie zu diesem Unikat, das sich nicht nur schnell in deinem Gedächtnis, sondern auch in deinem Herzen einen Platz sucht. Supipi ist ohne Zweifel ein extrovertiertes, offenes Mädchen, das weiß, sich in Szene zu setzen. So liebt sie dramatische Auftritte. Nicht selten schleift sie sich als letztes Kind einer Mädchenschar von der Schule nach Hause, um dann mit verdrehten Augen vor dir auf die Knie sinkend, laut stöhnend ein sterbendes Mädchen zum Besten zu geben. Oder sie führt ihrem staunenden Publikum aus dem Stehgreif eine Tanz- und Gesangsperformanz vor. Manchmal animiert sie dann auch ein paar der anderen Mädchen zum Mitsingen und es untermalen muntere Kindergesänge das alltägliche Treiben im Angels Home.

Wie auch bei den Statusberichten in den vergangenen Jahren habe ich mich bei denjenigen Mädchen, die schon länger bei uns im Angels Home leben, vordergründig mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, um die Familiengeschichte und deren Veränderungen ein wenig zu beleuchten.

Supipis Mutter ist mittlerweile über 50 Jahre alt und hat das Mädchen damals noch als „Nachzügler“ bekommen. Als wir sie bei uns aufgenommen haben, sagte die Mutter uns, dass der Vater von Supipi sie verlassen habe und dass sie nun allein für sie sorgen müsse, was in der Unterkunft einer Ziegelfabrik sehr schwierig und auch unsicher für das Mädchen sei. Was die Unterbringung betraf, hatte Supipis Mutter vollkommen Recht. Allerdings waren die Angaben zu ihrem Eheleben nicht ganz vollständig. So ist der Mann, der sie verlassen hat, gar nicht Supipis leiblicher Vater, sondern lediglich der von ihren beiden vorherigen Kindern, die beide bereits erwachsen sind. Als der Mann damals wusste, dass seine Tochter und sein Sohn „aus dem Gröbsten raus“ sind, hat er seine Frau verlassen, woraufhin diese schon bald eine Affäre mit einem anderen Mann begann, der in der Nähe ihrer damaligen Arbeitsstelle einen kleinen Laden hatte. Dort besuchte sie ihn regelmäßig nach der Arbeit und es dauerte nicht lange, bis sie mit Supipi schwanger war, obwohl sie in dem Alter eigentlich gar keine Kinder mehr plante.

Trotz ihres oftmals sehr naiven und vorlauten Auftretens, ist Supipis Mutter nicht auf den Kopf und schon gar nicht auf den Mund gefallen. So suchte sie sich damals eine ihren Umständen entsprechende, körperlich etwas leichtere Arbeit, die sie auch während der Schwangerschaft ausüben konnte. So bewarb sie sich als Haushälterin wissentlich bei einem wohlhabenden, jungen Ehepaar, das selbst keine Kinder bekommen konnte. Ganz „beiläufig“ berichtete sie ihren neuen Arbeitgebern von der ungewollten Schwangerschaft und schon bald ergab sich der Plan, das erwartete Kind den Eheleuten zu überlassen. Dafür durfte Supipis Mutter während der Schwangerschaft ein ruhiges Leben genießen. Sie bekam ausgewogene Mahlzeiten, ein bequemes Bett und je dicker ihr Bauch wurde, umso weniger häusliche Aufgaben musste sie erledigen. Schließlich wollte das junge Paar, dass ihr zukünftiges Kind gesund zur Welt kommt und es sollte ihm schon im Mutterleib an nichts fehlen.

Dass Supipis Mutter das Kind niemals abgeben wollte, sondern einfach nur eine Bleibe für die Zeit der Schwangerschaft gesucht hat, stellte sich schon bald nach der Entbindung heraus. So suchte sie sich mit ihrer kleinen Tochter wieder eine neue Bleibe und wollte dem Ehepaar gegenüber nichts mehr von ihrer Abmachung wissen. Da das Leben in Sri Lanka als alleinerziehende Mutter schon schwer genug ist und sie von Supipis Vater, der selbst verheiratet war und Kinder hatte, keine gemeinsame Zukunft erwarten konnte, meldete sie den Mann kurzerhand beim Gericht als Vater ihres Kindes an. Seither muss dieser monatlich einen bestimmten Beitrag auf ein Sparkonto für Supipi einzahlen und dieses Geld soll dem Mädchen später, wenn sie volljährig ist, als Startkapital für ein eigenes Leben zur Verfügung stehen.

