Kandasami Sodi


SodiSodi kam am 12.2.2011 ins Angels Home for Children. Sie ist zehn Jahre alt und wurde am 21.10.2000 geboren. Sie kommt aus der Gegend von Morawake, die ca. 200km südlich von Marawila liegt. Sodi ist thamilischer Herkunft und ist römisch-katholisch erzogen worden.

Sodi war bereits vor ihrer Aufnahme im Angels Home in einem Kinderheim untergebracht, das allerdings geschlossen werden musste. Gründe für ihre Unterbringung in einem Heim sind bisher unklar.

Seit dem 24.02.2011 geht Sodi in Marawila zur Schule und besucht dort die 4. Klasse. In ihrer Freizeit spielt sie gern mit den anderen Kindern im Außenbereich des Angels Home. Besonders gern mag sie es, Badminton zu spielen oder beim Memory mitzumachen.

Bereits nach den ersten Tagen im Angels Home hat sich herausgestellt, dass Sodi eine herausragende Zeichnerin ist. In der Englisch-Nachhilfe zeichnete sie zu verschiedenen Nomen, die sie schreiben sollte, gleich das richtige Bild. Das zeigt, dass sie ein gutes Verständnis für die englische Sprache hat.

Auch für Sodi konnten wir erfreulicherweise schnell eine Kinderpatenschaft vermitteln.

 

Die Entwicklung von Kandasami Sodi im Jahr: 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019

 

Interview Sodi (Juli 2011, geschrieben von Bettina Hansel)

Hinweis: Als aktuelle Praktikantinnen im Angels Home haben wir (Margarete, Bettina und Anika) die Aufgabe bekommen, neue Statusberichte zu den einzelnen Kindern anzufertigen. Da einige Mädchen erst im Jahr 2011 ins Angels Home gekommen sind und man über diese Kinder selbst mit Julias und Franks Hilfe noch keinen umfangreichen Bericht schreiben kann, haben wir uns dazu entschlossen, die Interviewfragen aus dem Jahr 2008 erneut zu verwenden. Dieses kurze Interview soll die Vorlieben und Eigenschaften des jeweiligen Mädchens vorstellen. Außerdem haben wir zu jedem Kind zumindest einen kurzen Text mit unseren persönlichen Einschätzungen verfasst.

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1. Was isst du gerne?

Sodi: Äpfel.

2. Was trinkst du gerne?

Sodi: Coca Cola.

3. Welche Farbe magst du am liebsten?

Sodi: Rot.

4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?

Sodi: Udeshika

5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?

Sodi: Ich mag am liebsten Nimali.

6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?

Sodi: Italien würde mich sehr interessieren

7. Welches Tier magst du?

Sodi: Hund.

8. Was möchtest du später werden?

Sodi: Ich möchte gerne in einem Büro arbeiten

9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?

Sodi: In der Schule mag ich am liebsten den Englischunterricht und im Angels Home die Englisch-Nachhilfe.

10. Was spielst du gerne in deiner Freizeit?

Sodi: Brennball.

11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?

Sodi: Kandy.

12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?

Sodi: Ich würde gerne den indischen Schauspieler Hrithic Roshan kennenlernen.

13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?

Sodi: Ich würde den anderen Menschen in Sri Lanka helfen. Vor allem meiner Familie und Verwandtschaft.

14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?

Sodi: Einen Tag lang viel fernsehen und lesen, aber nur ein bisschen lernen.

15. Welche Musik magst du?

Sodi: Am liebsten mag ich den Waka Waka Song von Shakira.

16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Sodi: Ich würde ihm vom Angels Home erzählen und ihn um Geld bitten, um es an andere Kinderheime zu geben.

SodiSodi ist ein fröhliches und höfliches Kind. Meistens ist sie eher ruhig und macht gerne auch mal für sich im Stillen ein schwieriges Puzzle, das sie in der Regel mit viel Geduld zum Ende bringt. Aber auch bei den sportlichen Freizeitspielen der Mädchen ist sie immer gerne und aktiv dabei. In die Gemeinschaft hat sie sich gut integriert, sodass Streitereien mit anderen Mädchen eine äußerste Seltenheit darstellen. Sie wirkt immer sehr ausgeglichen und macht einen zufriedenen Eindruck.

Sodi ist 133 cm groß, 22 kg schwer und somit in Bezug auf ihre körperliche Entwicklung unauffällig, dürfte allerdings auch ein paar Kilo mehr wiegen.

Die Schule hier in Marawila besucht Sodi gerne und bezeichnet ihre schulischen Leistungen als ganz gut. In der Englisch-Nachhilfe ist sie zwar motiviert, das Lesen und Schreiben in der englischen Sprache fällt ihr jedoch noch sehr schwer, sodass sie in diesen Bereichen starke Förderung benötigt. Ihre Hausaufgaben macht Sodi pflichtbewusst, leidet aber unter der Schwierigkeit, dass sie die Aufgabenstellung in ihrem Englisch-Buch oft nicht versteht. Daher ist sie manchmal frustriert und kann die Hausaufgaben ohne Hilfe durch Personal oder Praktikantinnen aus zeitlichen Gründen nicht vollständig bearbeiten.

Im Heim fällt Sodi nie unangenehm auf. Ihre Dienste erledigt sie recht gewissenhaft. Sie achtet mit wenigen Ausnahmen zuverlässig auf Ordnung in ihrem Kleidungs- und Schulschrank.  Äußerlich sticht sie unter den Mädchen lediglich dadurch hervor, dass sie neben Dinesha das einzige Mädchen ist, das eine Brille trägt, die ihr sehr gut steht und im Gegensatz zu den anderen Kindern fast immer Hosen trägt. Außerdem ist auffällig, dass Sodi gerne und viel Zeit mit den beiden Schäferhunden Buddy und Sina verbringt. Sie hilft auch bereitwillig dabei, die beiden zu baden, zu kämmen oder ihnen lästige Zecken zu entfernen.

