Ayesha Maduwanthi


Ayesha MaduwanthiMit der 14-jährigen Ayesha Maduwanthi bekamen wir am Abend des 13.11.2011 erneuten Zuwachs von der kleinen Familie aus Karuwalagaswewa, deren Haus von Elefanten zerstört wurde. Ayesha ist die zweitälteste Tochter der Familie und wurde am 29.07.1997 geboren. Zunächst sollten nur die drei jüngeren Schwestern im Angels Home untergebracht werden und Ayesha sollte bei der Großmutter leben. Noch am selben Tag stellte sich jedoch heraus, dass diese mit der Versorgung des Teenagers überfordert wäre, da sie kaum für sich selbst sorgen kann. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, auch Ayesha bei uns aufzunehmen. Sie ist ein sehr aufgewecktes junges Mädchen und hat schnell Anschluss bei unseren anderen „Teenies“ gefunden. Ayesha wird ebenfalls durch eine Kinderpatenschaft unterstützt.

Die Entwicklung von Ayesha im Jahr: 2013, 2014, 2015, 2016

 

Interview Ayesha (August 2012, geschrieben von Snjezana Maljuric)

Hinweis: Auch bei den diesjährigen Statusberichten sollte unser Interview wieder zum Einsatz kommen. Diesmal bei all denjenigen Mädchen, denen die Fragen zu ihren Vorlieben und Eigenschaften in der Vergangenheit noch gar nicht gestellt wurden. Außerdem haben wir das Interview für die Mädchen genutzt, die erst seit diesem Jahr im Angels Home leben und bei denen es noch schwierig ist, einen umfangreichen Entwicklungsbericht zu schreiben. Nichtsdestotrotz haben sich die Praktikantinnen Inga, Snjezana und Marie größte Mühe gegeben, zu jedem Mädchen zumindest einen kurzen Text mit ihren persönlichen Einschätzungen zu verfassen.

1. Was isst du gerne?

Ayesha: Schokolade esse ich gerne.

2. Was trinkst du gerne?

Ayesha: Coca Cola ist mein Lieblingsgetränk.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Ayesha: Grün ist sehr schön.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Ayesha: Dilini.

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Ayesha: Catherine.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Ayesha: Ich würde gerne einmal nach Deutschland fliegen.

7. Welches Tier magst du?

Ayesha:  Meine Lieblingstiere sind Papageien.

8. Was möchtest du später werden?

Ayesha: Ich möchte Lehrerin werden.

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Ayesha: In der Schule macht mir Mathematik sehr viel Spaß und im Angels Home mag ich lesen.

10. Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ayesha: In meiner Freizeit lese ich gerne.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Ayesha: Ich würde gerne Anuradhapura sehen.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Ayesha: Roshan Fernando.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Ayesha: Das Geld würde ich den armen Leuten geben, die kein Geld haben.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Ayesha: Ich würde den Zeitplan ändern: mehr Fernsehen schauen und spielen wäre ganz toll.

15. Welche Musik magst du?

Ayesha: Singhalesische Musik.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Ayesha: Ich würde ihm sagen, dass er einen Bus für das Angels Home kaufen soll, damit wir mehrere Ausflüge machen können.

Ayesha MaduwanthiAls Ayesha ins Heim kam, war sie zunächst eine Außenseiterin. Sie fühlte sich nicht wohl und sprach weder mit den Kindern, noch mit den Betreuerinnen. Zu Hause hatte niemand wirklich auf sie aufgepasst und so hatte sie viel Freiheit, um das zu machen, was sie wollte. Aus diesem Grund fiel es ihr schwer, sich im Kinderheim einzugewöhnen, da sie sich hier an Regeln halten musste. So wie die Matron erzählt, hat Ayesha einen schwierigen Charakter, aber in den letzten Monaten hat sie sich sehr verbessert. Jetzt akzeptiert sie es, gemeinsam mit ihren 3 jüngeren Schwestern im Heim zu wohnen. Sie ist viel offener geworden und sie liebt es, sich mit den anderen Mädchen zu unterhalten. Oftmals habe ich das Gefühl, dass sie gerne auch die Praktikantinnen ansprechen würde, aber da ihr Englisch noch nicht so gut ist, traut sie sich oft nicht.

