Julia Fischer holt Sri Lanka in die vhs

Allgemein 05 0001Zehn Jahre lang lebte die 34-jährige Meiningerin Julia Fischer in Sri Lanka, wo sie gemeinsam mit ihrem Partner Frank Lieneke ein Kinderheim für Mädchen aufgebaut und geleitet hat.

Seit Juli lebt sie nun in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. Hier möchte sie versuchen, mit ihrer Arbeit noch mehr Menschen zu erreichen und für das außergewöhnliche Projekt zu interessieren. So auch am 10. November in Meiningen, wo sie einen Informations- und Diskussionsabend in der Volkshochschule bestreitet. Wir sprachen mit der jungen Frau über ihr Leben und ihre weiteren Pläne.

Frau Fischer, schön, Sie nach so langer Zeit wieder einmal in Ihrer Heimat anzutreffen. Wie geht es Ihnen?

Soweit ganz gut. Ich bin gerade bei meinen Eltern zu Besuch und dann geht es auch schon wieder zurück nach Erfurt, wo ich seit Juli in einer kleinen Dachgeschosswohnung wohne.

Sie haben die letzten 10 Jahre in Sri Lanka gelebt. Was hat Sie zurück nach Deutschland gezogen?

Nun, das ist – ehrlich gesagt – schwer zu beschreiben. Ich wollte einfach noch einmal etwas anderes ausprobieren und mich an einem deutschen Leben versuchen. In Sri Lanka leben wir ja doch sehr eingeschränkt, ohne abwechslungsreiche Sozialkontakte und weitab von kulturellen Angeboten. Das hat mir auf Dauer doch irgendwie gefehlt.

Und was machen Sie nun hier in Deutschland?

Ich bin natürlich immer noch stark in unseren Verein Dry Lands Project involviert und versuche alles Mögliche, um unsere Arbeit hier in Deutschland bekannter zu machen und mehr Sponsoren zu finden. Dies gestaltet sich gar nicht so einfach und insbesondere bei Unternehmen und Firmen stehe ich oft vor verschlossenen Türen, wenn es um soziales Engagement geht.

Welche Strategie haben Sie sich zurechtgelegt, um mit Ihrem Anliegen erfolgreich zu sein?

In erster Linie versuche ich natürlich, bereits bestehende Kontakte und Sponsoren anzusprechen und darüber unseren Bekanntheitsgrad auszubauen. Ich kann beispielsweise in interessierten Unternehmen Vorträge bei Firmenfeiern oder längeren Meetings anbieten, womit die Vorgesetzten ihren Mitarbeitern soziales Engagement beweisen würden und diese gleichzeitig die Möglichkeiten hätten, uns näher kennen zu lernen und zu unterstützen. Denkbar sind auch Vorträge und kleine Spendenaktionen im privaten Rahmen. Ich bin da sehr offen für die unterschiedlichsten Vorschläge und Ideen!

In Kürze planen Sie auch in Meiningen wieder eine Veranstaltung. Was genau haben Sie vor?

Am 10. November lade ich alle Interessenten ganz herzlich in die Meininger Volkshochschule ein, wo ich abends ab 18.30 Uhr einen kleinen Bildervortrag über meine Arbeit in Sri Lanka halte. Ich habe mich diesmal gezielt für einen öffentlichen Rahmen entschieden, da es in meiner Heimat ja viele Menschen gibt, die mich von früher noch kennen und vielleicht auch hin und wieder mal etwas in der Zeitung gelesen haben. All diejenigen, die sich also schon immer gefragt haben, was ich dort eigentlich genau mache und wie es mir damit geht, die mich vielleicht auch schon lange nicht mehr gesehen haben, möchte ich einladen, einfach vorbei zu kommen. Der Eintritt ist frei und es soll sich auch niemand gezwungen fühlen, etwas zu spenden. Obwohl es die Möglichkeit dazu natürlich gibt.

Was erwartet die Zuhörer noch an diesem Abend?

Ich freue mich sehr, dass ich unseren Meininger Bürgermeister, der gleichzeitig seit vielen Jahren ein guter Freund von mir ist, für unsere Veranstaltung gewinnen konnte. Fabian Giesder unterstützt uns selbst seit Jahren mit einer Patenschaft im Angels Home und war auch schon zweimal bei uns in Sri Lanka zu Besuch. Seine Fähigkeiten als Moderator und Auktionator hat er in Meiningen ja schon öfter unter Beweis gestellt – auch schon für uns. Und so wird es im Anschluss an meinen Vortrag eine kleine Foto-Versteigerung mit ihm geben. Angeboten werden tolle (teilweise gerahmte) Aufnahmen von unseren Mädchen und dem Alltag im Kinderheim sowie Landschaftsbilder aus Sri Lanka. Wer also noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk ist, wird da bestimmt fündig und kann gleichzeitig etwas Gutes tun. Wir freuen uns sehr, dass wir auch dieses Mal die Bilderbude Erdmann als Sponsor für den Fotodruck gewinnen konnten und bedanken uns dafür.

Das hört sich nach einem interessanten Abend an! Vielleicht können Sie uns abschließend noch etwas über die aktuelle Situation Ihres Projekts vor Ort berichten?

Momentan leben in unserem Angels Home 52 Mädchen, wobei immer mal wieder neue dazu kommen und andere uns verlassen. Es wird nie langweilig bei uns und auch bautechnisch gibt es immer etwas zu tun. So fallen bei unseren beiden großen Gebäuden für das Kinderheim und die Ausbildungsstätte regelmäßig kleinere Reparaturen an und es wird auch immer mal wieder etwas verändert oder gebaut. So haben wir im letzten Jahr noch 2 kleine Häuschen für volljährige Mädchen errichtet, um sie schrittweise aus dem Projekt ausgliedern zu können. In diesem Jahr entstand außerdem eine Krankenstation mit 10 Betten.

Das klingt nach viel Abwechslung und Arbeit. Damit ist Ihr Partner nun ganz allein vor Ort?

Es ist in der Tat sehr viel zu tun. Ich unterstütze Frank, so gut es geht, von hier aus und versuche, den Großteil meines Aufgabenbereichs weiterhin zu erledigen. Natürlich ist es nicht dasselbe. Wir kommen manchmal an unsere Grenzen und müssen schauen, dass wir uns neu organisieren. Ich bin dankbar und froh, dass Frank mir einen kleinen Tapetenwechsel möglich gemacht hat und werde auch künftig alles daransetzen, ihn und die Mädchen zu unterstützen.

Werden Sie zurückkehren nach Sri Lanka?

Sie glauben gar nicht, wie oft ich das gefragt werde. Es wäre schön, wenn ich darauf selbst eine Antwort wüsste. Natürlich werde ich immer wieder zurückkehren, so auch jetzt im Dezember, wo ich für 6 Wochen auf die Insel fliege, um mein Visa zu verlängern und bei der Gelegenheit mit Frank und den Mädchen Weihnachten und Silvester zu verbringen. Es wäre auch gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich dem Abflugdatum nicht entgegenfiebere. Momentan stecke ich in einem ziemlichen Gefühlschaos und weiß noch nicht genau, wohin mich mein Weg letztendlich führen wird. Auch hier in Deutschland fühle ich mich nicht mehr wirklich zu Hause. Ich habe mir das alles etwas leichter vorgestellt. Ich hoffe einfach, dass die Zeit mir den richtigen Weg zeigen wird.

 

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