Steffi Würfel kümmert sich um Waisen. 20.12.2009


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 Vor sieben Wochen packte Steffi Würfel ihren Rucksack, um sich auf die Reise nach Sri Lanka zu machen und drei Monate in einem Waisenhaus für rund 20 Mädchen zu arbeiten (wir berichteten). Weihnachten ist vorüber, Silvester steht bevor. Zum Jahresende ist für die 26-Jährige die Hälfte ihrer Zeit dort abgelaufen...

 - ein passender Moment für einen Zwischenbericht.

Steffi Würfel ist ein Familienmensch und zudem fest verwurzelt an der Volme. Gerade die Tage um Heiligabend nicht mit den Lieben unterm heimischen Baum verbracht zu haben, sei zunächst „schon etwas seltsam gewesen” - vor allem ohne Weihnachtsmarkt, Glühweingeruch und echte Edeltanne. Denn die gibt's nicht, nur künstliche Bäumchen. Das Drumherum sei sehr bunt und kitschig. „Doch mir gefällt's. Ich habe nichts vermisst und war froh hier zu sein", beschwichtigt sie.

Mehr noch: „Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, einigen der Mädchen ein Weihnachten außerhalb ihrer Familien zu ermöglichen.” Viele seien zuhause gewesen, aber vier der Kinder blieben im Heim. Darunter ein buddhistisches Mädchen. Die Mehrheit der Bewohner Sri Lankas be-kennt sich zu einer Form des Buddhismus. Wenn jemand christlich lebt, dann vor allem katholisch.

So sei also eine kleinere Prozession in Marawila - nördlich von der Hauptstadt Colombo - am Heiligabend vom „Angel's Home for Children” ganz in Weiß in die Kirche gezogen. Höhepunkt der christlichen Weihnachtsfeier dort: Das Jesuskind wird in die Krippe gelegt. Nicht nur in den Gotteshäusern, viele Katholiken bauten vor Weihnachten aufwändige Krippen. Die seien sogar in den Straßen aufgestellt, beschreibt die studierte Sozialpsychologin. „Auch wir haben nach der Messe das Jesuskind zuhause in die Krippe gelegt.” Untypischer dagegen erlebte Steffi Würfel den ersten Weihnachtsfeiertag: mit Bootstour, Strandbesuch und Eisessen.

Nicht nur auf Glühwein hat die Hagenerin vor Weihnachten verzichtet, sondern auch aufs Geschenkekaufen. Die gibt's zu Silvester. „Dieses Jahr werden die Kinder Geld bekommen”, sagt Steffi Würfel, „damit sie sich kaufen können, was sie gern haben würden." Wenn's nach Wunschzettel ginge, dann stünden darauf nur ein paar materielle Dinge wie neue Kleidung oder einen Videofilm. Die meisten Wünsche seien her „bodenstän-dig". Das bedeute: „Sie wünschen sich zum Beispiel, dass sie die Schule wechseln können und bessere Lernbedingungen finden.” Einer von Steffis Jobs im „Angel's Home” ist es, den Mädchen bei den Hausaufgaben zu helfen und Nachhilfe zu geben.

Wie wohl überall auf der Welt wird in Südostasien am letzten Tag des Jahres auch geknallt. „Leider ist es hier um einiges gefährlicher als bei uns, weil es hier niemanden gibt, der die Knaller und Raketen überprüft."

Für sich selbst beschließt Steffi Würfel das Jahr mit dem guten Gefühl im Bauch, an einem engagierten Projekt teilzunehmen und wertvolle Erfah-rungen zu sammeln.