An Sri Lanka mag Sodi sehr gerne die Wasserfälle, die Strände und den Zoo.

 

Entwicklung Sodi (August 2012, geschrieben von Julia Fischer)

Kandasami SodiDie 11-jährige Sodi lebt nun bereits seit 1,5 Jahren in unserem Angels Home for Children. Mit einer Körpergröße von 1,43 m und einem Gewicht von 36 kg ist sie ein normal entwickeltes Mädchen, das auch sonst kerngesund ist und keine Beschwerden hat.

Sodi besucht mittlerweile gemeinsam mit Nawanjena, Asadi, Imasha und Shashikala die 5. Klasse der nahegelegenen Schule in Mudukatuwa. Obwohl ihre schulischen Leistungen besser sind als die ihrer Klasssenkameradinnen, fällt Sodi das Lernen relativ schwer und ihre Examensergebnisse bewegen sich bei ca. 50% der zu erreichenden Gesamtpunktzahl. Nichtsdestotrotz geht Sodi gern zur Schule. Lediglich bei ihren Hausaufgaben und dem Lernen vor Prüfungen könnte sie etwas mehr Elan und Ehrgeiz zeigen, um so ihre Leistungen zu verbessern.

In der Englischnachhilfe haben sich Sodis Leistungen enorm verbessert, sodass sie mittlerweile zu einer der besten ihrer Gruppe gehört. Ihr Lautverständnis für die einzelnen Buchstaben ist so gut geworden, dass sie mittlerweile bereitwillig und gerne Lesen übt und sich dabei auch nicht scheut, ihr unbekannte Wörter vorzulesen oder es zumindest zu versuchen. Auch ihr Gefühl für grammatische Übungen hat sich entwickelt. Wenn sie eine bestimmte Regel erst einmal verstanden hat, kann sie diese relativ sicher auch auf andere Beispiele anwenden. Auch hier hat Sodi einen kleinen Vorsprung gegenüber ihren Mitstreiterinnen Asadi, Imasha und Nandika.

Im normalen Alltagsgeschehen scheut sich Sodi oft noch davor, mit uns Englisch zu sprechen. Obwohl sie relativ viel versteht und auch gerne daneben sitzt und lauscht, wenn man sich mit den älteren Mädchen auf Englisch unterhält, trägt sie selbst noch relativ wenig zum Gespräch bei. Spricht man sie direkt an oder stellt ihr eine Frage, fühlt sie sich zunächst unwohl und würde am liebsten auf Singhalesisch antworten und ein anderes Mädchen übersetzen lassen. Wenn man jedoch auf eine Antwort drängt, kann sich Sodi auch Mühe geben und in gebrochenem Englisch antworten. Es ist deshalb bei ihr, wie auch bei vielen anderen Mädchen, sehr wichtig, nicht nur Ja-Nein-Fragen zu stellen und sie häufiger in ein Gespräch mit einzubeziehen.

Da Sodi keine Angehörigen mehr hat, die ein ernsthaftes Interesse an ihr zeigen, hat sie sich in der letzten Zeit ein wenig zu einem der heimlichen Lieblingskinder unseres Personals entwickelt. So ist sie in den Ferien immer eines der ersten Mädchen, dessen Namen auf der Liste landen, welche Kinder für ein oder zwei Nächte mit zu einem der Angestellten nach Hause dürfen. (Wir versuchen stets, alle Mädchen, die in den Ferien überhaupt nicht zu irgendwelchen Angerhörigen können, zeitweilig bei unserem Personal unterzubringen.) Auch im normalen Alltagsgeschehen, wenn man sich gelegentlich über die familiären Hintergründe der Mädchen unterhält, ist Sodi eines der Kinder, die am meisten Mitleid hervorrufen. Es ist aber nicht so, dass sie gegenüber den anderen Mädchen vom Personal bevorzugt behandelt wird.

Kandasami SodiObwohl Sodi vorher in einem anderen Kinderheim untergebracht war, merkt man ihr an, dass sie ihre familiäre Vergangenheit und ihre Erfahrungen belasten. Zwar nicht unbedingt im normalen Tagesablauf, aber Sodi ist eines der wenigen Mädchen, das unverhältnismäßig zu ihrem Alter noch gelegentlich ins Bett macht. Durch regelmäßige Toilettengänge vor dem Schlafengehen und auch in der Nacht ist dies zwar schon erheblich besser geworden, aber dennoch ist dieses Problem ein deutlicher Hinweis darauf, dass Sodi etwas belastet.

Im Sozialverhalten der Kinder untereinander nimmt Sodi die Rolle eines vernünftigen, freundlichen und ausgeglichenen Mädchens ein. Sie ist selten in Streitigkeiten verwickelt und auch sonst relativ unauffällig. Die kleinen Mädchen schätzen sie als liebevolle große Schwester, die gerne bereit ist, ihnen beim Wäschewaschen oder bei der Gartenarbeit zu helfen.

Auch dem Personal gegenüber ist Sodi sehr hilfsbereit und zuvorkommend. So unterstützt sie die Köchinnen oft beim Schneiden von Gemüse, auch wenn ihre Gruppe eigentlich keinen Küchendienst hat. Außerdem ist Sodi nach wie vor voller Hingabe und Einfühlungsvermögen dabei, wenn es heißt, unseren Wachhund Buddy zu pflegen. Nicht umsonst sieht dieser in Sodi mittlerweile eine wichtige Bezugsperson und holt sich gerne seine Streicheleinheiten bei ihr ab.

