Presse/News. Das Herz läuft uns vor Wehmut und tiefem Mitgefühl über. 05.03.2008


Marion und Wolfgang Fischer berichten von ihrem Besuch im Waisenheim Angels Home for Children in Marawila - Spenden gut angelegt - Helfer gesucht.

Meiningen/Sri Lanka. Im Januar besuchten Marion und Wolfgang Fischer aus Gerthausen zum zweiten Mal Sri Lanka.

Wolfgang und Marion Fischer besuchen ihre Tochter in Sri Lanka.Zum einen wollten sie ihre Tochter Julia besuchen, die seit August 2007 nach Abschluss ihres Studiums in Sri Lanka lebt und ehrenamtlich mit Frank Lieneke ein Waisenheim mit 20 Mädchen betreut, das Angels home for children in Marawila.

Julia berichtetes schon mehrfach über den Aufbau dieses Heimes während ihres Studienpraktikums. „Zum anderen wollten wir uns natürlich vor Ort überzeugen, wie das Geld, welches wir zur Unterstützung dieses Heims im vergangenen Jahr in Spendenaktionen sammelten beziehungsweise als Pateneltern für ein Mädchen zur Verfügung stellten, im Sinne des Wohlergehens dieser Kinder und für den Fortbestand dieses Heimes vollwertig angelegt wird", schreiben die Fischers an die Redaktion.

Gut entwickelt

Jedes Kind im Waisenhaus hat seine eigene Lebensgeschichte, seinen eigenen sozialen Hintergrund in Armut, Elternlosigkeit, Familienzerwürfnissen, Verstoßung und zurückgebliebener körperlicher, geistiger und seelischer Verfassung. „Aber im Angels home for children haben sich die Kinder, unter dem mittlerweile internationalen sozialen Netz der vielfältigen Geld- und Sachspenden, mit Hilfe der Erwachsenen ein Lebensumfeld aufgebaut, in dem sie sich unterstützen, liebevoll und verantwortungsbewusst miteinander umgehen. Sie bauen Altersunterschiede zwischen 5 bis 17 Jahren in einem unbeschreiblichen Zusammengehörigkeitsgefühl ab. Und helfen sich gegenseitig, auch bei unterschiedlichem Glauben- 13 Mädchen sind katholisch und 7 Mädchen buddhistisch ", so die Fischers weiter.

Zum Wochenprogramm der Kinder gehören der regelmäßige Schul- und Kirchen- oder Tempelbesuch. Die größeren Mädchen waschen ihre Wäsche selbst. Die Schularbeiten sind organisiert und betreut, es gibt zusätzlichen Englischunterricht. Die Kinder erhalten und pflegen die Beete im gemeinschaftlichen Garten, halten das Heim und das Gelände sauber und erhalten Unterricht in national-traditionellen Tänzen.

Große Hingabe

„Besonders aufgefallen ist uns, mit welcher Hingabe und Begeisterung diese Kinder auch mit den einfachsten Mitteln noch spielen können. Fünf Steinchen bei einem Greif- und Fangspiel oder ein Luftballon fesseln in einem stundenlang begeistertem Spiel. Mit großer Freude widmen sie sich auf dem Hof dem Kricket, dem Nationalsport Sri Lankas, oder veranstalten Staffelläufe bis zur letzten Verausgabung. Die Kinder sind Bewegungstalente geworden, am besten zu sehen in ihren selbst gestalteten Tanzspielen. Man sieht mit Freude, dass unter dem fürsorglichen Betreuungsprozess die Kinder an Körper und Geist genesen und wie sie ihre Gefühlswelt in der behüteten Gemeinschaft ausleben können", schreiben Julias Eltern.

„Wir konnten uns gleichfalls bei der Einladung zum Standardmittagessen Rice and Curry, ein Gericht mit dem Hauptnahrungsmittel Reis, mehreren verschiedenen Gemüsezubereitungen sowie Fisch und Fleisch, überzeugen, dass man ständig bemüht ist, die Entwicklung der Kinder mit einer vollwertigen Ernährung zu unterstützen und ihnen auch immer Schmackhaftes zuzubereiten. Obst, Säfte, Früchte, Joghurt, Tee und Kekse sind reichlich vorhanden und runden die Mahlzeiten ab."