Ayesha ist derzeit 151 cm groß und wiegt dabei  41 kg. Sie ist körperlich normal entwickelt und sehr selten krank. Sie besucht momentan mit Nadisha, Dishna, Shanika Sewandi, Harisha, Vihanga und Nandika die 6. Klasse. Allerdings spricht Ayesha aufgrund ihrer Vergangenheit kaum Englisch. Sie wuchs in einem Gebiet auf, wo sehr wenig Englisch gesprochen wird und in die Schule ging sie auch sehr selten. Im Englischnachhilfeunterricht ist sie ebenfalls noch schwach und versteht recht wenig. Aber wir hoffen, dass sich das im Laufe der Zeit ändern wird und dass Ayesha bald Fortschritte macht. Sie liebt Bücher und Fernsehen. Außerdem ist sie sehr kreativ und kann sehr schön zeichnen.

Ayesha MaduwanthiAls ich ins Heim kam, war Ayesha gerade an Mumps erkrankt und somit konnte man sich ihr nicht nähern, um mit ihr eine Kommunikation zu beginnen. Jedoch setzte sie jedes Mal ein strahlendes Lächeln auf, wenn man sie anschaute. Das hat mir geholfen, mir einen ersten Eindruck über sie zu machen. Sie ist ein Mädchen, das sehr ruhig und zurückhaltend wirkt, jedoch kann sie auch offen und manchmal auch sehr frech sein. Ihren kleineren Schwestern hilft sie auch beim Waschen, jedoch nur, wenn sie dazu aufgefordert wird.

Im Heim wurde Ayesha gut integriert und hat dort schon viele Freundschaften geschlossen, vor allem mit den Mädchen ihres Alters. Es ist schön zu beobachten, wie sie mit ihnen spielt, quatscht und manchmal sehr laut lacht. Man hat dann das Gefühl, dass sie endlich im Angels Home angekommen ist.

 

Entwicklung Ayesha (September 2013, geschrieben von Julia Fischer)

AyeshaMit ihren 16 Jahren gehört Ayesha zu den etwas älteren Mädchen in unserem Angels Home, die gerne mal unter sich sind und ihre Geheimnisse haben. Während es Ayesha anfangs noch schwer fiel, sich bei den anderen „Teenies“ zu integrieren und ihre Rolle im Heim zu finden, hat sie damit mittlerweile kaum noch Probleme. Sie ist zwar noch immer sehr speziell und wäre mit eines der ersten Mädchen, die das Heimleben gegen eine richtige Familie eintauschen würden. Trotzdem scheint sie sich jedoch mittlerweile ganz wohl bei uns zu fühlen und auch einige Freundinnen hat sie gefunden.

Eines ihrer größten Probleme, welches ihr immer wieder auf die Füße fällt, ist Ayeshas Faulheit. Der Nachhilfelehrer im Unterrichtsfach Mathematik und auch alle Praktikantinnen der letzten Zeit, die Ayesha in Englisch unterrichtet haben, ziehen den gleichen Schluss: Sie könnte wesentlich bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie sich ein bisschen mehr Mühe geben würde. Wenn sie eine Aufgabe oder ein Muster erst einmal verstanden hat, ist es für Ayesha keine große Kunst es immer wieder abzurufen und anzuwenden.

Doch nicht nur im schulischen Bereich, sondern auch, wenn es um Hausarbeit oder Verantwortung geht, könnte Ayesha etwas aktiver sein. So muss man ihr beispielsweise immer wieder sagen, dass sie sich mehr um ihre 3 jüngeren Schwestern kümmern soll, die immer mal wieder in Streitigkeiten verstrickt sind und deren Ordnungssinn oftmals zu wünschen übrig lässt. Wenn man Ayesha ermahnt, dass sie ihre Gartenarbeit nicht ordentlich macht oder dass der Tisch noch nicht abgewischt ist, begegnet sie einem nicht selten mit einem missmutigen Gesicht und brabbelt etwas auf Singhalesisch vor sich hin.