 

Entwicklung Sodi (September 2013, geschrieben von Helena Braisz)

SodiSodi wird bald 13 Jahre alt und lebt nun schon seit 2,5 Jahren im Angels Home. Sie wiegt 40 Kilogramm und ist 1,45 Meter groß. Damit ist sie körperlich vollkommen normal entwickelt und sie klagt auch nicht über gesundheitliche Beschwerden.

Mit ihrer liebenswerten Ausstrahlung können ihr selbst die beiden Hunde Buddy und Tom nichts abschlagen. Diese folgen ihr auf Schritt und Tritt. Sodi geht sehr einfühlsam und liebevoll mit den beiden Schäferhunden um und da diese all das machen, was Sodi ihnen aufträgt, wird sie von vielen nur noch die „Hundemama“ gerufen. Lustig wird es vor allem dann, wenn Versteckspiele gespielt werden. Denn immer da, wo Sodi sich aufhält, halten sich auch die beiden Hunde auf. Somit ist sie meistens ziemlich schnell zu finden. Smile

Zwar genießt Sodi die ungeteilte Aufmerksamkeit der Hunde, jedoch heißt das nicht, dass sich Sodi ihrerseits nur auf die Hunde fixiert. Mit den anderen Kindern kommt sie sehr gut zurecht. Bisher habe ich es noch nicht erlebt, dass Sodi in irgendeine Art von Streitigkeiten verwickelt war. Sie verbringt ihre freie Zeit oft zusammen mit den älteren Mädchen des Heims und bezieht dort eher eine zurückhaltende und gleichzeitig lustige Position. Vor allem mit Dinesha und Sewandi sitzt sie gerne in irgendeiner Ecke des Gartens und dort wird dann schon auch mal der neuste Klatsch und Tratsch ausgetauscht oder darüber diskutiert, welcher Schauspieler einer neuen Serie nun der Hübschere ist. Denn trotz ihres Alters beginnt unsere Sodi schon langsam, sich für das andere Geschlecht zu interessieren.

Auch sonst ist Sodi für ihre 12 Jahre schon sehr erwachsen. Ihre Aufgaben erledigt sie immer selbstständig und zuverlässig. Nicht umsonst ist sie die Jüngste unter unseren 6 Teamleadern, die jeweils für eine bestimmte Anzahl von Kindern verantwortlich sind und darauf achten, dass die wöchentlichen Pflichten erledigt werden.

Sodi macht sehr gerne Sport und ist somit für Volleyballturniere immer zu begeistern. Im Umgang mit Praktikantinnen benötigt sie etwas Eingewöhnungszeit und gehört somit nicht unbedingt zu den Mädchen, die sofort auf einen zukommen und Fragen stellen. Geht man dann aber Schritt für Schritt auf sie zu, wird die Hürde schnell genommen und es entsteht eine lustige, entspannte Beziehung.

SodiSodi hat oft Probleme sich in der englischen Sprache richtig auszudrücken. Auch wenn sie viele Dinge lange umschreibt, ist es aber bisher noch kein Problem gewesen, sich mit ihr zu unterhalten. Dabei muss man jedoch weiterhin auf sie zukommen und sie stets dazu ermahnen, dass sie sich klar und deutlich ausdrücken soll. In der letzten Zeit wird Sodi nämlich mit ihrem Ausdruck (sowohl in Englisch, als auch in Singhalesisch) etwas nachlässig. So verschluckt sie manche Endungen oder nuschelt dermaßen, dass man sie kaum verstehen kann. 

Was ihre schulischen Leistungen betrifft, so konnte sich Sodi im letzten halben Jahr noch einmal enorm verbessern und ihre Ergebnisse liegen jetzt leicht über der Hälfte der Gesamtpunktzahlen. Das ist im Vergleich zu den meisten anderen Mädchen im Angels Home sehr gut und wir hoffen, dass Sodi sich weiter verbessern kann.

Sodi ist insgesamt eine sehr liebenswürdige Person, die mit ihrem herzlichen Charakter so gut wie nie negativ auffällt.

 

Entwicklung Sodi (Oktober 2014, geschrieben von Julia Fischer)

Kandasami SodiUnsere „Hundemama“ Sodi ist mittlerweile fester Bestandteil des Angels Home und vor allem für die Pflege unserer Schäferhunde Buddy und Tom nicht mehr wegzudenken. Mit sehr viel Geduld, Liebe und Hingabe kümmert sie sich rührend um die Vierbeiner und ist stets um sie besorgt, wenn ihnen kleine Wunden oder eine verstauchte Pfote das Hundeleben schwer machen. Außerdem ist es für Sodi mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden, jeden Samstag vor dem Mittagessen das Hunde-Shampoo bei uns im Büro abzuholen und sich dann etwa eine Stunde lang der Fellpflege zu widmen. Für ihre Verlässlichkeit bei dieser Aufgabe bekommt Sodi hin und wieder ein zusätzliches Taschengeld von uns, welches sie bei Ausflügen oder auf dem Kirchenmarkt zu ihrer freien Verfügung nutzen kann.

Wie auch bei den Statusberichten in den vergangenen Jahren habe ich mich bei denjenigen Mädchen, die schon länger bei uns im Angels Home leben, vordergründig mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, um die Familiengeschichte und deren Veränderungen ein wenig zu beleuchten.

