33 Rosen aus Sri Lanka und ein großes Dankeschön


Ohne Spenden gäbe es das Kinderheim in Marawila nicht. Julia Fischer, die dort in Sri Lanka Kinder betreut, lud deshalb Sponsoren und Paten zur Dankeschön-Veranstaltung ein.

Meiningen – Die Bilder vom Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 gingen um die Welt. Über 230 000 Menschen wurden Opfer der Riesenwellen,...allein in Sri Lanka kamen zirka 36 000 Menschen ums Leben. Der Deutsche Frank Lieneke baute daraufhin in Marawila ein Kinderheim für obdachlose und verwaiste Mädchen auf. Seit fast zehn Jahren ist Julia Fischer aus Gerthausen an seiner Seite. Die Kommunikationspsychologin unterstützt den Verein „Dry Lands Project“,

der das Kinderheim „Angels Home forChildren“ in Marawila betreibt.

Für insgesamt 60 Mädchen ist dies ein Zuhause, in dem sie leben, Kindheit und Jugend verbringen. Ohne die finanzielle Unterstützung aus Deutschland und anderen Ländern wäre dieses Projekt aber nicht denkbar. Derzeit bestehen ca. 110 direkte Patenschaften, davon kommen etwa 25 aus der Region Meiningen. Neben einer Patenschaft für ein Kind können Helfer auch eine sogenannte Projektpatenschaft übernehmen und damit den täglichen Bedarf des Kinderheimes sichern beziehungsweise ein konkretes Projekt realisieren helfen. Derzeit erzielt der Verein etwa 70 Prozent aller benötigten Einnahmen durch Patenschaften. Für diese Unterstützung Dank zu sagen, war Anliegen des Treffens im Meininger Feuerwehrgerätehaus. Julia Fischer, die noch bis zum 2. Oktober in der Heimat weilt, nutzte die Gelegenheit, um die etwa 40 Sponsoren und Gäste über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Unter ihnen war auch Bürgermeister Fabian Giesder, der selbst eine Patenschaft übernommen hat.

Berichte über neue Einrichtungen und Aktionen aus dem Kinderheim „Der Verein bietet eine absolut transparente Arbeit, das Geld geht 1 zu 1 dorthin“, schilderte Giesder. Das könne man Euro für Euro auch auf der Homepage des Vereins nachlesen. Er unterstütze das Projekt privat, um helfen zu können und den eigenen Kindern zu zeigen, dass es nicht allen gut geht auf dieser Welt. Unterstützung kam für das Heim in den vergangenen anderthalb Jahren, solange ist die letzte Dankeschön-Veranstaltung inzwischen her, vom Rotary-Club Meiningen. Dessen Mitglieder hatte die Frau beim Kauf eines Tuktuks um Unterstützung gebeten. Solch kleine dreirädrige Autos dienen in Sri Lanka als Einkaufsfahrzeug, mit ihm werden Kinder zum Arzt gefahren und Besorgungen erledigt. Kurzum: Im Alltag ist solch ein Dreirad notwendig. Die Rotarier waren sich 2015 im Vorstand schnell einig, man setzte sich im Distrikt zusammen und konnte am Ende den gesamten Kaufpreis als Spende an den Verein „Dry Lands Project“ übergeben.

Am Freitag zeigte Julia Fischer Bilder von dem Auto und berichtete über dessen täglichen Einsatz. „Es wäre hilfreich, wenn wir noch einige Firmen oder andere Sponsoren hätten, die uns regelmäßig unterstützen würden“, schilderte die 33-Jährige ihren Wunsch. In Sri Lanka gilt das Heim als vorbildlich. Anfängliche Bedenken sind überwunden, Schwierigkeiten gibt es dennoch genug. Weil Lieneke und Fischer die vor Ort übliche Bestechungspraxis auf Ämtern und Behörden nicht mitmachen, hatten sie teilweise erhebliche Behinderungen zu meistern. Sogar das deutsche Außenministerium musste in einem Fall eingeschaltet werden, war am Rand der Veranstaltung zu erfahren; um ein Visaproblem zu lösen. Immer wieder schaffen die beiden es aber, alle Hürden zu nehmen.

Hier wurden Fragen zu den neuen Projekten gestellt.Im Januar 2015 wurde das zehnjährige Bestehen des Kinderheimes gefeiert. Zugleicht entstand die Frage, was die Mädchen und jungen Frauen nach dem Schulabschluss beginnen. Damit sie weiter für das Leben geschult werden, wurde ein Trainingscenter zur beruflichen Ausbildung eingerichtet. Das ist für Sri Lanka ein sehr fortschrittliches Projekt, denn eine zentral gesteuerte Berufsausbildung wie in Deutschland gibt es dort nicht. Das Trainingscenter wurde nunmehr in Betrieb genommen. Externe Lehrkräfte unterrichten in mehrmonatigen Lehrgängen die Bereiche Kosmetik, Friseur und Schneiderei, bilden vornehmlich praktisch aus. Eigentlich sollten Jugendliche aus anderen Kinderheimen daran teilnehmen, um die vorhandene Kapazität auszulasten. Doch die Behörden überweisen entgegen der Absprachen noch keine Schulabgänger aus anderen Heimen in die Lehreinrichtung. Verzagt klang Julia Fischer nicht, eher entschlossen, dennoch eine Lösung finden zu wollen. Weiter zeigte sie an der Leinwand Bilder vom neu entstandenen Spielplatz, vom Pool und von selbstgepflasterten Freiflächen. Sogar eine eigene Unterkunft entstand für vier mittlerweile erwachsene Mädels auf dem Vereinsgelände. Sie führen dort ein eigenständiges Leben. Etliche Kinder hätten noch Verwandte, manchmal auch Eltern, fast immer in schwierigen Verhältnissen, schilderte Julia Fischer verschiedene Fälle.

Happy birthday liebe JuliaBei Kaffee und Kuchen, die Paten und Freunde mitgebracht hatten, wurden in lockerer Runde viele Fragen beantwortet und Anregungen gegeben. Für Julia Fischer war dieser Nachmittag in der Heimat obendrein ein besonderer: Sie feierte am Freitag ihren 33. Geburtstag, Freund und Partner Frank Lieneke hatte ihr aus dem Anlass 33 Rosen zur Dankeschön-Veranstaltung übersandt. Gemeinsam wolle man weiterhin für die Mädchen in Sri Lanka da sein und ihnen eine Perspektive geben, so Julia Fischer und sagte danke für die Wellte der Hilfsbereitschaft aus Deutschland und speziell der Region Meiningen.