AyeshaEs gibt allerdings auch Bereiche, für die sich Ayesha begeistern kann und bei denen sie viel Enthusiasmus an den Tag legt. Zum Beispiel kocht sie leidenschaftlich gerne und hilft unserer Köchin an den Wochenenden oft freiwillig beim täglichen Küchendienst. Bei einer Größe von 1,53 m wiegt Ayesha derzeit 51 kg (damit hat sie im Vergleich zum letzten Jahr 10 kg zugenommen) und sie muss ein wenig aufpassen, dass sich ihr Hobby nicht allzu sehr auf die Figur legt. Außerdem hat Ayesha große Freude am Malen und Zeichnen, wobei sie auch großes Talent hat. Und wenn die Mädels aus dem Angels Home mal mit dem Bus losgelassen werden, dann kann das sonst recht stille Mädchen beim gemeinsamen Singen, Klatschen und Tanzen auch mal so richtig aus sich heraus gehen und rumalbern. Man erkennt sie dann kaum wieder, aber es ist toll sie so ausgelassen und fröhlich zu erleben.

 

Entwicklung Ayesha (Oktober 2014, geschrieben von Julia Fischer)

Ayesha MaduwanthiGemeinsam mit ihren 3 jüngeren Schwestern Shashikala, Sashini und Asitha lebt Ayesha nun bereits seit fast 3 Jahren im Angels Home. Auch wenn sie hier mittlerweile gute Freundschaften geschlossen hat, kann man sagen, dass sie eher zu den ruhigeren, zurückhaltenden Mädels gehört, die nicht immer Lust haben, sich an gemeinsamen Aktivtitäten zu beteiligen. Viel lieber sitzt Ayesha mit ihren derzeit besten Freundinnen Disna Kumari und Pabodani irgendwo auf einer Bank, wo gefaulenzt und getratscht wird. Dass Ayesha sportlich nicht unbedingt aktiv ist, macht sich auch an ihrem Körperbau mit einer Größe von 1,53 m und einem Gewicht von 54 kg bemerkbar. Es würde ihr sicher gut tun, sich hin und wieder an einer Partie Volleyball mit den älteren Mädels zu beteiligen, aber nach wie vor steht ihr dabei ihre Gemütlichkeit im Weg.

Wie auch bei den Statusberichten in den vergangenen Jahren habe ich mich bei denjenigen Mädchen, die schon länger bei uns im Angels Home leben, vordergründig mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, um die Familiengeschichte und deren Veränderungen ein wenig zu beleuchten.

Die familiären Verhältnisse der 4 Schwestern sind ziemlich verworren und tragen nicht unbedingt zu einer gesunden Sozialentwicklung der Mädchen bei. Ayeshas leibliche Eltern haben in einem recht jungen Alter geheiratet und mit der Familiengründung begonnen. Innerhalb von 11 Jahren hat das Paar 5 Kinder in die Welt gesetzt, allesamt Mädchen, was in Sri Lanka nicht unbedingt mit großer Freude über den Nachwuchs verbunden ist. Als die älteste Tochter ca. 16 Jahre alt und das Nesthäkchen Asitha etwa 5 Jahre alt war, hat die leibliche Mutter der Mädchen ihren Ehemann verlassen und sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Staub gemacht. Zum damaligen Zeitpunkt vermutete der Vater bereits eine Affäre mit einem anderen Mann, wegen dem sie ihre Familie im Stich gelassen hat. Lange Zeit gab es daraufhin überhaupt keinen Kontakt zwischen den Mädchen und ihrer Mutter.

