Dry Lands-Project e.V. in Sri Lanka feierte jetzt sein fünfjähriges Bestehen. 15.03.2010


Sri-Lanka-Hilfe
Kindern eine gute Zukunft geben- Dry-Lands-Project e.V. in Sri Lanka feierte jetzt sein fünfjähriges Bestehen.

Meiningen/Gerthausen. Julia Fischer aus Gerthausen lebt nun bereits seit 2,5 Jahren

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In Sri Lanka und unterstützt dort ein Kinderheim der Initiative Dry Lands Project e.V. Schon des Öfteren berichteten wir über die Aktivitäten der jungen Frau. Inzwischen feiert der Verein sein fünftes Jubiläum. Eine Gelegenheit, sich zu erinnern, wie alles angefangen hat.

Nachdem der Tsunami im Dezember 2004 große Verwüstungen in Südostasien hinterlassen hatte, entschied sich der Deutsche Frank Lieneke aus Lengerich, in Sri Lanka aktiv zu werden und insbesondere für die Kinder etwas zu bewegen. Mittlerweile lebt der 46-Jährige bereits fünf Jahre auf der Insel im Indischen Ozean und kümmert sich um den Aufbau und die Entwicklung des eigens gegründeten Kinderheims „Angels Home for Children“.

Lieneke hat damals im Fernsehen von der verheerenden Flutkatastrophe erfahren und musste feststellen, dass er nur durch einen Arbeitsunfall nicht selbst von diesem Unglück betroffen war. Gingen doch seine jährlichen Urlaubsreisen schon seit 20 Jahren regelmäßig nach Sri Lanka, wo er bereits zahlreiche Bekannte und Freunde kennengelernt hatte. Umso sicherer war sich Lieneke mit seinem Entschluss, für ein paar Monate auf die Insel zu reisen, um bei der Organisation der Hilfsgüter und bei den Aufbauarbeiten mit anzupacken.

Hilfe für Kinder

Gesagt – getan: Bereits im Januar 2005 gründete Lieneke seinen Verein Dry Lands Project e.V. und machte sich auf den Weg. Die folgenden Monate waren hart und geprägt von schockierenden Bildern und schrecklichen Erlebnissen. Trotzallem wurde Lieneke während dieser Zeit klar, dass nicht nur die zahlreichen Tsunami-Opfer dringend auf Unterstützung angewiesen sind, sondern dass in Sri Lanka auch in den nicht-betroffenen Regionen unbedingt etwas für Kinder unternommen werden musste. Die unzähligen Waisenheime, deren Kapazitäten nicht nur aufgrund der Flutkatastrophe unzureichend waren, sowie die dortigen Hygiene- und Lebensbedingungen waren der beste Beweis dafür.

Nach Besichtigung und Unterstützung einiger solcher Einrichtungen beschloss Lieneke, in Marawila an der Westküste Sri Lankas ein Kinderheim zu eröffnen, welches in Zukunft Vorbildfunktion im Bereich Unterbringung, Betreuung und Ausbildung von Kindern haben sollte.

Julia Fischer aus Gerthausen lernte das Projekt im August 2006 kennen, als sie ein vierwöchiges Praktikum im Angels Home for Children absolvierte. Das Kinderheim befand sich damals noch im Aufbau und beherbergte vorerst nur zwei Mädchen, mit denen sich die heute 26-Jährige täglich beschäftigte. Das Dry Lands Project hat Julia Fischer von Anfang an in ihren Bann gezogen und schnell stand ihre Entscheidung fest, nach ihrem Studium zur Diplom-Kommunikationspsychologin für unbestimmte Zeit nach Sri Lanka zu gehen, um die Initiative tatkräftig zu unterstützen.