Wie bereits damals in Sodis Aufnahmebericht geschrieben, ist  nicht sehr viel über ihre Vergangenheit und familiären Beziehungen bekannt. Zumindest konnten wir im Laufe der Jahre jedoch den Grund für Sodis Heimunterbringung ausfindig machen, der erschreckend und traurig zugleich ist. Sodis leiblicher Vater ist bereits sehr früh verstorben und man vermutet, dass das Mädchen zu dieser Zeit noch im Kleinkindalter war, da sie nach eigenen Angaben absolut keine Erinnerungen mehr an ihn hat. Daraufhin lebte die Mutter, die vermutlich selbst noch sehr jung war, alleine mit Sodi und ihrem ca. 5 Jahre älteren Bruder in einer ländlichen Gegend unter sehr ärmlichen Verhältnissen. Wir vermuten, dass Sodi viele Erinnerungen an ihre Kindheit verdrängt hat, da sie bei Nachfragen stets angibt, sich an nichts erinnern zu können. In einer Akte beim Jugendamt wurde jedoch vermerkt, dass die beiden Kinder damals total verängstigt und verwahrlost in der Nähe eines großen Waldgebietes von einer Nonne aufgefunden wurden, die sie in die Obhut der Behörden übergeben hat. Sodi war zum damaligen Zeitpunkt ca. 6 Jahre alt und ihr Bruder hat angegeben, dass ihre Mutter sie in den Wald gebracht und dann einfach dort zurückgelassen hat. Zunächst dachten die beiden Kinder wohl, sie haben sich im Spiel einfach zu weit von ihrer Mutter entfernt, doch als sie nach ihr riefen und umherliefen, blieb ihre Suche erfolglos. So irrten sie etwa 1-2 Tage allein durch den Wald bis sie schließlich auf die nächstgelegene Straße trafen und dort von der Nonne gefunden wurden. Das Jugendamt brachte die beiden Kinder dann getrennt voneinander in Kinderheimen unter, da gemischte Heime in Sri Lanka eher unüblich sind. Sodi landete somit in der Einrichtung, die Anfang 2011 geschlossen werden musste, woraufhin man das Mädchen schließlich zu uns ins Angels Home brachte.

Für unser westliches Verständnis von Familie und Mutterliebe ist Sodis Fall ein weiteres Beispiel für Vernachlässigung, das Entsetzen, Mitleid und Ärger zugleich hervorruft. Bis heute konnte die Mutter von Sodi nicht ausfindig gemacht und für ihre Tat bestraft werden. Es ist nicht auszuschließen, dass sie irgendwo in Sri Lanka eine neue Familie gegründet hat und sich täglich um ihre jetzigen Kinder kümmert, während diese und der neue Ehemann vermutlich keine Ahnung davon haben, was damals geschehen ist.

Kandasami SodiTrotz dieses tragischen Schicksals hat sich Sodi mittlerweile zu einer selbstbewussten, hübschen und humorvollen Teenagerin entwickelt, die stets ein Lächeln auf den Lippen hat und die man selten schlecht gelaunt oder missmutig erlebt. Für ihr Alter von mittlerweile fast 14 Jahren ist den anderen Mädchen ihrer Altersklasse im Denken weit voraus, was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass man sie meist mit den älteren Mädchen wie Dinesha, Sewandi und Dananjani ihre Zeit verbringen sieht. Besonders häufig ist Sodi am Nachmittag auf dem Volleyballfeld zu finden, wo sich die Mädels täglich mit unterschiedlichen Mannschaften ein Turnier liefern. Dabei beweist sie viel Teamgeist und Sportlichkeit, wobei ihr außerdem ihre athletische Figur mit einer Größe von 1,50 m und einem Gewicht von 43 kg zu Gute kommt.

Nicht nur bei der Hundepflege, sondern auch in Bezug auf ihre anderen Pflichten beweist Sodi ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit. Nicht umsonst ist sie bei uns noch immer eine der 6 Gruppenleiterinnen und in der Schule wurde sie kürzlich zum „Prefect“ gewählt, was einer Art Schülersprecher gleichkommt. Sodi hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ihre Leistungen sind gutes Mittelmaß, auch wenn sie sich im Vergleich zum Vorjahr ein klein wenig verschlechtert hat.

Alles in allem kann man sagen, dass Sodi trotz ihrer dramatischen Kindheit eine tolle Entwicklung durchlaufen hat und mit ein bisschen mehr Ehrgeiz im schulischen Bereich durchaus gute Zukunftsaussichten hat. Vielleicht hilft ihr der seit kurzem wieder aufgelebte Kontakt zu ihrem älteren Bruder, den wir bei einem Treffen von verschiedenen Kinderheimen ausfindig machen konnten und der mit seinen 18 Jahren gerade das sogenannte A-Level (in etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur) anstrebt.

 

Entwicklung Sodi (August 2015, geschrieben von Melanie Pink)

S wie schwungvoll

O wie offenherzig

D wie damenhaft

I wie interessant

Kandasami Sodi Bereits in den vergangenen Jahren fiel Sodis gutes Gespür im Umgang mit den Hunden auf und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich in diesem Jahr um den Neuzugang im Rudel, Junghund Luna, kümmert. Diese Verantwortung teilt sie sich mit der etwas jüngeren Nandika, doch Sodi ist immer die erste Ansprechpartnerin, wenn Luna wieder einmal Blödsinn anstellt oder männliche Besucher ankläfft. Dabei pflegt sie einen liebevollen, verspielten Umgang mit der Hundedame, wobei ihr vielleicht hin und wieder die nötige Schärfe im Tonfall fehlt. Nichtsdestotrotz fällt auf, dass Sodi sich gefühlvoll und zeitintensiv mit der Hündin auseinandersetzt und ihr Luna überall hin folgt und ihre Nähe sucht, sobald sie aus der Schule zurückkommt.