Der Vater hat die Kinder zunächst allein versorgt und sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Unterstützung bei der Betreuung der Mädchen erhielt er dabei von seiner Mutter, die ebenfalls in der Nähe des recht einfachen und eigentlich viel zu kleinen Haus lebte. Schon recht früh mussten die 3 ältesten Töchter, so auch unsere Ayesha und die damals erst 9-jährige Shashikala, bei der Haushaltsführung helfen, da ihre Großmutter mit der Versorgung der 5 Mädchen grenzenlos überfordert war. Aus diesem Grund besuchten die Mädchen nur noch unregelmäßig die Schule, geschweige denn hatten sie Zeit und Lust für Hausaufgaben oder selbstständiges Lernen. In der wenigen Freizeit, die ihnen blieb, streiften sie mit Nachbarskindern durch die Straßen, wobei sich keiner so recht darum kümmerte, was die Mädchen unternahmen oder mit wem sie zusammen waren. Die Lebensverhältnisse der Familie verschlechterten sich zunehmend und nachdem der Vater aufgrund von zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit mit dem Trinken begonnen hatte, wurde die Situation immer auswegloser. Die älteste Tochter hat dies wohl auch erkannt und ihr Elternhaus bereits mit 17 Jahren verlassen, um zu heiraten und ihre eigene Familie zu gründen. Von da an waren die damals 14-jährige Ayesha und ihre jüngeren Schwestern allein für die Haushaltsführung verantwortlich. Vor diesem Hintergrund kann man es fast als ein Wunder betrachten, dass die Familie quasi über Nacht obdachlos wurde als ein wilder Elefant auf Futtersuche das kleine Haus zerstörte. Daraufhin übernahm das örtliche Jugendamt die Fürsorge für die Kinder und so kamen sie schließlich zu uns in Angels Home.

Ayesha MaduwanthiMittlerweile haben die 4 Schwestern gelegentlich auch wieder Kontakt zu ihrer Mutter, die sich damals kurz nach ihrem Auszug mit einem neuen Lebensgefährten nach Kuwait absetzte, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Sie zeigt keinerlei Reue für ihr damaliges Verhalten und versucht bei gelegentlichen Anrufen, den Vater für ihre Entscheidung verantwortlich zu machen, indem sie ihn bei den Kindern schlecht redet. Zumindest hat sich die älteste Tochter trotz früher Familiengründung einigermaßen positiv entwickelt und kann ihrem Vater und ihrer Großmutter in ihrem neuen Zuhause eine Unterkunft bieten. Dort verbringen Ayesha und ihre 3 anderen Schwestern nun auch gelegentlich ihre Schulferien. Dass sie dabei regelmäßig mit der Alkoholsucht und den wechselnden Affären ihres Vaters konfrontiert werden, scheint das hiesige Jugendamt nicht bedenklich zu finden und wir wundern uns immer wieder darüber, dass weder ihm, noch der Mutter das Umgangsrecht mit den Kindern entzogen wird.

Es ist nicht verwunderlich, dass Ayesha aufgrund dieser familiären Entwicklung derzeit ihre große Schwester als Vorbild betrachtet und zu ihr auch ein inniges Verhältnis pflegt. So eröffnete uns die 17-Jährige kürzlich, dass sie mit Vollendung des 18. Lebensjahres gerne ihre Schullaufbahn beenden und unser Kinderheim verlassen möchte, um bei ihrer Schwester zu wohnen und sich einen Ehemann zu suchen. Da wir mit diesem Vorhaben natürlich alles andere als einverstanden sind, versuchen wir derzeit, Ayesha mit Hilfe unserer psychologischen Beraterinnen zu einem Umdenken zu bewegen. Ob uns dies gelingen wird, ist noch fraglich und leider kann Ayesha mit 18 Jahren selbst entscheiden, wie ihre Zukunft aussehen soll. Wir hoffen jedoch sehr, dass ihr in der verbleibenden Zeit noch bewusst wird, welche Türen ihr bei uns offen stehen würden, zumal sie schulisch sicher noch einiges aus sich heraus holen könnte, wenn sie etwas motivierter wäre und ihre Faulheit besiegen könnte.