Mädchen haben’s schwer


Mittlerweile leben im Angels Home for Children 20 Mädchen im Alter von 7 bis 17 Jahren. Lieneke entschied sich damals bewusst für ein Mädchenheim, da es der weibliche Nachwuchs aus ärmlichen oder zerrütteten Familien noch weitaus schwerer hat und bei Scheidungsfällen oder erhöhter Armut schneller in einem Heim abgegeben wird als die Jungen. Die wenigsten der Mädchen im Angels Home for Children sind Vollwaisen, weshalb sich Frank Lieneke und Julia Fischer auch zunehmend von dem Begriff Waisenheim distanzieren möchten. Die meisten Kinder haben noch einen oder gar beide Elternteile, können von diesen jedoch nicht angemessen versorgt und betreut werden. Diese Aufgabe übernimmt nun das liebevolle Betreuungspersonal im Angels Home for Children, wozu neben fünf einheimischen Frauen auch Frank Lieneke und Julia Fischer sowie kontinuierlich Praktikantinnen aus Deutschland zählen.

Bei der Erziehung der Kinder wird neben den grundlegenden Bedürfnissen wie Zuneigung, Nahrung und Hygiene auch darauf geachtet, die unterschiedlichen Talente und Interessen der Mädchen zu berücksichtigen und ihnen außerhalb der Schulzeit vielfältige Bildungsmöglichkeiten anzubieten.

Im Januar existierte das Dry Lands Project nun bereits fünf Jahren, worauf Julia Fischer und das gesamte Team sehr stolz sind. Aufgrund der positiven Entwicklung der Spendengelder seit 2005 hat man im Juni vergangenen Jahres einen großen Schritt gewagt und ein Grundstück in Marawila erworben. Das derzeitige Gelände für das Angels Home for Children ist gepachtet und unterlag insbesondere in den letzten zwei Jahren ständig der Willkür des Eigentümers. Mit dem neuen Grundstück will man dies nun umgehen und die Bauarbeiten für ein neues Kinderheim mit eigenen Ausbildungsstätten sind bereits in vollem Gange.

Später sollen dort bis zu 50 Mädchen ein neues Zuhause finden, denen man verschiedene Zukunftsperspektiven aufzeigen und ermöglichen möchte.

Neben den bereits entstandenen Räumlichkeiten für Bibliothek, Computer-Kabinett und Schneiderei sollen in einigen Monaten außerdem eine große Lern- und Ausbildungsküche, zwei Klassenräume sowie eine Batik-Werkstatt erbaut werden. Dort sollen dann nicht nur die Mädchen aus dem Angels Home for Children ihre Interessen vertiefen können, sondern man plant, auch Kindern aus anderen Heimen in Marawila und Umgebung Ausbildungskurse zu ermöglichen.

Baufortschritte

Die Gesamtkosten für das neue Gebäude belaufen sich auf circa 180000 Euro, wovon derzeit etwa 57 Prozent finanziert werden können. Obwohl diesbezüglich noch ein langer und schwerer Weg vor dem Team liegt, freut man sich über den derzeitigen Baufortschritt und hofft auch in Zukunft auf zahlreiche Unterstützer und Sponsoren für das neue Kinderheim.

Aktuelle Berichte und Fotos zum Baugeschehen sowie über den Alltag im Angels Home for Children in Marawila findet man im Internet unter der Adresse www.dry-lands.org.

Frank Lieneke, Julia Fischer sowie zahlreiche Freunde und Fürsprecher des Projekts – wie beispielsweise der im Mai 2009 gegründete Meininger Freundeskreis „Kinderhilfe für Sri Lanka“ – blicken voller Stolz auf die vergangenen fünf Jahre zurück, in denen zumindest für einige Kinder Sri Lankas etwas bewegt werden konnte. Es bleibt zu hoffen, dass das Angels Home for Children auch in den nächsten Jahren Bestand haben wird, um die Zukunft dieser Mädchen in eine positive Richtung zu lenken.

Im April wird Julia Fischer für einen Monat in Deutschland sein. Voraussichtlich soll am 13. April das nächste Freundeskreistreffen stattfinden, wo wahrscheinlich auch Frank Lieneke teilnehmen wird.