Im Umgang mit den anderen Mädchen ist Sodi sehr beliebt und als Gruppenleiterin auch ein Vorbild für die Jüngeren. Am liebsten umgibt sie sich mit den älteren Mädchen wie Dinesha, Nadisha oder Sewandi und man sieht diese bei allen Mahlzeiten und dem Nachmittagstee nebeneinander am Tisch sitzend. Auch am Waschplatz sind sie oft zusammen anzutreffen und unterstützen sich bei der täglichen Körperpflege.

Auch wenn Sodi morgens hin und wieder gerne einmal fünf Minuten länger im Bett bleibt, ist sie ein gutes Vorbild für die Kleinen, was Sauberkeit, Ordnung und Freundlichkeit betrifft. Man trifft sie nur selten missmutig oder schlechtgelaunt an.

Sodi ist kein Mädchen, das von sich aus die Nähe der Praktikantinnen sucht; am besten kann man das „Eis“ beim Volleyballspielen brechen. Die athletische Sodi hat einen sehr harten Aufschlag und die einzige kleine Schwachstelle im Spiel der 1,50 m großen und 40 kg schweren Sportlerin stellt das hohe Netz dar. Dies hindert sie jedoch nicht daran, so manchen unerreichbar scheinenden Ball daraus herauszuspielen und gekonnt zu verwerten. Sodi spielt gerne mit anderen zusammen und schleudert nicht, wie manch anderes Mädchen, jeden Ball einfach ins andere Spielfeld. Ihre langen, lockigen Haare trägt sie meist zu einem dicken, geflochtenen Zopf zusammengebunden, der etwas seitlich sitzt. Wer genauer hinschaut, kann jedoch auch kunstvoll arrangierte Spängchen, kleinere Zöpfchen sowie verschiedene Scheitelexperimente auf Sodis Kopf entdecken. Denn eines ihrer größten Hobbies ist das Ausprobieren neuer Frisuren und Haartrends. Darin hat sich die junge Dame mittlerweile so sehr spezialisiert, dass hin und wieder auch die anderen Mädchen gerne ihre Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie sich für einen Ausflug oder den wöchentlichen Kirchenbesuch zurecht machen.

Hat man einmal das Vertrauen der kessen Teenagerin gewonnen, wird man täglich freundlich begrüßt und gleich zu Mittag zu einer erneuten Partie Volleyball eingeladen. Bei längeren Gesprächen auf Englisch fehlen der gepflegten 15-Jährigen oft noch einzelne Ausdrücke und sie wirkt sehr schüchtern, wenn sie merkt, dass sie sich schlecht verständlich machen kann. Mit einem adretten Lächeln versucht sie dann davon abzulenken, doch mit Aufmunterung und Hilfestellung bei manchen Vokabeln, kann man sich wirklich nett mit Sodi unterhalten.

Kandasami Sodi Was ihre schulischen Leistungen betrifft, so ist man sich einig, dass Sodi weitaus mehr aus sich herausholen könnte, wenn sie sich ein bisschen mehr anstrengen würde. Dumm ist sie keineswegs, was sie auch häufig bei komplizierten Denkaufgaben im Heimalltag unter Beweis stellt. Es fehlt ihr jedoch an der nötigen Selbstdisziplin und Ausdauer, sich mit den Lerninhalten der 8. Klasse ausreichend auseinanderzusetzen. Immerhin erzielt sie im Fach Geographie, welches für die meisten anderen Mädchen ein Graus ist, ihre beste Leistung mit 64 von 100 Punkten, dicht gefolgt von der Fremdsprache Englisch. Es wäre jedoch schön, wenn sie es im kommenden Jahr wieder schaffen würde, all ihre Ergebnisse auf mindestens 50 Punkte anzuheben.

Sodi hat sich zu einer sehr hübschen jungen Dame entwickelt, deren tolle Figur und schwungvoller Hüftschwung vielleicht auch bald die ersten Verehrer anziehen werden. Ihre sympathische Art und ihr herzliches Lachen sind ansteckend und man fühlt sich in ihrer Gegenwart sehr wohl.

Genau dieser Schwung, den die Hundeliebhaberin an den Tag legt, ist ihre hervorstechendste Eigenschaft und für viele der jüngeren Mädchen sehr ansteckend. Diese können sich glücklich schätzen, ein Vorbild wie Sodi zu haben: höflich, immer gut gelaunt und mit ihrem Elan auch sehr begeisterungsfähig. Sodi zieht andere Mädchen mit dieser positiven Ausstrahlung mit und schafft es so, immer wieder gute Stimmung zu verbreiten.

 

Entwicklung Sodi (August 2016, geschrieben von Julia Fischer)

Sodi KandasamiSodi ist eines der wenigen Mädchen in unserem Angels Home, die nicht hin und wieder Besuch von ihren Angehörigen bekommt. Von der Mutter als kleines Mädchen verstoßen, bleibt ihr nur ein Bruder, der seinerseits ebenfalls in einem Kinderheim untergebracht ist und mit dem sie nur wenig Kontakt hat. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – kann man sagen, dass die mittlerweile fast 16-Jährige ein ganz tolles Mädchen ist, das weiß, was es will und dabei nicht von familiären Problemen beeinflusst wird. Ihre Mitbewohnerinnen haben es dahingehend manchmal schwerer, wenn sie in Intrigen und Machtspielchen der eigenen Familie mit hineingezogen und als Spielball benutzt werden, bis am Ende nur noch Verwirrungen und Enttäuschungen bleiben, mit denen sie zurechtkommen müssen.