Besondere Ereignisse

Marion und Wolfgang Fischer merken an, dass besondere Ereignisse im Leben der Kinder die Besuche von Gästen, insbesondere von Pateneltern, sowie die liebevolle Ausgestaltung der Geburtstagsfeiern der Mädchen mit selbst gebackener Torte, Feierstunde, Kulturprogramm und kleinen Geschenken sind. „Uns hat sehr gerührt - unser Patenkind Anne wurde am 12. Januar, als wir ankamen, gerade 9 Jahre -, dass dieses Feiern in der Gemeinschaft, dieses höchste Glücksempfinden des Geehrtwerdens, der Würde und Achtung des Einzelnen in ihrer schönsten feierlichen Kleidung, den Kindern offensichtlich mehr wert ist als jedes Geschenk. Geschenke nehmen sie natürlich, fast unterwürfig, dankbar an und ziehen sich mit diesen in ihren kleinen Intimbereich eines eigenen Schrankspindes zurück. Erst Tage später sieht man sie dann stolz mit neuen Ohrringchen, einer Halskette oder anderen Geschenken in der Gemeinschaft."

In solchen Situationen „wandern einem sehr wehmütig die Gedanken ab zu unserer Überflussgesellschaft, wo es ohne Handy, Play-Station, Computer, Elektronikspielzeug und Markenartikel in Massen und in allen Lebensbereichen in unserer Kindererziehung mit teilweise übersteuerten Wertvorstellungen nicht mehr geht".

Sehr berührt habe die Fischers der Abschied von den Kindern. „Jedes Kind verabschiedete sich persönlich von uns mit einer lieb gestalteten Karte oder einem Brief, nicht selten mit den Anreden: Mama and Papa, come back to Sri Lanka. Alle knieten vor uns nieder und drückten damit nach Landessitte ihre Hochachtung und Liebe vor uns aus. Nun sitzen wir wieder zu Hause, hatten einen wirklich schönen Urlaub, aber das Herz läuft uns vor Wehmut und tiefem Mitgefühl mit den Kindern in Sri Lanka über!"

Sehr engagiert

Erfreulich sei, so die Fischers, „dass wir jedem unserer Spender versichern können, Julia, unsere Tochter, und Frank Lieneke machen einen tollen ehrenamtlichen Job. Man spürt, dass diese beiden dort sehr geliebt und noch mehr gebraucht werden! Sie bieten den Kindern ein Stück Kindheit und Menschwerdung, dass unter anderen Bedingungen unmöglich wäre. Wir haben draußen im Lande viel Armut und Elend gesehen, das Kinderheim ist eine andere Lebensqualität!"
Da man aus der Darstellung des Projekts im Internet unter www.dry-lands.org unschwer entnehmen kann, dass das Mädchenwaisenheim Angels home for children in Marawila in Sri Lanka ohne jede staatliche Bezuschussung auskommen muss und einzig und allein auf privaten Spendenmitteln und Patenschaften basiert, „schwingt natürlich auch für uns immer die Sorge mit - wie geht es weiter? Wir können allen Helfern versichern, dass jeder gespendete finanzielle Beitrag dem Heim und den Kindern unmittelbar zugute kommt. Mit Hilfe von Frank Lienekes Eltern wurde in Deutschland ein Hilfsverein für dieses Kinderheim gegründet, der auch das in Deutschland liegende Konto für Spendengelder überwacht und von dem Frank die Mittel für die Betreuung des Projekts abzieht. Sowohl Frank als auch Julia beziehen aus diesen Mitteln keine Zuwendungen, sieht man von der täglichen Mittagsversorgung im Heim ab. Wir schildern das ganz bewusst so, weil man von so vielen Hilfs- und Spendenaktionen leider auch viel Korruptives mitbekommt, was die Spendenwilligkeit immer wieder absenkt!".

Kein Friedensprogramm

Die Fischers betonen: „Aufmerksam werden wir aber auch die Situation im Lande beobachten, an dem natürlich auch die Teuerungen auf dem internationalen Markt nicht spurlos vorübergehen und ein Friedensprozess zwischen Tamilen und Singhalesen noch nicht abzusehen ist. Die Lebenshaltungskosten schlagen natürlich auch auf das Heimgeschehen durch. Bisher war es immer möglich, manchmal mit Zusatzaufwendungen, das Heimleben abzusichern. Dafür möchten wir uns, auch im Namen von Frank und Julia, bei allen Spendern recht herzlich bedanken, die bisher mithalfen."

Die Fischers hoffen nun, mit ihrem persönlichen Erlebnisbericht weitere Herzen aufzuschließen und damit wieder einen kleinen Beitrag für glückliche Kinder in einem wunderschönen Land zu leisten. (red)

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