 

Entwicklung Ayesha (August 2015, geschrieben von Simone Lauber)

Angenehm

Yoga-ähnlich entspannt

Eigensinnig

Schamhaft

Herzlich

Amüsant

Ayesha MaduwanthiDiese junge Dame verbirgt hinter ihrer oft verlegenen, ruhigen Fassade eine freche, verspielte und warmherzige Persönlichkeit. Für jeden, der ihr über den Weg läuft, hält Ayesha ein freundliches, wenn man Glück hat, gar strahlendes Lächeln bereit, hinter dem sie jedoch oft verbirgt, was wirklich in ihr vor sich geht. Ayeshas Lächeln ist ein Markenzeichen ihres freundlichen und gutmütigen Wesens. „It’s okay!“ ist ein häufiger Satz, der ihr über die Lippen geht, ist man beispielsweise dabei, sein eigenes Tafelbild zu korrigieren oder läutet man mal zur falschen Zeit die Glocke.

Auch wenn Ayesha einmal schlecht gelaunt, frustriert oder verärgert ist, lässt sich dies nicht am Grad ihrer Freundlichkeit ablesen. Vielmehr zieht sie sich dann in sich zurück, vergräbt ihren Kopf unter ihren Armen, sieht dich mit müdem Blick an, wiederholt immer wieder „I don’t know“ oder lacht verlegen. Ja, Ayesha lacht gerne und viel, mal eben aus Verlegenheit, oft aber auch herzhaft mit dir zusammen über einen ihrer vielen Späße, den sie sich mit dir erlaubt. Denn Ayesha ist zum Spaßen aufgelegt. Im Vorbeigehen tippt sie dir verstohlen an die Schulter und lächelt dich dann frech an. Freudig erzählt sie dir, sie habe dich heute in Kalpitiya gesehen, weil sie selbst den Tag in Puttalam verbracht habe, bis sich schließlich das Geheimnis lüftet, woher sie in Wahrheit die Information bezogen hat, dass du dort deinen freien Tag verbracht hast.

Ebenso wenig ist Ayesha auf den Mund gefallen und kontert häufig frustriert „Why don’t YOU learn Sinhala?“ auf mein wiederholtes Bemühen, ihr etwas auf Englisch verständlich zu machen.

Gesund und munter bringt unsere 1,53 m große Ayesha momentan komfortable 52 kg auf die Waage, womit sie im Vergleich zum Vorjahr 2 kg abgenommen hat. Dass körperliche Betätigung zu Ayeshas Hobbies zählt, kann man immer noch nicht behaupten. Sie ist und bleibt der ruhige, gemütliche Typ. Mit Leidenschaft und viel Hingabe widmet sich Ayesha auch heute noch dem Malen. So kann man sie zu den verschiedensten Tageszeiten mit Zeichenblock und Ölkreide diverse farbenreiche Motive zeichnen sehen. Auch andere Mädchen erkennen ihr Talent und fragen gelegentlich achtungsvoll, ob man schon gesehen hat, was Ayesha Schönes zu Papier gebracht hat. Ihre Lieblingsfarben, so verriet sie mir unlängst, seien Grün und Rosa.

In der Nachhilfe entlockt man ihr dann ein: „My favourite subject is art.“, doch leider hegt Ayesha ja kein sonderlich gutes Verhältnis zur Schule (sowie zur Konversation in Englisch) und so schießt sie gleich „Oh, no. I don’t like any subject!“ nach. Ihre Hefteinträge führt sie dafür mit großer Hingabe und Sorgfalt. Schöne Buchstaben, bunte Farben und stets einen Tipex zur Hand, lassen erkennen, wie wichtig ihr die Ästhetik ist bzw. wie viel Freude es ihr auch bereitet, zu schreiben, zu malen und zu gestalten. Hier arbeitet sie mit Genauigkeit und großer Geduld. Weniger kann man sie im Englischunterricht für die gemeinsame Kommunikation begeistern. Da ziert sie sich, weicht aus und versucht, ihre Unsicherheit im freien Sprechen durch kurze Antworten zu kaschieren. Wofür sie jedoch wieder große Begeisterung hegt, ist das Lesen. Motiviert möchte sie laut am besten gleich den ganzen Text alleine lesen, spricht lernfreudig deine Korrekturen nach und weiß auch schnell Antworten auf die texbezogenen Fragen.