In all den Jahren, die Sodi nun bei uns lebt, hat sie Frank, mich und vermutlich auch Lattha, die bereits von Anfang an als Betreuerin bei uns arbeitet, als feste Bezugspersonen akzeptiert und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würden, dass auch sie mir nicht besonders ans Herz gewachsen wäre. Allein durch unsere regelmäßigen Strandausflüge mit unseren Schäferhunden haben Sodi und ich viel Zeit zum Reden. Vor allem jetzt in den Schulferien, aber auch an den Wochenenden oder Nachmittagen nehmen wir uns häufig eine kleine Heim-Auszeit, die wir jeweils mit 2 von unseren 4 Hunden und meist auch 3-4 anderen Mädchen am Strand verbringen. Diese kleinen Ausflüge genießt Sodi mindestens so sehr wie ich und sie geben ihr die Gelegenheit, ihre grenzenlose Hundeliebe voll und ganz auszuleben. Dabei freut sie sich über den altersschwachen Clyde, der in den Wellen nochmal zum jungen Hüpfer wird, ebenso wie über ihren Zögling Luna, die total auf Sodi fixiert ist und sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Sie hat definitiv ein Händchen für die Vierbeiner und manchmal habe ich das Gefühl, dass sie ihnen all die Liebe und Zuneigung schenkt, die ihr als Kind vermutlich verwehrt bliebt.

In der nahegelegenen Schule in Mudukatuwa besucht Sodi mittlerweile schon die 9. Klasse und ihre Leistungen dort sind ungefähr so wie das Wetter im April – ein ständiges Auf und Ab. Auch wenn sie sich in der Schule bei Lehrern und Schülern großer Beliebtheit erfreut und es deshalb auch ihr Wunsch war, sie nicht auf das katholische Mädchen-Convent in Marawila umzuschulen, wo sie unserer Meinung nach noch besser gefördert werden könnte, so schafft sie es nicht immer, sich ausreichend mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Zwar konnte sie sich in den letzten Prüfungen Ende Juli wieder ein klein wenig verbessern und ihre Ergebnisse in Gesundheitswesen, Kunst und Geographie können sich durchaus sehen lassen, dennoch liegt ihr Gesamtdurchschnitt knapp unter der Hälfte der zu erreichenden Punktzahl und das wird später beim Abschluss nicht reichen.

Noch immer hat Sodi eine sehr ausgeprägte künstlerisch-verträumte und musikalische Ader, worum sie von vielen Mädchen beneidet und angehimmelt wird. Ob sie nun gerade mal wieder eine neue Frisur ausprobiert, mit großer Hingabe ein Bild mit Wachsmalstiften gestaltet oder in einem unbeobachteten Moment den neusten Chart-Hit aus dem Radio mitsingt – fast immer hat Sodi eine kleine Traube von Bewunderinnen um sich. Besonders ihr ausgefallener und mutiger Modegeschmack sorgt immer wieder für einen Hingucker und für Gesprächsstoff bei unserem Personal, welches sich häufig nicht so ganz einig ist, ob Sodis neuster Fummel nun noch angemessen ist oder nicht. Dabei fragt man sich gelegentlich, ob es nun tatsächlich ihr Kleidungsstil ist, der Verwirrung stiftet, oder doch eher ihre sehr weibliche und dennoch zierliche Figur, die bei unseren Strandausflügen so manchen Männerkopf verdreht, von dem ich mich gelegentlich frage, ob wir dem nicht schon öfter „rein zufällig“ auf unserem Weg begegnet sind.lächelnd Hinzu kommt, dass Sodi schon in jüngeren Jahren und auch heute noch oftmals sehr viel erwachsener und reifer wirkt, als sie eigentlich ist. Sie gibt sich große Mühe, bei den Gesprächen der Volljährigen mitreden zu können und auf dem Laufenden zu sein. Fühlt sie sich jedoch unbeobachtet und ist mit der etwas jüngeren Eshani zusammen, so können diese Beiden auch noch richtig kindisch sein und sich gemeinsam über alles Mögliche kaputtlachen.

Sodi KandasamiWie auch schon in früheren Berichten häufig erwähnt, hat Sodi einen guten Draht zur englischen Sprache und konnte sich in den letzten Jahren enorm verbessern. So kommt es mitunter vor, dass sie ein richtiges Plappermaul ist, wenn man sie auf dem richtigen Fuß und zum richtigen Thema erwischt. Einziger Schönheitsfehler ist nach wie vor ihre Aussprache, die manchmal in ein unverständliches Nuscheln übergeht, sodass man sich entweder sehr konzentrieren oder sie wieder und wieder ermahnen muss, um überhaupt etwas zu verstehen.

Zu ihren Pateneltern aus Deutschland hat Sodi ein sehr inniges Verhältnis, was vielleicht auch den fehlenden familiären Beziehungen zuzuschreiben ist. So freut sie sich stets riesig über Briefe oder Päckchen und ist gerne bereit, bei der nächsten Gelegenheit zurückzuschreiben. Durch mehrfache Besuche konnten wir sogar so viel Vertrauen aufbauen, dass wir die Teenagerin in diesem Jahr mit ihren Pateneltern zu einem Tagesausflug in einen Safari-Park schicken konnten. Dies war sowohl für das deutsche Paar, als auch für Sodi ein unvergessliches Erlebnis, nach dem sie zwar müde, aber glücklich und zufrieden zurück ins Angels Home gekommen ist.

Für Sodis Zukunft würden wir uns wünschen, dass sie es schafft, ihre vielseitigen Begabungen noch weiter auszubauen, aber gleichzeitig auch etwas mehr Energie in die Schule zu stecken, um sich später ein tolles und modernes Leben leisten zu können, so wie es unserer Sodi sicherlich vorschwebt.

 

Entwicklung Sodi (Oktober 2017, geschrieben von Julia Fischer)

SodiDie hübsche Sodi wird in Kürze bereits 17 Jahre alt und schon jetzt fiebert sie ihrem diesjährigen Ehrentag entgegen, denn sie wird wieder Besuch von ihren Pateneltern aus Deutschland bekommen. Noch immer pflegen die Drei einen sehr intensiven Kontakt, der jedem Einzelnen gut zu tun scheint.