Momentan lebt Supipis Mutter nicht mehr in der Ziegelfabrik, sondern in der Nähe von Kurunagala, wo auch ihre beiden erwachsenen Kinder leben, die sich um sie kümmern. (Supipis ältere Schwester ist beispielsweise selbst bereits verheiratet und hat ein Kind.) Sie hat angefangen, ein Haus zu bauen und redet auch häufig davon, Supipi wieder zu sich nehmen zu wollen. Allerdings ist die Gegend nicht gerade sehr sicher, beispielsweise gibt es wohl häufig nächtliche Angriffe von Elefanten und außerdem sei auch keine gute Schule für Supipi in der Nähe, weshalb das Jugendamt eher dafür plädiert, Supipi weiterhin bei uns zu lassen. Auch das Mädchen selbst möchte lieber im Angels Home bleiben, als zurück zu ihrer Mutter zu gehen und solange das der Fall ist, wird Supipi auf jeden Fall bei uns bleiben.

Zumindest muss man Supipis Mutter lassen, dass sie es im vergangenen Jahr endlich geschafft hat, den noch ausstehenden Eingriff an Supipis Kiefer-Gaumen-Spalte vornehmen zu lassen. Rein chirurgisch ist diesbezüglich nun alles in Ordnung und sie hat auch keine Probleme mehr mit unkontrolliertem Nasensekret. Ob Supipi später, wenn sie älter ist, kosmetisch noch etwas verbessern lassen möchte, soll sie für sich selbst entscheiden, wenn der Zeitpunkt soweit ist. Solange sie noch bei uns ist, möchten wir ihr jedoch keine zusätzlichen Operationen mehr zumuten.

Supipi ist aktuell 1,26 m groß und wiegt 23 kg. Somit hat sie im Vergleich zum letzten Jahr 2 kg abgenommen, obwohl sie 5 cm gewachsen ist. Dies tut ihrer Gesundheit jedoch keinen Abbruch, denn Supipi gehört zu denjenigen Mädchen im Heim, die relativ selten krank sind oder über kleine Wehwehchen klagen.

Supipi Sanduni KumariMit ihren 9 Jahren ist sie schon ein außerordentlich pflichtbewusstes und fürsorgliches Kind. Sie achtet gut auf ihre Sachen, seien es ihre Schulbücher oder Kleider, sodass sie morgens oft eine der Ersten ist, die von Kopf bis Fuß abmarschfertig zur Schule bereit steht. Ein freudiger Anblick ist unsere Supipi dann mit ihrem zurechtgekämmten Kurzhaarschnitt, den kleinen Spangen in ihren Haaren, ihrer sauberen und gut sitzenden Uniform, doch immer eine schelmische Grimasse auf den Lippen.

In der Englischnachhilfe tritt ihre aufmerksame und genaue Ader zum Vorschein. Mit großer Mühe fügt sie in schöner Schrift sorgfältig englische Buchstaben zu Worten zusammen und fragt nach, um Fehler zu vermeiden. Sie lernt recht schnell, wenn sie will, erinnert sich an die Gemüsesorten der letzten Stunde und spricht begeistert den Wortlaut nach. Ihre Englischkenntnisse sind ausreichend, um sich meist gut auszudrücken und sie versteht viel von dem, was man von ihr möchte, auch wenn sie es nicht immer gleich in die Tat umsetzt.

Supipi ist ein einfallsreiches und freches Mädchen. Selbstbewusst stellt sie sich vor dich hin und erfindet munter deinen neuen lustigen Spitznamen, der sich in Windeseile unter den anderen Mädchen verbreitet. Gekonnt platziert sie in deinem Englischunterricht einen Schummelzettel am Tisch, wenn sie dazu aufgerufen wird, an der Tafel etwas aufzuschreiben. Sie ist ein taffes Mädchen, manchmal möge man auch sagen; ein kleines Schlitzohr. Doch wenn Supipi dann ihr Gesicht in tiefe Falten legt, sich ihre Mundwinkel verziehen und verzerren, ihre Augen herauszuspringen drohen und sie lauthals lacht, kann man ihr einfach nicht lange böse sein.

 

Auszug (Januar 2016)

Nachdem Supipi ihre Weihnachtsferien wieder mit ihrer Mutter verbracht hat, eröffneten uns die Beiden Anfang des Jahres, dass Supipi unser Angels Home nun doch gerne verlassen möchte, um wieder bei ihrer Mutter zu leben. Diese konnte mittlerweile ihren Hausbau fertigstellen und hat in der Nähe nun auch eine passende Schule für Supipi gefunden. Da auch das Jugendamt seine Zustimmung zu dieser Entscheidung gegeben hat, haben wir uns im Januar von dem temperamentvollen Mädchen verabschiedet und wünschen ihr von Herzen alles Gute!

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