Ayesha MaduwanthiWenn Ayesha aber auf etwas nicht so wirklich Lust hat, schlägt ihre Gemütlichkeit voll durch und dies würde ich auch als ihre individuelle Haupteigenschaft bezeichnen. Hausaufgaben werden schlicht nicht erledigt und die Praktikantin und ihre Aufforderungen gekonnt ignoriert. Geschickt weiß sie sich auch vor Pflichten (z.B. der Gartenarbeit) zu drücken und erledigt sie manchmal erst sehr wiederwillig nach aber und abermaler Aufforderung. Müde kann man Ayesha auch schon mal über dem Tisch dösen sehen, wenn es doch eigentlich gerade Zeit wäre, zu lernen. Darauf hingewiesen lächelt sie dann gelassen, hat eine Ausrede parat oder verschwindet, ohne zurückzukehren.

Doch Ayesha bezaubert auch durch ihre angenehme Gelassenheit, sie strahlt Wärme und Ruhe aus. Beim gemeinsamen Basteln mit Ayesha scheint hauptsächlich deine Anwesenheit zu zählen und in einem ruhigen Moment meint sie dann zu dir „I want to go to Germany....with you.“ Welch tiefer innerer Wunsch hinter diesem Satz verborgen liegt, kann man nur spekulieren. Auch wie ihre nahe Zukunft aussieht, ist nach wie vor ungewiss. Trotz guter Ergebnisse gab es unlängst erst wieder Diskussionen über ihren Wunsch, die Schule abzubrechen und zu ihrer Schwester zu ziehen. Da sie erst spät eigeschult wurde, sei es ihr unangenehm, nun mit viel jüngeren Kindern in einer Klasse zu sein, gab sie uns zu verstehen.

Setzt man sich mit ihr zusammen, erledigt sie dann doch recht geduldig und sorgsam ihre Aufgaben. Es ist zu erkennen, dass Ayesha die Nähe und das Gehör anderer Gleichaltriger oder Bezugspersonen sucht und wir hoffen alle, dass sie diese auf ihrem weiteren Lebensweg finden wird. Ebenso könnte sie vielleicht noch lernen, neben ihrem herzlichen und angenehmen Gemüt, ihrem gelassenen Umgang mit anderen Menschen und ihren Pflichten (der manchmal nah an der Gleichgültigkeit vorbei schrammt), eigene Ziele zu entwickeln und diese mit ein bisschen mehr Antrieb und Pfiff zu verfolgen. In manchen Situationen würde es ihr auch gut tun, klarer zu artikulieren, was in ihr vor geht, wenn ihr mal etwas bzw. jemand nicht passt oder ihre Bedürfnisse preiszugeben, anstatt sich hinter verlegenem Lachen oder grimmigen Blicken zu verstecken.

 

Auszug (Februar 2016)

Nachdem Ayesha im Juli vergangenen Jahres 18 Jahre alt und somit volljährig geworden ist, hat sie sich zu unserem Leidwesen doch dazu entschieden, mit dem neuen Jahr ihre Schule abzubrechen und zukünftig bei ihrer Schwester zu leben. Es ist etwas schade, dass sie ihre gar nicht mal so schlechten schulischen Leistungen nicht weiter ausgebaut und genutzt hat, aber man kann nun mal niemanden zwingen. Ayesha scheint ein einfaches Leben vorzuziehen und möchte sich in der Nähe vom Haus ihrer Schwester einen Job in einer Fabrik suchen, um auch selbst etwas zum Familienunterhalt beizutragen. Wir haben uns im Guten von ihr verabschiedet und hoffen sehr, dass sie uns in Zukunft noch regelmäßig besuchen kommt, um ihre 3 Schwestern zu sehen.

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