Nach wie vor ist Sodi als Gruppenleiterin verantwortlich für 7 weitere Mädchen aus dem Angels Home und erfüllt diese Aufgabe sehr zuverlässig. Sie ist stets darum bemüht, dass ihre Gruppe die wöchentlichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllt und dass die Betten und Kleiderschränke ihrer Schützlinge aufgeräumt und sauber sind. Unterstützt wird sie dabei von unserer Judith, einer einheimischen Betreuerin, die schon viele Jahre für uns arbeitet und die Regeln und Gepflogenheiten im Angels Home kennt wie ihre Westentasche. Sodi und Judith haben eine sehr gute Beziehung zueinander und so manches Mal hört man die Beiden und ihre gesamte Gruppe bei der Gartenarbeit schnattern und kichern.

In der Schule besucht Sodi nun gemeinsam mit vier anderen Mädchen aus unserem Kinderheim die 10. Klasse der nahegelegenen Schule in Mudukatuwa, wo sie dann Ende nächsten Jahres ihren Schulabschluss anstreben wird. Auch wenn Sodi unter ihren Mitstreiterinnen noch die beste Schülerin ist, so sind wir uns alle einig, dass sie noch mehr aus sich herausholen könnte, wenn sie sich richtig anstrengen würde. Zumindest weiß sie, auf welche Unterrichtsfächer sie ihr Hauptaugenmerk richten muss und erzielte in den letzten Prüfungen Ende Juli in Singhalesisch, Geographie und sogar in der allseits gefürchteten Mathematik relativ passable Ergebnisse. Ganz und gar nicht scheinen ihr momentan die Naturwissenschaften zu liegen, wo sie das schlechteste Ergebnis erzielt hat. Allerdings ist auch diese Prüfung für ihren Abschluss sehr wichtig und wir hoffen sehr, dass Sodi im verbleibenden letzten Schuljahr noch einmal all ihre Energien aufwendet, um ihre Chance wahrzunehmen.

In der Englischnachhilfe besucht Sodi momentan allein die höchstmögliche Lerneinheit in unserem Angels Home und setzt sich dort mit Hilfe der Praktikantinnen vordergründig mit grammatischen Inhalten auseinander. Wie bei vielen anderen Mädchen auch, ist es eher die geschriebene Sprache, die ihr Probleme macht. So kann sie einen Text zwar fehlerfrei Vorlesen, kann sich jedoch im Nachhinein nicht an alle Inhalte erinnern. Außerdem fällt es ihr noch schwer, selbst zusammenhängende Texte zu schreiben, was in der Nachhilfe ebenfalls mit ihr geübt wird. Im gesprochenen Englisch hat Sodi keinerlei Probleme und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut man sich mit ihr unterhalten kann. So habe ich sie auch oft als Übersetzerin herangezogen, wenn jüngere Mädchen Post von ihren Pateneltern bekommen haben. Hier versteht Sodi einfache englische Sätze sehr gut und kann sie problemlos in ihre Muttersprache übersetzen.

SodiNoch immer ist Sodi unsere Hundenärrin und es scheint, als hätte sie darin ihre Passion gefunden. Die Schäferhündin Luna, die im Angels Home einen wichtigen Stellenwert als Spielgefährtin, Seelentrösterin und Pausenclown einnimmt, ist Sodi gnadenlos verfallen und wartet bereits jeden Nachmittag sehnsüchtig am Tor, wenn die Teenagerin jeden Moment aus der Schule kommen müsste. Die Beiden verbringen jede freie Minute gemeinsam und Sodi hat mindestens genauso viel Freude an dieser Freundschaft wie Luna. Doch auch um die beiden „älteren Herren“ auf dem Nachbargrundstück, die eher zu Frank und mir gehören, kümmert sich Sodi leidenschaftlich gerne. So verbrachte sie erst kürzlich die halbe Nacht bei unserem operierten Clyde und half Frank dabei, ihn gut zu versorgen. Auch mehrmalige Hinweise auf die Schule am nächsten Tag oder gar die Aufforderung, jetzt ins Bett zu gehen, kann Sodi dann gekonnt ignorieren. Das Wohl der Vierbeiner liegt ihr so sehr am Herzen, dass sie dabei auch mal sich selbst vergisst.

Sodi ist ein freundliches, kesses und vor allem bildhübsches Mädchen, das man einfach gerne haben muss. Zum Glück scheint sie sich momentan noch nicht so richtig für die Männerwelt zu interessieren, zumindest haben wir davon bisher nichts mitbekommen. An Verehrern sollte es der kleinen Lady jedoch nicht mangeln, denn sie weiß schon ziemlich genau, wie sie mit ihrer Körpersprache und ihrem bezaubernden Grübchen-Lächeln das bekommt, was sie möchte. Der Tanz- und Schauspielunterricht, an dem sie nun noch jeden Freitag teilnimmt, tut dazu sein Übriges.

 

Entwicklung Sodi (September 2018, geschrieben von Julia Fischer)

Kandasami SodiFür unsere Sodi hält das Leben in den nächsten Monaten noch einige Highlights und Herausforderungen bereit. Zunächst einmal wird sie schon bald 18 Jahre alt, womit sie auch hier in Sri Lanka die Schwelle zur Volljährigkeit überschreitet. Darauf freut sich die Teenagerin schon sehr, ganz besonders auf die damit einhergehende Unabhängigkeit, mit der sie ihre weitere Zukunft voll und ganz nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten kann.

Im Dezember steht für sie dann das lang gefürchtete O-Level auf dem Plan – ein Schulabschluss, den man in etwa mit dem deutschen Realschulabschluss vergleichen kann. Gemeinsam mit 3 Mitstreiterinnen aus dem Angels Home, die mit ihr die elfte Klasse der nahegelegenen Dorfschule in Mudukatuwa besuchen, bereitet sich Sodi deshalb schon jetzt kontinuierlich auf die bevorstehenden Prüfungen vor. Fast täglich haben die Mädchen zusätzliche Nachhilfestunden und Lerneinheiten, in denen sie sich mit den Prüfungsfragen der vergangenen Jahre auf die verschiedenen Fächer vorbereiten. Die Anforderungen sind sehr hoch und leider haben Sodis Prüfungsergebnisse vom Juli gezeigt, dass es ihr sehr schwerfällt, die nötigen Leistungen zu erbringen. Dabei ist die junge Dame keineswegs auf den Kopf gefallen, aber oft fehlen ihr der nötige Anreiz und das Durchhaltevermögen, sich wieder und wieder derselben Aufgabe zu widmen. Um sie dahingehend noch ein bisschen mehr zu motivieren, haben wir Sodi auf Vorschlag von ihren Pateneltern in Aussicht gestellt, dass sie die Beiden einmal in Deutschland besuchen kann, wenn sie ihre Schule erfolgreich abgeschlossen hat. Darüber hat sie sich natürlich riesig gefreut, doch nun bleibt abzuwarten, ob dieses Versprechen ausreicht, um in den nächsten Wochen und Monaten noch einmal all ihre Kräfte zu mobilisieren. Falls dies gelingt und Sodi den Abschluss tatsächlich schafft, so würden wir natürlich alles in unserer Macht Stehende tun, um ihr einen Urlaub in Deutschland zu ermöglichen. Es wäre eine einmalige Erfahrung für sie, die ohnehin schon immer mehr als andere Mädchen an westlichen Kulturen und Gepflogenheiten interessiert ist. Außerdem wäre sie eine der wenigen jungen Frauen, die ich in Sri Lanka kenne, der ich einen solchen Aufenthalt auch zutrauen würde.

Kandasami Sodi

Wenn man Sodi nach ihren Zukunftsvorstellungen und Wünschen für das spätere Leben fragt, so sind ihre Angaben hier noch sehr dürftig. Auf jeden Fall möchte sie einmal ins Ausland, um etwas anderes von der Welt zu sehen und ihren Horizont zu erweitern. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sie mit Sri Lanka auch sehr verwurzelt ist und bestimmt immer wieder hierhin zurückkehren würde. Was ihren späteren Berufswunsch betrifft, so schwärmt Sodi seit einiger Zeit davon, Graphik-Designerin zu werden. Zwar wissen wir nicht so ganz, woher sie diesen Plan hat, allerdings vermuten wir, dass es mit unserer letzten Computerlehrerin zu tun hat, die diesen Beruf erlernt hatte. Zumindest kann man sagen, dass Sodis künstlerisches Talent hier gut zum Tragen kommen würde, hat sie in der Vergangenheit doch immer wieder bewiesen, dass Zeichnen und Malen ihre größten Stärken sind, bei denen ihr kaum ein anderes Mädchen das Wasser reichen kann.

Auf jeden Fall stellt sich Sodi ihre Zukunft auch mit tierischer Gesellschaft vor und noch immer wird die Teenagerin auf Schritt und Tritt von unseren Schäferhund-Damen Luna und Lady verfolgt. Vermutlich wird die Trennung von den Beiden, sollte Sodi wirklich in naher Zukunft einmal nach Deutschland reisen, auch die größte Herausforderung werden.

Was die Familienplanung betrifft, so hat Sodi bisher überhaupt keine Vorstellungen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Auch wenn es in den letzten Jahren schon mal die eine oder andere Schwärmerei für einen Jungen aus ihrer Schule gab, so kann sie sich momentan noch nicht vorstellen, später einmal verheiratet zu sein oder gar selbst Kinder in die Welt zu setzen. In Anbetracht ihrer recht zierlichen Figur, mit der sie bei einer gleichbleibenden Größe von 1,50 m noch immer sportliche 40 kg auf die Waage bringt, kann man sich Sodi derzeit auch kaum als Mutter vorstellen.

Wie auch immer ihr zukünftiges Leben aussehen wird, so hoffen wir, dass Sodi die mit Sicherheit sehr prägende Kindheit in unserem Angels Home in positiver Erinnerung behalten wird und beruflich etwas aus den Möglichkeiten macht, die ihr hier geboten werden. Gerne stehen wir ihr dabei unterstützend zur Seite.

 

Umzug ins Wohnprojekt für ältere Mädchen (Januar 2019)

Im Dezember 2018 hat Sodi in der nahegelegenen Schule ihre Prüfungen für das sogenannte O-Level (in etwa vergleichbar mit dem deutschen Realschulabschluss) geschrieben. Nun heißt es bis Ende März auf die Ergebnisse zu warten und in Sodis Fall stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss realistischerweise 50:50. Da Sodi bereits seit Oktober volljährig ist, darf sie seit Kurzem gemeinsam mit 4 anderen Mädchen unser Wohnprojekt auf dem Nachbargrundstück nutzen. Hier leben die Mädchen in 2 kleinen Häuschen mit eigener Küche, WC und Badezimmer. Für regelmäßige Arbeiten in Garten und Küche bekommen sie wöchentlich ein Taschengeld von uns und müssen damit lernen, zu haushalten und sich selbst zu versorgen. Von dem Wohnprojekt erhoffen wir uns eine kleine Vorbereitung auf das Leben nach dem Kinderheim, indem die Mädchen mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung für die Zukunft erlangen.